Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 49: sattvapuruṣasaṃbandho bhūtaguṇavibhāgaś ca Brahmās Lehre: Die Verbindung von Sattva und Puruṣa (Gleichnisse von Wagen und Boot) und die Einteilung der Elemente nach ihren Eigenschaften

hanta vaḥ saṃpravakṣyāmi yan māṃ pṛcchatha sattamāḥ samastam iha tac chrutvā samyag evāvadhāryatām

'Brahmā sprach: Wohlan, er werde ihnen verkünden, was sie ihn gefragt hätten, o Beste; all dies solle man, nachdem man es gehört habe, hier recht bedenken.'

Wort für Wort
saṃpravakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt: er werde verkünden)
avadhāryatām
es werde bedacht (3. Sg. Imperativ Pass.)

'saṃpravakṣyāmi'/'māṃ pṛcchatha' (1./2. Person, Brahmā-Rishis-Wechselrede) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

ahiṃsā sarvabhūtānām etat kṛtyatamaṃ matam etat padam anudvignaṃ variṣṭhaṃ dharmalakṣaṇam

'Gewaltlosigkeit gegenüber allen Wesen - dies gelte als das vor allem zu Tuende; dies sei der unerschütterte, vorzüglichste Zustand, das Merkmal des Dharma.'

Wort für Wort
kṛtyatamam
das vor allem zu Tuende (Nom. Sg. n.)
anudvignaṃ padam
der unerschütterte Zustand (Nom. Sg. n.)

jñānaṃ niḥśreya ity āhur vṛddhā niścayadarśinaḥ tasmāj jñānena śuddhena mucyate sarvapātakaiḥ

'Wissen sei das höchste Heil, so sagten die Alten von gewisser Einsicht; daher werde man durch reines Wissen von allen Sünden befreit.'

Wort für Wort
niḥśreyaḥ
das höchste Heil (Nom. Sg. n.)
mucyate sarvapātakaiḥ
man wird von allen Sünden befreit (3. Sg. Präs. Pass.)

hiṃsāparāś ca ye loke ye ca nāstikavṛttayaḥ lobhamohasamāyuktās te vai nirayagāminaḥ

'Und wer in der Welt der Gewalt ergeben sei, und wer ungläubigen Wandels sei, mit Gier und Verblendung verbunden, jene gingen wahrlich zur Hölle.'

Wort für Wort
nāstikavṛttayaḥ
von ungläubigem Wandel (Nom. Pl. m.)
nirayagāminaḥ
zur Hölle Gehende (Nom. Pl. m.)

āśīryuktāni karmāṇi kurvate ye tv atandritāḥ te 'smiṃl loke pramodante jāyamānāḥ punaḥ punaḥ

'Wer aber unermüdlich Handlungen vollziehe, die mit weltlichem Wunsch verbunden seien, jene freuten sich in dieser Welt, immer wieder geboren werdend.'

Wort für Wort
āśīryuktāni karmāṇi
mit Wunsch verbundene Handlungen (Akk. Pl. n.)
jāyamānāḥ punaḥ punaḥ
immer wieder geboren werdend (Nom. Pl. m.)

kurvate ye tu karmāṇi śraddadhānā vipaścitaḥ anāśīryogasaṃyuktās te dhīrāḥ sādhudarśinaḥ

'Wer aber Handlungen vollziehe, voll Vertrauen, die Weisen, frei von der Verbindung mit weltlichem Wunsch, jene Weisen seien Seher des Guten.'

Wort für Wort
śraddadhānāḥ vipaścitaḥ
die vertrauensvollen Weisen (Nom. Pl. m.)
anāśīryogasaṃyuktāḥ
frei von der Verbindung mit weltlichem Wunsch (Nom. Pl. m.)

ataḥ paraṃ pravakṣyāmi sattvakṣetrajñayor yathā saṃyogo viprayogaś ca tan nibodhata sattamāḥ

'Danach werde er verkünden, wie die Verbindung und Trennung von Sattva und Kṣetrajña geschehe; dies solle man erkennen, o Beste.'

