Kapitel 16: ṛgvede 4.16 · ā satyo yātu maghavām ṛjīṣī dravantv asya haraya upa naḥ
Lob Indras: Lichtgewinn, Vṛtra- und Rinderfels-Taten, Bitte um Beistand
Langes Indra-Lied des Vāmadeva: Anruf zum Somatrunk (1-2), Indras Taten (Licht, Wasser, Vṛtra, Rinderpferch, Kutsa und seine Feinde: 3-14), Preis und Bitte um Hilfe (15-21). Vers 21 kehrt als 4.17.21 wieder. Schwierig sind 3, 9, 11 (Wortlaut und Bezüge unsicher).
ā satyo yātu maghavām ṛjīṣī dravantv asya haraya upa naḥ / tasmā id andhaḥ suṣumā sudakṣam ihābhipitvaṃ karate gṛṇānaḥ
Der wahrhaftige Gabenreiche, der Soma-Trinker, soll herkommen; seine Rotbraunen sollen zu uns eilen. / Für ihn haben wir den Trank, den sehr kräftigen, gekeltert; hier erbittet der Preisende [Indras] Einkehr [?].
ava sya śūrādhvano nānte 'smin no adya savane mandadhyai / śaṃsāty uktham uśaneva vedhāś cikituṣe asuryāya manma
Spann [die Rosse] aus, Held, nicht erst am Wegesende, bei dieser unserer Pressung heute, um dich zu berauschen [?]. / Der Fromme soll den Spruch sagen wie Uśanā, das Gedankenlied für den wissenden, herrschaftskräftigen [Indra].
Wort für Wort
ava
ab (Präverb)
sya
ihn/sie [Rosse] (Akk.) [?] / spanne aus (2. Sg. Imp.)
Wie ein Seher das Verborgene [?], die Zusammenkünfte vollendend, sang der Stier, den Guss ausschlürfend; / so hat er vom Himmel her sieben Sänger erzeugt; am Tag machten sie Wegzeichen [?], indem sie priesen [Anm.: unsicher; Bezug auf die sieben Sänger].
svar yad vedi sudṛśīkam arkair mahi jyotī rurucur yad dha vastoḥ / andhā tamāṃsi dudhitā vicakṣe nṛbhyaś cakāra nṛtamo abhiṣṭau
Als das Licht der Sonne mit den Liedern gefunden wurde, schön anzusehen, als sie das große Licht beim Morgen erstrahlen ließen: / die blinden, bedrohlichen Finsternisse hat er den Männern zum Sehen gemacht, der Männerbeste, im Ansturm.
vavakṣa indro amitam ṛjīṣy ubhe ā paprau rodasī mahitvā / ataś cid asya mahimā vi recy abhi yo viśvā bhuvanā babhūva
Indra ist gewachsen, der Unermessliche, der Rechte-Führende; er hat beide Welten durch Größe erfüllt. / Darum wird auch seine Größe überragt [?], die über alle Wesen hinaus war.
viśvāni śakro naryāṇi vidvān apo rireca sakhibhir nikāmaiḥ / aśmānaṃ cid ye bibhidur vacobhir vrajaṃ gomantam uśijo vi vavruḥ
Alle Männertaten kennend, hat der Mächtige die Wasser freigegeben mit den Gefährten, die es begehrten, / die auch den Stein mit Worten spalteten, [und] die Uśij, die den rinderreichen Pferch aufdeckten.
apo vṛtraṃ vavrivāṃsam parāhan prāvat te vajram pṛthivī sacetāḥ / prārṇāṃsi samudriyāṇy ainoḥ patir bhavañ chavasā śūra dhṛṣṇo
Die Wasser umschließenden Vṛtra hast du niedergeschlagen; die einträchtige Erde förderte deine Keule. / Die Meeresfluten hast du in Bewegung gesetzt, als Herr geworden durch Kraft, Held, Kühner.
