Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 42: tattvavibhāgo 'dhyātmādividhiś ca Brahmās Lehre: Die Sinne, die vier Geburtsarten und die Adhyātma-Ordnung

brahmovāca ahaṃkārāt prasūtāni mahābhūtāni pañca vai pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam

'Brahmā sprach weiter: Aus dem Ich-Prinzip seien die fünf großen Elemente entstanden: Erde, Wind, Äther, Wasser und als fünftes das Licht.'

Wort für Wort
mahābhūtāni
die großen Elemente (Nom. Pl. n.)
prasūtāni
entstanden, hervorgebracht (Nom. Pl. n.)

teṣu bhūtāni muhyante mahābhūteṣu pañcasu śabdasparśanarūpeṣu rasagandhakriyāsu ca

'In diesen, den fünf großen Elementen, gerieten die Wesen in Verblendung - im Klang, in der Berührung, in der Gestalt, im Geschmack, im Geruch und im Handeln.'

Wort für Wort
muhyante
sie geraten in Verblendung (3. Pl. Präs. Pass., √muh)
kriyāsu
in den Handlungen (Lok. Pl. f.)

mahābhūtavināśānte pralaye pratyupasthite sarvaprāṇabhṛtāṃ dhīrā mahad utpadyate bhayam

'Am Ende der Zerstörung der großen Elemente, wenn die Auflösung eintrete, entstehe große Furcht bei allen lebenden Wesen, o Weise.'

Wort für Wort
pralaye
bei der Auflösung (Lok. Sg. m.)
prāṇabhṛtām
der lebenden Wesen (Gen. Pl. m.)

yady asmāj jāyate bhūtaṃ tatra tat pravilīyate līyante pratilomāni jāyante cottarottaram

'Wird ein Wesen aus diesem Element geboren, so löse es sich wieder darin auf; in umgekehrter Reihenfolge lösten sie sich auf, und in aufeinanderfolgender Ordnung entstünden sie.'

Wort für Wort
pravilīyate
es löst sich auf (3. Sg. Präs. Pass., pra-vi-√lī)
pratilomāni
in umgekehrter Reihenfolge (Nom. Pl. n. als Adv.)

tataḥ pralīne sarvasmin bhūte sthāvarajaṅgame smṛtimantas tadā dhīrā na līyante kadā cana

'Wenn dann alles, das Unbewegliche wie das Bewegliche, sich aufgelöst habe, würden die Weisen, die Erinnerung besäßen, niemals aufgelöst.'

Wort für Wort
smṛtimantaḥ
die Erinnerung Besitzenden (Nom. Pl. m.)
kadā cana
jemals, irgendwann (Adv.)

śabdaḥ sparśas tathā rūpaṃ raso gandhaś ca pañcamaḥ kriyākāraṇayuktāḥ syur anityā mohasaṃjñitāḥ

'Klang, Berührung und Gestalt, Geschmack und als fünftes der Geruch - mit Handlung und Ursache verbunden, seien sie vergänglich und würden Verblendung genannt.'

Wort für Wort
anityāḥ
vergänglich (Nom. Pl. m.)
mohasaṃjñitāḥ
Verblendung genannt (Nom. Pl. m.)

lobhaprajanasaṃyuktā nirviśeṣā hy akiṃcanāḥ māṃsaśoṇitasaṃghātā anyonyasyopajīvinaḥ

'Mit Gier und Fortpflanzung verbunden, ohne Unterscheidung, besitzlos; Ansammlungen von Fleisch und Blut, voneinander lebend -'

Wort für Wort
akiṃcanāḥ
besitzlos (Nom. Pl. m.)
māṃsaśoṇitasaṃghātāḥ
Ansammlungen von Fleisch und Blut (Nom. Pl. m.)

bahir ātmāna ity ete dīnāḥ kṛpaṇavṛttayaḥ prāṇāpānāv udānaś ca samāno vyāna eva ca

'diese würden als äußere Selbste bezeichnet, elend, von erbärmlichem Wandel; Prāṇa, Apāna, Udāna, Samāna und Vyāna -'

Wort für Wort
bahiḥ ātmānaḥ
die äußeren Selbste (Nom. Pl. m.)
kṛpaṇavṛttayaḥ
von erbärmlichem Wandel (Nom. Pl. m.)

antarātmeti cāpy ete niyatāḥ pañca vāyavaḥ vāṅmanobuddhir ity ebhiḥ sārdham aṣṭātmakaṃ jagat

'Und diese fünf feststehenden Winde würden als das innere Selbst bezeichnet; Rede, Geist und Verstand - zusammen mit diesen bestehe die Welt aus acht Teilen.'