Wort für Wort
pravakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt)
nibodhata
erkennet! (2. Pl. Imperativ, hier indirekt: man solle erkennen)

'pravakṣyāmi'/'nibodhata' gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

viṣayo viṣayitvaṃ ca saṃbandho 'yam ihocyate viṣayī puruṣo nityaṃ sattvaṃ ca viṣayaḥ smṛtaḥ

'Objekt und Objekthaftigkeit - diese Verbindung werde hier genannt; der Puruṣa sei stets der Besitzer des Objekts, und das Sattva gelte als das Objekt.'

Wort für Wort
viṣayī
der Besitzer des Objekts (Nom. Sg. m.)
viṣayaḥ smṛtaḥ
als Objekt überliefert (Nom. Sg. m.)

vyākhyātaṃ pūrvakalpena maśakodumbaraṃ yathā bhujyamānaṃ na jānīte nityaṃ sattvam acetanam yas tv eva tu vijānīte yo bhuṅkte yaś ca bhujyate

'Erklärt worden sei dies bereits durch das frühere Gleichnis von der Mücke und der Udumbara-Feige; das stets unbewusste Sattva wisse nicht, dass es genossen werde - wer aber erkenne, wer genieße und wer genossen werde, sei eine andere Frage.'

Wort für Wort
bhujyamānam
genossen werdend (Part. Präs. Pass.)
yaś ca bhujyate
und was genossen wird (3. Sg. Präs. Pass.)

anityaṃ dvaṃdvasaṃyuktaṃ sattvam āhur guṇātmakam nirdvaṃdvo niṣkalo nityaḥ kṣetrajño nirguṇātmakaḥ

'Vergänglich, mit Gegensätzen verbunden, aus Eigenschaften bestehend, so nannten sie das Sattva; frei von Gegensätzen, teilelos, ewig, von eigenschaftsloser Wesensart sei der Kṣetrajña.'

Wort für Wort
guṇātmakam
aus Eigenschaften bestehend (Akk. Sg. n.)
niṣkalaḥ
teilelos (Nom. Sg. m.)

samaḥ saṃjñāgatas tv evaṃ yadā sarvatra dṛśyate upabhuṅkte sadā sattvam āpaḥ puṣkaraparṇavat

'Wenn er aber so als gleichmütig, zur Erkenntnis gelangt, überall erblickt werde, genieße er stets das Sattva wie Wasser auf dem Lotusblatt.'

Wort für Wort
saṃjñāgataḥ
zur Erkenntnis gelangt (Nom. Sg. m.)
puṣkaraparṇavat
wie auf dem Lotusblatt (Adv.)

sarvair api guṇair vidvān vyatiṣakto na lipyate jalabindur yathā lolaḥ padminīpatrasaṃsthitaḥ evam evāpy asaṃsaktaḥ puruṣaḥ syān na saṃśayaḥ

'Der Wissende werde, obgleich mit allen Eigenschaften verbunden, nicht befleckt; wie ein beweglicher Wassertropfen, der auf dem Lotusblatt ruhe, so sei auch der unangehaftete Puruṣa, daran bestehe kein Zweifel.'

Wort für Wort
vyatiṣaktaḥ na lipyate
verbunden, wird aber nicht befleckt (3. Sg. Präs. Pass.)
asaṃsaktaḥ puruṣaḥ
der unangehaftete Puruṣa (Nom. Sg. m.)

dravyamātram abhūt sattvaṃ puruṣasyeti niścayaḥ yathā dravyaṃ ca kartā ca saṃyogo 'py anayos tathā

'Das Sattva sei bloß Substanz, Werkzeug des Puruṣa gewesen - dies sei die Gewissheit; wie Werkstoff und Handelnder, so sei auch die Verbindung dieser beiden.'

Wort für Wort
dravyamātram
bloße Substanz, Werkzeug (Nom. Sg. n.)
kartā
der Handelnde (Nom. Sg. m.)

yathā pradīpam ādāya kaś cit tamasi gacchati tathā sattvapradīpena gacchanti paramaiṣiṇaḥ

'Wie jemand, eine Lampe ergriffen habend, in der Finsternis gehe, so gingen die nach dem Höchsten Strebenden mit der Lampe des Sattva.'

