Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 46: vānaprasthaparivrājakadharmo mokṣopāyaś ca Brahmās Lehre: Der Dharma des Waldeinsiedlers und des Bettelmönchs, und der Weg zur Befreiung

evam etena mārgeṇa pūrvoktena yathāvidhi adhītavān yathāśakti tathaiva brahmacaryavān

'Brahmā sprach weiter: So, auf diesem zuvor genannten Pfad, gebührend, nach Vermögen studiert habend, ebenso im Zustand der Keuschheit verweilend -'

Wort für Wort
adhītavān
studiert habend (Part. Perf. Akt.)
brahmacaryavān
im Keuschheitsgelübde verweilend (Nom. Sg. m.)

svadharmanirato vidvān sarvendriyayato muniḥ guroḥ priyahite yuktaḥ satyadharmaparaḥ śuciḥ

'dem eigenen Dharma zugetan, gelehrt, mit allen Sinnen gebändigt, der Weise, dem Wohl und der Zuneigung des Lehrers ergeben, der Wahrheit und dem Dharma zugewandt, rein -'

Wort für Wort
svadharmanirataḥ
dem eigenen Dharma zugetan (Nom. Sg. m.)
guroḥ priyahite yuktaḥ
dem Wohl und der Zuneigung des Lehrers ergeben (Nom. Sg. m.)

guruṇā samanujñāto bhuñjītānnam akutsayan haviṣyabhaikṣyabhuk cāpi sthānāsanavihāravān

'vom Lehrer dazu ermächtigt, verzehre er die Speise, ohne sie zu verachten; er esse auch geopferte Speise oder Bettelspeise, an bestimmtem Ort, Sitz und Aufenthalt lebend.'

Wort für Wort
guruṇā samanujñātaḥ
vom Lehrer ermächtigt (Nom. Sg. m.)
haviṣyabhaikṣyabhuk
geopferte Speise oder Bettelspeise essend (Nom. Sg. m.)

dvikālam agniṃ juhvānaḥ śucir bhūtvā samāhitaḥ dhārayīta sadā daṇḍaṃ bailvaṃ pālāśam eva vā

'Zweimal täglich das Feuer opfernd, rein geworden, gesammelt, trage er stets einen Stab aus Bilva- oder Palāśa-Holz -'

Wort für Wort
dvikālam
zweimal täglich (Adv.)
bailvaṃ pālāśam
aus Bilva- oder Palāśa-Holz (Akk. Sg. m.)

kṣaumaṃ kārpāsikaṃ vāpi mṛgājinam athāpi vā sarvaṃ kāṣāyaraktaṃ syād vāso vāpi dvijasya ha

'oder aus Leinen, aus Baumwolle, oder auch ein Antilopenfell; ganz ockerrot gefärbt möge das Gewand des Zweifachgeborenen sein.'

Wort für Wort
kṣaumam kārpāsikam
aus Leinen, aus Baumwolle (Akk. Sg. n.)
kāṣāyaraktam
ockerrot gefärbt (Nom. Sg. n.)

mekhalā ca bhaven mauñjī jaṭī nityodakas tathā yajñopavītī svādhyāyī aluptaniyatavrataḥ

'Er trage einen Gürtel aus Muñja-Gras, mit geflochtenem Haar, stets bei Wasser; die heilige Schnur tragend, dem Selbststudium ergeben, sein Gelübde unablässig einhaltend.'

Wort für Wort
mekhalā mauñjī
der Gürtel aus Muñja-Gras (Nom. Sg. f.)
aluptaniyatavrataḥ
sein Gelübde unablässig einhaltend (Nom. Sg. m.)

pūtābhiś ca tathaivādbhiḥ sadā daivatatarpaṇam bhāvena niyataḥ kurvan brahmacārī praśasyate

'Und mit gereinigtem Wasser die Gottheiten stets zufriedenstellend, dies mit Hingabe unablässig ausführend, werde der Keuschheitsschüler gepriesen.'