Wort für Wort
antarātmā
das innere Selbst (Nom. Sg. m.)
aṣṭātmakam
aus acht Teilen bestehend (Nom. Sg. n.)

tvagghrāṇaśrotracakṣūṃṣi rasanaṃ vāk ca saṃyatā viśuddhaṃ ca mano yasya buddhiś cāvyabhicāriṇī

'Wer Haut, Nase, Ohren und Augen, Zunge und Rede gezügelt hat, dessen Geist rein und dessen Verstand unbeirrbar sei -'

Wort für Wort
saṃyatā
gezügelt (Nom. Pl. n.)
avyabhicāriṇī
unbeirrbar, unfehlbar (Nom. Sg. f.)

aṣṭau yasyāgnayo hy ete na dahante manaḥ sadā sa tad brahma śubhaṃ yāti yasmād bhūyo na vidyate

'dessen Geist von diesen acht Feuern niemals verbrannt werde, der gehe zu jenem heilvollen Brahman ein, über das hinaus nichts weiter existiere.'

Wort für Wort
agnayaḥ
Feuer (Nom. Pl. m.)
dahante
sie verbrennen (3. Pl. Präs. Ātm., √dah)

ekādaśa ca yāny āhur indriyāṇi viśeṣataḥ ahaṃkāraprasūtāni tāni vakṣyāmy ahaṃ dvijāḥ

'Und die elf Organe, die man insbesondere die Sinne nenne, aus dem Ich-Prinzip entstanden - diese werde er, so Brahmā, nun den Brahmanen verkünden.'

Wort für Wort
ekādaśa indriyāṇi
die elf Sinne (Akk. Pl. n.)
ahaṃkāraprasūtāni
aus dem Ich-Prinzip entstanden (Akk. Pl. n.)

śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā nāsikā caiva pañcamī pādau pāyur upasthaṃ ca hastau vāg daśamī bhavet

'Ohr, Haut, die beiden Augen, Zunge und als fünftes die Nase; die beiden Füße, der After und die Geschlechtsteile, die beiden Hände, und die Rede sei das zehnte.'

Wort für Wort
upastham
die Geschlechtsteile (Nom. Sg. n.)
daśamī
die zehnte (Nom. Sg. f.)

indriyagrāma ity eṣa mana ekādaśaṃ bhavet etaṃ grāmaṃ jayet pūrvaṃ tato brahma prakāśate

'Dies werde die Sinnesgruppe genannt; der Geist sei das elfte. Man solle zuerst diese Gruppe bezwingen; dann werde das Brahman offenbar.'

Wort für Wort
indriyagrāmaḥ
die Sinnesgruppe (Nom. Sg. m.)
jayet
er möge bezwingen (3. Sg. Optativ, √ji)

buddhīndriyāṇi pañcāhuḥ pañca karmendriyāṇi ca śrotrādīny api pañcāhur buddhiyuktāni tattvataḥ

'Fünf nenne man die Erkenntnissinne, und fünf die Handlungssinne; auch die mit dem Hören beginnenden Sinne nenne man fünf, der Wahrheit nach mit dem Verstand verbunden.'

Wort für Wort
buddhīndriyāṇi
die Erkenntnissinne (Akk. Pl. n.)
karmendriyāṇi
die Handlungssinne (Akk. Pl. n.)

aviśeṣāṇi cānyāni karmayuktāni tāni tu ubhayatra mano jñeyaṃ buddhir dvādaśamī bhavet

'Und die anderen, undifferenzierten, mit Handlung verbundenen Organe - der Geist aber sei in beiden Gruppen mitzuzählen; der Verstand sei das zwölfte.'