Wort für Wort
pradīpam ādāya
eine Lampe ergriffen habend (Absolutiv)
sattvapradīpena
mit der Lampe des Sattva (Instr. Sg. m.)

yāvad dravyaguṇas tāvat pradīpaḥ saṃprakāśate kṣīṇadravyaguṇaṃ jyotir antardhānāya gacchati

'Solange der Stoff als Eigenschaft vorhanden sei, so lange leuchte die Lampe; wenn der Stoff als Eigenschaft erschöpft sei, gehe das Licht zum Verschwinden.'

Wort für Wort
dravyaguṇaḥ
der Stoff als Eigenschaft, das Brennmaterial (Nom. Sg. m.)
antardhānāya gacchati
es geht zum Verschwinden (3. Sg. Präs.)

vyaktaḥ sattvaguṇas tv evaṃ puruṣo 'vyakta iṣyate etad viprā vijānīta hanta bhūyo bravīmi vaḥ

'So sei die Eigenschaft des Sattva offenbar, der Puruṣa aber gelte als unoffenbar; dies möge man erkennen, o Brahmanen - wohlan, er werde ihnen noch weiter sprechen.'

Wort für Wort
vyaktaḥ sattvaguṇaḥ
die offenbare Eigenschaft des Sattva (Nom. Sg. m.)
bravīmi vaḥ
ich sage euch (1. Sg. Präs., hier indirekt: er werde sprechen)

'vijānīta'/'bravīmi vaḥ' gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

sahasreṇāpi durmedhā na vṛddhim adhigacchati caturthenāpy athāṃśena buddhimān sukham edhate

'Der Unverständige gelange auch mit Tausend nicht zum Gedeihen; der Verständige aber wachse selbst mit einem vierten Teil glücklich.'

Wort für Wort
durmedhāḥ
der Unverständige (Nom. Sg. m.)
sukham edhate
er wächst glücklich (3. Sg. Präs.)

evaṃ dharmasya vijñeyaṃ saṃsādhanam upāyataḥ upāyajño hi medhāvī sukham atyantam aśnute

'So sei die Vollendung des Dharma durch das rechte Mittel zu erkennen; denn der Verständige, der das Mittel kenne, erlange äußerstes Glück.'

Wort für Wort
saṃsādhanam upāyataḥ
die Vollendung durch das rechte Mittel (Akk. Sg. n.)
sukham atyantam
äußerstes Glück (Akk. Sg. n.)

yathādhvānam apātheyaḥ prapanno mānavaḥ kva cit kleśena yāti mahatā vinaśyaty antarāpi vā

'Wie ein Mensch, der sich ohne Wegzehrung auf irgendeinen Weg begeben habe, mit großer Mühsal reise oder gar unterwegs zugrunde gehe -'

Wort für Wort
apātheyaḥ
ohne Wegzehrung (Nom. Sg. m.)
antarāpi vinaśyati
er geht sogar unterwegs zugrunde (3. Sg. Präs.)

tathā karmasu vijñeyaṃ phalaṃ bhavati vā na vā puruṣasyātmaniḥśreyaḥ śubhāśubhanidarśanam

'so sei bei den Handlungen zu erkennen, ob eine Frucht entstehe oder nicht; das Zeigen von Gutem und Schlechtem diene dem höchsten Heil des Selbst des Menschen.'

Wort für Wort
phalaṃ bhavati vā na vā
ob eine Frucht entsteht oder nicht (3. Sg. Präs.)
śubhāśubhanidarśanam
das Zeigen von Gutem und Schlechtem (Nom. Sg. n.)

yathā ca dīrgham adhvānaṃ padbhyām eva prapadyate adṛṣṭapūrvaṃ sahasā tattvadarśanavarjitaḥ

'Und wie einer, der der Erkenntnis der Wahrheit entbehre, plötzlich einen langen, zuvor nie gesehenen Weg allein zu Fuß antrete -'

Wort für Wort
tattvadarśanavarjitaḥ
der Erkenntnis der Wahrheit entbehrend (Nom. Sg. m.)
padbhyām prapadyate
er tritt zu Fuß an (3. Sg. Präs.)

tam eva ca yathādhvānaṃ rathenehāśugāminā yāyād aśvaprayuktena tathā buddhimatāṃ gatiḥ

'und wie ein anderer eben diesen Weg hier mit einem schnell fahrenden, von Pferden gezogenen Wagen zurücklege - so sei der Gang der Verständigen.'

