Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Āśvamedhikaparva

Kapitel 50: brahmopadeśasamāptir gurvarjunasaṃvādaś ca Der Abschluss von Brahmās Lehre, und die Enthüllung: Vāsudeva ist der Lehrer, der Geist ist der Schüler

bhūtānām atha pañcānāṃ yathaiṣām īśvaraṃ manaḥ niyame ca visarge ca bhūtātmā mana eva ca

'Brahmā sprach weiter: Wie der Geist der Herrscher dieser fünf Elemente sei, sowohl bei ihrer Zügelung als auch bei ihrer Entlassung, so sei eben der Geist die Seele der Wesen.'

Wort für Wort
īśvaraṃ manaḥ
der Geist als Herrscher (Nom. Sg. n.)
bhūtātmā
die Seele der Wesen (Nom. Sg. m.)

adhiṣṭhātā mano nityaṃ bhūtānāṃ mahatāṃ tathā buddhir aiśvaryam ācaṣṭe kṣetrajñaḥ sarva ucyate

'Der Geist sei stets der Beherrscher der großen Elemente; ebenso verkünde die Erkenntniskraft die Herrschaft; der Kṣetrajña werde als das Ganze aller bezeichnet.'

Wort für Wort
adhiṣṭhātā
der Beherrscher (Nom. Sg. m.)
aiśvaryam ācaṣṭe
sie verkündet die Herrschaft (3. Sg. Präs.)

indriyāṇi mano yuṅkte sadaśvān iva sārathiḥ indriyāṇi mano buddhiṃ kṣetrajño yuñjate sadā

'Der Geist schirre die Sinne an, wie ein Wagenlenker die guten Pferde; die Sinne, den Geist und die Erkenntniskraft schirre der Kṣetrajña stets an.'

Wort für Wort
sadaśvān iva sārathiḥ
wie ein Wagenlenker die guten Pferde (Nom. Sg. m.)
yuñjate sadā
er schirrt stets an (3. Sg. Präs. Ātm.)

mahābhūtasamāyuktaṃ buddhisaṃyamanaṃ ratham tam āruhya sa bhūtātmā samantāt paridhāvati

'Diesen mit den großen Elementen verbundenen Wagen, von der Erkenntniskraft gelenkt, bestiegen habend, laufe die Wesensseele ringsum umher.'

Wort für Wort
buddhisaṃyamanaṃ ratham
den von der Erkenntniskraft gelenkten Wagen (Akk. Sg. m.)
paridhāvati
sie läuft ringsum (3. Sg. Präs.)

indriyagrāmasaṃyukto manaḥsārathir eva ca buddhisaṃyamano nityaṃ mahān brahmamayo rathaḥ

'Mit der Schar der Sinne verbunden, mit dem Geist als Wagenlenker, von der Erkenntniskraft stets gelenkt - so sei der große, aus Brahman bestehende Wagen.'

Wort für Wort
manaḥsārathiḥ
mit dem Geist als Wagenlenker (Nom. Sg. m.)
brahmamayo rathaḥ
der aus Brahman bestehende Wagen (Nom. Sg. m.)

evaṃ yo vetti vidvān vai sadā brahmamayaṃ ratham sa dhīraḥ sarvalokeṣu na moham adhigacchati

'Wer so den aus Brahman bestehenden Wagen stets als Wissender erkenne, jener Weise gerate in keiner Welt in Verblendung.'

Wort für Wort
vetti vidvān
der Wissende erkennt (3. Sg. Präs.)
moham adhigacchati
er gerät in Verblendung (3. Sg. Präs.)

avyaktādi viśeṣāntaṃ trasasthāvarasaṃkulam candrasūryaprabhālokaṃ grahanakṣatramaṇḍitam

'Vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend, voll von Beweglichem und Unbeweglichem, mit dem Glanz von Mond und Sonne erhellt, mit Planeten und Sternen geschmückt -'

Wort für Wort
avyaktādi viśeṣāntam
vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend (Akk. Sg. n.)
grahanakṣatramaṇḍitam
mit Planeten und Sternen geschmückt (Akk. Sg. n.)

nadīparvatajālaiś ca sarvataḥ paribhūṣitam vividhābhis tathādbhiś ca satataṃ samalaṃkṛtam

'und mit Netzen von Flüssen und Bergen allseits ausgestattet, ebenso stets mit vielfältigen Gewässern geschmückt -'

Wort für Wort
nadīparvatajālaiḥ
mit Netzen von Flüssen und Bergen (Instr. Pl. n.)
samalaṃkṛtam
geschmückt (Akk. Sg. n.)