Wort für Wort
aviśeṣāṇi
undifferenziert (Nom. Pl. n.)
dvādaśamī
die zwölfte (Nom. Sg. f.)

ity uktānīndriyāṇīmāny ekādaśa mayā kramāt manyante kṛtam ity eva viditvaitāni paṇḍitāḥ

'So seien diese elf Sinne, wie er, Brahmā, sagte, der Reihe nach dargelegt worden; die Gelehrten, nachdem sie diese erkannt hätten, betrachteten ihre Aufgabe als vollbracht.'

Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach (Abl. Sg. m. als Adv.)
paṇḍitāḥ
die Gelehrten (Nom. Pl. m.)

trīṇi sthānāni bhūtānāṃ caturthaṃ nopapadyate sthalam āpas tathākāśaṃ janma cāpi caturvidham

'Drei seien die Aufenthaltsorte der Wesen; ein vierter komme nicht in Betracht: das feste Land, das Wasser und ebenso der Luftraum; und die Geburt sei ebenfalls vierfach.'

Wort für Wort
sthānāni
Aufenthaltsorte (Nom. Pl. n.)
caturvidham
vierfach (Nom. Sg. n.)

aṇḍajodbhijjasaṃsvedajarāyujam athāpi ca caturdhā janma ity etad bhūtagrāmasya lakṣyate

'Eierboren, sprossgeboren, schweißgeboren und aus dem Mutterschoß geboren - so sei diese vierfache Geburt bei der Gesamtheit der Wesen zu beobachten.'

Wort für Wort
aṇḍajam
eiergeboren (Nom. Sg. n.)
jarāyujam
aus dem Mutterschoß geboren (Nom. Sg. n.)

acarāṇy api bhūtāni khecarāṇi tathaiva ca aṇḍajāni vijānīyāt sarvāṃś caiva sarīsṛpān

'Man solle wissen, dass auch unbewegliche Wasserwesen sowie ebenso die Himmelswandelnden und alle Kriechtiere eierboren seien.'

Wort für Wort
khecarāṇi
die Himmelswandelnden, Vögel (Nom. Pl. n.)
sarīsṛpān
Kriechtiere (Akk. Pl. m.)

[Anm.: 'acarāṇi' hier vermutlich im Sinne von unbeweglich wirkenden Wasserwesen wie Fischen zu verstehen]

saṃsvedāḥ kṛmayaḥ proktā jantavaś ca tathāvidhāḥ janma dvitīyam ity etaj jaghanyataram ucyate

'Würmer werden als schweißgeboren bezeichnet, und Lebewesen solcher Art; diese zweite Geburtsart werde als die niedrigere bezeichnet.'

Wort für Wort
kṛmayaḥ
Würmer (Nom. Pl. m.)
jaghanyataram
niedriger (Komparativ, Nom. Sg. n.)

bhittvā tu pṛthivīṃ yāni jāyante kālaparyayāt udbhijjānīti tāny āhur bhūtāni dvijasattamāḥ

'Diejenigen Wesen aber, die, die Erde durchbrechend, im Wandel der Zeit entstehen - diese würden, o Beste der Zweifachgeborenen, als sprossgeboren bezeichnet.'

Wort für Wort
bhittvā
durchbrochen habend (Absolutiv, √bhid)
kālaparyayāt
im Wandel der Zeit (Abl. Sg. m.)

dvipādabahupādāni tiryaggatimatīni ca jarāyujāni bhūtāni vitta tāny api sattamāḥ

'Zweifüßige und vielfüßige Wesen, sowie solche von seitlicher Fortbewegung - wisset, dass auch diese, o Beste, aus dem Mutterschoß geboren seien.'

Wort für Wort
tiryaggatimatīni
von seitlicher Fortbewegung (Nom. Pl. n.)
vitta
wisset! (2. Pl. Imperativ Perf., √vid)

dvividhāpīha vijñeyā brahmayoniḥ sanātanā tapaḥ karma ca yat puṇyam ity eṣa viduṣāṃ nayaḥ

'Auch hier sei der ewige Ursprung des Brahman als zweifach zu erkennen: Askese und verdienstvolles Handeln - dies sei die Lehre der Weisen.'