Wort für Wort
daivatatarpaṇam
die Zufriedenstellung der Gottheiten (Akk. Sg. n.)
praśasyate
er wird gepriesen (3. Sg. Präs. Pass.)

evaṃ yukto jayet svargam ūrdhvaretāḥ samāhitaḥ na saṃsarati jātīṣu paramaṃ sthānam āśritaḥ

'So verbunden gewinne er den Himmel, mit aufwärts gerichtetem Samen, gesammelt; er kehre nicht in die Geburten zurück, in der höchsten Stätte geborgen.'

Wort für Wort
ūrdhvaretāḥ
mit aufwärts gerichtetem Samen (Nom. Sg. m., Keuschheits-Fachbegriff)
na saṃsarati jātīṣu
er kehrt nicht in die Geburten zurück (3. Sg. Präs.)

saṃskṛtaḥ sarvasaṃskārais tathaiva brahmacaryavān grāmān niṣkramya cāraṇyaṃ muniḥ pravrajito vaset

'Durch alle Reinigungsriten geweiht, ebenso in Keuschheit verweilend, verlasse der Weise die Dörfer und wohne, in den Wald gewandert.'

Wort für Wort
saṃskṛtaḥ sarvasaṃskāraiḥ
durch alle Reinigungsriten geweiht (Nom. Sg. m.)
pravrajitaḥ
ausgewandert, fortgezogen (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)

carmavalkalasaṃvītaḥ svayaṃ prātar upaspṛśet araṇyagocaro nityaṃ na grāmaṃ praviśet punaḥ

'In Fell und Rindenkleidung gehüllt, berühre er morgens selbst das Wasser zur Reinigung; stets im Wald umherstreifend, betrete er das Dorf nicht wieder.'

Wort für Wort
carmavalkalasaṃvītaḥ
in Fell und Rindenkleidung gehüllt (Nom. Sg. m.)
araṇyagocaraḥ
im Wald umherstreifend (Nom. Sg. m.)

arcayann atithīn kāle dadyāc cāpi pratiśrayam phalapatrāvarair mūlaiḥ śyāmākena ca vartayan

'Zur rechten Zeit die Gäste ehrend, gewähre er auch Unterkunft; von Früchten, Blättern, Baumrinde und Wurzeln sowie von Śyāmāka-Hirse lebend.'

Wort für Wort
arcayan atithīn
die Gäste ehrend (Part. Präs. Akt.)
śyāmākena vartayan
von Śyāmāka-Hirse lebend (Part. Präs. Akt.)

pravṛttam udakaṃ vāyuṃ sarvaṃ vāneyam ā tṛṇāt prāśnīyād ānupūrvyeṇa yathādīkṣam atandritaḥ

'Das fließende Wasser, die Luft, alles im Wald Wachsende bis hin zum Gras möge er der Reihe nach, gemäß seiner Weihe, unermüdlich zu sich nehmen.'

Wort für Wort
vāneyam
das im Wald Wachsende (Akk. Sg. n.)
yathādīkṣam
gemäß seiner Weihe (Adv.)

āmūlaphalabhikṣābhir arced atithim āgatam yadbhakṣaḥ syāt tato dadyād bhikṣāṃ nityam atandritaḥ

'Mit Wurzeln und Früchten als Bettelgaben ehre er den ankommenden Gast; wovon er selbst lebe, davon gebe er stets unermüdlich die Bettelgabe.'

Wort für Wort
āmūlaphalabhikṣābhiḥ
mit Wurzeln und Früchten als Bettelgaben (Instr. Pl. f.)
yadbhakṣaḥ
wovon er lebt (Nom. Sg. m.)

devatātithipūrvaṃ ca sadā bhuñjīta vāgyataḥ askanditamanāś caiva laghvāśī devatāśrayaḥ

'Erst nach Göttern und Gästen esse er stets, sprachbeherrscht, ungetrübten Geistes, mäßig speisend, den Göttern zugetan.'