ājīvaḥ sarvabhūtānāṃ sarvaprāṇabhṛtāṃ gatiḥ etad brahmavanaṃ nityaṃ yasmiṃś carati kṣetravit

'der Lebensunterhalt aller Wesen, das Ziel aller Lebewesen - dies sei der ewige Brahman-Wald, in dem der Feldkundige wandle.'

Wort für Wort
sarvaprāṇabhṛtāṃ gatiḥ
das Ziel aller Lebewesen (Nom. Sg. f.)
brahmavanam
der Brahman-Wald (Nom. Sg. n.)

loke 'smin yāni bhūtāni sthāvarāṇi carāṇi ca tāny evāgre pralīyante paścād bhūtakṛtā guṇāḥ guṇebhyaḥ pañcabhūtāni eṣa bhūtasamucchrayaḥ

'Die Wesen, die in dieser Welt unbeweglich und beweglich seien, diese eben lösten sich zuerst auf; danach die von den Elementen bewirkten Eigenschaften; aus den Eigenschaften die fünf Elemente - dies sei die Anhäufung der Wesen.'

Wort für Wort
pralīyante
sie lösen sich auf (3. Pl. Präs.)
bhūtasamucchrayaḥ
die Anhäufung der Wesen (Nom. Sg. m.)

devā manuṣyā gandharvāḥ piśācāsurarākṣasāḥ sarve svabhāvataḥ sṛṣṭā na kriyābhyo na kāraṇāt

'Götter, Menschen, Gandharvas, Piśācas, Asuras und Rākṣasas - alle seien aus eigener Natur erschaffen, nicht durch Handlungen, nicht durch äußere Ursache.'

Wort für Wort
svabhāvataḥ sṛṣṭāḥ
aus eigener Natur erschaffen (Nom. Pl. m.)
na kāraṇāt
nicht durch äußere Ursache (Abl.)

ete viśvakṛto viprā jāyante ha punaḥ punaḥ tebhyaḥ prasūtās teṣv eva mahābhūteṣu pañcasu pralīyante yathākālam ūrmayaḥ sāgare yathā

'Diese, o Brahmanen, würden vom Weltschöpfer immer wieder geboren; aus ihnen hervorgegangen, lösten sie sich, wenn die Zeit gekommen sei, eben in jenen fünf großen Elementen auf, wie Wellen im Ozean.'

Wort für Wort
viśvakṛtaḥ
vom Weltschöpfer (Abl./Instr.-Sinn, Nom. Sg. m. als Agens)
ūrmayaḥ sāgare yathā
wie Wellen im Ozean (Nom. Pl. m.)

viśvasṛgbhyas tu bhūtebhyo mahābhūtāni gacchati bhūtebhyaś cāpi pañcabhyo mukto gacchet prajāpatim

'Von den weltschaffenden Wesen aber gehe man zu den großen Elementen; und von den fünf Elementen aus gehe der Befreite zu Prajāpati.'

Wort für Wort
viśvasṛgbhyo bhūtebhyaḥ
von den weltschaffenden Wesen (Abl. Pl. n.)
mukto gacchet prajāpatim
der Befreite gehe zu Prajāpati (3. Sg. Optativ)

prajāpatir idaṃ sarvaṃ tapasaivāsṛjat prabhuḥ tathaiva vedān ṛṣayas tapasā pratipedire

'Prajāpati, der Herr, habe all dies eben durch Askese erschaffen; ebenso hätten die Weisen die Veden durch Askese erlangt.'

Wort für Wort
tapasā asṛjat
er hat durch Askese erschaffen (3. Sg. Impf.)
pratipedire
sie haben erlangt (3. Pl. Perf. Ātm.)

tapasaś cānupūrvyeṇa phalamūlāśinas tathā trailokyaṃ tapasā siddhāḥ paśyantīha samāhitāḥ

'Und durch die stufenweise Askese, von Früchten und Wurzeln lebend, erblickten die durch Askese Vollendeten hier, gesammelt, die dreifache Welt.'

