Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 45: kālacakravarṇanaṃ gṛhasthadharmaś ca Brahmās Lehre: Das Rad der Zeit und der Dharma des Haushälters

buddhisāraṃ manastambham indriyagrāmabandhanam mahābhūtāraviṣkambhaṃ nimeṣapariveṣṭanam

'Brahmā sprach weiter: Mit der Erkenntniskraft als Wesenskern, mit dem Geist als Stützpfeiler, die Schar der Sinne bindend, mit den großen Elementen als Speichen-Stütze, vom Augenblick umwunden -'

Wort für Wort
buddhisāram
mit der Erkenntniskraft als Wesenskern (Nom. Sg. n.)
mahābhūtāraviṣkambham
mit den großen Elementen als Speichen-Stütze (Nom. Sg. n., ara=Speiche)

jarāśokasamāviṣṭaṃ vyādhivyasanasaṃcaram deśakālavicārīdaṃ śramavyāyāmanisvanam

'von Alter und Kummer durchdrungen, durch Krankheit und Unglück wandernd, durch Ort und Zeit sich bewegend, von Mühe und Anstrengung widerhallend -'

Wort für Wort
jarāśokasamāviṣṭam
von Alter und Kummer durchdrungen (Nom. Sg. n.)
deśakālavicāri
durch Ort und Zeit sich bewegend (Nom. Sg. n.)

ahorātraparikṣepaṃ śītoṣṇaparimaṇḍalam sukhaduḥkhāntasaṃkleśaṃ kṣutpipāsāvakīlanam

'Tag und Nacht als seinen Wurf vollziehend, mit Kälte und Hitze als seinem umlaufenden Kreis, mit dem Leiden am Ende von Glück und Leid, von Hunger und Durst festgenagelt -'

Wort für Wort
ahorātraparikṣepam
Tag und Nacht als Wurf/Kreislauf vollziehend (Nom. Sg. n.)
kṣutpipāsāvakīlanam
von Hunger und Durst festgenagelt (Nom. Sg. n.)

chāyātapavilekhaṃ ca nimeṣonmeṣavihvalam ghoramohajanākīrṇaṃ vartamānam acetanam

'von Schatten und Sonnenlicht durchzeichnet, vom Schließen und Öffnen der Augen erzitternd, von schrecklich verblendeten Menschen erfüllt, sich beständig drehend und doch unbewusst -'

Wort für Wort
chāyātapavilekham
von Schatten und Sonnenlicht durchzeichnet (Nom. Sg. n.)
nimeṣonmeṣavihvalam
vom Schließen und Öffnen der Augen erzitternd (Nom. Sg. n.)

māsārdhamāsagaṇitaṃ viṣamaṃ lokasaṃcaram tamonicayapaṅkaṃ ca rajovegapravartakam

'nach Monaten und Halbmonaten berechnet, sich ungleichmäßig durch die Welt bewegend, mit einem Morast angehäufter Finsternis, die Wucht des Rajas in Gang setzend -'

Wort für Wort
māsārdhamāsagaṇitam
nach Monaten und Halbmonaten berechnet (Nom. Sg. n.)
rajovegapravartakam
die Wucht des Rajas in Gang setzend (Nom. Sg. n.)

sattvālaṃkāradīptaṃ ca guṇasaṃghātamaṇḍalam svaravigrahanābhīkaṃ śokasaṃghātavartanam

'mit dem Schmuck des Sattva erstrahlend, mit der Ansammlung der Eigenschaften als seiner Scheibe, mit Ton und Gestalt als seiner Nabe, sich durch eine Anhäufung von Kummer drehend -'

Wort für Wort
sattvālaṃkāradīptam
mit dem Schmuck des Sattva erstrahlend (Nom. Sg. n.)
svaravigrahanābhīkam
mit Ton und Gestalt als seiner Nabe (Nom. Sg. n.)

kriyākāraṇasaṃyuktaṃ rāgavistāram āyatam lobhepsāparisaṃkhyātaṃ viviktajñānasaṃbhavam

'mit Handlung und Ursache verbunden, durch die Ausdehnung der Leidenschaft erstreckt, durch Gier und Begehren aufgezählt, aus der unterscheidenden Erkenntnis entsprungen -'

Wort für Wort
rāgavistāram āyatam
durch die Ausdehnung der Leidenschaft erstreckt (Nom. Sg. n.)
viviktajñānasaṃbhavam
aus unterscheidender Erkenntnis entsprungen (Nom. Sg. n.)

[?] 'viviktajñānasaṃbhavam' unsicher - wörtlich 'aus unterscheidender/getrennter Erkenntnis entstanden', Bezug im Bild des Zeitrades nicht ganz eindeutig.

bhayamohaparīvāraṃ bhūtasaṃmohakārakam ānandaprītidhāraṃ ca kāmakrodhaparigraham

'von Furcht und Verblendung umgeben, bei den Wesen Verwirrung stiftend, einen Strom von Wonne und Freude tragend, Begierde und Zorn in sich fassend -'

Wort für Wort
bhayamohaparīvāram
von Furcht und Verblendung umgeben (Nom. Sg. n.)
kāmakrodhaparigraham
Begierde und Zorn umfassend (Nom. Sg. n.)

mahadādiviśeṣāntam asaktaprabhavāvyayam manojavanam aśrāntaṃ kālacakraṃ pravartate

'vom Mahat bis zu den besonderen Elementen reichend, in seinem Entstehen und Vergehen unangeheftet, schnell wie der Gedanke, unermüdlich - so drehe sich das Rad der Zeit.'

