saṃvarta uvāca katham asmi tvayā jñātaḥ kena vā kathito 'smi te etad ācakṣva me tattvam icchase cet priyaṃ mama
Saṃvarta sprach: 'Wie bin ich von dir erkannt worden, oder von wem bin ich dir genannt worden? Sage mir dies wahrheitsgemäß, wenn du mir eine Freude machen willst.'
marutta uvāca nāradena bhavān mahyam ākhyāto hy aṭatā pathi guruputro mameti tvaṃ tato me prītir uttamā
Marutta sprach: 'Von Nārada, der auf dem Weg umherwanderte, bist du mir als der Sohn meines Lehrers genannt worden - daher habe ich höchste Zuneigung zu dir.'
marutta uvāca bhavantaṃ kathayitvā tu mama devarṣisattamaḥ tato mām abhyanujñāya praviṣṭo havyavāhanam
Marutta sprach: 'Nachdem der Beste der Götterweisen mir von dir erzählt hatte, ist er, von mir verabschiedet, darauf in das Opferfeuer eingegangen.'
Wort für Wort
havyavāhanam
das Opferfeuer, wtl. den Opferträger (Akk. Sg., = Agni)
abhyanujñāya
nachdem er verabschiedet/entlassen worden war (Absolutiv)
havyavāhana = wtl. 'Opferträger', Bezeichnung für Agni (das Feuer); erklärt rückwirkend das rätselhafte Epitheton 'vahnim ārūḍham' in Kap.6 V026 - Nārada pflegt offenbar über das Feuer zu verschwinden/zu reisen.
'Wie kannst du wünschen, von mir - dem der Wind vor allem eigen ist [?], meinem eigenen Sinn unterworfen, derart entstellter Gestalt - geopfert zu bekommen?'
Wort für Wort
vātapradhānena
für den der Wind vorherrschend ist [?] (Instr. Sg.)
vikṛtarūpeṇa
von entstellter Gestalt (Instr. Sg.)
[?] 'vātapradhānena' (wtl. 'für den der Wind vorherrschend ist') ist unklar: gemeint sein könnte entweder Saṃvartas nackter, nur vom Wind umwehter Zustand (vgl. 'digvāsāḥ' in Kap.6) oder seine unstete, launische, dem Wind-Element ähnliche Gemütsart; hier bewusst wörtlich-offen wiedergegeben.
gṛhaṃ svaṃ caiva yājyāś ca sarvā gṛhyāś ca devatāḥ pūrvajena mamākṣiptaṃ śarīraṃ varjitaṃ tv idam
'Sein eigenes Haus und alle Opferherren und Hausgottheiten hat mein älterer Bruder für sich beansprucht; dieser mein Körper hier aber wurde [von ihm] ausgeschlossen.'
nāhaṃ tenānanujñātas tvām āvikṣita karhi cit yājayeyaṃ kathaṃ cid vai sa hi pūjyatamo mama
'Ohne von ihm autorisiert zu sein, könnte ich dich, Sohn Avikṣits, niemals in irgendeiner Weise opfern lassen - denn er ist für mich der Verehrungswürdigste.'
sa tvaṃ bṛhaspatiṃ gaccha tam anujñāpya cāvraja tato 'haṃ yājayiṣye tvāṃ yadi yaṣṭum ihecchasi
'So geh du zu Bṛhaspati, und nachdem du dir seine Erlaubnis erwirkt hast, komm zurück - dann werde ich für dich opfern, wenn du hier zu opfern wünschst.'
Wort für Wort
anujñāpya
nachdem du die Erlaubnis erwirkt hast (Absolutiv Kaus.)
Marutta sprach: 'Ich bin, Saṃvarta, schon früher zu Bṛhaspati gegangen - höre dies: er, von Vāsava zurückgehalten, wünscht mich nicht als seinen Opferherrn.'
