Mahābhārata · Āśvamedhikaparva
Kapitel 83: meghasamdhiyuddham
Der Kampf mit Meghasaṃdhi von Rājagṛha
vaiśaṃpāyana uvāca sa tu vājī samudrāntāṃ paryetya pṛthivīm imām nivṛtto 'bhimukho rājan yena nāgāhvayaṃ puram
Vaiśaṃpāyana sprach: Jenes Ross aber, nachdem es diese Erde bis an die Grenzen des Ozeans durchstreift hatte, wandte sich um, o König, dorthin gewandt, wo die Elefantenstadt liegt.
Wort für Wort samudrāntām pṛthivīm die Erde bis an die Grenzen des Ozeans (Akk.) nāgāhvayam puram die Elefantenstadt, d.h. Hāstinapura (Akk.) anugacchaṃś ca tejasvī nivṛtto 'tha kirīṭabhṛt yadṛcchayā samāpede puraṃ rājagṛhaṃ tadā
Und der Glanzvolle, der Diademträger, der ihm folgte, gelangte, sich umwendend, da zufällig zur Stadt Rājagṛha.
Wort für Wort yadṛcchayā zufällig (Adv.) samāpede er gelangte (Perf.) tam abhyāśagataṃ rājā jarāsaṃdhātmajātmajaḥ kṣatradharme sthito vīraḥ samarāyājuhāva ha
Als er sich näherte, forderte ihn der König, der Enkel Jarāsaṃdhas, im Kriegerrecht stehend, der Held, zum Kampf heraus.
Wort für Wort jarāsaṃdhātmajātmajaḥ der Enkel Jarāsaṃdhas, wörtl. der Sohn des Sohnes Jarāsaṃdhas (Nom.) samarāya ājuhāva er forderte zum Kampf heraus (Perf.) tataḥ purāt sa niṣkramya rathī dhanvī śarī talī meghasaṃdhiḥ padātiṃ taṃ dhanaṃjayam upādravat
Da, aus der Stadt herausgetreten, mit Wagen, Bogen, Pfeilen und Handschuh ausgerüstet, griff Meghasaṃdhi den zu Fuß stehenden Dhanaṃjaya an.
Wort für Wort rathī dhanvī śarī talī mit Wagen, Bogen, Pfeilen und Handschuh ausgerüstet (Adj.) upādravat er griff an (Impf.) āsādya ca mahātejā meghasaṃdhir dhanaṃjayam bālabhāvān mahārāja provācedaṃ na kauśalāt
Als er, der Glanzvolle, Meghasaṃdhi, sich Dhanaṃjaya genähert hatte, sprach er dies aus kindlicher Unbedachtheit, o Großkönig, nicht aus Klugheit:
Wort für Wort bālabhāvāt aus kindlicher Unbedachtheit (Abl.) na kauśalāt nicht aus Klugheit (Abl.) kim ayaṃ cāryate vājī strīmadhya iva bhārata hayam enaṃ hariṣyāmi prayatasva vimokṣaṇe
„Warum wird dieses Ross herumgeführt wie inmitten von Frauen, Bhārata? Ich werde dieses Pferd wegnehmen – bemühe dich um seine Freilassung.
Wort für Wort strīmadhya iva wie inmitten von Frauen (Vergleich) hariṣyāmi ich werde wegnehmen (Fut.) adattānunayo yuddhe yadi tvaṃ pitṛbhir mama kariṣyāmi tavātithyaṃ prahara praharāmi vā
Wenn dir im Kampf von meinen Vorvätern keine Nachsicht gewährt worden ist, werde ich dir hier Gastfreundschaft erweisen – schlage zu, oder ich schlage zu.“
Wort für Wort adattānunayaḥ dem keine Nachsicht gewährt wurde (Adj.) tavātithyam kariṣyāmi ich werde dir Gastfreundschaft erweisen, d.h. dich bekämpfen (Fut., ironisch) [?] 'adattānunayaḥ' (dem keine Nachsicht/Zustimmung gewährt wurde) bleibt im genauen Bezug unklar; hier als Anspielung auf eine frühere Übereinkunft mit Meghasaṃdhis Vorfahren verstanden.
