Mahābhārata · Āśvamedhikaparva
Kapitel 75: vajradattayuddhasamāptiḥ tasya ca mokṣaṇam
Der Abschluss des Kampfes mit Vajradatta und dessen Verschonung
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ trirātram abhavat tad yuddhaṃ bharatarṣabha arjunasya narendreṇa vṛtreṇeva śatakratoḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: So währte jener Kampf drei Nächte lang, o Stier der Bharatas, der Kampf Arjunas mit dem Herrscher der Menschen, wie der des Hundertopferherrn mit Vṛtra.
Wort für Wort trirātram drei Nächte lang (Adv.) vṛtreṇeva śatakratoḥ wie der [Kampf] des Hundertopferherrn [Indra] mit Vṛtra (Gleichnis) tataś caturthe divase vajradatto mahābalaḥ jahāsa sasvanaṃ hāsaṃ vākyaṃ cedam athābravīt
Dann, am vierten Tag, lachte Vajradatta, der Gewaltige, ein lautes Lachen und sprach dann dieses Wort:
Wort für Wort caturthe divase am vierten Tag (Lok.) sasvanaṃ hāsaṃ ein lautes, tönendes Lachen (Akk.) arjunārjuna tiṣṭhasva na me jīvan vimokṣyase tvāṃ nihatya kariṣyāmi pitus toyaṃ yathāvidhi
„Arjuna, Arjuna, steh fest! Lebend wirst du mir nicht entkommen. Nachdem ich dich getötet habe, werde ich vorschriftsmäßig das Wasseropfer für meinen Vater darbringen.
Wort für Wort tiṣṭhasva steh fest! (Imperativ) pitus toyaṃ das Wasseropfer für den Vater (Akk., Totenritus) tvayā vṛddho mama pitā bhagadattaḥ pituḥ sakhā hato vṛddho 'pacāyitvāc chiśuṃ mām adya yodhaya
Von dir wurde mein alter Vater Bhagadatta getötet, der Freund deines Vaters, er, der Alte, aus Respektlosigkeit - kämpfe heute gegen mich, das Kind!“
Wort für Wort pituḥ sakhā der Freund [deines] Vaters (Nom.) [?] apacāyitvāt aus Respektlosigkeit, Missachtung (Ablativ) [?] 'pituḥ sakhā' bezieht sich vermutlich auf Arjunas Vater Pāṇḍu (Bhagadatta als dessen Jugendfreund, andernorts im Epos belegt), nicht auf Vajradattas eigenen Großvater.
ity evam uktvā saṃkruddho vajradatto narādhipaḥ preṣayām āsa kauravya vāraṇaṃ pāṇḍavaṃ prati
Nachdem er so gesprochen hatte, sandte der zornentbrannte König Vajradatta, o Kauravya, seinen Elefanten gegen den Pāṇḍava.
Wort für Wort ity evam uktvā nachdem er so gesprochen hatte (Absolutiv) preṣayām āsa er sandte (Periphr. Perfekt) saṃpreṣyamāṇo nāgendro vajradattena dhīmatā utpatiṣyann ivākāśam abhidudrāva pāṇḍavam
Der von dem klugen Vajradatta entsandte Elefantenfürst stürmte, als wollte er zum Himmel auffliegen, auf den Pāṇḍava zu.
Wort für Wort saṃpreṣyamāṇaḥ entsandt (Part. Präs. Pass.) abhidudrāva er stürmte zu (Perfekt) agrahastapramuktena śīkareṇa sa phalgunam samukṣata mahārāja śailaṃ nīla ivāmbudaḥ
Mit dem aus seinem Rüsselende versprühten Wassersprühregen benetzte er den Phalguna, o Großkönig, wie eine dunkle Wolke einen Berg.
Wort für Wort agrahastapramuktena śīkareṇa mit dem aus dem Rüsselende versprühten Wassersprühregen (Instr.) śailaṃ nīla ivāmbudaḥ wie eine dunkle Wolke einen Berg (Gleichnis) sa tena preṣito rājñā meghavan ninadan muhuḥ mukhāḍambaraghoṣeṇa samādravata phalgunam
Von jenem König entsandt, wiederholt wie eine Wolke tönend, mit dem Getöse seines geöffneten Rachens, stürmte er auf Phalguna los.
