'dem eigenen Dharma zugetan, gelehrt, mit allen Sinnen gebändigt, der Weise, dem Wohl und der Zuneigung des Lehrers ergeben, der Wahrheit und dem Dharma zugewandt, rein -'
Wort für Wort
svadharmanirataḥ
dem eigenen Dharma zugetan (Nom. Sg. m.)
guroḥ priyahite yuktaḥ
dem Wohl und der Zuneigung des Lehrers ergeben (Nom. Sg. m.)
'vom Lehrer dazu ermächtigt, verzehre er die Speise, ohne sie zu verachten; er esse auch geopferte Speise oder Bettelspeise, an bestimmtem Ort, Sitz und Aufenthalt lebend.'
Wort für Wort
guruṇā samanujñātaḥ
vom Lehrer ermächtigt (Nom. Sg. m.)
haviṣyabhaikṣyabhuk
geopferte Speise oder Bettelspeise essend (Nom. Sg. m.)
mekhalā ca bhaven mauñjī jaṭī nityodakas tathā yajñopavītī svādhyāyī aluptaniyatavrataḥ
'Er trage einen Gürtel aus Muñja-Gras, mit geflochtenem Haar, stets bei Wasser; die heilige Schnur tragend, dem Selbststudium ergeben, sein Gelübde unablässig einhaltend.'
'So verbunden gewinne er den Himmel, mit aufwärts gerichtetem Samen, gesammelt; er kehre nicht in die Geburten zurück, in der höchsten Stätte geborgen.'
Wort für Wort
ūrdhvaretāḥ
mit aufwärts gerichtetem Samen (Nom. Sg. m., Keuschheits-Fachbegriff)
na saṃsarati jātīṣu
er kehrt nicht in die Geburten zurück (3. Sg. Präs.)
carmavalkalasaṃvītaḥ svayaṃ prātar upaspṛśet araṇyagocaro nityaṃ na grāmaṃ praviśet punaḥ
'In Fell und Rindenkleidung gehüllt, berühre er morgens selbst das Wasser zur Reinigung; stets im Wald umherstreifend, betrete er das Dorf nicht wieder.'
dānto maitraḥ kṣamāyuktaḥ keśaśmaśru ca dhārayan juhvan svādhyāyaśīlaś ca satyadharmaparāyaṇaḥ
'Beherrscht, freundlich, mit Geduld ausgestattet, Haar und Bart tragend, das Feuer opfernd, dem Selbststudium ergeben, der Wahrheit und dem Dharma hingegeben.'
Wort für Wort
keśaśmaśru dhārayan
Haar und Bart tragend (Part. Präs. Akt.)
satyadharmaparāyaṇaḥ
der Wahrheit und dem Dharma hingegeben (Nom. Sg. m.)
'Den Körper aufgegeben habend, stets geschickt, beständig im Wald, gesammelt - so verbunden gewinne der Waldeinsiedler mit bezwungenen Sinnen den Himmel.'
Wort für Wort
tyaktadehaḥ
den Körper aufgegeben habend (Nom. Sg. m.)
vānaprasthaḥ jitendriyaḥ
der Waldeinsiedler mit bezwungenen Sinnen (Nom. Sg. m.)
gṛhastho brahmacārī ca vānaprastho 'tha vā punaḥ ya icchen mokṣam āsthātum uttamāṃ vṛttim āśrayet
'Der Haushälter, der Keuschheitsschüler, oder wiederum der Waldeinsiedler - wer immer die Befreiung zu erreichen wünsche, ergreife die höchste Lebensweise.'
'Allen Wesen Furchtlosigkeit gewährt habend, übe er das Freisein vom Handeln; allen Wesen zuträglich, freundlich, der Weise mit allen Sinnen gebändigt.'
na śilpajīvikāṃ jīved dvirannaṃ nota kāmayet na dveṣṭā nopadeṣṭā ca bhaveta nirupaskṛtaḥ śraddhāpūtāni bhuñjīta nimittāni vivarjayet
'Er lebe nicht von handwerklichem Broterwerb, begehre nicht zweimal Speise; er sei weder ein Hasser noch ein ungebetener Belehrer, ohne Schmuck; er verzehre durch Vertrauen gereinigte Speisen und meide böse Vorzeichen.'
