Kapitel 50: brahmopadeśasamāptir gurvarjunasaṃvādaś ca
Der Abschluss von Brahmās Lehre, und die Enthüllung: Vāsudeva ist der Lehrer, der Geist ist der Schüler
bhūtānām atha pañcānāṃ yathaiṣām īśvaraṃ manaḥ niyame ca visarge ca bhūtātmā mana eva ca
'Brahmā sprach weiter: Wie der Geist der Herrscher dieser fünf Elemente sei, sowohl bei ihrer Zügelung als auch bei ihrer Entlassung, so sei eben der Geist die Seele der Wesen.'
'Der Geist sei stets der Beherrscher der großen Elemente; ebenso verkünde die Erkenntniskraft die Herrschaft; der Kṣetrajña werde als das Ganze aller bezeichnet.'
indriyagrāmasaṃyukto manaḥsārathir eva ca buddhisaṃyamano nityaṃ mahān brahmamayo rathaḥ
'Mit der Schar der Sinne verbunden, mit dem Geist als Wagenlenker, von der Erkenntniskraft stets gelenkt - so sei der große, aus Brahman bestehende Wagen.'
'Vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend, voll von Beweglichem und Unbeweglichem, mit dem Glanz von Mond und Sonne erhellt, mit Planeten und Sternen geschmückt -'
Wort für Wort
avyaktādi viśeṣāntam
vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend (Akk. Sg. n.)
'Die Wesen, die in dieser Welt unbeweglich und beweglich seien, diese eben lösten sich zuerst auf; danach die von den Elementen bewirkten Eigenschaften; aus den Eigenschaften die fünf Elemente - dies sei die Anhäufung der Wesen.'
devā manuṣyā gandharvāḥ piśācāsurarākṣasāḥ sarve svabhāvataḥ sṛṣṭā na kriyābhyo na kāraṇāt
'Götter, Menschen, Gandharvas, Piśācas, Asuras und Rākṣasas - alle seien aus eigener Natur erschaffen, nicht durch Handlungen, nicht durch äußere Ursache.'
ete viśvakṛto viprā jāyante ha punaḥ punaḥ tebhyaḥ prasūtās teṣv eva mahābhūteṣu pañcasu pralīyante yathākālam ūrmayaḥ sāgare yathā
'Diese, o Brahmanen, würden vom Weltschöpfer immer wieder geboren; aus ihnen hervorgegangen, lösten sie sich, wenn die Zeit gekommen sei, eben in jenen fünf großen Elementen auf, wie Wellen im Ozean.'
Wort für Wort
viśvakṛtaḥ
vom Weltschöpfer (Abl./Instr.-Sinn, Nom. Sg. m. als Agens)
oṣadhāny agadādīnī nānāvidyāś ca sarvaśaḥ tapasaiva prasidhyanti tapomūlaṃ hi sādhanam
'Heilkräuter, Heilmittel und die vielfältigen Wissenschaften aller Art gelängen einzig durch Askese; denn die Askese sei die Wurzel des rechten Mittels.'
yad durāpaṃ durāmnāyaṃ durādharṣaṃ duranvayam tat sarvaṃ tapasā sādhyaṃ tapo hi duratikramam
'Was schwer zu erlangen, schwer zu überliefern, schwer zu bezwingen und schwer zu erschließen sei - all dies sei durch Askese zu erreichen; denn die Askese sei unüberwindlich.'
'Der Branntweintrinker, der Brahmanenmörder, der Dieb, der Kindstöter, der zum Lager des Lehrers Gehende - durch wohlvollzogene Askese würden sie danach von ihrer Sünde befreit.'
Wort für Wort
gurutalpagaḥ
der zum Lager des Lehrers Geht (Nom. Sg. m., eine der fünf Todsünden)
āśīryuktāni karmāṇi kurvate ye tv atandritāḥ ahaṃkārasamāyuktās te sakāśe prajāpateḥ
'Wer aber unermüdlich Handlungen vollziehe, die mit weltlichem Wunsch verbunden seien, mit Ich-Bewusstsein verbunden, jene gelangten in die Nähe Prajāpatis.'
'Durch die Meditationsverbindung dorthin gelangt, frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein, gingen sie hier in das Unoffenbarte ein, die große, höchste Welt.'
Wort für Wort
nirmamā nirahaṃkṛtāḥ
frei von Besitzdenken und Ich-Bewusstsein (Nom. Pl. m.)
'Eben aus dem Unoffenbarten entstanden, kehre der Kenner der rechten Zeit wieder dorthin zurück, von Tamas und Rajas befreit, das reine Sattva erlangt habend.'
'Vom gewöhnlichen Denken zum höheren Bewusstsein gelangt, verweile der Weise gebändigt; worauf sein Denken gerichtet sei, darauf den Geist gerichtet habend - dies sei das ewige Geheimnis.'
Wort für Wort
cittaṃ cittāt upāgamya
vom Denken zum höheren Bewusstsein gelangt (Absolutiv)
'Vom Unoffenbarten bis zu den besonderen Elementen reichend, werde dies als das Merkmal der Unwissenheit überliefert; man möge erkennen, wie dies durch die Eigenschaften gekennzeichnet sei.'
Wort für Wort
avidyālakṣaṇam
das Merkmal der Unwissenheit (Nom. Sg. n.)
nibodhata
erkennet! (2. Pl. Imperativ, hier indirekt: man möge erkennen)
'nibodhata' (2. Pl. Imperativ) gemäß Konvention indirekt wiedergegeben.