Wort für Wort
devatātithipūrvam
erst nach Göttern und Gästen (Adv.)
laghvāśī
mäßig speisend (Nom. Sg. m.)

dānto maitraḥ kṣamāyuktaḥ keśaśmaśru ca dhārayan juhvan svādhyāyaśīlaś ca satyadharmaparāyaṇaḥ

'Beherrscht, freundlich, mit Geduld ausgestattet, Haar und Bart tragend, das Feuer opfernd, dem Selbststudium ergeben, der Wahrheit und dem Dharma hingegeben.'

Wort für Wort
keśaśmaśru dhārayan
Haar und Bart tragend (Part. Präs. Akt.)
satyadharmaparāyaṇaḥ
der Wahrheit und dem Dharma hingegeben (Nom. Sg. m.)

tyaktadehaḥ sadā dakṣo vananityaḥ samāhitaḥ evaṃ yukto jayet svargaṃ vānaprastho jitendriyaḥ

'Den Körper aufgegeben habend, stets geschickt, beständig im Wald, gesammelt - so verbunden gewinne der Waldeinsiedler mit bezwungenen Sinnen den Himmel.'

Wort für Wort
tyaktadehaḥ
den Körper aufgegeben habend (Nom. Sg. m.)
vānaprasthaḥ jitendriyaḥ
der Waldeinsiedler mit bezwungenen Sinnen (Nom. Sg. m.)

gṛhastho brahmacārī ca vānaprastho 'tha vā punaḥ ya icchen mokṣam āsthātum uttamāṃ vṛttim āśrayet

'Der Haushälter, der Keuschheitsschüler, oder wiederum der Waldeinsiedler - wer immer die Befreiung zu erreichen wünsche, ergreife die höchste Lebensweise.'

Wort für Wort
mokṣam āsthātum
die Befreiung zu erreichen (Infinitiv)
uttamāṃ vṛttim
die höchste Lebensweise (Akk. Sg. f.)

abhayaṃ sarvabhūtebhyo dattvā naiṣkarmyam ācaret sarvabhūtahito maitraḥ sarvendriyayato muniḥ

'Allen Wesen Furchtlosigkeit gewährt habend, übe er das Freisein vom Handeln; allen Wesen zuträglich, freundlich, der Weise mit allen Sinnen gebändigt.'

Wort für Wort
abhayaṃ dattvā
Furchtlosigkeit gewährt habend (Absolutiv)
naiṣkarmyam
das Freisein vom Handeln (Akk. Sg. n.)

ayācitam asaṃkḷptam upapannaṃ yadṛcchayā joṣayeta sadā bhojyaṃ grāsam āgatam aspṛhaḥ

'Ungebettelt, nicht ausgedacht, von selbst zufällig Zugefallenes möge er stets als Speise genießen, den herangekommenen Bissen, ohne Verlangen.'

Wort für Wort
ayācitam asaṃkḷptam
ungebettelt, nicht ausgedacht (Akk. Sg. n.)
aspṛhaḥ
ohne Verlangen (Nom. Sg. m.)

yātrāmātraṃ ca bhuñjīta kevalaṃ prāṇayātrikam dharmalabdhaṃ tathāśnīyān na kāmam anuvartayet

'Er esse nur so viel, wie zum bloßen Erhalt des Lebensatems nötig sei; nur rechtmäßig Erlangtes verzehre er so, und folge nicht dem Begehren.'

Wort für Wort
prāṇayātrikam
zum Erhalt des Lebensatems dienend (Akk. Sg. n.)
dharmalabdham
rechtmäßig Erlangtes (Akk. Sg. n.)

grāsād ācchādanāc cānyan na gṛhṇīyāt kathaṃ cana yāvad āhārayet tāvat pratigṛhṇīta nānyathā

'Außer Nahrung und Bekleidung nehme er auf keine Weise etwas anderes an; nur so viel, wie er zum Leben brauche, nehme er an, nicht mehr.'

Wort für Wort
grāsād ācchādanāt
außer Nahrung und Bekleidung (Abl.)
pratigṛhṇīta
er möge annehmen (3. Sg. Optativ)

parebhyo na pratigrāhyaṃ na ca deyaṃ kadā cana dainyabhāvāc ca bhūtānāṃ saṃvibhajya sadā budhaḥ

'Von anderen sei nichts anzunehmen, und niemals sei etwas zu geben; wegen der Bedürftigkeit der Wesen teile der Weise stets das Erhaltene mit ihnen.'