'Ohne Eigennutz lebend, unangehaftet, ohne Verabredung mit den Wesen, warte er, bis das Feuer erloschen, der Rauch verzogen und die Leute gegessen hätten - dann gehe er auf Bettelgang.'
Wort für Wort
mudhāvṛttiḥ
ohne Eigennutz lebend (Nom. Sg. m.)
vidhūme bhuktavajjane
wenn der Rauch verzogen und die Leute gegessen haben (Lok. Absolut)
vṛtte śarāvasaṃpāte bhaikṣyaṃ lipseta mokṣavit lābhe na ca prahṛṣyeta nālābhe vimanā bhavet
'Wenn das Zusammenschlagen der Schalen vorüber sei, strebe der Befreiungskundige nach der Bettelgabe; bei Erlangen freue er sich nicht, und bei Nicht-Erlangen sei er nicht bekümmert.'
Wort für Wort
śarāvasaṃpāte
beim Zusammenschlagen der Schalen (Lok. Sg. m., Zeichen des Essensendes)
'Mäßig essend, die rechte Zeit erwartend, gehe er gesammelt auf Bettelgang; er begehre keine gewöhnliche Gabe, und esse nicht als Geehrter; denn vor einer durch Ehrung erlangten Gabe schaudere der Bettelmönch zurück.'
Wort für Wort
mātrāśī
mäßig essend (Nom. Sg. m.)
abhipūjitalābhāt vijugupseta
vor einer durch Ehrung erlangten Gabe möge er zurückschaudern (3. Sg. Optativ Desiderativ)
śuktāny amlāni tiktāni kaṣāyakaṭukāni ca nāsvādayīta bhuñjāno rasāṃś ca madhurāṃs tathā yātrāmātraṃ ca bhuñjīta kevalaṃ prāṇayātrikam
'Gegorenes, Saures, Bitteres, Herbes und Scharfes koste er beim Essen nicht aus, und ebenso nicht die süßen Geschmäcker; er esse nur so viel, wie zum bloßen Erhalt des Lebensatems nötig sei.'
'Ohne die Wesen zu beeinträchtigen, strebe der Befreiungskundige nach seinem Unterhalt; und er bettle nicht einem anderen Bettler nach, auf keine Weise, wenn er selbst bettle.'
'Er zeige seinen Dharma nicht zur Schau, an einsamem Ort, staubfrei, wandere er umher; ein leeres Haus, den Wald, den Fuß eines Baumes, ebenso einen Fluss, oder wiederum das Gebirge oder eine Höhle möge er als Unterkunft aufsuchen.'
'Im Dorf nur eine Nacht verweilend, in der Regenzeit aber an einem Ort bleibend, wandere er, dem von der Sonne gewiesenen Weg folgend, wie ein Insekt über die Erde.'
'Mit gereinigtem Wasser stets verrichte der Befreiungskundige, was zu verrichten sei; und mit geschöpftem Wasser berühre sich der Mensch stets zur Reinigung.'
āśīryuktāni karmāṇi hiṃsāyuktāni yāni ca lokasaṃgrahadharmaṃ ca naiva kuryān na kārayet
'Handlungen, die mit weltlichem Wunsch verbunden seien, sowie solche, die mit Gewalt verbunden seien, und auch die Pflicht der Welterhaltung, führe er weder selbst aus noch lasse er sie ausführen.'
paraṃ nodvejayet kaṃ cin na ca kasya cid udvijet viśvāsyaḥ sarvabhūtānām agryo mokṣavid ucyate
'Er beunruhige keinen anderen, und werde selbst von niemandem beunruhigt; vertrauenswürdig für alle Wesen werde der erste unter den Befreiungskundigen genannt.'
Wort für Wort
nodvejayet
er möge nicht beunruhigen (3. Sg. Optativ Kausativ)
anāgataṃ ca na dhyāyen nātītam anucintayet vartamānam upekṣeta kālākāṅkṣī samāhitaḥ
'Er sinne nicht über das Zukünftige nach, denke nicht dem Vergangenen nach; das Gegenwärtige lasse er unbeachtet, die rechte Zeit erwartend, gesammelt.'
