teṣu bhūtāni muhyante mahābhūteṣu pañcasu śabdasparśanarūpeṣu rasagandhakriyāsu ca
'In diesen, den fünf großen Elementen, gerieten die Wesen in Verblendung - im Klang, in der Berührung, in der Gestalt, im Geschmack, im Geruch und im Handeln.'
Wort für Wort
muhyante
sie geraten in Verblendung (3. Pl. Präs. Pass., √muh)
yady asmāj jāyate bhūtaṃ tatra tat pravilīyate līyante pratilomāni jāyante cottarottaram
'Wird ein Wesen aus diesem Element geboren, so löse es sich wieder darin auf; in umgekehrter Reihenfolge lösten sie sich auf, und in aufeinanderfolgender Ordnung entstünden sie.'
'Klang, Berührung und Gestalt, Geschmack und als fünftes der Geruch - mit Handlung und Ursache verbunden, seien sie vergänglich und würden Verblendung genannt.'
'Und diese fünf feststehenden Winde würden als das innere Selbst bezeichnet; Rede, Geist und Verstand - zusammen mit diesen bestehe die Welt aus acht Teilen.'
'Ohr, Haut, die beiden Augen, Zunge und als fünftes die Nase; die beiden Füße, der After und die Geschlechtsteile, die beiden Hände, und die Rede sei das zehnte.'
buddhīndriyāṇi pañcāhuḥ pañca karmendriyāṇi ca śrotrādīny api pañcāhur buddhiyuktāni tattvataḥ
'Fünf nenne man die Erkenntnissinne, und fünf die Handlungssinne; auch die mit dem Hören beginnenden Sinne nenne man fünf, der Wahrheit nach mit dem Verstand verbunden.'
aviśeṣāṇi cānyāni karmayuktāni tāni tu ubhayatra mano jñeyaṃ buddhir dvādaśamī bhavet
'Und die anderen, undifferenzierten, mit Handlung verbundenen Organe - der Geist aber sei in beiden Gruppen mitzuzählen; der Verstand sei das zwölfte.'
'So seien diese elf Sinne, wie er, Brahmā, sagte, der Reihe nach dargelegt worden; die Gelehrten, nachdem sie diese erkannt hätten, betrachteten ihre Aufgabe als vollbracht.'
'Drei seien die Aufenthaltsorte der Wesen; ein vierter komme nicht in Betracht: das feste Land, das Wasser und ebenso der Luftraum; und die Geburt sei ebenfalls vierfach.'
'Diejenigen Wesen aber, die, die Erde durchbrechend, im Wandel der Zeit entstehen - diese würden, o Beste der Zweifachgeborenen, als sprossgeboren bezeichnet.'
dvividhaṃ karma vijñeyam ijyā dānaṃ ca yan makhe jātasyādhyayanaṃ puṇyam iti vṛddhānuśāsanam
'Das Handeln sei als zweifach zu erkennen: das Opfern und das Geben beim Opferfest; das Studium des einmal Geborenen sei verdienstvoll - so laute die Lehre der Alten.'
'Der Äther sei das erste Element; das Gehör werde als sein Adhyātma bezeichnet; der Klang sei ebenso sein Adhibhūta; die Himmelsrichtungen seien dabei sein Adhidaivata.'
Wort für Wort
adhyātmam
der innere, subjektive Aspekt (Nom. Sg. n., Fachbegriff)
'Das dritte nenne man Licht/Feuer; das Auge werde als sein Adhyātma bezeichnet; die Gestalt sei davon sein Adhibhūta; die Sonne sei dabei sein Adhidaivata.'
'Dies sei, so wurde überliefert, die vierfache Ordnung bei den fünf Elementen; danach werde er, Brahmā, alle übrigen Sinne, je nach der dreifachen Ordnung, verkünden.'
'Die Füße würden, wie die wahrheitsschauenden Brahmanen sagten, das Adhyātma genannt; das zu Erreichende sei das Adhibhūta; Viṣṇu sei dabei das Adhidaivata.'
Wort für Wort
gantavyam
das zu Erreichende, die Fortbewegung (Nom. Sg. n., Gerundivum)
'Das Zeugungsorgan, die Fortpflanzung aller Wesen, werde als das Adhyātma bezeichnet; der Same sei ebenso das Adhibhūta; und die Gottheit sei Prajāpati.'
Wort für Wort
prajanaḥ
die Fortpflanzung, das Zeugungsorgan (Nom. Sg. m.)
vaiśvadevī manaḥpūrvā vāg adhyātmam ihocyate vaktavyam adhibhūtaṃ ca vahnis tatrādhidaivatam
'Die allumfassende, dem Geist vorausgehende Rede werde hier als das Adhyātma bezeichnet; das zu Sprechende sei das Adhibhūta; Agni sei dabei das Adhidaivata.'
Wort für Wort
vaiśvadevī
allumfassend, allen Göttern gemeinsam (Nom. Sg. f.)
yathāvad adhyātmavidhir eṣa vaḥ kīrtito mayā jñānam asya hi dharmajñāḥ prāptaṃ buddhimatām iha
'So sei ihnen diese Ordnung des Adhyātma, wie es sich gebühre, von ihm verkündet worden; das Wissen darüber sei, o Kenner des Dharma, hier von den Weisen erlangt worden.'
kṣīṇe manasi sarvasmin na janmasukham iṣyate jñānasaṃpannasattvānāṃ tat sukhaṃ viduṣāṃ matam
'Wenn der Geist gänzlich erloschen sei, werde kein aus äußerer Geburt stammendes Glück mehr gesucht; jener Zustand gelte den mit Wissen erfüllten Weisen als das wahre Glück.'