Wort für Wort
phalamūlāśinaḥ
von Früchten und Wurzeln lebend (Nom. Pl. m.)
tapasā siddhāḥ
durch Askese Vollendete (Nom. Pl. m.)

oṣadhāny agadādīnī nānāvidyāś ca sarvaśaḥ tapasaiva prasidhyanti tapomūlaṃ hi sādhanam

'Heilkräuter, Heilmittel und die vielfältigen Wissenschaften aller Art gelängen einzig durch Askese; denn die Askese sei die Wurzel des rechten Mittels.'

Wort für Wort
agadādīni
Heilmittel und dergleichen (Akk. Pl. n.)
tapomūlaṃ sādhanam
das in der Askese wurzelnde Mittel (Nom. Sg. n.)

yad durāpaṃ durāmnāyaṃ durādharṣaṃ duranvayam tat sarvaṃ tapasā sādhyaṃ tapo hi duratikramam

'Was schwer zu erlangen, schwer zu überliefern, schwer zu bezwingen und schwer zu erschließen sei - all dies sei durch Askese zu erreichen; denn die Askese sei unüberwindlich.'

Wort für Wort
durādharṣam
schwer zu bezwingen (Nom. Sg. n.)
duratikramam
unüberwindlich (Nom. Sg. n.)

surāpo brahmahā steyī bhrūṇahā gurutalpagaḥ tapasaiva sutaptena mucyante kilbiṣāt tataḥ

'Der Branntweintrinker, der Brahmanenmörder, der Dieb, der Kindstöter, der zum Lager des Lehrers Gehende - durch wohlvollzogene Askese würden sie danach von ihrer Sünde befreit.'

Wort für Wort
gurutalpagaḥ
der zum Lager des Lehrers Geht (Nom. Sg. m., eine der fünf Todsünden)
sutaptena tapasā
durch wohlvollzogene Askese (Instr. Sg. n.)

manuṣyāḥ pitaro devāḥ paśavo mṛgapakṣiṇaḥ yāni cānyāni bhūtāni trasāni sthāvarāṇi ca

'Menschen, Ahnen, Götter, Vieh, wilde Tiere und Vögel, und welche anderen Wesen es auch gebe, bewegliche und unbewegliche -'

Wort für Wort
mṛgapakṣiṇaḥ
wilde Tiere und Vögel (Nom. Pl. m.)
trasāni sthāvarāṇi
bewegliche und unbewegliche (Nom. Pl. n.)

tapaḥparāyaṇā nityaṃ sidhyante tapasā sadā tathaiva tapasā devā mahābhāgā divaṃ gatāḥ

'der Askese stets ergeben, gelängen sie stets durch Askese; ebenso seien die hochgesegneten Götter durch Askese zum Himmel gelangt.'

Wort für Wort
tapaḥparāyaṇāḥ
der Askese ergeben (Nom. Pl. n.)
divaṃ gatāḥ
zum Himmel gelangt (Nom. Pl. m.)

āśīryuktāni karmāṇi kurvate ye tv atandritāḥ ahaṃkārasamāyuktās te sakāśe prajāpateḥ

'Wer aber unermüdlich Handlungen vollziehe, die mit weltlichem Wunsch verbunden seien, mit Ich-Bewusstsein verbunden, jene gelangten in die Nähe Prajāpatis.'

Wort für Wort
ahaṃkārasamāyuktāḥ
mit Ich-Bewusstsein verbunden (Nom. Pl. m.)
sakāśe prajāpateḥ
in die Nähe Prajāpatis (Lok. Sg. n.)

dhyānayogena śuddhena nirmamā nirahaṃkṛtāḥ prāpnuvanti mahātmāno mahāntaṃ lokam uttamam

'Durch reine Meditationsverbindung, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, erlangten die Hochbeseelten die große, höchste Welt.'

Wort für Wort
dhyānayogena śuddhena
durch reine Meditationsverbindung (Instr. Sg. m.)
mahāntaṃ lokam uttamam
die große, höchste Welt (Akk. Sg. m.)

dhyānayogād upāgamya prasannamatayaḥ sadā sukhopacayam avyaktaṃ praviśanty ātmavattayā

'Durch die Meditationsverbindung dorthin gelangt, stets heiteren Sinnes, gingen sie durch Selbstbeherrschung in das an Glück reiche Unoffenbarte ein.'