Wort für Wort
mahadādiviśeṣāntam
vom Mahat bis zu den besonderen Elementen reichend (Nom. Sg. n.)
kālacakraṃ pravartate
das Rad der Zeit dreht sich (3. Sg. Präs.)

etad dvaṃdvasamāyuktaṃ kālacakram acetanam visṛjet saṃkṣipec cāpi bodhayet sāmaraṃ jagat

'Dieses mit den Gegensatzpaaren verbundene, unbewusste Rad der Zeit entlasse, ziehe zusammen und erwecke wiederum die Welt samt den Göttern.'

Wort für Wort
visṛjet saṃkṣipec ca bodhayet
es entlasse, ziehe zusammen und erwecke (3. Sg. Optativ)
sāmaraṃ jagat
die Welt samt den Göttern (Akk. Sg. n.)

kālacakrapravṛttiṃ ca nivṛttiṃ caiva tattvataḥ yas tu veda naro nityaṃ na sa bhūteṣu muhyati

'Wer aber das Vorwärtsschreiten und ebenso das Rückwärtsgehen des Rades der Zeit der Wahrheit gemäß stets kenne, der Mensch gerate nicht in Verblendung unter den Wesen.'

Wort für Wort
kālacakrapravṛttim
das Vorwärtsschreiten des Zeitrades (Akk. Sg. f.)
nivṛttim
das Rückwärtsgehen, Aufhören (Akk. Sg. f.)

vimuktaḥ sarvasaṃkleśaiḥ sarvadvaṃdvātigo muniḥ vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ prāpnoti paramāṃ gatim

'Der von allen Bedrängnissen befreite Weise, der alle Gegensatzpaare überschritten habe, von allen Sünden befreit, erlange das höchste Ziel.'

Wort für Wort
sarvadvaṃdvātigo muniḥ
der Weise, der alle Gegensatzpaare überschritten hat (Nom. Sg. m.)
prāpnoti paramāṃ gatim
er erlangt das höchste Ziel (3. Sg. Präs.)

gṛhastho brahmacārī ca vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ catvāra āśramāḥ proktāḥ sarve gārhasthyamūlakāḥ

'Der Haushälter, der Keuschheitsschüler, der Waldeinsiedler und der Bettelmönch - diese vier Lebensstufen würden verkündet, alle im Haushälterstand wurzelnd.'

Wort für Wort
gṛhasthaḥ ... bhikṣukaḥ
Haushälter ... Bettelmönch (die vier Lebensstufen, Nom. Sg. m.)
gārhasthyamūlakāḥ
im Haushälterstand wurzelnd (Nom. Pl. m.)

yaḥ kaś cid iha loke ca hy āgamaḥ saṃprakīrtitaḥ tasyāntagamanaṃ śreyaḥ kīrtir eṣā sanātanī

'Welche Überlieferung immer hier in dieser Welt verkündet werde - sie bis zu ihrem Ende zu bringen, sei das Bessere; dies sei der ewige Ruhm.'

Wort für Wort
āgamaḥ saṃprakīrtitaḥ
die verkündete Überlieferung (Nom. Sg. m.)
tasyāntagamanam
das Gelangen zu ihrem Ende (Nom. Sg. n.)

saṃskāraiḥ saṃskṛtaḥ pūrvaṃ yathāvac caritavrataḥ jātau guṇaviśiṣṭāyāṃ samāvarteta vedavit

'Zuvor durch die Reinigungsriten geweiht, seine Gelübde gebührend erfüllt habend, solle der Vedakundige in eine durch gute Eigenschaften ausgezeichnete Familie heimkehren.'

Wort für Wort
saṃskāraiḥ saṃskṛtaḥ
durch die Reinigungsriten geweiht (Nom. Sg. m.)
samāvarteta
er möge heimkehren (3. Sg. Optativ, sam-ā-√vṛt)

svadāranirato dāntaḥ śiṣṭācāro jitendriyaḥ pañcabhiś ca mahāyajñaiḥ śraddadhāno yajeta ha

'Der eigenen Gattin zugetan, selbstbeherrscht, von untadeligem Wandel, mit bezwungenen Sinnen, solle er mit Vertrauen die fünf großen Opfer darbringen.'

Wort für Wort
svadāranirataḥ
der eigenen Gattin zugetan (Nom. Sg. m.)
pañcabhiḥ mahāyajñaiḥ
mit den fünf großen Opfern (Instr. Pl. m.)

devatātithiśiṣṭāśī nirato vedakarmasu ijyāpradānayuktaś ca yathāśakti yathāvidhi

'Er esse erst nach den Göttern, Gästen und den Rechtschaffenen, sei den Vedapflichten zugetan, und übe Opfer und Geben nach Vermögen und nach Vorschrift.'