Wort für Wort
brahmayoniḥ
der Ursprung des Brahman (Nom. Sg. f.)
nayaḥ
die Lehre, der Grundsatz (Nom. Sg. m.)

dvividhaṃ karma vijñeyam ijyā dānaṃ ca yan makhe jātasyādhyayanaṃ puṇyam iti vṛddhānuśāsanam

'Das Handeln sei als zweifach zu erkennen: das Opfern und das Geben beim Opferfest; das Studium des einmal Geborenen sei verdienstvoll - so laute die Lehre der Alten.'

Wort für Wort
ijyā
das Opfern (Nom. Sg. f.)
vṛddhānuśāsanam
die Lehre der Alten (Nom. Sg. n.)

etad yo veda vidhivat sa muktaḥ syād dvijarṣabhāḥ vimuktaḥ sarvapāpebhya iti caiva nibodhata

'Wer dies gebührend erkenne, sei befreit, o Stiere unter den Zweifachgeborenen; sie sollten auch verstehen, dass er von allen Sünden befreit sei.'

Wort für Wort
vidhivat
gebührend (Adv.)
sarvapāpebhyaḥ
von allen Sünden (Abl. Pl. n.)

ākāśaṃ prathamaṃ bhūtaṃ śrotram adhyātmam ucyate adhibhūtaṃ tathā śabdo diśas tatrādhidaivatam

'Der Äther sei das erste Element; das Gehör werde als sein Adhyātma bezeichnet; der Klang sei ebenso sein Adhibhūta; die Himmelsrichtungen seien dabei sein Adhidaivata.'

Wort für Wort
adhyātmam
der innere, subjektive Aspekt (Nom. Sg. n., Fachbegriff)
adhidaivatam
die waltende Gottheit (Nom. Sg. n., Fachbegriff)

dvitīyaṃ māruto bhūtaṃ tvag adhyātmaṃ ca viśrutam spraṣṭavyam adhibhūtaṃ ca vidyut tatrādhidaivatam

'Das zweite Element sei der Wind; die Haut sei bekanntlich sein Adhyātma; das Tastbare sei sein Adhibhūta; der Blitz sei dabei sein Adhidaivata.'

Wort für Wort
spraṣṭavyam
das Tastbare (Nom. Sg. n., Gerundivum)
vidyut
der Blitz (Nom. Sg. f.)

tṛtīyaṃ jyotir ity āhuś cakṣur adhyātmam ucyate adhibhūtaṃ tato rūpaṃ sūryas tatrādhidaivatam

'Das dritte nenne man Licht/Feuer; das Auge werde als sein Adhyātma bezeichnet; die Gestalt sei davon sein Adhibhūta; die Sonne sei dabei sein Adhidaivata.'

Wort für Wort
jyotiḥ
Licht, Feuer (Nom. Sg. n.)
sūryaḥ
die Sonne (Nom. Sg. m.)

caturtham āpo vijñeyaṃ jihvā cādhyātmam iṣyate adhibhūtaṃ rasaś cātra somas tatrādhidaivatam

'Das vierte sei als Wasser zu erkennen; die Zunge gelte als sein Adhyātma; der Geschmack sei hier sein Adhibhūta; Soma sei dabei sein Adhidaivata.'

Wort für Wort
rasaḥ
der Geschmack (Nom. Sg. m.)
somaḥ
Soma, der Mondgott (Nom. Sg. m.)

pṛthivī pañcamaṃ bhūtaṃ ghrāṇaś cādhyātmam iṣyate adhibhūtaṃ tathā gandho vāyus tatrādhidaivatam

'Die Erde sei das fünfte Element; die Nase gelte als sein Adhyātma; der Geruch sei ebenso sein Adhibhūta; Vāyu sei dabei sein Adhidaivata.'

Wort für Wort
ghrāṇaḥ
die Nase (Nom. Sg. m.)
gandhaḥ
der Geruch (Nom. Sg. m.)

eṣa pañcasu bhūteṣu catuṣṭayavidhiḥ smṛtaḥ ataḥ paraṃ pravakṣyāmi sarvaṃ trividham indriyam

'Dies sei, so wurde überliefert, die vierfache Ordnung bei den fünf Elementen; danach werde er, Brahmā, alle übrigen Sinne, je nach der dreifachen Ordnung, verkünden.'