'Jenseits von Eigenschaft und Eigenschaftslosigkeit, ohne Anhaftung, in ununterbrochenem Alleinwandel - dieses dem Brahmanen gemäße Verhalten nenne man den einzigen Ort des Glücks.'
vidvān kūrma ivāṅgāni kāmān saṃhṛtya sarvaśaḥ virajāḥ sarvato mukto yo naraḥ sa sukhī sadā
'Der weise Mensch, der, wie eine Schildkröte ihre Glieder, seine Begierden gänzlich zurückgezogen hat, staublos und von allem befreit ist, sei stets glücklich.'
kāmān ātmani saṃyamya kṣīṇatṛṣṇaḥ samāhitaḥ sarvabhūtasuhṛn maitro brahmabhūyaṃ sa gacchati
'Nachdem er seine Begierden in sich selbst gezügelt hat, mit erschöpftem Verlangen, gesammelt, allen Wesen ein Freund, wohlwollend, gehe er in den Zustand des Brahman ein.'
'Durch die Zügelung aller nach äußeren Objekten strebenden Sinne und durch die Abkehr des Weisen von bewohnten Gegenden werde das Feuer des Adhyātma entzündet.'
'Wenn man mit heiterem Gemüt die Wesen im Herzen des eigenen Selbst erblickt, dem selbstentstandenen, dann erlange man das Feinste des Feinen, das Unübertreffliche.'
agnī rūpaṃ payaḥ sroto vāyuḥ sparśanam eva ca mahī paṅkadharaṃ ghoram ākāśaṃ śravaṇaṃ tathā
'Das Feuer sei die Gestalt, das Wasser der Strom, der Wind ebenso die Berührung; die Erde der schreckliche, schlammtragende Grund, und der Äther ebenso das Gehör -'
'von Leidenschaft und Kummer durchdrungen, von den fünf Strömen der Sinne umschlossen, mit den fünf Elementen verbunden, mit neun Toren, mit zwei Gottheiten -'
Wort für Wort
rāgaśokasamāviṣṭam
von Leidenschaft und Kummer durchdrungen (Nom. Sg. n.)
rajasvalam athādṛśyaṃ triguṇaṃ ca tridhātukam saṃsargābhirataṃ mūḍhaṃ śarīram iti dhāraṇā
'trübe, von Rajas erfüllt, und dabei unsichtbar in seinem wahren Wesen, dreifach in den Eigenschaften, dreifach in den Grundstoffen, der Berührung zugetan, verblendet - so laute die Auffassung vom Körper.'
duścaraṃ jīvaloke 'smin sattvaṃ prati samāśritam etad eva hi loke 'smin kālacakraṃ pravartate
'schwer zu durchqueren in dieser Welt der Lebewesen, doch im Hinblick auf das Sattva aufgesucht - eben dieses Bild sei es, das in dieser Welt als das Rad der Zeit wirke.'
'Dieses große, schreckliche, unergründliche Meer, Verblendung genannt, möge man freisetzen und wieder einziehen und so die Welt samt den Göttern erwecken [?].'
Wort für Wort
mahārṇavam
das große Meer (Akk. Sg. m.)
bodhayet
er möge erwecken (3. Sg. Kausativ-Optativ, √budh)
[?] Sinn und Subjekt von 'visṛjet saṃkṣipec caiva bodhayet' im Vers nicht ganz eindeutig - evtl. Bezug auf Brahmās eigenes kosmisches Wirken
'Begierde und Zorn, Furcht, Verblendung, Bosheit und Falschheit - durch die Zügelung der Sinne gebe er diese auf, so schwer sie auch aufzugeben seien.'
'Nachdem er den Fluss überquert habe, dessen Ufer die Begierde, dessen fernes Ende unerreichbar, dessen Strömung der Geist sei und der Gefahr bringe, mit schwer zu durchquerenden Tiefen - er bezwinge Begierde und Zorn zugleich.'
dhruvaṃ paśyati rūpāṇi dīpād dīpaśataṃ yathā sa vai viṣṇuś ca mitraś ca varuṇo 'gniḥ prajāpatiḥ
'Er erblicke gewisslich seine Gestalten, wie von einer Lampe hundert Lampen entzündet werden; er sei wahrlich Viṣṇu und Mitra und Varuṇa, Agni und Prajāpati -'
sa hi dhātā vidhātā ca sa prabhuḥ sarvatomukhaḥ hṛdayaṃ sarvabhūtānāṃ mahān ātmā prakāśate
'Denn er sei der Schöpfer und der Ordner; er sei der Herr mit Gesichtern nach allen Seiten; als das Herz aller Wesen erstrahle der große Selbst-Geist.'
taṃ viprasaṃghāś ca surāsurāś ca yakṣāḥ piśācāḥ pitaro vayāṃsi rakṣogaṇā bhūtagaṇāś ca sarve maharṣayaś caiva sadā stuvanti
'Ihn preisen stets die Scharen der Brahmanen, Götter und Dämonen, die Yakṣas, Piśācas, die Ahnen, die Vögel, die Scharen der Rakṣasas und alle Scharen der Wesen sowie die großen Seher.'