Wort für Wort
prasannamatayaḥ
heiteren Sinnes (Nom. Pl. m.)
sukhopacayam avyaktam
das an Glück reiche Unoffenbarte (Akk. Sg. n.)

dhyānayogād upāgamya nirmamā nirahaṃkṛtāḥ avyaktaṃ praviśantīha mahāntaṃ lokam uttamam

'Durch die Meditationsverbindung dorthin gelangt, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, gingen sie hier in das Unoffenbarte ein, die große, höchste Welt.'

Wort für Wort
nirmamā nirahaṃkṛtāḥ
frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein (Nom. Pl. m.)
praviśanti
sie gehen ein (3. Pl. Präs.)

avyaktād eva saṃbhūtaḥ samayajño gataḥ punaḥ tamorajobhyāṃ nirmuktaḥ sattvam āsthāya kevalam

'Eben aus dem Unoffenbarten entstanden, kehre der Kenner der rechten Zeit wieder dorthin zurück, von Tamas und Rajas befreit, das reine Sattva erlangt habend.'

Wort für Wort
samayajñaḥ
der Kenner der rechten Zeit (Nom. Sg. m.)
tamorajobhyāṃ nirmuktaḥ
von Tamas und Rajas befreit (Nom. Sg. m.)

vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ sarvaṃ tyajati niṣkalaḥ kṣetrajña iti taṃ vidyād yas taṃ veda sa vedavit

'Von allen Sünden befreit, gebe er, teilelos geworden, alles auf; als Kṣetrajña möge man ihn erkennen; wer ihn kenne, sei ein Kenner des Veda.'

Wort für Wort
niṣkalaḥ tyajati
teilelos gibt er auf (3. Sg. Präs.)
sa vedavit
er ist ein Kenner des Veda (Nom. Sg. m.)

cittaṃ cittād upāgamya munir āsīta saṃyataḥ yaccittas tanmanā bhūtvā guhyam etat sanātanam

'Vom gewöhnlichen Denken zum höheren Bewusstsein gelangt, verweile der Weise gebändigt; worauf sein Denken gerichtet sei, darauf den Geist gerichtet habend - dies sei das ewige Geheimnis.'

Wort für Wort
cittaṃ cittāt upāgamya
vom Denken zum höheren Bewusstsein gelangt (Absolutiv)
guhyam sanātanam
das ewige Geheimnis (Nom. Sg. n.)

avyaktādi viśeṣāntam avidyālakṣaṇaṃ smṛtam nibodhata yathā hīdaṃ guṇair lakṣaṇam ity uta

'Vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend, werde dies als das Merkmal der Unwissenheit überliefert; man möge erkennen, wie dies durch die Eigenschaften gekennzeichnet sei.'

Wort für Wort
avidyālakṣaṇam
das Merkmal der Unwissenheit (Nom. Sg. n.)
nibodhata
erkennet! (2. Pl. Imperativ, hier indirekt: man möge erkennen)

'nibodhata' (2. Pl. Imperativ) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

dvyakṣaras tu bhaven mṛtyus tryakṣaraṃ brahma śāśvatam mameti ca bhaven mṛtyur na mameti ca śāśvatam

'Der Tod bestehe aus zwei Silben, das ewige Brahman aber aus drei Silben; mein zu sagen sei der Tod, nicht mein zu sagen sei das Ewige.'

Wort für Wort
dvyakṣaraḥ mṛtyuḥ
der zweisilbige Tod ('mama') (Nom. Sg. m.)
tryakṣaraṃ brahma
das dreisilbige Brahman ('na mama') (Nom. Sg. n.)

[Anm.] Bekanntes Sanskrit-Wortspiel: 'mama' (mein, zwei Silben) = Tod; 'na mama' (nicht mein, drei Silben) = das Ewige/Brahman.

karma ke cit praśaṃsanti mandabuddhitarā narāḥ ye tu buddhā mahātmāno na praśaṃsanti karma te

'Manche Menschen von geringerem Verstand priesen das Handeln; die aber Erwachten, die Hochbeseelten, priesen das Handeln nicht.'

