Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 85: gandharayuddham Der Kampf mit dem Sohn Śakunis und dessen Begnadigung

vaiśaṃpāyana uvāca śakunes tu suto vīro gāndhārāṇāṃ mahārathaḥ pratyudyayau guḍākeśaṃ sainyena mahatā vṛtaḥ hastyaśvarathapūrṇena patākādhvajamālinā

Vaiśaṃpāyana sprach: Der heldenhafte Sohn Śakunis aber, der große Wagenkämpfer der Gāndhāras, zog dem Guḍākeśa entgegen, umgeben von einem großen Heer, voll von Elefanten, Pferden und Wagen, mit Fahnen- und Bannerreihen geschmückt.

Wort für Wort
guḍākeśam
den Guḍākeśa (Akk., Beiname Arjunas)
patākādhvajamālinā
mit Fahnen- und Bannerreihen geschmückt (Adj.)

amṛṣyamāṇās te yodhā nṛpateḥ śakuner vadham abhyayuḥ sahitāḥ pārthaṃ pragṛhītaśarāsanāḥ

Jene Krieger, den Tod des Königs Śakuni nicht ertragend, griffen gemeinsam Pārtha an, ihre Bogen ergriffen.

Wort für Wort
amṛṣyamāṇāḥ
nicht ertragend (Ptz.)
pragṛhītaśarāsanāḥ
die Bogen ergriffen habend (Adj.)

tān uvāca sa dharmātmā bībhatsur aparājitaḥ yudhiṣṭhirasya vacanaṃ na ca te jagṛhur hitam

Zu ihnen sprach der Rechtschaffene, Bībhatsu, der Unbesiegte, Yudhiṣṭhiras Wort; doch sie nahmen das Heilsame nicht an.

Wort für Wort
yudhiṣṭhirasya vacanam
Yudhiṣṭhiras Wort (Akk.)
hitam na jagṛhuḥ
sie nahmen das Heilsame nicht an (Perf.)

vāryamāṇās tu pārthena sāntvapūrvam amarṣitāḥ parivārya hayaṃ jagmus tataś cukrodha pāṇḍavaḥ

Von Pārtha zurückgehalten, zuerst begütigend, unwillig, umringten sie das Ross und griffen an; da wurde der Pāṇḍava zornig.

Wort für Wort
sāntvapūrvam
zuerst begütigend (Adv.)
cukrodha
er wurde zornig (Perf.)

tataḥ śirāṃsi dīptāgrais teṣāṃ ciccheda pāṇḍavaḥ kṣurair gāṇḍīvanirmuktair nātiyatnād ivārjunaḥ

Da schlug der Pāṇḍava mit glänzend-scharfen, von Gāṇḍīva entsandten Rasierpfeilen ihre Häupter ab, Arjuna, wie ohne große Anstrengung.

Wort für Wort
dīptāgraiḥ kṣuraiḥ
mit glänzend-scharfen Rasierpfeilen (Instr.)
nātiyatnāt iva
wie ohne große Anstrengung (Adv.)

te vadhyamānāḥ pārthena hayam utsṛjya saṃbhramāt nyavartanta mahārāja śaravarṣārditā bhṛśam

Sie, von Pārtha niedergemacht, ließen aus Verwirrung das Ross los und zogen sich zurück, o Großkönig, heftig vom Pfeilschauer bedrängt.

Wort für Wort
saṃbhramāt
aus Verwirrung (Abl.)
śaravarṣārditāḥ
vom Pfeilschauer bedrängt (Adj.)

vitudyamānas taiś cāpi gāndhāraiḥ pāṇḍavarṣabhaḥ ādiśyādiśya tejasvī śirāṃsy eṣāṃ nyapātayat

Und obwohl von jenen Gāndhāras bedrängt, ließ der Stier der Pāṇḍavas, der Glanzvolle, gezielt, einen nach dem anderen, ihre Häupter fallen.

Wort für Wort
vitudyamānaḥ
bedrängt (Ptz.)
ādiśyādiśya
gezielt, einen nach dem anderen (Abs., wiederholt)

vadhyamāneṣu teṣv ājau gāndhāreṣu samantataḥ sa rājā śakuneḥ putraḥ pāṇḍavaṃ pratyavārayat

Während jene Gāndhāras ringsum in der Schlacht niedergemacht wurden, hielt jener König, der Sohn Śakunis, dem Pāṇḍava stand.