ity uktaḥ pratyuvācainaṃ pāṇḍavaḥ prahasann iva vighnakartā mayā vārya iti me vratam āhitam
So angesprochen, erwiderte ihm der Pāṇḍava, gleichsam lächelnd: „Ein Hindernis-Stifter soll von mir abgewehrt werden – so ist mein Gelübde festgelegt,
Wort für Wort vighnakartā der Hindernis-Stifter (Nom.) vratam āhitam das Gelübde ist festgelegt (Ptz.) bhrātrā jyeṣṭhena nṛpate tavāpi viditaṃ dhruvam praharasva yathāśakti na manyur vidyate mama
von meinem ältesten Bruder, o König; dies ist gewiss auch dir bekannt. Schlage zu, nach deinem Vermögen – kein Zorn ist in mir vorhanden.“
Wort für Wort bhrātrā jyeṣṭhena vom ältesten Bruder (Instr.) manyuḥ na vidyate kein Zorn ist vorhanden (Präs.) ity uktaḥ prāharat pūrvaṃ pāṇḍavaṃ magadheśvaraḥ kirañ śarasahasrāṇi varṣāṇīva sahasradṛk
So angesprochen, schlug der Herrscher von Magadha zuerst auf den Pāṇḍava ein, Tausende von Pfeilen verstreuend wie der Tausendäugige Regenschauer.
Wort für Wort magadheśvaraḥ der Herrscher von Magadha (Nom.) sahasradṛk der Tausendäugige (Nom., Beiname Indras) tato gāṇḍīvabhṛc chūro gāṇḍīvapreṣitaiḥ śaraiḥ cakāra moghāṃs tān bāṇān ayatnād bharatarṣabha
Da machte der Held, der Gāṇḍīva-Träger, mit von Gāṇḍīva entsandten Pfeilen jene Pfeile mühelos wirkungslos, o Stier der Bharatas.
Wort für Wort moghān cakāra er machte wirkungslos (Perf.) ayatnāt mühelos (Abl.) sa moghaṃ tasya bāṇaughaṃ kṛtvā vānaraketanaḥ śarān mumoca jvalitān dīptāsyān iva pannagān
Nachdem er dessen Pfeilflut wirkungslos gemacht hatte, entsandte der Affenbanner-Träger lodernde Pfeile, feuerspeienden Schlangen gleich.
Wort für Wort bāṇaugham die Pfeilflut (Akk.) dīptāsyān pannagān iva feuerspeienden Schlangen gleich (Vergleich) dhvaje patākādaṇḍeṣu rathayantre hayeṣu ca anyeṣu ca rathāṅgeṣu na śarīre na sārathau
Auf die Fahne, die Bannerstangen, das Wagengetriebe und die Pferde und die übrigen Wagenteile – nicht auf den Körper, nicht auf den Wagenlenker.
Wort für Wort rathayantre auf dem Wagengetriebe (Lok.) na śarīre na sārathau nicht auf den Körper, nicht auf den Wagenlenker (Lok.) saṃrakṣyamāṇaḥ pārthena śarīre phalgunasya ha manyamānaḥ svavīryaṃ tan māgadhaḥ prāhiṇoc charān
Von Pārtha am Körper geschont, entsandte der Magadha-König, seine eigene Tapferkeit hoch einschätzend, Pfeile auf Phalgunas Körper.
Wort für Wort saṃrakṣyamāṇaḥ geschont (Ptz.) svavīryam manyamānaḥ seine eigene Tapferkeit hoch einschätzend (Ptz.) tato gāṇḍīvabhṛc chūro māgadhena samāhataḥ babhau vāsantika iva palāśaḥ puṣpito mahān
Da erstrahlte der Held, der Gāṇḍīva-Träger, vom Magadha-König getroffen, wie ein großer, im Frühling blühender Palāśa-Baum.
