Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 34: kṣetrajñasaṃjñā / manobuddhirūpakam Die Enthüllung: Geist und Einsicht als Brahmane und Brahmanin

brāhmaṇy uvāca nedam alpātmanā śakyaṃ vedituṃ nākṛtātmanā bahu cālpaṃ ca saṃkṣiptaṃ viplutaṃ ca mataṃ mama

'Die Brahmanin sprach: Dies kann nicht von einem Kleinmütigen erkannt werden, auch nicht von einem, dessen Selbst ungeschult ist; mir erscheint deine Lehre zugleich als viel und wenig, als knapp und doch weitschweifig.'

Wort für Wort
alpātmanā
von einem Kleinmütigen (Instr. Sg. m.)
akṛtātmanā
von einem ungeschulten Selbst (Instr. Sg. m.)

upāyaṃ tu mama brūhi yenaiṣā labhyate matiḥ tan manye kāraṇatamaṃ yata eṣā pravartate

'Doch sage mir das Mittel, wodurch diese Einsicht erlangt wird; das halte ich für die wichtigste Ursache, aus der sie hervorgeht.'

Wort für Wort
upāyam
Mittel, Methode (Akk. Sg. m.)
kāraṇatamam
die wichtigste Ursache (Superlativ, Akk. Sg. n.)

brāhmaṇa uvāca araṇīṃ brāhmaṇīṃ viddhi gurur asyottarāraṇiḥ tapaḥśrute 'bhimathnīto jñānāgnir jāyate tataḥ

'Der Brahmane sprach: Wisse, die Brahmanin sei das untere Reibholz (araṇī), der Guru sei dessen oberes Reibholz; werden diese durch Askese und heilige Überlieferung gerieben, entsteht daraus das Feuer der Erkenntnis (jñānāgni).'

Wort für Wort
araṇīm
das (untere) Reibholz (Akk. Sg. f.)
abhimathnītaḥ
gerieben, aneinandergerieben (Nom. Sg. m. Part. Pass.)

brāhmaṇy uvāca yad idaṃ brahmaṇo liṅgaṃ kṣetrajñam iti saṃjñitam grahītuṃ yena tac chakyaṃ lakṣaṇaṃ tasya tat kva nu

'Die Brahmanin sprach: Dieses Merkmal (liṅga) des Brahman, das kṣetrajña [Feldkenner] genannt wird - durch welches Kennzeichen lässt es sich erfassen? Welches ist dieses Kennzeichen denn?'

Wort für Wort
liṅgam
Merkmal, Kennzeichen (Nom. Sg. n.)
kṣetrajñam
der Feldkenner, das individuelle Bewusstsein (Nom. Sg. n., Fachbegriff)

brāhmaṇa uvāca aliṅgo nirguṇaś caiva kāraṇaṃ nāsya vidyate upāyam eva vakṣyāmi yena gṛhyeta vā na vā

'Der Brahmane sprach: Es ist merkmallos (aliṅga) und eigenschaftslos (nirguṇa); eine Ursache dafür gibt es nicht. Ich will dir nur das Mittel nennen, wodurch es erfasst werden kann oder auch nicht.'

Wort für Wort
aliṅgaḥ
merkmallos (Nom. Sg. m.)
nirguṇaḥ
eigenschaftslos (Nom. Sg. m.)

samyag apy upadiṣṭaś ca bhramarair iva lakṣyate karmabuddhir abuddhitvāj jñānaliṅgair ivāśritam

'Selbst wenn es richtig gelehrt wird, wird es wie von umherschwirrenden Bienen nur erahnt [?]; der auf Handlung gerichtete Verstand (karmabuddhi) nähert sich ihm, aus Mangel an wahrer Erkenntnis, gleichsam nur an äußeren Erkenntniszeichen.'

Wort für Wort
bhramaraiḥ
durch Bienen (Instr. Pl. m.)
karmabuddhiḥ
der auf Handlung gerichtete Verstand (Nom. Sg. f.)