Wort für Wort
vadhyamāneṣu
während sie niedergemacht wurden (Ptz. Lok.)
pratyavārayat
er hielt stand, wehrte ab (Impf.)

taṃ yudhyamānaṃ rājānaṃ kṣatradharme vyavasthitam pārtho 'bravīn na me vadhyā rājāno rājaśāsanāt alaṃ yuddhena te vīra na te 'sty adya parājayaḥ

Zu jenem kämpfenden König, der im Kriegerrecht feststand, sprach Pārtha: „Könige sollen von mir nicht getötet werden, auf königlichen Befehl hin; genug des Kampfes, Held – keine Niederlage widerfährt dir heute.“

Wort für Wort
rājaśāsanāt
auf königlichen Befehl hin (Abl.)
parājayaḥ na 'sti
keine Niederlage ist vorhanden (Präs.)

ity uktas tad anādṛtya vākyam ajñānamohitaḥ sa śakrasamakarmāṇam avākirata sāyakaiḥ

So angesprochen, missachtete er, von Unwissenheit verblendet, dieses Wort und überschüttete den an Taten Śakra-gleichen mit Pfeilen.

Wort für Wort
ajñānamohitaḥ
von Unwissenheit verblendet (Adj.)
śakrasamakarmāṇam
den an Taten Śakra-gleichen (Akk.)

tasya pārthaḥ śirastrāṇam ardhacandreṇa patriṇā apāharad asaṃbhrānto jayadrathaśiro yathā

Pārtha schlug ihm den Helm mit einem halbmondförmigen, gefiederten Pfeil ab, unerschrocken, wie einst Jayadrathas Haupt.

Wort für Wort
ardhacandreṇa patriṇā
mit einem halbmondförmigen, gefiederten Pfeil (Instr.)
jayadrathaśiraḥ yathā
wie einst Jayadrathas Haupt (Vergleich)

tad dṛṣṭvā vismayaṃ jagmur gāndhārāḥ sarva eva te icchatā tena na hato rājety api ca te viduḥ

Als sie dies sahen, gerieten alle jene Gāndhāras in Erstaunen; und sie erkannten auch, dass der König von jenem, obwohl er es gewollt hätte, nicht getötet worden war.

Wort für Wort
vismayaṃ jagmuḥ
sie gerieten in Erstaunen (Perf.)
icchatā
von dem, der es gewollt hätte (Ptz.)

gāndhārarājaputras tu palāyanakṛtakṣaṇaḥ babhau tair eva sahitas trastaiḥ kṣudramṛgair iva

Der Sohn des Gāndhāra-Königs aber, zur Flucht entschlossen, erschien, zusammen mit ihnen, wie erschreckte kleine Wildtiere.

Wort für Wort
palāyanakṛtakṣaṇaḥ
zur Flucht entschlossen (Adj.)
trastaiḥ kṣudramṛgaiḥ iva
wie erschreckte kleine Wildtiere (Vergleich)

teṣāṃ tu tarasā pārthas tatraiva paridhāvatām vijahārottamāṅgāni bhallaiḥ saṃnataparvabhiḥ

Von ihnen aber, die eben dort umherrannten, trennte Pārtha rasch die Häupter ab, mit breitköpfigen, wohlgebogenen Pfeilen.

Wort für Wort
paridhāvatām
der Umherrennenden (Ptz. Gen. Pl.)
uttamāṅgāni vijahāra
er trennte die Häupter ab (Impf.)

ucchritāṃs tu bhujān ke cin nābudhyanta śarair hṛtān śarair gāṇḍīvanirmuktaiḥ pṛthubhiḥ pārthacoditaiḥ

Manche bemerkten nicht einmal, dass ihre erhobenen Arme von den breiten, von Gāṇḍīva entsandten, von Pārtha geschleuderten Pfeilen abgetrennt worden waren.