Wort für Wort
catuṣṭayavidhiḥ
die vierfache Ordnung (Nom. Sg. m.)
trividham
dreifach (Akk. Sg. n.)

pādāv adhyātmam ity āhur brāhmaṇās tattvadarśinaḥ adhibhūtaṃ tu gantavyaṃ viṣṇus tatrādhidaivatam

'Die Füße würden, wie die wahrheitsschauenden Brahmanen sagten, das Adhyātma genannt; das zu Erreichende sei das Adhibhūta; Viṣṇu sei dabei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
gantavyam
das zu Erreichende, die Fortbewegung (Nom. Sg. n., Gerundivum)
tattvadarśinaḥ
die Wahrheit Schauende (Nom. Pl. m.)

avāggatir apānaś ca pāyur adhyātmam iṣyate adhibhūtaṃ visargaś ca mitras tatrādhidaivatam

'Der abwärts gerichtete Atem, Apāna, und der After gälten als das Adhyātma; die Ausscheidung sei das Adhibhūta; Mitra sei dabei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
apānaḥ
der abwärts gerichtete Atem (Nom. Sg. m.)
visargaḥ
die Ausscheidung (Nom. Sg. m.)

prajanaḥ sarvabhūtānām upastho 'dhyātmam ucyate adhibhūtaṃ tathā śukraṃ daivataṃ ca prajāpatiḥ

'Das Zeugungsorgan, die Fortpflanzung aller Wesen, werde als das Adhyātma bezeichnet; der Same sei ebenso das Adhibhūta; und die Gottheit sei Prajāpati.'

Wort für Wort
prajanaḥ
die Fortpflanzung, das Zeugungsorgan (Nom. Sg. m.)
śukram
der Same (Nom. Sg. n.)

hastāv adhyātmam ity āhur adhyātmaviduṣo janāḥ adhibhūtaṃ tu karmāṇi śakras tatrādhidaivatam

'Die Hände würden, wie die im Adhyātma Kundigen sagten, das Adhyātma genannt; die Handlungen seien das Adhibhūta; Śakra sei dabei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
adhyātmaviduṣaḥ
die im Adhyātma Kundigen (Nom. Pl. m.)
śakraḥ
Śakra, Indra (Nom. Sg. m.)

vaiśvadevī manaḥpūrvā vāg adhyātmam ihocyate vaktavyam adhibhūtaṃ ca vahnis tatrādhidaivatam

'Die allumfassende, dem Geist vorausgehende Rede werde hier als das Adhyātma bezeichnet; das zu Sprechende sei das Adhibhūta; Agni sei dabei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
vaiśvadevī
allumfassend, allen Göttern gemeinsam (Nom. Sg. f.)
vaktavyam
das zu Sprechende (Nom. Sg. n., Gerundivum)

adhyātmaṃ mana ity āhuḥ pañcabhūtānucārakam adhibhūtaṃ ca mantavyaṃ candramāś cādhidaivatam

'Den Geist, der den fünf Elementen nachfolge, nenne man das Adhyātma; das zu Bedenkende sei das Adhibhūta; und der Mond sei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
pañcabhūtānucārakam
den fünf Elementen nachfolgend (Nom. Sg. n.)
mantavyam
das zu Bedenkende (Nom. Sg. n., Gerundivum)

adhyātmaṃ buddhir ity āhuḥ ṣaḍindriyavicāriṇī adhibhūtaṃ tu vijñeyaṃ brahmā tatrādhidaivatam

'Den Verstand, der die sechs Sinne prüft, nenne man das Adhyātma; das zu Erkennende sei das Adhibhūta; Brahmā sei dabei das Adhidaivata.'

Wort für Wort
ṣaḍindriyavicāriṇī
die sechs Sinne prüfend (Nom. Sg. f.)
vijñeyam
das zu Erkennende (Nom. Sg. n., Gerundivum)

yathāvad adhyātmavidhir eṣa vaḥ kīrtito mayā jñānam asya hi dharmajñāḥ prāptaṃ buddhimatām iha

'So sei ihnen diese Ordnung des Adhyātma, wie es sich gebühre, von ihm verkündet worden; das Wissen darüber sei, o Kenner des Dharma, hier von den Weisen erlangt worden.'