Er habe zu Bṛhaspati gesagt, nachdem dieser ihn, den Unsterblichen [Indra selbst], als Opferherrn gewonnen habe, solle er, der Weise, nicht für den sterblichen, dem Los der Sterblichkeit unterworfenen, leidenden Marutta opfern.
Wort für Wort
āsādya
nachdem er gewonnen/erreicht hatte (Absolutiv)
martyadharmāṇam
dem Los der Sterblichkeit unterworfen (Akk. Sg.)
Dritte Zitatebene (Marutta berichtet Indras Worte an Bṛhaspati) bewusst als indirekte Rede ohne Anführungszeichen wiedergegeben, um eine vierte Zeichenebene zu vermeiden. Grammatisch spricht hier Indra über sich selbst in erster Person ('mām amaram' = 'mich, den Unsterblichen'), Anrede 'ṛṣe' = Bṛhaspati.
spardhate ca mayā vipra sadā vai sa hi pārthivaḥ evam astv iti cāpy ukto bhrātrā te balavṛtrahā
[?] Denn jener irdische Fürst [Marutta] wetteifere ja stets mit ihm [Indra], o Brahmane - und 'so sei es' sei auch von deinem Bruder [Bṛhaspati] gegenüber dem Bezwinger Balas und Vṛtras [Indra] gesagt worden.
Wort für Wort
spardhate
er wetteifert (Präs. 3.Sg. Med.)
balavṛtrahā
der Bezwinger Balas und Vṛtras (Nom. Sg., Epitheton Indras)
[?] Die genaue Sprecher- und Bezugsstruktur dieses Verses bleibt trotz sorgfältiger Prüfung unsicher (wer zu wem 'so sei es' sagt, und ob 'balavṛtrahā' Subjekt oder Adressat ist); hier in der wahrscheinlichsten Lesart wiedergegeben, ohne die Unsicherheit zu verschleiern.
'So wünsche ich, und sei es mit meinem ganzen Besitz, von dir geopfert zu bekommen; ich begehre, mit den von dir bewirkten Vorzügen Vāsava zu übertreffen.'
na hi me vartate buddhir gantuṃ brahman bṛhaspatim pratyākhyāto hi tenāsmi tathānapakṛte sati
'Denn mein Sinn steht nicht danach, o Brahmane, zu Bṛhaspati zu gehen - bin ich doch von ihm zurückgewiesen worden, obwohl ich ihm nichts Böses angetan hatte.'
Wort für Wort
anapakṛte sati
obwohl [ihm] nichts Böses angetan war (Absolutiv-Konstruktion)
sthairyam atra kathaṃ te syāt sa tvaṃ niḥsaṃśayaṃ kuru kupitas tvāṃ na hīdānīṃ bhasma kuryāṃ sabāndhavam
'Wie stünde es da um deine Standhaftigkeit? Räume du selbst jeden Zweifel aus - denn im Zorn würde ich dich sonst jetzt mitsamt deinen Verwandten zu Asche machen.'
Marutta sprach: 'Solange die Sonne scheint und die Berge bestehen bleiben, möge ich die [himmlischen] Welten nicht erlangen, wenn ich unser Bündnis aufgeben sollte.'
saṃvidhāsye ca te rājann akṣayaṃ dravyam uttamam yena devān sagandharvāñ śakraṃ cābhibhaviṣyasi
'Und ich werde dir, o König, unerschöpflichen, vorzüglichen Reichtum verschaffen, durch den du die Götter samt den Gandharvas und Śakra überwältigen wirst.'
na tu me vartate buddhir dhane yājyeṣu vā punaḥ vipriyaṃ tu cikīrṣāmi bhrātuś cendrasya cobhayoḥ
'Doch mein Sinn steht nicht [eigentlich] nach Reichtum oder wiederum nach Opferherren - ich wünsche vielmehr, beiden, meinem Bruder und Indra, etwas Unliebsames anzutun.'