Wort für Wort
ucchritān bhujān
die erhobenen Arme (Akk. Pl.)
pārthacoditaiḥ
von Pārtha geschleudert (Adj.)

saṃbhrāntanaranāgāśvam atha tad vidrutaṃ balam hatavidhvastabhūyiṣṭham āvartata muhur muhuḥ

Jenes verwirrte Heer von Menschen, Elefanten und Pferden, in die Flucht geschlagen, größtenteils erschlagen und zerstört, wandte sich immer wieder um.

Wort für Wort
saṃbhrāntanaranāgāśvam
verwirrt an Menschen, Elefanten und Pferden (Adj.)
hatavidhvastabhūyiṣṭham
größtenteils erschlagen und zerstört (Adj.)

na hy adṛśyanta vīrasya ke cid agre 'gryakarmaṇaḥ ripavaḥ pātyamānā vai ye saheyur mahāśarān

Denn es waren keine Feinde vor dem Helden von vortrefflicher Tat zu sehen, die, niedergestreckt werdend, die großen Pfeile hätten ertragen können.

Wort für Wort
agryakarmaṇaḥ
von vortrefflicher Tat (Gen.)
mahāśarān saheyuḥ
sie hätten die großen Pfeile ertragen können (Opt.)

tato gāndhārarājasya mantrivṛddhapuraḥsarā jananī niryayau bhītā puraskṛtyārghyam uttamam

Da trat die Mutter des Gāndhāra-Königs heraus, von den Ministern und Alten angeführt, ängstlich, ein vortreffliches Ehrengeschenk vorantragend.

Wort für Wort
mantrivṛddhapuraḥsarā
von Ministern und Alten angeführt (Adj. Fem.)
arghyam uttamam
ein vortreffliches Ehrengeschenk (Akk.)

sā nyavārayad avyagrā taṃ putraṃ yuddhadurmadam prasādayām āsa ca taṃ jiṣṇum akliṣṭakāriṇam

Sie hielt, ungerührt, ihren kampfestollen Sohn zurück und besänftigte jenen Jiṣṇu, den Unermüdlichen.

Wort für Wort
avyagrā
ungerührt, gefasst (Adj. Fem.)
akliṣṭakāriṇam
den Unermüdlichen (Akk.)

tāṃ pūjayitvā kaunteyaḥ prasādam akarot tadā śakuneś cāpi tanayaṃ sāntvayann idam abravīt

Nachdem er sie geehrt hatte, gewährte der Sohn der Kuntī da Gnade und sprach, den Sohn Śakunis besänftigend, dieses:

Wort für Wort
prasādam akarot
er gewährte Gnade (Impf.)
sāntvayan
besänftigend (Ptz.)

na me priyaṃ mahābāho yat te buddhir iyaṃ kṛtā pratiyoddhum amitraghna bhrātaiva tvaṃ mamānagha

„Nicht ist es mir lieb, Großarmiger, dass du diesen Entschluss gefasst hast, zu kämpfen, Feindevernichter; du bist mir ja wie ein Bruder, Makelloser.

Wort für Wort
buddhiḥ kṛtā
der Entschluss ist gefasst (Ptz.)
bhrātā eva
wie ein Bruder (Nom.)

gāndhārīṃ mātaraṃ smṛtvā dhṛtarāṣṭrakṛtena ca tena jīvasi rājaṃs tvaṃ nihatās tv anugās tava

Weil ich mich Gāndhārīs, unserer Mutter, erinnere, und um Dhṛtarāṣṭras willen lebst du, o König; deine Gefolgsleute aber sind erschlagen worden.

Wort für Wort
mātaraṃ smṛtvā
sich der Mutter erinnernd (Abs.)
anugāḥ nihatāḥ
die Gefolgsleute sind erschlagen (Ptz.)

maivaṃ bhūḥ śāmyatāṃ vairaṃ mā te bhūd buddhir īdṛśī āgantavyaṃ parāṃ caitrīm aśvamedhe nṛpasya naḥ

Sei nicht mehr so; die Feindschaft soll ruhen; möge dir nicht wieder solch ein Gedanke kommen. Du sollst zum nächsten Caitra-Vollmond zum Pferdeopfer unseres Königs kommen.“

Wort für Wort
śāmyatāṃ vairam
die Feindschaft soll ruhen (Imp.)
āgantavyam
es soll gekommen werden, du sollst kommen (Ger.)

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