Wort für Wort meghavan ninadan wie eine Wolke tönend (Part. Präs. mit vat) mukhāḍambaraghoṣeṇa mit dem Getöse des geöffneten Rachens (Instr.) sa nṛtyann iva nāgendro vajradattapracoditaḥ āsasāda drutaṃ rājan kauravāṇāṃ mahāratham
Jener Elefantenfürst, gleichsam tanzend, von Vajradatta angetrieben, erreichte rasch, o König, den großen Wagenkämpfer der Kauravas.
Wort für Wort nṛtyann iva gleichsam tanzend (Part. Präs. mit iva) āsasāda er erreichte (Perfekt) tam āpatantaṃ saṃprekṣya vajradattasya vāraṇam gāṇḍīvam āśritya balī na vyakampata śatruhā
Als er den heranstürmenden Elefanten Vajradattas erblickte, auf den Gāṇḍiva vertrauend, erzitterte der starke Feindevernichter nicht.
Wort für Wort āśritya sich stützend auf, vertrauend auf (Absolutiv) na vyakampata er erzitterte nicht (Imperfekt) cukrodha balavac cāpi pāṇḍavas tasya bhūpateḥ kāryavighnam anusmṛtya pūrvavairaṃ ca bhārata
Der Pāṇḍava ergrimmte auch heftig über jenen Herrscher, sich der Störung seines Vorhabens und der früheren Feindschaft erinnernd, o Bhārata.
Wort für Wort cukrodha er ergrimmte (Perfekt) kāryavighnam anusmṛtya sich der Störung des Vorhabens erinnernd (Absolutiv) tatas taṃ vāraṇaṃ kruddhaḥ śarajālena pāṇḍavaḥ nivārayām āsa tadā veleva makarālayam
Dann hielt der zornige Pāṇḍava jenen Elefanten mit einem Pfeilnetz da zurück, wie die Uferlinie den Krokodilozean.
Wort für Wort śarajālena mit einem Pfeilnetz (Instr.) veleva makarālayam wie die Uferlinie das Krokodilmeer (Gleichnis) sa nāgapravaro vīryād arjunena nivāritaḥ tasthau śarair vitunnāṅgaḥ śvāvic chalalito yathā
Jener vorzügliche Elefant, durch Arjunas Tapferkeit zurückgehalten, blieb stehen, mit von Pfeilen durchbohrtem Leib, wie ein Stachelschwein mit aufgerichteten Stacheln.
Wort für Wort nivāritaḥ zurückgehalten (Part. Perf. Pass.) śvāvic chalalito yathā wie ein Stachelschwein mit aufgerichteten Stacheln (Gleichnis) nivāritaṃ gajaṃ dṛṣṭvā bhagadattātmajo nṛpaḥ utsasarja śitān bāṇān arjune krodhamūrchitaḥ
Als er den zurückgehaltenen Elefanten sah, entließ der König, der Sohn Bhagadattas, von Zorn überwältigt, scharfe Pfeile auf Arjuna.
Wort für Wort utsasarja er entließ (Perfekt) krodhamūrchitaḥ von Zorn überwältigt (Adj.) arjunas tu mahārāja śaraiḥ śaravighātibhiḥ vārayām āsa tān astāṃs tad adbhutam ivābhavat
Arjuna aber, o Großkönig, wehrte jene entsandten Pfeile mit pfeilzerschmetternden Pfeilen ab; das war wie ein Wunder.
Wort für Wort śaravighātibhiḥ pfeilzerschmetternd (Adj. Instr. Pl.) adbhutam ivābhavat es war wie ein Wunder tataḥ punar atikruddho rājā prāgjyotiṣādhipaḥ preṣayām āsa nāgendraṃ balavac chvasanopamam
Dann sandte der König, der Herrscher von Prāgjyotiṣa, wiederum, aufs Höchste erzürnt, den Elefantenfürsten, gewaltig, dem Sturmwind gleich.
Wort für Wort atikruddhaḥ aufs Höchste erzürnt (Adj.) balavac chvasanopamam gewaltig, dem Sturmwind gleich (Adj.) tam āpatantaṃ saṃprekṣya balavān pākaśāsaniḥ nārācam agnisaṃkāśaṃ prāhiṇod vāraṇaṃ prati
Als er ihn heranstürmen sah, entsandte der starke Sohn des Pākaśāsana einen feuergleichen Nārāca-Pfeil gegen den Elefanten.
Wort für Wort nārācam der Nārāca-Pfeil, ein eiserner Breitpfeil (Akk.) prāhiṇot er entsandte (Imperfekt) sa tena vāraṇo rājan marmaṇy abhihato bhṛśam papāta sahasā bhūmau vajrarugṇa ivācalaḥ
Jener Elefant, o König, an einer Lebensstelle heftig von jenem getroffen, stürzte plötzlich zu Boden, wie ein vom Blitz zerschmetterter Berg.