apo yad adrim puruhūta dardar āvir bhuvat saramā pūrvyaṃ te / sa no netā vājam ā darṣi bhūriṃ gotrā rujann aṅgirobhir gṛṇānaḥ
Als du, Vielgerufener, die Wasser, den Felsen aufbrachst, ward Saramā dir als Erste sichtbar. / Du, unser Führer, brichst reichlich Beute auf, die Rinderpferche zerbrechend, von den Aṅgiras besungen.
achā kaviṃ nṛmaṇo gā abhiṣṭau svarṣātā maghavan nādhamānam / ūtibhis tam iṣaṇo dyumnahūtau ni māyāvān abrahmā dasyur arta
Zu dem Seher hin, Männerfreund, [wende dich] im Ansturm um die Rinder, beim Gewinn des Lichts, Gabenreicher, zu dem Bittenden [?]; / mit Hilfen treib ihn an; im Ruf um Glanz ist der zauberkundige, gebetslose Dasyu niedergestreckt [?] [Anm.: Satzbau unsicher].
Wort für Wort
accha
hin (Adv.)
kavim
Seher (Akk. Sg.)
nṛ-manaḥ
männerfreundlich (Nom./Vok. Sg.)
gāḥ
Rinder (Akk. Pl.)
abhiṣṭau
im Ansturm (Lok. Sg.)
svaḥ-sātā
beim Gewinn des Lichts (Lok. Sg.)
magha-van
Gabenreicher (Vok.)
nādamānam
Bittender (Akk. Sg.) [?]
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)
tam
ihn (Akk. Sg. m.)
iṣaṇaḥ
antreibend (Nom. Sg.) [?]
dyumna-hūtau
im Rufen um Glanz (Lok. Sg.)
ni
nieder (Präverb)
māyāvān
zauberkundig (Nom. Sg.)
abrahmā
ohne Brahman/gebetslos (Nom. Sg.)
dasyuḥ
Dasyu (Nom. Sg.)
arta
ist gefallen/niedergestreckt (3. Sg. Aor. Pass.) [?]
ā dasyughnā manasā yāhy astam bhuvat te kutsaḥ sakhye nikāmaḥ / sve yonau ni ṣadataṃ sarūpā vi vāṃ cikitsad ṛtacid dha nārī
Komm mit dem Dasyu-erschlagenden Sinn heim; Kutsa soll dir in Freundschaft zu Willen sein. / Setzt euch beide in eurem Schoß nieder, gleichgestaltig; euch unterscheidet [nur] die der Wahrheit kundige Frau [Anm.: Bezug auf die Ähnlichkeit von Indra und Kutsa; Erzählzug fest überliefert, Deutung plausibel].
yāsi kutsena saratham avasyus todo vātasya haryor īśānaḥ / ṛjrā vājaṃ na gadhyaṃ yuyūṣan kavir yad ahan pāryāya bhūṣāt
Du fährst mit Kutsa auf gemeinsamem Wagen, hilfebegierig, der Antreiber, Herr über die beiden Rotbraunen des Windes [?]; / die Geraden [Rosse], als wolltest du die zu gewinnende Beute [erlangen], als der Seher am Tag für die Hilfe sich bereit macht [?] [Anm.: unsicher].
Wort für Wort
yāsi
fährst (2. Sg.)
kutsena
mit Kutsa (Instr. Sg.)
sa-ratham
auf demselben Wagen (Akk. Sg.)
avasyuḥ
hilfebegierig (Nom. Sg.)
todaḥ
Antreiber (Nom. Sg.)
vātasya
des Windes (Gen. Sg.)
haryoḥ
der beiden Rotbraunen (Gen. Du.)
īśānaḥ
Herr/gebietend (Nom. Sg.)