Wort für Wort
dainyabhāvāt
wegen der Bedürftigkeit, Armseligkeit (Abl. Sg. m.)
saṃvibhajya
geteilt habend (Absolutiv)

nādadīta parasvāni na gṛhṇīyād ayācitam na kiṃ cid viṣayaṃ bhuktvā spṛhayet tasya vai punaḥ

'Er nehme nicht fremdes Eigentum, nehme nichts ohne Bitte an; und, nachdem er irgendein Sinnesobjekt genossen habe, begehre er es nicht wiederum.'

Wort für Wort
parasvāni
fremdes Eigentum (Akk. Pl. n.)
viṣayaṃ bhuktvā
ein Sinnesobjekt genossen habend (Absolutiv)

mṛdam āpas tathāśmānaṃ patrapuṣpaphalāni ca asaṃvṛtāni gṛhṇīyāt pravṛttānīha kāryavān

'Erde, Wasser sowie Stein, Blätter, Blüten und Früchte, die unverschlossen und von selbst vorhanden seien, nehme er, wenn er ihrer bedarf, hier an.'

Wort für Wort
asaṃvṛtāni
unverschlossen, frei zugänglich (Akk. Pl. n.)
kāryavān
wer ihrer bedarf, ein Anliegen hat (Nom. Sg. m.)

na śilpajīvikāṃ jīved dvirannaṃ nota kāmayet na dveṣṭā nopadeṣṭā ca bhaveta nirupaskṛtaḥ śraddhāpūtāni bhuñjīta nimittāni vivarjayet

'Er lebe nicht von handwerklichem Broterwerb, begehre nicht zweimal Speise; er sei weder ein Hasser noch ein ungebetener Belehrer, ohne Schmuck; er verzehre durch Vertrauen gereinigte Speisen und meide böse Vorzeichen.'

Wort für Wort
śilpajīvikām
handwerklichen Broterwerb (Akk. Sg. f.)
nimittāni vivarjayet
er möge Vorzeichen meiden (3. Sg. Optativ)

mudhāvṛttir asaktaś ca sarvabhūtair asaṃvidam kṛtvā vahniṃ cared bhaikṣyaṃ vidhūme bhuktavajjane

'Ohne Eigennutz lebend, unangehaftet, ohne Verabredung mit den Wesen, warte er, bis das Feuer erloschen, der Rauch verzogen und die Leute gegessen hätten - dann gehe er auf Bettelgang.'

Wort für Wort
mudhāvṛttiḥ
ohne Eigennutz lebend (Nom. Sg. m.)
vidhūme bhuktavajjane
wenn der Rauch verzogen und die Leute gegessen haben (Lok. Absolut)

vṛtte śarāvasaṃpāte bhaikṣyaṃ lipseta mokṣavit lābhe na ca prahṛṣyeta nālābhe vimanā bhavet

'Wenn das Zusammenschlagen der Schalen vorüber sei, strebe der Befreiungskundige nach der Bettelgabe; bei Erlangen freue er sich nicht, und bei Nicht-Erlangen sei er nicht bekümmert.'

Wort für Wort
śarāvasaṃpāte
beim Zusammenschlagen der Schalen (Lok. Sg. m., Zeichen des Essensendes)
lipseta
er möge streben (3. Sg. Optativ Desiderativ)

mātrāśī kālam ākāṅkṣaṃś cared bhaikṣyaṃ samāhitaḥ lābhaṃ sādhāraṇaṃ necchen na bhuñjītābhipūjitaḥ abhipūjitalābhād dhi vijugupseta bhikṣukaḥ

'Mäßig essend, die rechte Zeit erwartend, gehe er gesammelt auf Bettelgang; er begehre keine gewöhnliche Gabe, und esse nicht als Geehrter; denn vor einer durch Ehrung erlangten Gabe schaudere der Bettelmönch zurück.'