Wort für Wort
adhyātmavidhiḥ
die Ordnung des Adhyātma (Nom. Sg. m.)
dharmajñāḥ
Kenner des Dharma (Vok. Pl. m.)

indriyāṇīndriyārthāś ca mahābhūtāni pañca ca sarvāṇy etāni saṃdhāya manasā saṃpradhārayet

'Die Sinne, die Sinnesobjekte und die fünf großen Elemente - all diese solle man zusammenfügen und mit dem Geist fest erfassen.'

Wort für Wort
indriyārthāḥ
die Sinnesobjekte (Nom. Pl. m.)
saṃpradhārayet
er möge fest erfassen (3. Sg. Optativ, sam-pra-√dhṛ)

kṣīṇe manasi sarvasmin na janmasukham iṣyate jñānasaṃpannasattvānāṃ tat sukhaṃ viduṣāṃ matam

'Wenn der Geist gänzlich erloschen sei, werde kein aus äußerer Geburt stammendes Glück mehr gesucht; jener Zustand gelte den mit Wissen erfüllten Weisen als das wahre Glück.'

Wort für Wort
janmasukham
aus Geburt stammendes Glück (Nom. Sg. n.)
jñānasaṃpannasattvānām
der mit Wissen erfüllten Wesen (Gen. Pl. m.)

ataḥ paraṃ pravakṣyāmi sūkṣmabhāvakarīṃ śivām nivṛttiṃ sarvabhūteṣu mṛdunā dāruṇena vā

'Danach werde er die heilvolle, das feinstoffliche Dasein bewirkende Abkehr von allen Wesen verkünden, sei es auf sanfte oder auf harte Weise.'

Wort für Wort
nivṛttim
die Abkehr, das Aufhören (Akk. Sg. f.)
sūkṣmabhāvakarīm
das feinstoffliche Dasein bewirkend (Akk. Sg. f.)

guṇāguṇam anāsaṅgam ekacaryam anantaram etad brāhmaṇato vṛttam āhur ekapadaṃ sukham

'Jenseits von Eigenschaft und Eigenschaftslosigkeit, ohne Anhaftung, in ununterbrochenem Alleinwandel - dieses dem Brahmanen gemäße Verhalten nenne man den einzigen Ort des Glücks.'

Wort für Wort
ekacaryam
Alleinwandel, einsames Wandern (Nom. Sg. n.)
ekapadam
der einzige Ort/Zustand (Nom. Sg. n.)

vidvān kūrma ivāṅgāni kāmān saṃhṛtya sarvaśaḥ virajāḥ sarvato mukto yo naraḥ sa sukhī sadā

'Der weise Mensch, der, wie eine Schildkröte ihre Glieder, seine Begierden gänzlich zurückgezogen hat, staublos und von allem befreit ist, sei stets glücklich.'

Wort für Wort
saṃhṛtya
zurückgezogen habend (Absolutiv, sam-√hṛ)
virajāḥ
staublos, leidenschaftslos (Nom. Sg. m.)

kāmān ātmani saṃyamya kṣīṇatṛṣṇaḥ samāhitaḥ sarvabhūtasuhṛn maitro brahmabhūyaṃ sa gacchati

'Nachdem er seine Begierden in sich selbst gezügelt hat, mit erschöpftem Verlangen, gesammelt, allen Wesen ein Freund, wohlwollend, gehe er in den Zustand des Brahman ein.'

Wort für Wort
kṣīṇatṛṣṇaḥ
mit erschöpftem Verlangen (Nom. Sg. m.)
brahmabhūyam
der Zustand des Brahman-Seins (Akk. Sg. n.)

indriyāṇāṃ nirodhena sarveṣāṃ viṣayaiṣiṇām muner janapadatyāgād adhyātmāgniḥ samidhyate

'Durch die Zügelung aller nach äußeren Objekten strebenden Sinne und durch die Abkehr des Weisen von bewohnten Gegenden werde das Feuer des Adhyātma entzündet.'