Wort für Wort marmaṇy abhihataḥ an einer Lebensstelle getroffen (Adj.) vajrarugṇa ivācalaḥ wie ein vom Blitz zerschmetterter Berg (Gleichnis) sa patañ śuśubhe nāgo dhanaṃjayaśarāhataḥ viśann iva mahāśailo mahīṃ vajraprapīḍitaḥ
Jener Elefant, von Dhanañjayas Pfeil getroffen, erstrahlte im Fallen, wie ein großer, vom Blitz getroffener Berg, der in die Erde einsinkt.
Wort für Wort śuśubhe er erstrahlte (Perfekt) viśann iva mahīṃ als sinke er in die Erde ein (Part. Präs. mit iva) tasmin nipatite nāge vajradattasya pāṇḍavaḥ taṃ na bhetavyam ity āha tato bhūmigataṃ nṛpam
Als jener Elefant Vajradattas gefallen war, sprach der Pāṇḍava zu dem da zu Boden gestürzten König: „Du brauchst nicht zu fürchten.
Wort für Wort nipatite gefallen (Lok. absolutus) na bhetavyam es ist nicht zu fürchten (Gerundivum) abravīd dhi mahātejāḥ prasthitaṃ māṃ yudhiṣṭhiraḥ rājānas te na hantavyā dhanaṃjaya kathaṃ cana
Denn der glanzvolle Yudhiṣṭhira sagte mir, als ich aufbrach, ich solle auf keine Weise Könige töten.
Wort für Wort prasthitaṃ māṃ als ich aufbrach (Akk. absolutus) na hantavyāḥ sie sollen nicht getötet werden (Gerundivum) Eingebettetes Zitat (Yudhiṣṭhiras frühere Worte an Arjuna) indirekt wiedergegeben, um eine dritte Anführungsebene innerhalb von Arjunas bereits offenem Zitat zu vermeiden; Arjuna bleibt als Ich-Erzähler legitim in der 1.Person.
sarvam etan naravyāghra bhavatv etāvatā kṛtam yodhāś cāpi na hantavyā dhanaṃjaya raṇe tvayā
All dies, so sagte er, Tiger unter den Männern, möge hiermit genug getan sein; auch Krieger solle ich in der Schlacht nicht töten.
Wort für Wort etāvatā kṛtam hiermit genug getan (Adj.) yodhāḥ ... na hantavyāḥ Krieger sollen nicht getötet werden vaktavyāś cāpi rājānaḥ sarvaiḥ saha suhṛjjanaiḥ yudhiṣṭhirasyāśvamedho bhavadbhir anubhūyatām
Und den Königen solle, so sagte er weiter, zusammen mit all ihren Freunden gesagt werden, sie möchten Yudhiṣṭhiras Pferdeopfer miterleben.
Wort für Wort vaktavyāḥ es soll gesagt werden (Gerundivum) anubhūyatām es möge miterlebt werden (Imperativ Passiv) iti bhrātṛvacaḥ śrutvā na hanmi tvāṃ janādhipa uttiṣṭha na bhayaṃ te 'sti svastimān gaccha pārthiva
Nachdem ich so das Wort meines Bruders gehört habe, töte ich dich nicht, Herrscher der Menschen. Steh auf, du brauchst keine Furcht zu haben; geh wohlbehalten, Fürst.
Wort für Wort bhrātṛvacaḥ das Wort des Bruders (Akk.) svastimān gaccha geh wohlbehalten (Imperativ) āgacchethā mahārāja parāṃ caitrīm upasthitām tadāśvamedho bhavitā dharmarājasya dhīmataḥ
Komme, Großkönig, zur kommenden Caitra-Vollmondzeit; dann wird das Pferdeopfer des weisen Dharmarāja stattfinden.“
Wort für Wort parāṃ caitrīm die kommende Caitra-Vollmondzeit (Akk.) bhavitā es wird stattfinden (Fut.) evam uktaḥ sa rājā tu bhagadattātmajas tadā tathety evābravīd vākyaṃ pāṇḍavenābhinirjitaḥ
So angesprochen, sprach jener König, der Sohn Bhagadattas, vom Pāṇḍava gänzlich bezwungen, zustimmend.
Wort für Wort abhinirjitaḥ gänzlich bezwungen (Adj.) tathety evābravīt er sprach zustimmend (paraphrasierte Zustimmungsformel)
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