Wort für Wort
āśugāminā rathena
mit einem schnell fahrenden Wagen (Instr. Sg. m.)
buddhimatāṃ gatiḥ
der Gang der Verständigen (Nom. Sg. f.)

uccaṃ parvatam āruhya nānvavekṣeta bhūgatam rathena rathinaṃ paśyet kliśyamānam acetanam

'Auf einen hohen Berg gestiegen, blicke er nicht mehr auf den am Boden Befindlichen zurück; vom Wagen aus mag der Wagenfahrer den sich abmühenden, unbewussten Fußgänger betrachten.'

Wort für Wort
bhūgatam
den am Boden Befindlichen (Akk. Sg. m.)
kliśyamānam acetanam
den sich abmühenden Unbewussten (Akk. Sg. m.)

[?] Die genaue Bildlogik dieses Verses (Bergsteiger/Wagenfahrer/Fußgänger als gestufte Vergleichsebenen) bleibt im Quelltext leicht unscharf.

yāvad rathapathas tāvad rathena sa tu gacchati kṣīṇe rathapathe prājño ratham utsṛjya gacchati

'Solange es einen Wagenweg gebe, gehe er mit dem Wagen; wenn der Wagenweg zu Ende sei, gehe der Verständige, den Wagen verlassen habend, weiter.'

Wort für Wort
rathapathaḥ
der Wagenweg (Nom. Sg. m.)
ratham utsṛjya
den Wagen verlassen habend (Absolutiv)

evaṃ gacchati medhāvī tattvayogavidhānavit samājñāya mahābuddhir uttarād uttarottaram

'So gehe der Verständige, der die Ordnung der Wahrheits-Verbindung kenne, der von großer Einsicht, erkannt habend, von Stufe zu immer höherer Stufe.'

Wort für Wort
tattvayogavidhānavit
der die Ordnung der Wahrheits-Verbindung kennt (Nom. Sg. m.)
uttarād uttarottaram
von Stufe zu immer höherer Stufe (Adv.)

yathā mahārṇavaṃ ghoram aplavaḥ saṃpragāhate bāhubhyām eva saṃmohād vadhaṃ carcchaty asaṃśayam

'Wie einer, der ohne Boot in den schrecklichen großen Ozean eintauche, nur mit den Armen, aus Verblendung, gewiss dem Tod entgegengehe -'

Wort für Wort
aplavaḥ saṃpragāhate
ohne Boot taucht er ein (3. Sg. Präs.)
vadhaṃ carcchati
er geht dem Tod entgegen (3. Sg. Präs. Intensiv)

nāvā cāpi yathā prājño vibhāgajñas taritrayā aklāntaḥ salilaṃ gāhet kṣipraṃ saṃtarati dhruvam

'und wie der Verständige aber, der die Unterscheidung kenne, mit einem Boot als Übersetzmittel, unermüdet, in das Wasser eintauche, so durchquere er gewiss rasch den Ozean.'

Wort für Wort
vibhāgajñaḥ
der die Unterscheidung kennt (Nom. Sg. m.)
kṣipraṃ saṃtarati
er durchquert rasch (3. Sg. Präs.)

tīrṇo gacchet paraṃ pāraṃ nāvam utsṛjya nirmamaḥ vyākhyātaṃ pūrvakalpena yathā rathipadātinau

'Hinübergesetzt, gehe er, das Boot verlassen habend, ohne Besitzdenken, zum jenseitigen Ufer; erklärt worden sei dies bereits durch das frühere Gleichnis wie bei Wagenfahrer und Fußgänger.'