Wort für Wort
mātrāśī
mäßig essend (Nom. Sg. m.)
abhipūjitalābhāt vijugupseta
vor einer durch Ehrung erlangten Gabe möge er zurückschaudern (3. Sg. Optativ Desiderativ)

śuktāny amlāni tiktāni kaṣāyakaṭukāni ca nāsvādayīta bhuñjāno rasāṃś ca madhurāṃs tathā yātrāmātraṃ ca bhuñjīta kevalaṃ prāṇayātrikam

'Gegorenes, Saures, Bitteres, Herbes und Scharfes koste er beim Essen nicht aus, und ebenso nicht die süßen Geschmäcker; er esse nur so viel, wie zum bloßen Erhalt des Lebensatems nötig sei.'

Wort für Wort
śuktāny amlāni tiktāni
Gegorenes, Saures, Bitteres (Akk. Pl. n.)
nāsvādayīta
er möge nicht auskosten (3. Sg. Optativ Kausativ)

asaṃrodhena bhūtānāṃ vṛttiṃ lipseta mokṣavit na cānyam anubhikṣeta bhikṣamāṇaḥ kathaṃ cana

'Ohne die Wesen zu beeinträchtigen, strebe der Befreiungskundige nach seinem Unterhalt; und er bettle nicht einem anderen Bettler nach, auf keine Weise, wenn er selbst bettle.'

Wort für Wort
asaṃrodhena bhūtānām
ohne die Wesen zu beeinträchtigen (Instr. Sg. m.)
anubhikṣeta
er möge nachbetteln (3. Sg. Optativ)

na saṃnikāśayed dharmaṃ vivikte virajāś caret śūnyāgāram araṇyaṃ vā vṛkṣamūlaṃ nadīṃ tathā pratiśrayārthaṃ seveta pārvatīṃ vā punar guhām

'Er zeige seinen Dharma nicht zur Schau, an einsamem Ort, staubfrei, wandere er umher; ein leeres Haus, den Wald, den Fuß eines Baumes, ebenso einen Fluss, oder wiederum das Gebirge oder eine Höhle möge er als Unterkunft aufsuchen.'

Wort für Wort
na saṃnikāśayet
er möge nicht zur Schau stellen (3. Sg. Optativ)
pratiśrayārtham seveta
er möge als Unterkunft aufsuchen (3. Sg. Optativ)

grāmaikarātriko grīṣme varṣāsv ekatra vā vaset adhvā sūryeṇa nirdiṣṭaḥ kīṭavac ca caren mahīm

'Im Dorf nur eine Nacht verweilend, in der Regenzeit aber an einem Ort bleibend, wandere er, dem von der Sonne gewiesenen Weg folgend, wie ein Insekt über die Erde.'

Wort für Wort
grāmaikarātrikaḥ
im Dorf nur eine Nacht verweilend (Nom. Sg. m.)
kīṭavat
wie ein Insekt (Adv.)

dayārthaṃ caiva bhūtānāṃ samīkṣya pṛthivīṃ caret saṃcayāṃś ca na kurvīta snehavāsaṃ ca varjayet

'Aus Mitgefühl mit den Wesen betrachte er den Boden vor jedem Schritt und wandere; er häufe nichts an und meide anhängliche Bindung.'

Wort für Wort
samīkṣya pṛthivīm
den Boden betrachtet habend (Absolutiv)
snehavāsam varjayet
er möge anhängliche Bindung meiden (3. Sg. Optativ)

pūtena cāmbhasā nityaṃ kāryaṃ kurvīta mokṣavit upaspṛśed uddhṛtābhir adbhiś ca puruṣaḥ sadā

'Mit gereinigtem Wasser stets verrichte der Befreiungskundige, was zu verrichten sei; und mit geschöpftem Wasser berühre sich der Mensch stets zur Reinigung.'