Wort für Wort
devatātithiśiṣṭāśī
erst nach Göttern, Gästen und Rechtschaffenen essend (Nom. Sg. m.)
yathāśakti yathāvidhi
nach Vermögen, nach Vorschrift (Adv.)

na pāṇipādacapalo na netracapalo muniḥ na ca vāgaṅgacapala iti śiṣṭasya gocaraḥ

'Nicht unstet an Hand und Fuß, nicht unstet an Augen sei der Weise, und auch nicht unstet an Rede und Gliedern - dies sei das Verhalten des Rechtschaffenen.'

Wort für Wort
pāṇipādacapalaḥ
unstet an Hand und Fuß (Nom. Sg. m.)
śiṣṭasya gocaraḥ
der Bereich, das Verhalten des Rechtschaffenen (Nom. Sg. m.)

nityayajñopavītī syāc chuklavāsāḥ śucivrataḥ niyato damadānābhyāṃ sadā śiṣṭaiś ca saṃviśet

'Stets die heilige Schnur tragend, weiß gekleidet, von reinem Gelübde, durch Selbstbeherrschung und Freigebigkeit gebändigt, weile er stets bei den Rechtschaffenen.'

Wort für Wort
nityayajñopavītī
stets die heilige Schnur tragend (Nom. Sg. m.)
damadānābhyām niyataḥ
durch Selbstbeherrschung und Freigebigkeit gebändigt (Nom. Sg. m.)

jitaśiśnodaro maitraḥ śiṣṭācārasamāhitaḥ vaiṇavīṃ dhārayed yaṣṭiṃ sodakaṃ ca kamaṇḍalum

'Mit bezwungenem Geschlechtstrieb und Bauch, freundlich, in rechtschaffenem Verhalten gefestigt, trage er einen Bambusstab und einen Wasserkrug mit Wasser.'

Wort für Wort
jitaśiśnodaraḥ
mit bezwungenem Geschlechtstrieb und Bauch (Nom. Sg. m.)
vaiṇavīṃ yaṣṭim
den Bambusstab (Akk. Sg. f.)

adhītyādhyāpanaṃ kuryāt tathā yajanayājane dānaṃ pratigrahaṃ caiva ṣaḍguṇāṃ vṛttim ācaret

'Er möge, nachdem er studiert habe, lehren, ebenso opfern und für andere opfern; und geben sowie annehmen - so übe er den sechsfachen Erwerb.'

Wort für Wort
adhītyādhyāpanam
nach dem Studium das Lehren (Akk. Sg. n.)
ṣaḍguṇāṃ vṛttim
den sechsfachen Erwerb, Lebensunterhalt (Akk. Sg. f.)

trīṇi karmāṇi yānīha brāhmaṇānāṃ tu jīvikā yājanādhyāpane cobhe śuddhāc cāpi pratigrahaḥ

'Drei Handlungen seien hier der Lebensunterhalt der Brahmanen: für andere opfern und lehren, beides, sowie das Annehmen von einer reinen Quelle.'

Wort für Wort
yājanādhyāpane
das Für-andere-Opfern und das Lehren (Nom. Du. n.)
śuddhāt pratigrahaḥ
das Annehmen von einer reinen Quelle (Nom. Sg. m.)

avaśeṣāṇi cānyāni trīṇi karmāṇi yāni tu dānam adhyayanaṃ yajño dharmayuktāni tāni tu

'Und die übrigen drei anderen Handlungen aber - Geben, Studieren und das eigene Opfern - diese seien mit dem Dharma verbunden.'

Wort für Wort
avaśeṣāṇi
die übrigen (Nom. Pl. n.)
dharmayuktāni
mit dem Dharma verbunden (Nom. Pl. n.)

teṣv apramādaṃ kurvīta triṣu karmasu dharmavit dānto maitraḥ kṣamāyuktaḥ sarvabhūtasamo muniḥ

'In diesen drei Handlungen möge der Dharmakundige unermüdlich sein - beherrscht, freundlich, mit Geduld ausgestattet, der Weise, der allen Wesen gleich gesinnt sei.'

Wort für Wort
apramādam kurvīta
er möge Unermüdlichkeit üben (3. Sg. Optativ)
sarvabhūtasamaḥ
allen Wesen gleich gesinnt (Nom. Sg. m.)

sarvam etad yathāśakti vipro nirvartayañ śuciḥ evaṃ yukto jayet svargaṃ gṛhasthaḥ saṃśitavrataḥ

'All dies nach Vermögen vollziehend, rein, der Brahmane, so verbunden, gewinne den Himmel - der Haushälter von geschärftem Gelübde.'

Wort für Wort
nirvartayan
vollziehend (Part. Präs. Akt.)
jayet svargam
er möge den Himmel gewinnen (3. Sg. Optativ)

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