Wort für Wort
mandabuddhitarāḥ
von geringerem Verstand (Nom. Pl. m.)
buddhāḥ mahātmānaḥ
die Erwachten, Hochbeseelten (Nom. Pl. m.)

karmaṇā jāyate jantur mūrtimān ṣoḍaśātmakaḥ puruṣaṃ sṛjate 'vidyā agrāhyam amṛtāśinam

'Durch Handeln werde das Geschöpf geboren, verkörpert, aus sechzehn Bestandteilen bestehend; die Unwissenheit erschaffe den scheinbaren Puruṣa - den eigentlich unfassbaren, den Unsterblichkeit Genießenden.'

Wort für Wort
ṣoḍaśātmakaḥ
aus sechzehn Bestandteilen bestehend (Nom. Sg. m.)
agrāhyam amṛtāśinam
den unfassbaren, Unsterblichkeit Genießenden (Akk. Sg. m.)

[?] Gemeint ist wohl: die Unwissenheit erzeugt die trügerische Vorstellung eines handelnden Puruṣa, während der wahre Puruṣa unfassbar und jenseits von Geburt sei.

tasmāt karmasu niḥsnehā ye ke cit pāradarśinaḥ vidyāmayo 'yaṃ puruṣo na tu karmamayaḥ smṛtaḥ

'Daher seien jene, die frei von Zuneigung zu den Handlungen seien, Seher des Jenseitigen; dieser Puruṣa gelte als aus Wissen bestehend, nicht aber als aus Handeln bestehend.'

Wort für Wort
pāradarśinaḥ
Seher des Jenseitigen (Nom. Pl. m.)
vidyāmayo na karmamayaḥ
aus Wissen, nicht aus Handeln bestehend (Nom. Sg. m.)

apūrvam amṛtaṃ nityaṃ ya enam avicāriṇam ya enaṃ vindate ''tmānam agrāhyam amṛtāśinam agrāhyo 'mṛto bhavati ya ebhiḥ kāraṇair dhruvaḥ

'Wer diesen ohne Anfang seienden, unsterblichen, ewigen, nicht der Erörterung unterworfenen als das Selbst finde, den unfassbaren, den Unsterblichkeit Genießenden - der werde unfassbar und unsterblich, wer durch diese Ursachen beständig sei.'

Wort für Wort
apūrvam avicāriṇam
ohne Anfang, nicht der Erörterung unterworfen (Akk. Sg. m.)
agrāhyo 'mṛto bhavati
er wird unfassbar und unsterblich (3. Sg. Präs.)

apohya sarvasaṃkalpān saṃyamyātmānam ātmani sa tad brahma śubhaṃ vetti yasmād bhūyo na vidyate

'Nachdem er alle Vorstellungen verworfen und das Selbst im Selbst gebändigt habe, erkenne er jenes heilvolle Brahman, über das hinaus es nichts mehr gebe.'

Wort für Wort
sarvasaṃkalpān apohya
alle Vorstellungen verworfen habend (Absolutiv)
bhūyo na vidyate
es gibt nichts mehr darüber hinaus (3. Sg. Präs.)

prasādenaiva sattvasya prasādaṃ samavāpnuyāt lakṣaṇaṃ hi prasādasya yathā syāt svapnadarśanam

'Eben durch die Heiterkeit des Sattva möge man Heiterkeit erlangen; denn das Merkmal der Heiterkeit sei, wie es beim traumlosen Schauen der Fall wäre.'

Wort für Wort
prasādasya lakṣaṇam
das Merkmal der Heiterkeit (Nom. Sg. n.)
svapnadarśanam
das Traumschauen (Nom. Sg. n.)

gatir eṣā tu muktānāṃ ye jñānapariniṣṭhitāḥ pravṛttayaś ca yāḥ sarvāḥ paśyanti pariṇāmajāḥ

'Dies aber sei der Gang der Befreiten, die im Wissen wohl gegründet seien und die alle aus Wandlung entstandenen Wirkungen erblickten.'

Wort für Wort
jñānapariniṣṭhitāḥ
im Wissen wohl gegründet (Nom. Pl. m.)
pravṛttayaḥ pariṇāmajāḥ
die aus Wandlung entstandenen Wirkungen (Nom. Pl. f.)

eṣā gatir asaktānām eṣa dharmaḥ sanātanaḥ eṣā jñānavatāṃ prāptir etad vṛttam aninditam

'Dies sei der Gang der Unangehafteten, dies das ewige Dharma; dies sei die Erlangung der Wissenden, dies das untadelige Wirken.'

