Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 44: bhūtādivarṇanaṃ jñānaphalaṃ ca Brahmās Lehre: Die Ursprünge der Dinge und die Frucht des Wissens

yad ādimadhyaparyantaṃ grahaṇopāyam eva ca nāmalakṣaṇasaṃyuktaṃ sarvaṃ vakṣyāmi tattvataḥ

'Brahmā sprach weiter: Was an Anfang, Mitte und Ende, sowie das Mittel des Erfassens sei, verbunden mit Namen und Merkmal - all dies werde er der Wahrheit gemäß verkünden.'

Wort für Wort
ādimadhyaparyantam
an Anfang, Mitte und Ende (Akk. Sg. n.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt: er werde verkünden)

'vakṣyāmi' (1. Sg., Brahmā von sich selbst) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

ahaḥ pūrvaṃ tato rātrir māsāḥ śuklādayaḥ smṛtāḥ śraviṣṭhādīni ṛkṣāṇi ṛtavaḥ śiśirādayaḥ

'Der Tag gelte als der frühere, danach die Nacht; die Monate würden mit dem hellen Monatsdrittel beginnend überliefert, die Mondhäuser beginnend mit Śraviṣṭhā, die Jahreszeiten beginnend mit dem Winter.'

Wort für Wort
śuklādayaḥ
mit dem hellen Fünfzehntel beginnend (Nom. Pl. m.)
śraviṣṭhādīni ṛkṣāṇi
die mit Śraviṣṭhā beginnenden Mondhäuser (Nom. Pl. n.)

bhūmir ādis tu gandhānāṃ rasānām āpa eva ca rūpāṇāṃ jyotir ādis tu sparśādir vāyur ucyate śabdasyādis tathākāśam eṣa bhūtakṛto guṇaḥ

'Die Erde sei der Ursprung der Gerüche, und das Wasser der der Geschmäcker; das Licht sei der Ursprung der Formen, und der Wind werde als Ursprung der Berührung genannt; ebenso der Äther als Ursprung des Tons - dies sei die von den Elementen bewirkte Eigenschaft.'

Wort für Wort
bhūmir ādiḥ gandhānām
die Erde ist der Ursprung der Gerüche (Nom. Sg. f.)
bhūtakṛto guṇaḥ
die von den Elementen bewirkte Eigenschaft (Nom. Sg. m.)

ataḥ paraṃ pravakṣyāmi bhūtānām ādim uttamam ādityo jyotiṣām ādir agnir bhūtādir iṣyate

'Danach werde er den höchsten Ursprung der Wesen verkünden: die Sonne gelte als Ursprung der Lichter, und Agni werde als Ursprung der Wesen angesehen.'

Wort für Wort
pravakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt)
bhūtādiḥ
der Ursprung der Wesen (Nom. Sg. m.)

'pravakṣyāmi' (1. Sg.) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

sāvitrī sarvavidyānāṃ devatānāṃ prajāpatiḥ oṃkāraḥ sarvavedānāṃ vacasāṃ prāṇa eva ca yady asmin niyataṃ loke sarvaṃ sāvitram ucyate

'Sāvitrī sei der Ursprung aller Wissenschaften, Prajāpati der der Gottheiten; die Silbe Oṃ sei der Ursprung aller Veden, und der Atem eben der der Worte; wenn dies in dieser Welt feststehe, werde alles als sāvitrisch bezeichnet.'

Wort für Wort
sāvitrī
der Sāvitrī-Vers/-Vermögen (Nom. Sg. f., Gāyatrī-Bezug)
sāvitram
sāvitrisch, zu Sāvitrī gehörig (Nom. Sg. n.)

gāyatrī chandasām ādiḥ paśūnām aja ucyate gāvaś catuṣpadām ādir manuṣyāṇāṃ dvijātayaḥ

'Die Gāyatrī sei der Ursprung der Versmaße, die Ziege werde als Ursprung des Viehs genannt; die Kühe seien der Ursprung der Vierfüßler, und unter den Menschen die Zweifachgeborenen.'

Wort für Wort
chandasām ādiḥ
der Ursprung der Versmaße (Nom. Sg. f.)
catuṣpadām ādiḥ
der Ursprung der Vierfüßler (Nom. Sg. f.)