'Durch Handeln werde das Geschöpf geboren, verkörpert, aus sechzehn Bestandteilen bestehend; die Unwissenheit erschaffe den scheinbaren Puruṣa - den eigentlich unfassbaren, den Unsterblichkeit Genießenden.'
Wort für Wort
ṣoḍaśātmakaḥ
aus sechzehn Bestandteilen bestehend (Nom. Sg. m.)
agrāhyam amṛtāśinam
den unfassbaren, Unsterblichkeit Genießenden (Akk. Sg. m.)
[?] Gemeint ist wohl: die Unwissenheit erzeugt die trügerische Vorstellung eines handelnden Puruṣa, während der wahre Puruṣa unfassbar und jenseits von Geburt sei.
tasmāt karmasu niḥsnehā ye ke cit pāradarśinaḥ vidyāmayo 'yaṃ puruṣo na tu karmamayaḥ smṛtaḥ
'Daher seien jene, die frei von Zuneigung zu den Handlungen seien, Seher des Jenseitigen; dieser Puruṣa gelte als aus Wissen bestehend, nicht aber als aus Handeln bestehend.'
Wort für Wort
pāradarśinaḥ
Seher des Jenseitigen (Nom. Pl. m.)
vidyāmayo na karmamayaḥ
aus Wissen, nicht aus Handeln bestehend (Nom. Sg. m.)
apūrvam amṛtaṃ nityaṃ ya enam avicāriṇam ya enaṃ vindate ''tmānam agrāhyam amṛtāśinam agrāhyo 'mṛto bhavati ya ebhiḥ kāraṇair dhruvaḥ
'Wer diesen ohne Anfang seienden, unsterblichen, ewigen, nicht der Erörterung unterworfenen als das Selbst finde, den unfassbaren, den Unsterblichkeit Genießenden - der werde unfassbar und unsterblich, wer durch diese Ursachen beständig sei.'
Wort für Wort
apūrvam avicāriṇam
ohne Anfang, nicht der Erörterung unterworfen (Akk. Sg. m.)
apohya sarvasaṃkalpān saṃyamyātmānam ātmani sa tad brahma śubhaṃ vetti yasmād bhūyo na vidyate
'Nachdem er alle Vorstellungen verworfen und das Selbst im Selbst gebändigt habe, erkenne er jenes heilvolle Brahman, über das hinaus es nichts mehr gebe.'
prasādenaiva sattvasya prasādaṃ samavāpnuyāt lakṣaṇaṃ hi prasādasya yathā syāt svapnadarśanam
'Eben durch die Heiterkeit des Sattva möge man Heiterkeit erlangen; denn das Merkmal der Heiterkeit sei, wie es beim traumlosen Schauen der Fall wäre.'
'Von dem, der allen Wesen gegenüber gleichmütig, frei von Begehren, frei von Verlangen sei, könne dieser Gang gegangen werden - von dem, der überall gleichsehend sei.'
ity uktās te tu munayo brahmaṇā guruṇā tathā kṛtavanto mahātmānas tato lokān avāpnuvan
'Der Lehrer sprach weiter: So von Brahmā angesprochen, hätten jene Weisen ebenso gehandelt; die Hochbeseelten hätten danach die höchsten Welten erlangt.'
ahaṃ gurur mahābāho manaḥ śiṣyaṃ ca viddhi me tvatprītyā guhyam etac ca kathitaṃ me dhanaṃjaya
„Ich bin der Lehrer, o Starkarmiger, und wisse, dass der Geist mein Schüler ist; aus Liebe zu dir ist dieses Geheimnis von mir verkündet worden, Dhanaṃjaya.
mayi ced asti te prītir nityaṃ kurukulodvaha adhyātmam etac chrutvā tvaṃ samyag ācara suvrata
Wenn du stets Liebe zu mir hegst, o Stolz des Kuru-Geschlechts, so handle, nachdem du diese Lehre vom Selbst gehört hast, recht danach, o du von gutem Gelübde.
Wort für Wort
mayi te prītiḥ
deine Liebe zu mir (Nom. Sg. f.)
adhyātmam etac chrutvā
nachdem du diese Selbst-Lehre gehört hast (Absolutiv)
Dann wirst du, wenn dieser Dharma von dir recht geübt worden ist, o Freude der Kurus, mit einem von aller Sünde gereinigten Selbst die alleinige Befreiung erlangen.
Wort für Wort
samyag ācīrṇe dharme
wenn dieser Dharma recht geübt worden ist (Lok. Absolut)
sarvapāpaviśuddhātmā
mit einem von aller Sünde gereinigten Selbst (Nom. Sg. m.)
mayā tu bharataśreṣṭha ciradṛṣṭaḥ pitā vibho tam ahaṃ draṣṭum icchāmi saṃmate tava phalguna
Von mir aber, o Bester der Bharatas, ist mein Vater lange nicht gesehen worden, o Gewaltiger; ihn möchte ich sehen, wenn du einverstanden bist, Phalguna.“
nachdem wir dort den rechtschaffenen König Yudhiṣṭhira getroffen und um Erlaubnis gebeten haben, sollst du, Unbezwingbarer, in deine eigene Stadt gehen.“
Wort für Wort
samanujñāpya
um Erlaubnis gebeten habend (Absolutiv Kausativ)
svāṃ purīṃ yātum arhasi
du sollst in deine eigene Stadt gehen (2. Sg. Präs. + Infinitiv)