Wort für Wort
viṣayaiṣiṇām
der nach Objekten strebenden (Gen. Pl. n.)
samidhyate
wird entzündet (3. Sg. Präs. Pass., sam-√idh)

yathāgnir indhanair iddho mahājyotiḥ prakāśate tathendriyanirodhena mahān ātmā prakāśate

'Wie ein mit Brennholz entfachtes Feuer als großes Licht erstrahle, so erstrahle durch die Zügelung der Sinne der große Selbst-Geist.'

Wort für Wort
indhanaiḥ
mit Brennholz (Instr. Pl. n.)
iddhaḥ
entfacht (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)

yadā paśyati bhūtāni prasannātmātmano hṛdi svayaṃyonis tadā sūkṣmāt sūkṣmam āpnoty anuttamam

'Wenn man mit heiterem Gemüt die Wesen im Herzen des eigenen Selbst erblickt, dem selbstentstandenen, dann erlange man das Feinste des Feinen, das Unübertreffliche.'

Wort für Wort
prasannātmā
mit heiterem Gemüt (Nom. Sg. m.)
svayaṃyoniḥ
der selbstentstandene Ursprung (Nom. Sg. m.)

agnī rūpaṃ payaḥ sroto vāyuḥ sparśanam eva ca mahī paṅkadharaṃ ghoram ākāśaṃ śravaṇaṃ tathā

'Das Feuer sei die Gestalt, das Wasser der Strom, der Wind ebenso die Berührung; die Erde der schreckliche, schlammtragende Grund, und der Äther ebenso das Gehör -'

Wort für Wort
sroto
Strom (Nom. Sg. n.)
paṅkadharam
schlammtragend (Akk. Sg. n.)

rāgaśokasamāviṣṭaṃ pañcasrotaḥsamāvṛtam pañcabhūtasamāyuktaṃ navadvāraṃ dvidaivatam

'von Leidenschaft und Kummer durchdrungen, von den fünf Strömen der Sinne umschlossen, mit den fünf Elementen verbunden, mit neun Toren, mit zwei Gottheiten -'

Wort für Wort
rāgaśokasamāviṣṭam
von Leidenschaft und Kummer durchdrungen (Nom. Sg. n.)
navadvāram
mit neun Toren (Nom. Sg. n.)

rajasvalam athādṛśyaṃ triguṇaṃ ca tridhātukam saṃsargābhirataṃ mūḍhaṃ śarīram iti dhāraṇā

'trübe, von Rajas erfüllt, und dabei unsichtbar in seinem wahren Wesen, dreifach in den Eigenschaften, dreifach in den Grundstoffen, der Berührung zugetan, verblendet - so laute die Auffassung vom Körper.'

Wort für Wort
rajasvalam
von Rajas erfüllt, trübe (Nom. Sg. n.)
dhāraṇā
Auffassung, Vorstellung (Nom. Sg. f.)

duścaraṃ jīvaloke 'smin sattvaṃ prati samāśritam etad eva hi loke 'smin kālacakraṃ pravartate

'schwer zu durchqueren in dieser Welt der Lebewesen, doch im Hinblick auf das Sattva aufgesucht - eben dieses Bild sei es, das in dieser Welt als das Rad der Zeit wirke.'

Wort für Wort
duścaram
schwer zu durchqueren (Nom. Sg. n.)
kālacakram
das Rad der Zeit (Nom. Sg. n.)

etan mahārṇavaṃ ghoram agādhaṃ mohasaṃjñitam visṛjet saṃkṣipec caiva bodhayet sāmaraṃ jagat

'Dieses große, schreckliche, unergründliche Meer, Verblendung genannt, möge man freisetzen und wieder einziehen und so die Welt samt den Göttern erwecken [?].'

Wort für Wort
mahārṇavam
das große Meer (Akk. Sg. m.)
bodhayet
er möge erwecken (3. Sg. Kausativ-Optativ, √budh)

[?] Sinn und Subjekt von 'visṛjet saṃkṣipec caiva bodhayet' im Vers nicht ganz eindeutig - evtl. Bezug auf Brahmās eigenes kosmisches Wirken

kāmakrodhau bhayaṃ moham abhidroham athānṛtam indriyāṇāṃ nirodhena sa tāṃs tyajati dustyajān

'Begierde und Zorn, Furcht, Verblendung, Bosheit und Falschheit - durch die Zügelung der Sinne gebe er diese auf, so schwer sie auch aufzugeben seien.'