śyenaḥ patatriṇām ādir yajñānāṃ hutam uttamam parisarpiṇāṃ tu sarveṣāṃ jyeṣṭhaḥ sarpo dvijottamāḥ

'Der Falke sei der Ursprung der Vögel, die Feueropferung das Höchste der Opfer; unter allen Kriechtieren aber sei die Schlange die älteste, ihr Besten der Zweifachgeborenen.'

Wort für Wort
patatriṇām ādiḥ
der Ursprung der Vögel (Nom. Sg. m.)
parisarpiṇām jyeṣṭhaḥ
der älteste der Kriechtiere (Nom. Sg. m.)

kṛtam ādir yugānāṃ ca sarveṣāṃ nātra saṃśayaḥ hiraṇyaṃ sarvaratnānām oṣadhīnāṃ yavās tathā

'Das Kṛta-Zeitalter sei der Anfang aller Weltalter, daran bestehe kein Zweifel; das Gold sei der Ursprung aller Edelsteine, und ebenso die Gerste der der Heilkräuter.'

Wort für Wort
kṛtam
das Kṛta-Zeitalter (Nom. Sg. n.)
yavāḥ oṣadhīnām
die Gerste - der Heilkräuter Ursprung (Nom. Pl. m.)

sarveṣāṃ bhakṣyabhojyānām annaṃ paramam ucyate dravāṇāṃ caiva sarveṣāṃ peyānām āpa uttamāḥ

'Unter allem Ess- und Genießbaren werde die Speise als das Höchste bezeichnet; und unter allem Flüssigen, allen Getränken, sei das Wasser das Beste.'

Wort für Wort
bhakṣyabhojyānām
des Ess- und Genießbaren (Gen. Pl. n.)
peyānām
der Trinkbaren, Getränke (Gen. Pl. n.)

sthāvarāṇāṃ ca bhūtānāṃ sarveṣām aviśeṣataḥ brahmakṣetraṃ sadā puṇyaṃ plakṣaḥ prathamajaḥ smṛtaḥ

'Unter allen unbeweglichen Wesen ohne Unterschied gelte das Brahma-Feld als stets heilig, und der Plakṣa-Baum als der zuerst Geborene.'

Wort für Wort
sthāvarāṇāṃ bhūtānām
der unbeweglichen Wesen (Gen. Pl. n.)
prathamajaḥ
der zuerst Geborene (Nom. Sg. m.)

ahaṃ prajāpatīnāṃ ca sarveṣāṃ nātra saṃśayaḥ mama viṣṇur acintyātmā svayaṃbhūr iti sa smṛtaḥ

'Und er selbst sei unter allen Prajāpatis der Erste, daran bestehe kein Zweifel; sein Prinzip, Viṣṇu von unfassbarem Wesen, gelte als der Selbstentstandene.'

Wort für Wort
ahaṃ ... mama
ich ... mein (1. Sg., hier indirekt: er ... sein)
acintyātmā svayaṃbhūḥ
von unfassbarem Wesen, der Selbstentstandene (Nom. Sg. m.)

Brahmā spricht wieder in der 1. Person (ahaṃ, mama) von sich selbst; gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

parvatānāṃ mahāmeruḥ sarveṣām agrajaḥ smṛtaḥ diśāṃ ca pradiśāṃ cordhvā digjātā prathamaṃ tathā

'Unter allen Bergen gelte der Mahāmeru als der zuerst Geborene; und unter den Haupt- und Nebenrichtungen sei die obere Richtung die zuerst entstandene.'

Wort für Wort
agrajaḥ
der zuerst Geborene, älteste (Nom. Sg. m.)
ūrdhvā dik
die obere Himmelsrichtung (Nom. Sg. f.)

tathā tripathagā gaṅgā nadīnām agrajā smṛtā tathā sarodapānānāṃ sarveṣāṃ sāgaro 'grajaḥ

'Ebenso gelte die durch drei Wege fließende Gaṅgā als die älteste unter den Flüssen; und unter allen Seen und Brunnen sei der Ozean der älteste.'

Wort für Wort
tripathagā
die durch drei Wege Fließende (Nom. Sg. f., Beiname der Gaṅgā)
sarodapānānām
der Seen und Brunnen (Gen. Pl. n.)

devadānavabhūtānāṃ piśācoragarakṣasām narakiṃnarayakṣāṇāṃ sarveṣām īśvaraḥ prabhuḥ

'Über Götter, Dānavas und Wesen, über Piśācas, Schlangenwesen und Rākṣasas, über Menschen, Kiṃnaras und Yakṣas - über alle sei er der Herrscher, der Gebieter.'