[?] Bedeutung von 'bhramarair iva lakṣyate' unsicher - möglicherweise Bild des unsteten, umherirrenden Wahrnehmens wie bei Bienen

idaṃ kāryam idaṃ neti na mokṣeṣūpadiśyate paśyataḥ śṛṇvato buddhir ātmano yeṣu jāyate

'Die Unterscheidung von Tunlichem und Nicht-Tunlichem wird bei der Befreiung nicht gelehrt; sie entsteht vielmehr dort, wo dem Sehenden und Hörenden die Einsicht in das Selbst erwächst.'

Wort für Wort
mokṣeṣu
bei/hinsichtlich der Befreiung (Lok. Pl. m.)
paśyataḥ śṛṇvataḥ
des Sehenden, des Hörenden (Gen. Sg. m. Part. Präs.)

yāvanta iha śakyeraṃs tāvato 'ṃśān prakalpayet vyaktān avyaktarūpāṃś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ

'Soviele Unterscheidungen hier möglich sind, so viele Anteile möge man bilden - offenbarte und unoffenbarte Formen - zu Hunderten und zu Tausenden.'

Wort für Wort
prakalpayet
er möge bilden/einteilen (3. Sg. Optativ, pra-√kḷp)
avyaktarūpān
von unoffenbarter Form (Akk. Pl. m.)

sarvān nānātvayuktāṃś ca sarvān pratyakṣahetukān yataḥ paraṃ na vidyeta tato 'bhyāse bhaviṣyati

'Alle diese, mit Vielfalt behaftet, alle auf unmittelbarer Wahrnehmung beruhend - wo darüber hinaus nichts mehr erkannt wird, von dort aus wird es sich durch beständige Übung (abhyāsa) einstellen.'

Wort für Wort
nānātvayuktān
mit Vielfalt behaftet (Akk. Pl. m.)
abhyāse
in/durch die Übung (Lok. Sg. m.)

vāsudeva uvāca tatas tu tasyā brāhmaṇyā matiḥ kṣetrajñasaṃkṣaye kṣetrajñād eva parataḥ kṣetrajño 'nyaḥ pravartate

Danach gelangte die Einsicht jener Brahmanin zur Auflösung des kṣetrajña; jenseits dieses kṣetrajña selbst erhob sich [?] ein weiterer kṣetrajña.“

Wort für Wort
kṣetrajñasaṃkṣaye
bei der Auflösung des Feldkenners (Lok. Sg. m.)
pravartate
erhebt sich, tritt hervor (3. Sg. Präs. Ātm.)

[?] genaue Bedeutung der Aussage über die 'Vervielfältigung' des kṣetrajña philosophisch nicht eindeutig - schließt hier Kṛṣṇas Erzählung des gesamten Gleichnisses seit Kap.20 ab

arjuna uvāca kva nu sā brāhmaṇī kṛṣṇa kva cāsau brāhmaṇarṣabhaḥ yābhyāṃ siddhir iyaṃ prāptā tāv ubhau vada me 'cyuta

Arjuna sprach: „Wo ist wohl jene Brahmanin, Kṛṣṇa, und wo jener Stier unter den Brahmanen, durch die diese Vollendung erlangt wurde? Sag mir von beiden, o Acyuta!“

Wort für Wort
brāhmaṇarṣabhaḥ
der Stier unter den Brahmanen, der vorzüglichste Brahmane (Nom. Sg. m.)
acyuta
o Unfehlbarer (Vok. Sg. m., Epitheton Kṛṣṇas)

vāsudeva uvāca mano me brāhmaṇaṃ viddhi buddhiṃ me viddhi brāhmaṇīm kṣetrajña iti yaś coktaḥ so 'ham eva dhanaṃjaya

Vāsudeva sprach: „Wisse, mein Geist (manas) ist der Brahmane, meine Einsicht (buddhi) ist die Brahmanin; und der, welcher kṣetrajña genannt wird - das bin ich selbst, o Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
manaḥ
Geist, Denksinn (Nom. Sg. n.)
dhanaṃjaya
o Eroberer des Reichtums (Vok. Sg. m., Epitheton Arjunas)

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