Wort für Wort
asaktānām gatiḥ
der Gang der Unangehafteten (Nom. Sg. f.)
vṛttam aninditam
das untadelige Wirken (Nom. Sg. n.)

samena sarvabhūteṣu niḥspṛheṇa nirāśiṣā śakyā gatir iyaṃ gantuṃ sarvatra samadarśinā

'Von dem, der allen Wesen gegenüber gleichmütig, frei von Begehren, frei von Verlangen sei, könne dieser Gang gegangen werden - von dem, der überall gleichsehend sei.'

Wort für Wort
samena sarvabhūteṣu
allen Wesen gegenüber gleichmütig (Instr. Sg. m.)
sarvatra samadarśinā
von dem überall Gleichsehenden (Instr. Sg. m.)

etad vaḥ sarvam ākhyātaṃ mayā viprarṣisattamāḥ evam ācarata kṣipraṃ tataḥ siddhim avāpsyatha

'Dies alles sei ihnen von ihm dargelegt worden, o beste der Brahmanen-Weisen; so möge man rasch handeln, dann werde man Vollendung erlangen.'

Wort für Wort
ākhyātaṃ mayā
von mir dargelegt (hier indirekt: von ihm)
ācarata
handelt! (2. Pl. Imperativ, hier indirekt: man möge handeln)

'vaḥ...mayā'/'ācarata' (1./2. Person, Brahmā-Rishis) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.

ity uktās te tu munayo brahmaṇā guruṇā tathā kṛtavanto mahātmānas tato lokān avāpnuvan

'Der Lehrer sprach weiter: So von Brahmā angesprochen, hätten jene Weisen ebenso gehandelt; die Hochbeseelten hätten danach die höchsten Welten erlangt.'

Wort für Wort
ity uktāḥ
so angesprochen (Nom. Pl. m.)
lokān avāpnuvan
sie erlangten die Welten (3. Pl. Impf.)

tvam apy etan mahābhāga yathoktaṃ brahmaṇo vacaḥ samyag ācara śuddhātmaṃs tataḥ siddhim avāpsyasi

'Auch du, o Erlauchter, handle recht gemäß dem Wort, das Brahmā gesprochen hat; dann wirst du, reinen Selbst, die Vollendung erlangen.'

Wort für Wort
yathoktaṃ brahmaṇo vacaḥ
gemäß dem von Brahmā gesprochenen Wort (Akk. Sg. n.)
siddhim avāpsyasi
du wirst Vollendung erlangen (2. Sg. Fut.)

Direkte Anrede des Lehrers an seinen Schüler (Basis-Ebene des Itihāsa, direkte Rede bewahrt).

ity uktaḥ sa tadā śiṣyo guruṇā dharmam uttamam cakāra sarvaṃ kaunteya tato mokṣam avāptavān

So vom Lehrer angesprochen, vollzog jener Schüler damals den höchsten Dharma vollständig, o Kaunteya, und erlangte danach die Befreiung.

Wort für Wort
dharmam uttamam cakāra
er vollzog den höchsten Dharma (3. Sg. Perf.)
mokṣam avāptavān
er hat die Befreiung erlangt (Nom. Sg. m., Part. Perf. Akt.)

kṛtakṛtyaś ca sa tadā śiṣyaḥ kurukulodvaha tat padaṃ samanuprāpto yatra gatvā na śocati

Und sein Werk vollendet habend, erreichte jener Schüler damals, o Stolz des Kuru-Geschlechts, jenen Zustand, zu dem gelangt man nicht mehr trauert.“

Wort für Wort
kṛtakṛtyaḥ
sein Werk vollendet habend (Nom. Sg. m.)
yatra gatvā na śocati
wohin gelangt man nicht trauert (3. Sg. Präs.)

ko nv asau brāhmaṇaḥ kṛṣṇa kaś ca śiṣyo janārdana śrotavyaṃ cen mayaitad vai tat tvam ācakṣva me vibho

„Wer war denn jener Brahmane, Kṛṣṇa, und wer der Schüler, Janārdana? Wenn dies von mir gehört werden darf, so sage es mir, o Gewaltiger.“