Wort für Wort
tīrṇaḥ
hinübergesetzt (Nom. Sg. m., Part. Perf. Pass.)
paraṃ pāram
das jenseitige Ufer (Akk. Sg. m.)

snehāt saṃmoham āpanno nāvi dāśo yathā tathā mamatvenābhibhūtaḥ sa tatraiva parivartate

'Wie ein Fischer, der aus Zuneigung in Verblendung geraten sei, an seinem Boot hänge, ebenso drehe sich der von Besitzdenken Überwältigte eben dort im Kreise.'

Wort für Wort
dāśaḥ
der Fischer (Nom. Sg. m.)
mamatvenābhibhūtaḥ
von Besitzdenken überwältigt (Nom. Sg. m.)

nāvaṃ na śakyam āruhya sthale viparivartitum tathaiva ratham āruhya nāpsu caryā vidhīyate

'Es sei nicht möglich, ein Boot bestiegen zu haben und sich auf dem Land umherzubewegen; ebenso sei, einen Wagen bestiegen zu haben, kein Fahren auf dem Wasser vorgesehen.'

Wort für Wort
viparivartitum
sich umherzubewegen (Infinitiv)
nāpsu caryā vidhīyate
auf dem Wasser ist kein Fahren vorgesehen (3. Sg. Präs. Pass.)

evaṃ karma kṛtaṃ citraṃ viṣayasthaṃ pṛthak pṛthak yathā karma kṛtaṃ loke tathā tad upapadyate

'So sei das vollzogene Handeln mannigfaltig, jeweils im jeweiligen Objektbereich verschieden; wie das Handeln in der Welt vollzogen werde, so ergebe sich seine Frucht entsprechend.'

Wort für Wort
viṣayasthaṃ pṛthak pṛthak
im jeweiligen Objektbereich verschieden (Akk. Sg. n.)
upapadyate
es ergibt sich (3. Sg. Präs.)

yan naiva gandhino rasyaṃ na rūpasparśaśabdavat manyante munayo buddhyā tat pradhānaṃ pracakṣate

'Was weder duftend noch schmackhaft, noch von Form, Berührung oder Ton sei - dies nennen die Weisen mit ihrer Erkenntniskraft das Pradhāna, die Urmaterie.'

Wort für Wort
gandhino rasyam
duftend, schmackhaft (Nom. Sg. n.)
pradhānaṃ pracakṣate
sie nennen es das Pradhāna (3. Pl. Präs.)

tatra pradhānam avyaktam avyaktasya guṇo mahān mahataḥ pradhānabhūtasya guṇo 'haṃkāra eva ca

'Dabei sei das Pradhāna das Unoffenbarte; die Eigenschaft des Unoffenbarten sei das Mahat; und die Eigenschaft des zum Pradhāna gewordenen Mahat sei eben das Ahaṃkāra.'

Wort für Wort
avyaktasya guṇaḥ
die Eigenschaft des Unoffenbarten (Nom. Sg. m.)
pradhānabhūtasya
des zum Pradhāna Gewordenen (Gen. Sg. m.)

ahaṃkārapradhānasya mahābhūtakṛto guṇaḥ pṛthaktvena hi bhūtānāṃ viṣayā vai guṇāḥ smṛtāḥ

'Die Eigenschaft des zum Pradhāna gewordenen Ahaṃkāra sei die von den großen Elementen Bewirkte; denn nach der jeweiligen Verschiedenheit der Elemente gälten deren Objekte als Eigenschaften.'

Wort für Wort
mahābhūtakṛto guṇaḥ
die von den großen Elementen bewirkte Eigenschaft (Nom. Sg. m.)
pṛthaktvena bhūtānām
nach der Verschiedenheit der Elemente (Instr. Sg. n.)

bījadharmaṃ yathāvyaktaṃ tathaiva prasavātmakam bījadharmā mahān ātmā prasavaś ceti naḥ śrutam

'Wie das Unoffenbarte die Natur des Samens habe, so habe es ebenso die Natur des Hervorbringens; der große Selbst-Geist habe die Natur des Samens und sei zugleich Hervorbringung - so sei überliefert.'