Wort für Wort
pūtena ambhasā
mit gereinigtem Wasser (Instr. Sg. n.)
uddhṛtābhir adbhiḥ
mit geschöpftem Wasser (Instr. Pl. f.)

ahiṃsā brahmacaryaṃ ca satyam ārjavam eva ca akrodhaś cānasūyā ca damo nityam apaiśunam

'Gewaltlosigkeit, Keuschheit, Wahrheit und Aufrichtigkeit, Freiheit von Zorn und Missgunst, Selbstbeherrschung und stete Freiheit von Verleumdung -'

Wort für Wort
ahiṃsā brahmacaryam
Gewaltlosigkeit, Keuschheit (Nom. Sg. f./n.)
apaiśunam
Freiheit von Verleumdung (Nom. Sg. n.)

aṣṭāsv eteṣu yuktaḥ syād vrateṣu niyatendriyaḥ apāpam aśaṭhaṃ vṛttam ajihmaṃ nityam ācaret

'in diesen acht Gelübden sei er verbunden, mit gebändigten Sinnen; ein sündloses, arglistfreies, aufrichtiges Verhalten übe er stets.'

Wort für Wort
aṣṭāsu vrateṣu
in den acht Gelübden (Lok. Pl. n.)
ajihmaṃ vṛttam
aufrichtiges, unverstelltes Verhalten (Akk. Sg. n.)

āśīryuktāni karmāṇi hiṃsāyuktāni yāni ca lokasaṃgrahadharmaṃ ca naiva kuryān na kārayet

'Handlungen, die mit weltlichem Wunsch verbunden seien, sowie solche, die mit Gewalt verbunden seien, und auch die Pflicht der Welterhaltung, führe er weder selbst aus noch lasse er sie ausführen.'

Wort für Wort
āśīryuktāni karmāṇi
mit Wunsch verbundene Handlungen (Akk. Pl. n.)
lokasaṃgrahadharmam
die Pflicht der Welterhaltung (Akk. Sg. m.)

sarvabhāvān atikramya laghumātraḥ parivrajet samaḥ sarveṣu bhūteṣu sthāvareṣu careṣu ca

'Alle weltlichen Zustände überschreitend, mit geringem Gepäck, wandere er umher, allen Wesen gleich gesinnt, den unbeweglichen wie den beweglichen.'

Wort für Wort
sarvabhāvān atikramya
alle Zustände überschritten habend (Absolutiv)
laghumātraḥ
mit geringem Gepäck, bedürfnislos (Nom. Sg. m.)

paraṃ nodvejayet kaṃ cin na ca kasya cid udvijet viśvāsyaḥ sarvabhūtānām agryo mokṣavid ucyate

'Er beunruhige keinen anderen, und werde selbst von niemandem beunruhigt; vertrauenswürdig für alle Wesen werde der erste unter den Befreiungskundigen genannt.'

Wort für Wort
nodvejayet
er möge nicht beunruhigen (3. Sg. Optativ Kausativ)
viśvāsyaḥ sarvabhūtānām
vertrauenswürdig für alle Wesen (Nom. Sg. m.)

anāgataṃ ca na dhyāyen nātītam anucintayet vartamānam upekṣeta kālākāṅkṣī samāhitaḥ

'Er sinne nicht über das Zukünftige nach, denke nicht dem Vergangenen nach; das Gegenwärtige lasse er unbeachtet, die rechte Zeit erwartend, gesammelt.'

Wort für Wort
anāgataṃ na dhyāyet
er möge nicht über das Zukünftige nachsinnen (3. Sg. Optativ)
kālākāṅkṣī
die rechte Zeit erwartend (Nom. Sg. m.)

na cakṣuṣā na manasā na vācā dūṣayet kva cit na pratyakṣaṃ parokṣaṃ vā kiṃ cid duṣṭaṃ samācaret

'Weder mit dem Auge noch mit dem Geist noch mit der Rede schädige er irgendetwas; nichts Schlechtes übe er aus, weder offen noch verborgen.'

