'Brahmā sprach weiter: Man solle jenes [Selbst] als unoffenbar, unvermindert, alldurchdringend, fest und beständig erkennen - wohnend in der Stadt mit neun Toren, die aus drei Eigenschaften (guṇas) und fünf Elementen bestehe.'
Wort für Wort
navadvāram puram
die Stadt mit neun Toren, der Körper (Akk. Sg. n., klass. Bild für den Leib)
naiśātmakaṃ tamo vidyāt triguṇaṃ mohasaṃjñitam adharmalakṣaṇaṃ caiva niyataṃ pāpakarmasu
'Man solle Tamas als von nächtlicher Natur erkennen, dreifach, Verblendung genannt, durch Merkmale des Unrechts gekennzeichnet und in sündhaften Taten verankert.'
prakāśaṃ sarvabhūteṣu lāghavaṃ śraddadhānatā sāttvikaṃ rūpam evaṃ tu lāghavaṃ sādhusaṃmitam
'Erleuchtung in allen Wesen, Leichtigkeit, Vertrauensbereitschaft - so sei die sattvische Gestalt; und die Leichtigkeit werde von den Guten geschätzt.'
eteṣāṃ guṇatattvaṃ hi vakṣyate hetvahetubhiḥ samāsavyāsayuktāni tattvatas tāni vitta me
'Die wahre Natur dieser Eigenschaften werde nun, mit Gründen und Nicht-Gründen, in gekürzter wie ausführlicher Form dargelegt - dies sollten sie wahrheitsgemäß von ihm erfahren.'
asmṛtiś cāvipākaś ca nāstikyaṃ bhinnavṛttitā nirviśeṣatvam andhatvaṃ jaghanyaguṇavṛttitā
'Vergesslichkeit, Unreife, Gottlosigkeit, unbeständiges Verhalten, Unterscheidungslosigkeit, Blindheit, ein Verhalten nach der niedrigsten Eigenschaft -'
Wort für Wort
nāstikyam
Gottlosigkeit, Leugnung (Nom. Sg. n.)
jaghanyaguṇavṛttitā
ein Verhalten nach der niedrigsten Eigenschaft (Nom. Sg. f.)
'sich Ungetanes als getan anrechnen, sich in der Unwissenheit für wissend halten, Unfreundlichkeit, ein verzerrtes Wesen, Unglauben, verblendetes Denken -'
Wort für Wort
kṛtamānitvam
sich für getan halten, Selbsttäuschung über Getanes (Nom. Sg. n.)
'Alle diese Eigenschaften, o Brahmanen, würden als tamasisch bezeichnet; und was es sonst noch an feststehenden, in dieser Welt Verblendung genannten Zuständen gebe -'
ativādo 'titikṣā ca mātsaryam atimānitā aśraddadhānatā caiva tāmasaṃ vṛttam iṣyate
'Übermäßiges Reden, übertriebene vorgetäuschte Geduld, Missgunst, übertriebene Selbsteinschätzung und Unglauben - auch dies gelte als tamasisches Verhalten.'
'Er werde nun, so fuhr Brahmā fort, die feststehende Wiedergeburt jener Übeltäter verkünden - solche, die zur Hölle hinabsinken und ins Tierreich als Höllenzustand gelangen.'
'in Finsternis versunkene, übel handelnde, durch ihr eigenes Werk gekennzeichnete Wesen - diese, die sogenannten Abwärtsströmenden, in Tamas versunken, seien tamasisch.'
'Ihren Aufstieg und ihre Steigerung werde er, so Brahmā, nun weiter darlegen - wie die Tugendhaften, die guten Taten Vollbringenden, glückverheißende Welten erlangten.'
anyathā pratipannās tu vivṛddhā ye ca karmasu svakarmaniratānāṃ ca brāhmaṇānāṃ śubhaiṣiṇām
'Diejenigen jedoch, die einen anderen Weg eingeschlagen und sich in guten Werken gemehrt hätten; und von den ihrer eigenen Pflicht ergebenen, das Heilsame suchenden Brahmanen -'
Wort für Wort
anyathā pratipannāḥ
einen anderen Weg eingeschlagen habende (Nom. Pl. m.)
'durch rituelle Läuterung gelangten sie aufwärts, nach Gemeinschaft mit den Göttern strebend; sie gingen zum Himmel der Götter - so laute die vedische Überlieferung.'
anyathā pratipannās tu vivṛddhāḥ sveṣu karmasu punarāvṛttidharmāṇas te bhavantīha mānuṣāḥ
'Diejenigen jedoch, die einen anderen Weg eingeschlagen und sich in ihren gewöhnlichen Werken gemehrt hätten, unterlägen dem Gesetz der Wiederkehr und blieben hier Menschen.'
Wort für Wort
punarāvṛttidharmāṇaḥ
dem Gesetz der Wiederkehr unterliegend (Nom. Pl. m.)
'in eine sündige Geburt eingetreten, als Caṇḍālas oder Mūkacūcukas [?] geboren; und sie erlangten der Reihe nach, einer nach dem anderen, höhere Stände.'
Wort für Wort
pāpayonim
sündige Geburt (Akk. Sg. f.)
uttarottaram
einen nach dem anderen höher (Adv.)
[?] 'mūkacūcukāḥ' - vermutlich Name einer niedrigen Kaste/Volksgruppe, Bedeutung unsicher
'nachdem sie die Śūdra-Geburt überschritten hätten, und was es sonst an tamasischen Eigenschaften gebe - inmitten des Stromes zusammengekommen, verharrten sie in der tamasischen Eigenschaft.'
'Die Anhaftung an den Begierden aber werde als die große Verblendung (mahāmoha) bezeichnet; Seher, Weise und selbst Götter würden hierin verblendet, da sie nach Glück verlangten.'
bhāvato guṇataś caiva yonitaś caiva tattvataḥ sarvam etat tamo viprāḥ kīrtitaṃ vo yathāvidhi
'Nach Wesen, nach Eigenschaft und nach Ursprung, der Wahrheit gemäß - all dies sei Tamas, o Brahmanen, wie es ihnen ordnungsgemäß verkündet worden sei.'
Wort für Wort
bhāvataḥ guṇataḥ yonitaḥ
nach Wesen, Eigenschaft und Ursprung (Abl. als Adv.)
ko nv etad budhyate sādhu ko nv etat sādhu paśyati atattve tattvadarśī yas tamasas tattvalakṣaṇam
'Wer erkennt dies wohl richtig? Wer sieht dies wohl richtig? Nur wer, selbst inmitten der Unwirklichkeit, ein Seher der Wahrheit ist [?], erkennt das wahre Merkmal des Tamas.'
Wort für Wort
budhyate
er versteht/erkennt (3. Sg. Präs. Ātm., √budh)
tattvadarśī
ein Seher der Wahrheit (Nom. Sg. m.)
[?] Sinn von 'atattve tattvadarśī' (wörtl. 'ein Wahrheitsseher im Nicht-Wahren') nicht ganz eindeutig
tamoguṇā vo bahudhā prakīrtitā yathāvad uktaṃ ca tamaḥ parāvaram naro hi yo veda guṇān imān sadā sa tāmasaiḥ sarvaguṇaiḥ pramucyate
'Die Eigenschaften des Tamas seien ihnen auf vielfache Weise verkündet worden; und Tamas, in höherer wie niederer Form, sei ordnungsgemäß dargelegt worden. Denn der Mensch, der diese Eigenschaften stets erkenne, werde von allen tamasischen Eigenschaften befreit.'