Wort für Wort
piśāca
Piśāca, dämonisches Wesen (in Kompositum, Gen. Pl.)
īśvaraḥ prabhuḥ
der Herrscher, der Gebieter (Nom. Sg. m.)

ādir viśvasya jagato viṣṇur brahmamayo mahān bhūtaṃ parataraṃ tasmāt trailokye neha vidyate

'Viṣṇu, der aus Brahman bestehende Große, sei der Ursprung der ganzen Welt; ein höheres Wesen als er gebe es in dieser dreifachen Welt nicht.'

Wort für Wort
viśvasya jagataḥ ādiḥ
der Ursprung der ganzen Welt (Nom. Sg. m.)
trailokye
in der dreifachen Welt (Lok. Sg. n.)

āśramāṇāṃ ca gārhasthyaṃ sarveṣāṃ nātra saṃśayaḥ lokānām ādir avyaktaṃ sarvasyāntas tad eva ca

'Und unter allen Lebensstufen sei das Haushälter-Dasein die vorzüglichste, daran bestehe kein Zweifel; der Ursprung der Welten sei das Unoffenbarte, und eben dieses sei auch das Ende von allem.'

Wort für Wort
gārhasthyam
das Haushälter-Dasein (Nom. Sg. n.)
lokānām ādiḥ
der Ursprung der Welten (Nom. Sg. n.)

ahāny astamayāntāni udayāntā ca śarvarī sukhasyāntaḥ sadā duḥkhaṃ duḥkhasyāntaḥ sadā sukham

'Die Tage enden mit dem Untergang der Sonne, und die Nacht endet mit dem Aufgang; das Ende des Glücks sei stets das Leid, und das Ende des Leids stets das Glück.'

Wort für Wort
astamayāntāni
mit dem Untergang endend (Nom. Pl. n.)
udayāntā
mit dem Aufgang endend (Nom. Sg. f.)

sarve kṣayāntā nicayāḥ patanāntāḥ samucchrayāḥ saṃyogā viprayogāntā maraṇāntaṃ hi jīvitam

'Alle Anhäufungen enden im Schwinden, alle Erhebungen im Fall; alle Vereinigungen enden in der Trennung, und das Leben endet gewiss im Tod.'

Wort für Wort
nicayāḥ
Anhäufungen (Nom. Pl. m.)
samucchrayāḥ
Erhebungen (Nom. Pl. m.)

sarvaṃ kṛtaṃ vināśāntaṃ jātasya maraṇaṃ dhruvam aśāśvataṃ hi loke 'smin sarvaṃ sthāvarajaṅgamam

'Alles Getane endet in der Zerstörung, der Tod des Geborenen sei gewiss; unbeständig sei in dieser Welt alles, das Unbewegliche wie das Bewegliche.'

Wort für Wort
vināśāntam
in der Zerstörung endend (Nom. Sg. n.)
sthāvarajaṅgamam
das Unbewegliche und Bewegliche (Nom. Sg. n.)

iṣṭaṃ dattaṃ tapo 'dhītaṃ vratāni niyamāś ca ye sarvam etad vināśāntaṃ jñānasyānto na vidyate

'Geopfertes, Gegebenes, Askese, Studiertes, sowie Gelübde und Regeln, was es auch sei - all dies ende in der Zerstörung; ein Ende des Wissens aber gebe es nicht.'

Wort für Wort
iṣṭaṃ dattaṃ
Geopfertes, Gegebenes (Nom. Sg. n.)
jñānasya antaḥ
das Ende des Wissens (Nom. Sg. m.)

tasmāj jñānena śuddhena prasannātmā samāhitaḥ nirmamo nirahaṃkāro mucyate sarvapāpmabhiḥ

'Daher werde, wer durch reines Wissen heiteren Sinnes und gesammelt sei, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, von allen Sünden befreit.'

Wort für Wort
prasannātmā samāhitaḥ
heiteren Sinnes und gesammelt (Nom. Sg. m.)
mucyate
er wird befreit (3. Sg. Präs. Pass.)

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