Wort für Wort samāhataḥ getroffen (Ptz.) vāsantikaḥ palāśaḥ puṣpitaḥ ein im Frühling blühender Palāśa-Baum (Vergleich, blutrote Blüten = Pfeilwunden) avadhyamānaḥ so 'bhyaghnan māgadhaḥ pāṇḍavarṣabham tena tasthau sa kauravya lokavīrasya darśane
Nicht getötet werdend, schlug der Magadha-König weiter auf den Stier der Pāṇḍavas ein; deswegen hielt er, o Nachkomme der Kurus, vor den Augen des Welthelden stand.
Wort für Wort avadhyamānaḥ nicht getötet werdend (Ptz.) lokavīrasya darśane vor den Augen des Welthelden (Lok.) savyasācī tu saṃkruddho vikṛṣya balavad dhanuḥ hayāṃś cakāra nirdehān sāratheś ca śiro 'harat
Savyasācin aber, erzürnt, spannte kraftvoll seinen Bogen, machte die Pferde leblos und schlug dem Wagenlenker den Kopf ab.
Wort für Wort balavad vikṛṣya kraftvoll spannend (Abs.) śiraḥ aharat er schlug den Kopf ab (Aor.) dhanuś cāsya mahac citraṃ kṣureṇa pracakarta ha hastāvāpaṃ patākāṃ ca dhvajaṃ cāsya nyapātayat
Und dessen großen, kunstvoll gearbeiteten Bogen zerschnitt er mit einem Rasierpfeil, und den Armschutz, die Standarte und die Fahne ließ er fallen.
Wort für Wort kṣureṇa pracakarta er zerschnitt mit einem Rasierpfeil (Perf.) hastāvāpam den Armschutz (Akk.) sa rājā vyathito vyaśvo vidhanur hatasārathiḥ gadām ādāya kaunteyam abhidudrāva vegavān
Jener König, erschüttert, ohne Pferde, ohne Bogen, mit erschlagenem Wagenlenker, ergriff eine Keule und stürmte schnell auf den Sohn der Kuntī zu.
Wort für Wort vyathitaḥ erschüttert (Ptz.) gadām ādāya eine Keule ergreifend (Abs.) tasyāpatata evāśu gadāṃ hemapariṣkṛtām śaraiś cakarta bahudhā bahubhir gṛdhravājitaiḥ
Während er heranstürmte, zerschnitt er sogleich dessen goldgeschmückte Keule vielfach mit zahlreichen geierbefiederten Pfeilen.
Wort für Wort hemapariṣkṛtām goldgeschmückt (Adj. Fem.) gṛdhravājitaiḥ geierbefiedert (Adj. Instr. Pl.) sā gadā śakalībhūtā viśīrṇamaṇibandhanā vyālī nirmucyamāneva papātāsya sahasradhā
Jene Keule, in Splitter zerfallen, ihre Juwelenbänder zerstreut, fiel tausendfach zu Boden, wie eine sich häutende Schlange.
Wort für Wort śakalībhūtā in Splitter zerfallen (Ptz. Fem.) vyālī nirmucyamānā iva wie eine sich häutende Schlange (Vergleich) virathaṃ taṃ vidhanvānaṃ gadayā parivarjitam naicchat tāḍayituṃ dhīmān arjunaḥ samarāgraṇīḥ
Den Wagenlosen, Bogenlosen, der Keule Beraubten wollte der Kluge, Arjuna, der Erste in der Schlacht, nicht schlagen.