Wort für Wort
anāgataṃ na dhyāyet
er möge nicht über das Zukünftige nachsinnen (3. Sg. Optativ)
'Nachdem er die Sinne gänzlich zurückgezogen habe, wie die Schildkröte ihre Glieder, betrachte er, mit erschöpften Sinnen, Geist und Erkenntniskraft, sinnenlos die Wahrheit.'
nirdvaṃdvo nirnamaskāro niḥsvāhākāra eva ca nirmamo nirahaṃkāro niryogakṣema eva ca
'Frei von Gegensätzen, frei von Verehrungsformeln, frei vom Svāhā-Ruf, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, frei von der Sorge um Erwerb und Bewahrung -'
Wort für Wort
niḥsvāhākāraḥ
frei vom Svāhā-Opferruf (Nom. Sg. m.)
niryogakṣemaḥ
frei von der Sorge um Erwerb und Bewahrung (Nom. Sg. m.)
'frei von Verlangen gegenüber allen Wesen, ohne Anhaftung, ohne Zuflucht - allwissend, von allem befreit, werde er befreit, daran bestehe kein Zweifel.'
Wort für Wort
nirāśīḥ sarvabhūteṣu
frei von Verlangen gegenüber allen Wesen (Nom. Sg. m.)
niścintam avyayaṃ nityaṃ hṛdistham api nityadā sarvabhūtastham ātmānaṃ ye paśyanti na te mṛtāḥ
'den sorgenlosen, unvergänglichen, ewigen, im Herzen wohnenden, stets in allen Wesen weilenden Ātman - wer immer diesen erblickt, jene seien nicht wahrhaft gestorben.'
Wort für Wort
hṛdistham
im Herzen wohnend (Akk. Sg. m.)
ye paśyanti na te mṛtāḥ
wer dies erblickt, ist nicht gestorben (3. Pl. Präs.)
na tatra kramate buddhir nendriyāṇi na devatāḥ vedā yajñāś ca lokāś ca na tapo na parākramaḥ yatra jñānavatāṃ prāptir aliṅgagrahaṇā smṛtā
'Dorthin dringe weder die Erkenntniskraft noch die Sinne noch die Gottheiten, nicht die Veden, die Opfer und die Welten, nicht die Askese, nicht die Tatkraft - dorthin, wohin die Erlangung der Wissenden führe, die als ohne Merkmal erfassbar überliefert werde.'
Wort für Wort
na tatra kramate buddhiḥ
dorthin dringt die Erkenntniskraft nicht (3. Sg. Präs.)
'Daher wandere der ohne Merkmal Erkennbare, der Dharmakundige, dem Gelübde des Dharma treu, der Weise, der sich auf den verborgenen Dharma stütze, mit unerkanntem Wandel.'
Wort für Wort
gūḍhadharmāśritaḥ
der sich auf den verborgenen Dharma stützt (Nom. Sg. m.)
ajñātacaritam caret
er möge mit unerkanntem Wandel wandern (3. Sg. Optativ)
tathāvṛttaś cared dharmaṃ satāṃ vartmāvidūṣayan yo hy evaṃ vṛttasaṃpannaḥ sa muniḥ śreṣṭha ucyate
'So handelnd wandere er im Dharma, den Weg der Guten nicht schädigend; wer so mit rechtem Wandel ausgestattet sei, jener Weise werde der Beste genannt.'
Wort für Wort
satāṃ vartma avidūṣayan
den Weg der Guten nicht schädigend (Part. Präs. Akt.)
muniḥ śreṣṭhaḥ ucyate
der Weise wird der Beste genannt (3. Sg. Präs. Pass.)
indriyāṇīndriyārthāṃś ca mahābhūtāni pañca ca manobuddhir athātmānam avyaktaṃ puruṣaṃ tathā
'Die Sinne und die Sinnesobjekte, und die fünf großen Elemente, den Geist, die Erkenntniskraft, sodann das Selbst, das Unoffenbarte, und ebenso den Puruṣa -'
'Eben dies zur Zeit des Endes erwägend, möge der Kenner der Wahrheit meditieren, die Einsamkeit aufgesucht habend; dann werde er befreit, ohne Zuflucht.'