ṛjrā
gerade/geschickt (Nom. Pl. f. / Instr. Sg.) [?]
vājam
Beute (Akk. Sg.)
na
wie
gadhyam
zu gewinnende (Akk. Sg.)
yuyūṣan
sich anschließen/abwehren wollend (Nom. Sg. Part.) [?]
kutsāya śuṣṇam aśuṣaṃ ni barhīḥ prapitve ahnaḥ kuyavaṃ sahasrā / sadyo dasyūn pra mṛṇa kutsyena pra sūraś cakraṃ vṛhatād abhīke
Für Kutsa hast du den Śuṣṇa, den Dörrer, niedergestreckt, in der Frühe des Tages den Kuyava, tausende. / Sogleich zerschmettere die Dasyus mit Kutsas Waffe; reiß das Rad der Sonne heraus im Nahkampf [?].
tvam piprum mṛgayaṃ śūśuvāṃsam ṛjiśvane vaidathināya randhīḥ / pañcāśat kṛṣṇā ni vapaḥ sahasrātkaṃ na puro jarimā vi dardaḥ
Du hast den Pipru, den Mṛgaya, den Strotzenden, dem Ṛjiśvan Vaidathina unterworfen, / fünfzigtausend Schwarze hast du niedergemäht; wie das Alter ein Gewand hast du die Burgen zerrissen.
sūra upāke tanvaṃ dadhāno vi yat te cety amṛtasya varpaḥ / mṛgo na hastī taviṣīm uṣāṇaḥ siṃho na bhīma āyudhāni bibhrat
Wenn du, die Sonne, nahe [herangekommen], deinen Leib annimmst, wird dein unsterbliches Aussehen sichtbar, / gleich einem Rüsseltier-Wild, Kraft begehrend, gleich einem furchtbaren Löwen Waffen tragend [?].
indraṃ kāmā vasūyanto agman svarmīḷhe na savane cakānāḥ / śravasyavaḥ śaśamānāsa ukthair oko na raṇvā sudṛśīva puṣṭiḥ
Zu Indra sind die Wünsche gegangen, Gut erstrebend, [ihn] liebend wie bei der Pressung im Wettstreit um das Licht, / Ruhm suchend, mit Sprüchen sich mühend – wie ein liebes Heim, wie ein schöner Anblick: das Gedeihen.
tam id va indraṃ suhavaṃ huvema yas tā cakāra naryā purūṇi / yo māvate jaritre gadhyaṃ cin makṣū vājam bharati spārharādhāḥ
Ihn, Indra, den gut Anrufbaren, wollen wir für euch anrufen, der jene vielen Männertaten tat, / der einem Sänger wie mir schnell eine zu gewinnende Beute bringt, der Gewährer des Begehrenswerten.
tigmā yad antar aśaniḥ patāti kasmiñ cic chūra muhuke janānām / ghorā yad arya samṛtir bhavāty adha smā nas tanvo bodhi gopāḥ
Wenn der scharfe Blitzstein mitten unter irgendwelche Leute fällt, Held [?], / wenn, Herr, ein schreckliches Zusammentreffen eintritt, dann werde unseres Leibes Hüter.
Sei Helfer der Gedanken des Vāmadeva, sei Freund, kein Wolf, im Gewinn der Beute; / zu dir sind wir nach [deiner] Fürsorge gekommen; weit Gepriesener, sei dem Sänger allseits [Beistand].
Mit diesen dir ergebenen Männern, Indra, [und] mit dir, Gabenreicher, den Gabenreichen, in jedem Wettkampf, / wie Himmelstage durch Glanz überlegen, die Fremden überwältigend, mögen wir Nächte hindurch und viele Herbste uns freuen.
eved indrāya vṛṣabhāya vṛṣṇe brahmākarma bhṛgavo na ratham / nū cid yathā naḥ sakhyā viyoṣad asan na ugro 'vitā tanūpāḥ
So haben wir dem Indra, dem Stier, dem Männlichen, das Brahman gemacht, wie die Bhṛgus einen Wagen; / dass er sich nun von uns nie in Freundschaft trenne, sondern unser gewaltiger Helfer und Leibhüter sei.
nū ṣṭuta indra nū gṛṇāna iṣaṃ jaritre nadyo na pīpeḥ / akāri te harivo brahma navyaṃ dhiyā syāma rathyaḥ sadāsāḥ
Jetzt, gepriesen, Indra, jetzt, besungen, lass dem Sänger Labung schwellen wie Flüsse; / gemacht ist dir, Falbenherr, ein neues Brahman; mit dem Gedanken mögen wir Wagenbesitzer sein, stets gewinnend.