Wort für Wort
dustyajān
schwer aufzugeben (Akk. Pl. m.)
abhidroham
Bosheit, Feindschaft (Akk. Sg. m.)

yasyaite nirjitā loke triguṇāḥ pañca dhātavaḥ vyomni tasya paraṃ sthānam anantam atha lakṣyate

'Wer diese drei Eigenschaften und die fünf Elemente in dieser Welt bezwungen habe, dessen höchster, endloser Ort werde im Himmel sichtbar.'

Wort für Wort
nirjitāḥ
bezwungen (Nom. Pl. m.)
vyomni
im Himmel (Lok. Sg. n.)

kāmakūlām apārāntāṃ manaḥsrotobhayāvahām nadīṃ durgahradāṃ tīrṇaḥ kāmakrodhāv ubhau jayet

'Nachdem er den Fluss überquert habe, dessen Ufer die Begierde, dessen fernes Ende unerreichbar, dessen Strömung der Geist sei und der Gefahr bringe, mit schwer zu durchquerenden Tiefen - er bezwinge Begierde und Zorn zugleich.'

Wort für Wort
kāmakūlām
deren Ufer die Begierde ist (Akk. Sg. f.)
tīrṇaḥ
überquert habend (Nom. Sg. m., Part. Perf.)

sa sarvadoṣanirmuktas tataḥ paśyati yat param mano manasi saṃdhāya paśyaty ātmānam ātmani

'Er, von allen Fehlern befreit, erblicke sodann das Höchste; nachdem er den Geist im Geist verankert habe, erblicke er das Selbst im Selbst.'

Wort für Wort
sarvadoṣanirmuktaḥ
von allen Fehlern befreit (Nom. Sg. m.)
saṃdhāya
verankert/verbunden habend (Absolutiv, sam-√dhā)

sarvavit sarvabhūteṣu vīkṣaty ātmānam ātmani ekadhā bahudhā caiva vikurvāṇas tatas tataḥ

'Der Allwissende erblicke das Selbst im Selbst, in allen Wesen, sowohl einheitlich als auch vielfältig, sich hierhin und dorthin wandelnd.'

Wort für Wort
sarvavit
der Allwissende (Nom. Sg. m.)
vikurvāṇaḥ
sich wandelnd (Part. Präs. Ātm., vi-√kṛ)

dhruvaṃ paśyati rūpāṇi dīpād dīpaśataṃ yathā sa vai viṣṇuś ca mitraś ca varuṇo 'gniḥ prajāpatiḥ

'Er erblicke gewisslich seine Gestalten, wie von einer Lampe hundert Lampen entzündet werden; er sei wahrlich Viṣṇu und Mitra und Varuṇa, Agni und Prajāpati -'

Wort für Wort
dīpāt dīpaśatam
von einer Lampe hundert Lampen (Akk. Sg. n.)
dhruvam
gewisslich, beständig (Adv.)

sa hi dhātā vidhātā ca sa prabhuḥ sarvatomukhaḥ hṛdayaṃ sarvabhūtānāṃ mahān ātmā prakāśate

'Denn er sei der Schöpfer und der Ordner; er sei der Herr mit Gesichtern nach allen Seiten; als das Herz aller Wesen erstrahle der große Selbst-Geist.'

Wort für Wort
dhātā vidhātā
der Schöpfer, der Ordner (Nom. Sg. m., Beinamen)
sarvatomukhaḥ
mit Gesichtern nach allen Seiten (Nom. Sg. m.)

taṃ viprasaṃghāś ca surāsurāś ca yakṣāḥ piśācāḥ pitaro vayāṃsi rakṣogaṇā bhūtagaṇāś ca sarve maharṣayaś caiva sadā stuvanti

'Ihn preisen stets die Scharen der Brahmanen, Götter und Dämonen, die Yakṣas, Piśācas, die Ahnen, die Vögel, die Scharen der Rakṣasas und alle Scharen der Wesen sowie die großen Seher.'

Wort für Wort
viprasaṃghāḥ
die Scharen der Brahmanen (Nom. Pl. m.)
stuvanti
sie preisen (3. Pl. Präs., √stu)

Dieses Kapitel in der Leseansicht