Wort für Wort
bījadharmam
die Natur des Samens (Akk. Sg. n.)
naḥ śrutam
von uns gehört (hier indirekt: so sei überliefert)

'naḥ śrutam' (1. Pl., 'wir haben gehört') gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

bījadharmā tv ahaṃkāraḥ prasavaś ca punaḥ punaḥ bījaprasavadharmāṇi mahābhūtāni pañca vai

'Das Ahaṃkāra aber habe die Natur des Samens und sei immer wieder Hervorbringung; die fünf großen Elemente aber hätten die Natur von Samen und Hervorbringung zugleich.'

Wort für Wort
bījaprasavadharmāṇi
von der Natur von Samen und Hervorbringung (Nom. Pl. n.)
mahābhūtāni pañca
die fünf großen Elemente (Nom. Pl. n.)

bījadharmiṇa ity āhuḥ prasavaṃ ca na kurvate viśeṣāḥ pañcabhūtānāṃ teṣāṃ vittaṃ viśeṣaṇam

'Man nenne die groben Sinnesobjekte von der Natur des Samens, doch sie brächten keine Hervorbringung mehr hervor; die besonderen Ausprägungen der fünf Elemente - deren Kennzeichen möge man erfahren.'

Wort für Wort
bījadharmiṇaḥ
von der Natur des Samens (Nom. Pl. m.)
viśeṣaṇam
das Kennzeichen, die Besonderung (Nom. Sg. n.)

tatraikaguṇam ākāśaṃ dviguṇo vāyur ucyate triguṇaṃ jyotir ity āhur āpaś cāpi caturguṇāḥ

'Dabei werde der Äther mit einer Eigenschaft genannt, der Wind mit zwei Eigenschaften; das Licht, so sagten sie, mit drei Eigenschaften, und das Wasser mit vier Eigenschaften.'

Wort für Wort
ekaguṇam ākāśam
der Äther mit einer Eigenschaft (Nom. Sg. n.)
caturguṇāḥ āpaḥ
das Wasser mit vier Eigenschaften (Nom. Pl. f.)

pṛthvī pañcaguṇā jñeyā trasasthāvarasaṃkulā sarvabhūtakarī devī śubhāśubhanidarśanā

'Die Erde sei als mit fünf Eigenschaften versehen zu erkennen, voll von Beweglichem und Unbeweglichem; die alle Wesen hervorbringende Göttin, die Gutes und Schlechtes zeigt.'

Wort für Wort
trasasthāvarasaṃkulā
voll von Beweglichem und Unbeweglichem (Nom. Sg. f.)
sarvabhūtakarī devī
die alle Wesen hervorbringende Göttin (Nom. Sg. f.)

śabdaḥ sparśas tathā rūpaṃ raso gandhaś ca pañcamaḥ ete pañca guṇā bhūmer vijñeyā dvijasattamāḥ

'Ton, Berührung, ebenso Form, Geschmack und als fünftes der Geruch - diese fünf Eigenschaften der Erde seien zu erkennen, o Beste der Zweifachgeborenen.'

Wort für Wort
pañca guṇāḥ bhūmeḥ
die fünf Eigenschaften der Erde (Nom. Pl. m.)
gandhaḥ pañcamaḥ
der Geruch als fünfter (Nom. Sg. m.)

pārthivaś ca sadā gandho gandhaś ca bahudhā smṛtaḥ tasya gandhasya vakṣyāmi vistareṇa bahūn guṇān

'Und der Geruch rühre stets von der Erde her, und der Geruch werde vielfältig überliefert; von diesem Geruch werde er ausführlich die vielen Arten verkünden.'

Wort für Wort
pārthivaḥ gandhaḥ
der von der Erde herrührende Geruch (Nom. Sg. m.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt)

'vakṣyāmi' gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

iṣṭaś cāniṣṭagandhaś ca madhuro 'mlaḥ kaṭus tathā nirhārī saṃhataḥ snigdho rūkṣo viśada eva ca evaṃ daśavidho jñeyaḥ pārthivo gandha ity uta

'Angenehmer und unangenehmer Geruch, süßer, saurer, ebenso scharfer, durchdringender, dichter, öliger, trockener und auch klarer - so sei der von der Erde herrührende Geruch als zehnfach zu erkennen.'