Wort für Wort
cakṣuṣā manasā vācā
mit Auge, Geist und Rede (Instr. Sg.)
pratyakṣaṃ parokṣaṃ vā
offen oder verborgen (Adv.)

indriyāṇy upasaṃhṛtya kūrmo 'ṅgānīva sarvaśaḥ kṣīṇendriyamanobuddhir nirīkṣeta nirindriyaḥ

'Nachdem er die Sinne gänzlich zurückgezogen habe, wie die Schildkröte ihre Glieder, betrachte er, mit erschöpften Sinnen, Geist und Erkenntniskraft, sinnenlos die Wahrheit.'

Wort für Wort
indriyāṇy upasaṃhṛtya
die Sinne zurückgezogen habend (Absolutiv)
nirindriyaḥ
sinnenlos, jenseits der Sinne (Nom. Sg. m.)

nirdvaṃdvo nirnamaskāro niḥsvāhākāra eva ca nirmamo nirahaṃkāro niryogakṣema eva ca

'Frei von Gegensätzen, frei von Verehrungsformeln, frei vom Svāhā-Ruf, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, frei von der Sorge um Erwerb und Bewahrung -'

Wort für Wort
niḥsvāhākāraḥ
frei vom Svāhā-Opferruf (Nom. Sg. m.)
niryogakṣemaḥ
frei von der Sorge um Erwerb und Bewahrung (Nom. Sg. m.)

nirāśīḥ sarvabhūteṣu nirāsaṅgo nirāśrayaḥ sarvajñaḥ sarvato mukto mucyate nātra saṃśayaḥ

'frei von Verlangen gegenüber allen Wesen, ohne Anhaftung, ohne Zuflucht - allwissend, von allem befreit, werde er befreit, daran bestehe kein Zweifel.'

Wort für Wort
nirāśīḥ sarvabhūteṣu
frei von Verlangen gegenüber allen Wesen (Nom. Sg. m.)
mucyate
er wird befreit (3. Sg. Präs. Pass.)

apāṇipādapṛṣṭhaṃ tam aśiraskam anūdaram prahīṇaguṇakarmāṇaṃ kevalaṃ vimalaṃ sthiram

'Ihn, ohne Hände, Füße und Rücken, ohne Kopf, ohne Bauch, von Eigenschaften und Handlungen befreit, den alleinigen, makellosen, beständigen -'

Wort für Wort
apāṇipādapṛṣṭham
ohne Hände, Füße und Rücken (Akk. Sg. m.)
prahīṇaguṇakarmāṇam
von Eigenschaften und Handlungen befreit (Akk. Sg. m.)

agandharasam asparśam arūpāśabdam eva ca atvagasthy atha vāmajjam amāṃsam api caiva ha

'ohne Geruch und Geschmack, ohne Berührung, ohne Form und ohne Ton, ohne Haut und Knochen, auch ohne Mark, und auch ohne Fleisch -'

Wort für Wort
agandharasam asparśam
ohne Geruch, Geschmack und Berührung (Akk. Sg. m.)
atvagasthi
ohne Haut und Knochen (Akk. Sg. m.)

niścintam avyayaṃ nityaṃ hṛdistham api nityadā sarvabhūtastham ātmānaṃ ye paśyanti na te mṛtāḥ

'den sorgenlosen, unvergänglichen, ewigen, im Herzen wohnenden, stets in allen Wesen weilenden Ātman - wer immer diesen erblickt, jene seien nicht wahrhaft gestorben.'

Wort für Wort
hṛdistham
im Herzen wohnend (Akk. Sg. m.)
ye paśyanti na te mṛtāḥ
wer dies erblickt, ist nicht gestorben (3. Pl. Präs.)

na tatra kramate buddhir nendriyāṇi na devatāḥ vedā yajñāś ca lokāś ca na tapo na parākramaḥ yatra jñānavatāṃ prāptir aliṅgagrahaṇā smṛtā

'Dorthin dringe weder die Erkenntniskraft noch die Sinne noch die Gottheiten, nicht die Veden, die Opfer und die Welten, nicht die Askese, nicht die Tatkraft - dorthin, wohin die Erlangung der Wissenden führe, die als ohne Merkmal erfassbar überliefert werde.'