Wort für Wort gadayā parivarjitam der Keule beraubt (Adj.) tāḍayitum naicchat er wollte nicht schlagen (Impf. + Inf.) tata enaṃ vimanasaṃ kṣatradharme samāsthitam sāntvapūrvam idaṃ vākyam abravīt kapiketanaḥ
Da sprach der Affenbanner-Träger zu ihm, der verzagt, aber im Kriegerrecht verharrend, dastand, zuerst begütigend dieses Wort:
Wort für Wort vimanasam verzagt, mutlos (Adj. Akk.) sāntvapūrvam zuerst begütigend (Adv.) paryāptaḥ kṣatradharmo 'yaṃ darśitaḥ putra gamyatām bahv etat samare karma tava bālasya pārthiva
„Genug ist dieses Kriegerrecht gezeigt worden, mein Sohn; du magst gehen. Dies ist eine große Tat von dir, dem noch jungen König, in der Schlacht.
Wort für Wort paryāptaḥ genug, ausreichend (Adj.) bahu karma eine große Tat (Nom.) yudhiṣṭhirasya saṃdeśo na hantavyā nṛpā iti tena jīvasi rājaṃs tvam aparāddho 'pi me raṇe
Yudhiṣṭhiras Weisung lautet: Könige sollen nicht getötet werden – deshalb lebst du, o König, obwohl du dich im Kampf gegen mich vergangen hast.“
Wort für Wort saṃdeśaḥ die Weisung, Botschaft (Nom.) aparāddhaḥ der sich vergangen hat (Adj.) iti matvā sa cātmānaṃ pratyādiṣṭaṃ sma māgadhaḥ tathyam ity avagamyainaṃ prāñjaliḥ pratyapūjayat
So denkend, dass er, der Magadha-König, sich selbst zurechtgewiesen fand, und dies als wahr erkennend, ehrte er ihn mit gefalteten Händen.
Wort für Wort pratyādiṣṭam zurechtgewiesen (Ptz.) prāñjaliḥ mit gefalteten Händen (Adj.) tam arjunaḥ samāśvāsya punar evedam abravīt āgantavyaṃ parāṃ caitrīm aśvamedhe nṛpasya naḥ
Nachdem Arjuna ihn getröstet hatte, sprach er wiederum dieses: „Du sollst zum nächsten Caitra-Vollmond zum Pferdeopfer unseres Königs kommen.“
Wort für Wort samāśvāsya tröstend (Abs.) āgantavyam es soll gekommen werden, du sollst kommen (Ger.) ity uktaḥ sa tathety uktvā pūjayām āsa taṃ hayam phalgunaṃ ca yudhāṃ śreṣṭhaṃ vidhivat sahadevajaḥ
So angesprochen, sprach der Sohn Sahadevas zustimmend und ehrte vorschriftsmäßig das Ross und Phalguna, den Besten der Krieger.
Wort für Wort sahadevajaḥ der Sohn Sahadevas (Nom., des Magadha-Königs) vidhivat pūjayām āsa er ehrte vorschriftsmäßig (Perf.) 'Sahadevajaḥ' (Sohn Sahadevas) bezieht sich hier auf den Magadha-König Sahadeva, Sohn Jarāsaṃdhas - nicht auf den gleichnamigen Pāṇḍava.
tato yatheṣṭam agamat punar eva sa kesarī tataḥ samudratīreṇa vaṅgān puṇḍrān sakeralān
Danach zog jener Löwengleiche wieder nach Belieben weiter, dann am Meeresufer entlang zu den Vaṅgas, Puṇḍras und Keralas.
Wort für Wort kesarī der Löwengleiche (Nom., Arjuna) samudratīreṇa am Meeresufer entlang (Instr.) tatra tatra ca bhūrīṇi mlecchasainyāny anekaśaḥ vijigye dhanuṣā rājan gāṇḍīvena dhanaṃjayaḥ
Und dort und dort besiegte Dhanaṃjaya mit seinem Bogen Gāṇḍīva zahlreiche mleccha-Heere vielfach, o König.
Wort für Wort mlecchasainyāni die mleccha-Heere, d.h. Heere nichtarischer Völker (Akk. Pl.) vijigye er besiegte (Perf.)
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