Wort für Wort
nirhārī
durchdringend (Nom. Sg. m.)
daśavidhaḥ
zehnfach (Nom. Sg. m.)

śabdaḥ sparśas tathā rūpaṃ rasaś cāpāṃ guṇāḥ smṛtāḥ rasajñānaṃ tu vakṣyāmi rasas tu bahudhā smṛtaḥ

'Ton, Berührung, ebenso Form und Geschmack gälten als die Eigenschaften des Wassers; die Kenntnis des Geschmacks aber werde er verkünden, denn der Geschmack werde vielfältig überliefert.'

Wort für Wort
apāṃ guṇāḥ
die Eigenschaften des Wassers (Nom. Pl. m.)
rasajñānam vakṣyāmi
ich werde die Kenntnis des Geschmacks verkünden (hier indirekt)

'vakṣyāmi' gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

madhuro 'mlaḥ kaṭus tiktaḥ kaṣāyo lavaṇas tathā evaṃ ṣaḍvidhavistāro raso vārimayaḥ smṛtaḥ

'Süß, sauer, scharf, bitter, herb und ebenso salzig - so werde der aus Wasser bestehende Geschmack in sechsfacher Ausdehnung überliefert.'

Wort für Wort
kaṣāyaḥ
herb (Nom. Sg. m.)
vārimayaḥ rasaḥ
der aus Wasser bestehende Geschmack (Nom. Sg. m.)

śabdaḥ sparśas tathā rūpaṃ triguṇaṃ jyotir ucyate jyotiṣaś ca guṇo rūpaṃ rūpaṃ ca bahudhā smṛtam

'Ton, Berührung, ebenso Form - mit drei Eigenschaften werde das Licht bezeichnet; und die Eigenschaft des Lichts sei die Form, und die Form werde vielfältig überliefert.'

Wort für Wort
triguṇaṃ jyotiḥ
das Licht mit drei Eigenschaften (Nom. Sg. n.)
jyotiṣaḥ guṇaḥ
die Eigenschaft des Lichts (Nom. Sg. m.)

śuklaṃ kṛṣṇaṃ tathā raktaṃ nīlaṃ pītāruṇaṃ tathā hrasvaṃ dīrghaṃ tathā sthūlaṃ caturasrāṇu vṛttakam

'Weiß, schwarz, ebenso rot, blau, ebenso gelb und orangerot; kurz, lang, ebenso dick, viereckig, winzig, rund -'

Wort für Wort
pītāruṇam
gelb und orangerot (Akk. Sg. n.)
caturasram aṇu vṛttakam
viereckig, winzig, rund (Akk. Sg. n.)

evaṃ dvādaśavistāraṃ tejaso rūpam ucyate vijñeyaṃ brāhmaṇair nityaṃ dharmajñaiḥ satyavādibhiḥ

'so werde die Form des Lichts in zwölffacher Ausdehnung genannt, stets zu erkennen von den Brahmanen, den Dharmakundigen, den Wahrheitsredenden.'

Wort für Wort
dvādaśavistāram
in zwölffacher Ausdehnung (Akk. Sg. n.)
satyavādibhiḥ
von den Wahrheitsredenden (Instr. Pl. m.)

śabdasparśau ca vijñeyau dviguṇo vāyur ucyate vāyoś cāpi guṇaḥ sparśaḥ sparśaś ca bahudhā smṛtaḥ

'Ton und Berührung seien als Eigenschaften zu erkennen; mit zwei Eigenschaften werde der Wind bezeichnet; und die Eigenschaft des Windes sei die Berührung, und die Berührung werde vielfältig überliefert.'