Wort für Wort
na tatra kramate buddhiḥ
dorthin dringt die Erkenntniskraft nicht (3. Sg. Präs.)
aliṅgagrahaṇā
ohne Merkmal erfassbar (Nom. Sg. f.)

tasmād aliṅgo dharmajño dharmavratam anuvrataḥ gūḍhadharmāśrito vidvān ajñātacaritaṃ caret

'Daher wandere der ohne Merkmal Erkennbare, der Dharmakundige, dem Gelübde des Dharma treu, der Weise, der sich auf den verborgenen Dharma stütze, mit unerkanntem Wandel.'

Wort für Wort
gūḍhadharmāśritaḥ
der sich auf den verborgenen Dharma stützt (Nom. Sg. m.)
ajñātacaritam caret
er möge mit unerkanntem Wandel wandern (3. Sg. Optativ)

amūḍho mūḍharūpeṇa cared dharmam adūṣayan yathainam avamanyeran pare satatam eva hi

'Nicht verblendet, aber in der Gestalt eines Verblendeten, wandere er, den Dharma nicht schädigend, so dass die anderen ihn stets missachten mögen.'

Wort für Wort
mūḍharūpeṇa
in der Gestalt eines Verblendeten (Instr. Sg. n.)
avamanyeran
sie mögen missachten (3. Pl. Optativ)

tathāvṛttaś cared dharmaṃ satāṃ vartmāvidūṣayan yo hy evaṃ vṛttasaṃpannaḥ sa muniḥ śreṣṭha ucyate

'So handelnd wandere er im Dharma, den Weg der Guten nicht schädigend; wer so mit rechtem Wandel ausgestattet sei, jener Weise werde der Beste genannt.'

Wort für Wort
satāṃ vartma avidūṣayan
den Weg der Guten nicht schädigend (Part. Präs. Akt.)
muniḥ śreṣṭhaḥ ucyate
der Weise wird der Beste genannt (3. Sg. Präs. Pass.)

indriyāṇīndriyārthāṃś ca mahābhūtāni pañca ca manobuddhir athātmānam avyaktaṃ puruṣaṃ tathā

'Die Sinne und die Sinnesobjekte, und die fünf großen Elemente, den Geist, die Erkenntniskraft, sodann das Selbst, das Unoffenbarte, und ebenso den Puruṣa -'

Wort für Wort
indriyārthān
die Sinnesobjekte (Akk. Pl. m.)
avyaktaṃ puruṣam
das Unoffenbarte, den Puruṣa (Akk. Sg. m.)

sarvam etat prasaṃkhyāya samyak saṃtyajya nirmalaḥ tataḥ svargam avāpnoti vimuktaḥ sarvabandhanaiḥ

'all dies richtig erwogen und aufgegeben habend, erlange der Makellose danach den Himmel, von allen Fesseln befreit.'

Wort für Wort
prasaṃkhyāya saṃtyajya
erwogen und aufgegeben habend (Absolutiv)
vimuktaḥ sarvabandhanaiḥ
von allen Fesseln befreit (Nom. Sg. m.)

etad evāntavelāyāṃ parisaṃkhyāya tattvavit dhyāyed ekāntam āsthāya mucyate 'tha nirāśrayaḥ

'Eben dies zur Zeit des Endes erwägend, möge der Kenner der Wahrheit meditieren, die Einsamkeit aufgesucht habend; dann werde er befreit, ohne Zuflucht.'

Wort für Wort
antavelāyām
zur Zeit des Endes (Lok. Sg. f.)
ekāntam āsthāya
die Einsamkeit aufgesucht habend (Absolutiv)

nirmuktaḥ sarvasaṅgebhyo vāyur ākāśago yathā kṣīṇakośo nirātaṅkaḥ prāpnoti paramaṃ padam

'Von aller Anhaftung befreit, wie der durch den Äther gehende Wind, mit erschöpfter Hülle, ohne Angst, erlange er den höchsten Zustand.'

Wort für Wort
vāyuḥ ākāśagaḥ yathā
wie der durch den Äther gehende Wind (Nom. Sg. m.)
paramaṃ padam
den höchsten Zustand, Ort (Akk. Sg. n.)

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