Wort für Wort
ko nv asau brāhmaṇaḥ
wer war denn jener Brahmane (Nom. Sg. m.)
ācakṣva me
sage mir! (2. Sg. Imperativ, ā-√cakṣ)

ahaṃ gurur mahābāho manaḥ śiṣyaṃ ca viddhi me tvatprītyā guhyam etac ca kathitaṃ me dhanaṃjaya

„Ich bin der Lehrer, o Starkarmiger, und wisse, dass der Geist mein Schüler ist; aus Liebe zu dir ist dieses Geheimnis von mir verkündet worden, Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
ahaṃ guruḥ
ich bin der Lehrer (Nom. Sg. m.)
manaḥ śiṣyam
der Geist [ist] der Schüler (Nom./Akk. Sg. m.)

mayi ced asti te prītir nityaṃ kurukulodvaha adhyātmam etac chrutvā tvaṃ samyag ācara suvrata

Wenn du stets Liebe zu mir hegst, o Stolz des Kuru-Geschlechts, so handle, nachdem du diese Lehre vom Selbst gehört hast, recht danach, o du von gutem Gelübde.

Wort für Wort
mayi te prītiḥ
deine Liebe zu mir (Nom. Sg. f.)
adhyātmam etac chrutvā
nachdem du diese Selbst-Lehre gehört hast (Absolutiv)

tatas tvaṃ samyag ācīrṇe dharme 'smin kurunandana sarvapāpaviśuddhātmā mokṣaṃ prāpsyasi kevalam

Dann wirst du, wenn dieser Dharma von dir recht geübt worden ist, o Freude der Kurus, mit einem von aller Sünde gereinigten Selbst die alleinige Befreiung erlangen.

Wort für Wort
samyag ācīrṇe dharme
wenn dieser Dharma recht geübt worden ist (Lok. Absolut)
sarvapāpaviśuddhātmā
mit einem von aller Sünde gereinigten Selbst (Nom. Sg. m.)

pūrvam apy etad evoktaṃ yuddhakāla upasthite mayā tava mahābāho tasmād atra manaḥ kuru

Auch früher schon, als die Zeit der Schlacht bevorstand, ist dir eben dies von mir gesagt worden, o Starkarmiger; darum richte deinen Sinn hierauf.

Wort für Wort
yuddhakāla upasthite
als die Zeit der Schlacht bevorstand (Lok. Absolut)
manaḥ kuru
richte deinen Sinn! (2. Sg. Imperativ)

mayā tu bharataśreṣṭha ciradṛṣṭaḥ pitā vibho tam ahaṃ draṣṭum icchāmi saṃmate tava phalguna

Von mir aber, o Bester der Bharatas, ist mein Vater lange nicht gesehen worden, o Gewaltiger; ihn möchte ich sehen, wenn du einverstanden bist, Phalguna.“

Wort für Wort
ciradṛṣṭaḥ pitā
der lange nicht gesehene Vater (Nom. Sg. m.)
draṣṭum icchāmi
ich möchte sehen (1. Sg. Präs. + Infinitiv)

ity uktavacanaṃ kṛṣṇaṃ pratyuvāca dhanaṃjayaḥ gacchāvo nagaraṃ kṛṣṇa gajasāhvayam adya vai

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem so zu ihm gesprochen worden war, erwiderte Dhanañjaya dem Kṛṣṇa: „Lasst uns heute zur Stadt Gajasāhvaya gehen, Kṛṣṇa -

Wort für Wort
pratyuvāca
er erwiderte (3. Sg. Perf.)
gacchāvaḥ
lasst uns [beide] gehen (1. Du. Präs.)

sametya tatra rājānaṃ dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram samanujñāpya durdharṣaṃ svāṃ purīṃ yātum arhasi

nachdem wir dort den rechtschaffenen König Yudhiṣṭhira getroffen und um Erlaubnis gebeten haben, sollst du, Unbezwingbarer, in deine eigene Stadt gehen.“

Wort für Wort
samanujñāpya
um Erlaubnis gebeten habend (Absolutiv Kausativ)
svāṃ purīṃ yātum arhasi
du sollst in deine eigene Stadt gehen (2. Sg. Präs. + Infinitiv)

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