Wort für Wort
dviguṇo vāyuḥ
der Wind mit zwei Eigenschaften (Nom. Sg. m.)
vāyoḥ guṇaḥ sparśaḥ
die Eigenschaft des Windes ist die Berührung (Nom. Sg. m.)

uṣṇaḥ śītaḥ sukho duḥkhaḥ snigdho viśada eva ca kaṭhinaś cikkaṇaḥ ślakṣṇaḥ picchilo dāruṇo mṛduḥ

'Heiß, kalt, angenehm, unangenehm, ölig, ebenso klar, hart, glänzend, glatt, schleimig, grob, zart -'

Wort für Wort
cikkaṇaḥ
glänzend (Nom. Sg. m.)
picchilo dāruṇaḥ mṛduḥ
schleimig, grob, zart (Nom. Sg. m.)

evaṃ dvādaśavistāro vāyavyo guṇa ucyate vidhivad brahmaṇaiḥ siddhair dharmajñais tattvadarśibhiḥ

'so werde die dem Wind zugehörige Eigenschaft in zwölffacher Ausdehnung genannt, gebührend von den vollendeten Brahmanen, den Dharmakundigen, den Wahrheitsschauern.'

Wort für Wort
vāyavyo guṇaḥ
die dem Wind zugehörige Eigenschaft (Nom. Sg. m.)
tattvadarśibhiḥ
von den Wahrheitsschauern (Instr. Pl. m.)

tatraikaguṇam ākāśaṃ śabda ity eva ca smṛtaḥ tasya śabdasya vakṣyāmi vistareṇa bahūn guṇān

'Dabei werde der Äther mit einer Eigenschaft, eben dem Ton, überliefert; von diesem Ton werde er ausführlich die vielen Arten verkünden.'

Wort für Wort
śabdaḥ smṛtaḥ
als Ton überliefert (Nom. Sg. m.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut., hier indirekt)

'vakṣyāmi' gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

ṣaḍjarṣabhau ca gāndhāro madhyamaḥ pañcamas tathā ataḥ paraṃ tu vijñeyo niṣādo dhaivatas tathā

'Ṣaḍja und Ṛṣabha, und Gāndhāra, Madhyama, ebenso Pañcama; danach aber seien Niṣāda und ebenso Dhaivata zu erkennen -'

Wort für Wort
ṣaḍjarṣabhau
Ṣaḍja und Ṛṣabha (Nom. Du. m., Tonnamen)
niṣādo dhaivataḥ
Niṣāda und Dhaivata (Nom. Sg. m., Tonnamen)

[Anm.] Die sieben klassischen Grundtöne (svara) der indischen Musiktheorie.

iṣṭo 'niṣṭaś ca śabdas tu saṃhataḥ pravibhāgavān evaṃ bahuvidho jñeyaḥ śabda ākāśasaṃbhavaḥ

'angenehmer und unangenehmer Ton, ferner verdichteter und unterscheidbarer - so sei der aus dem Äther entstandene Ton als vielfältig zu erkennen.'

Wort für Wort
pravibhāgavān
unterscheidbar, gegliedert (Nom. Sg. m.)
ākāśasaṃbhavaḥ
aus dem Äther entstanden (Nom. Sg. m.)

ākāśam uttamaṃ bhūtam ahaṃkāras tataḥ param ahaṃkārāt parā buddhir buddher ātmā tataḥ paraḥ

'Der Äther sei das höchste der Elemente, das Ahaṃkāra darüber hinaus; höher als das Ahaṃkāra sei die Erkenntniskraft, höher als die Erkenntniskraft danach das Selbst.'

Wort für Wort
uttamaṃ bhūtam
das höchste Element (Nom. Sg. n.)
buddher ātmā tataḥ paraḥ
höher als die Erkenntniskraft das Selbst (Nom. Sg. m.)

tasmāt tu param avyaktam avyaktāt puruṣaḥ paraḥ parāvarajño bhūtānāṃ yaṃ prāpyānantyam aśnute

'Höher aber als dieses sei das Unoffenbarte, und höher als das Unoffenbarte der Puruṣa, der Kenner von Höherem und Niedrigerem der Wesen; ihn erlangt habend, genieße man die Unendlichkeit.'

Wort für Wort
parāvarajñaḥ
der Kenner von Höherem und Niedrigerem (Nom. Sg. m.)
prāpya ānantyam aśnute
ihn erlangt habend genießt man die Unendlichkeit (3. Sg. Präs.)

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