Kapitel 1: ṛgvede 4.1 · tvāṃ hy agne sadam it samanyavo devāso devam aratiṃ nyerira iti kratvā nyerire
Agni als Mittler zu Varuṇa; Geburt Agnis und die Befreiung der Rinder
Bitte an Agni, Varuṇas Groll abzuwenden (V. 1-5); Preis von Agnis dreifacher Geburt (6-12); Mythos der Väter, die den Felsen öffnen und die Lichtkühe/Uṣas herausführen (13-18). V. 11 ist im Saṃhitā-Text der Quelle verkürzt; V. 11-12 und 16 sind rätselhaft.
tvāṃ hy agne sadam it samanyavo devāso devam aratiṃ nyerira iti kratvā nyerire / amartyaṃ yajata martyeṣv ā devam ādevaṃ janata pracetasaṃ viśvam ādevaṃ janata pracetasam
Dich, Agni, haben immer die gleichgesinnten Götter als göttlichen Mittler [?] eingesetzt, „durch Willenskraft haben sie (ihn) eingesetzt“. / Den Unsterblichen, Verehrungswürdigen unter den Sterblichen, den Gott haben sie hin zu den Göttern erzeugt, den Weitblickenden, das All hin zu den Göttern haben sie erzeugt, den Weitblickenden. [Anm.: aratim = „Mittler/Diener“ unsicher.]
Du, Agni, wende den Bruder Varuṇa hierher, mit gutem Sinn zu den Göttern hin, den Weihehandlung-Liebenden, den Ältesten, den Weihehandlung-Liebenden, / den der Ordnung Zugehörigen, den Āditya, den die Völker Tragenden, den König, der die Völker trägt.
Freund, wende dich zum Freund, wie ein schnelles Rad, wie ein Wagenlenker [?], mit Eile für uns, du Wunderbarer, mit Eile. / Agni, finde Gnade bei Varuṇa zusammen mit den Marut, den allen Lichtern, für Nachkommen, für Nachwuchs, Leuchtender, mach Heil, für uns, Wunderbarer, mach Heil.
tvaṃ no agne varuṇasya vidvān devasya heḷo 'va yāsisīṣṭhāḥ / yajiṣṭho vahnitamaḥ śośucāno viśvā dveṣāṃsi pra mumugdhy asmat
Du, Agni, der du Bescheid weißt, wende uns den Groll des Gottes Varuṇa ab, indem du (ihn) erbittest [?]; / du, der beste Verehrer, der beste Fahrer, lodernd, löse alle Anfeindungen von uns los.
sa tvaṃ no agne 'vamo bhavotī nediṣṭho asyā uṣaso vyuṣṭau / ava yakṣva no varuṇaṃ rarāṇo vīhi mṛḷīkaṃ suhavo na edhi
Du, Agni, sei uns der Nächste zur Hilfe, der Nächste beim Aufleuchten dieser Uṣas. / Wende den Varuṇa von uns ab durch Verehrungsdarbringung, gebend; genieße die Gnade, sei leicht anzurufen für uns. [Anm.: ava-√yaj = „durch Verehrung abwenden“.]
asya śreṣṭhā subhagasya saṃdṛg devasya citratamā martyeṣu / śuci ghṛtaṃ na taptam aghnyāyā spārhā devasya maṃhaneva dhenoḥ
Dieses glückreichen Gottes Anblick ist der herrlichste, unter den Sterblichen der bunteste; / rein wie erhitztes Schmalz der unantastbaren Kuh, begehrenswert wie die Gabe der Milchkuh des Gottes [?]. [Anm.: aghnyā = „nicht zu tötende“, Kuh; Bildrede für Glanz/Milch.]
trir asya tā paramā santi satyā spārhā devasya janimāny agneḥ / anante antaḥ parivīta āgāc chuciḥ śukro aryo rorucānaḥ
Dreimal sind diese seine höchsten, wahren, begehrenswerten Geburten des Gottes Agni. / Im Endlosen drinnen, eingehüllt, ist er gekommen, rein, hell, Herr, strahlend.
Er, der Bote, begehrt alle Sitze; der Rufer, mit goldenem Wagen, mit anmutiger Zunge, / mit rötlichen Rossen, wunderbar, leuchtend, immer erfreulich wie eine speisenreiche Versammlung.
sa cetayan manuṣo yajñabandhuḥ pra tam mahyā raśanayā nayanti / sa kṣety asya duryāsu sādhan devo martasya sadhanitvam āpa
Er hat den Freund/Verwandten der Weihehandlung des Menschen aufmerksam gemacht [?]; ihn führen sie mit großem Seil nach vorn. / Er wohnt in den Türen (Häusern) dieses Sterblichen, (es) vollbringend; der Gott erlangte für den Sterblichen Gemeinschaft im Besitz [?].
sa tū no agnir nayatu prajānann achā ratnaṃ devabhaktaṃ yad asya / dhiyā yad viśve amṛtā akṛṇvan dyauṣ pitā janitā satyam ukṣan
Er, Agni, soll uns wissend hinführen zu dem von den Göttern zugeteilten Kleinod, das sein ist, / (dem), das durch den Gedanken alle Unsterblichen schufen; der Himmel, der Vater, der Erzeuger, hat das Wahre besprengt [?].
sa jāyata prathamaḥ pastyāsu maho budhne rajaso asya yonau
Er wurde als Erster geboren in den Wohnstätten, am Grunde des großen Raumes, in seinem Schoß; / ohne Fuß, ohne Kopf, sich verbergend, die beiden Enden [verbindend/ineinanderfügend ?], im Nest des Stiers. [Anm.: Rätselhaft; Agni als Feuer/Opfer-Wesen (plausibel), Sonnenaufgang (spekulativ). Saṃhitā der Quelle verkürzt, Wiedergabe nach PP.]
Die Schar erhob sich zuerst mit Staunenswertem im Schoß der Ordnung, im Nest des Stiers. / Den Begehrenswerten, Jungen, Wunderbaren, Leuchtenden haben sieben Liebe dem Stier erzeugt.
asmākam atra pitaro manuṣyā abhi pra sedur ṛtam āśuṣāṇāḥ / aśmavrajāḥ sudughā vavre antar ud usrā ājann uṣaso huvānāḥ
Unsere Väter, die Menschen, haben sich hier zum Ṛta hin niedergelassen, es erlangend; / in der steinernen Hürde, die milchreichen, in der Höhle drinnen trieben sie die Morgenrot-Kühe heraus, die Uṣas anrufend.
te marmṛjata dadṛvāṃso adriṃ tad eṣām anye abhito vi vocan / paśvayantrāso abhi kāram arcan vidanta jyotiś cakṛpanta dhībhiḥ
Sie haben den Felsen aufgerissen, geputzt [?]; dies von ihnen haben andere ringsum verkündet. / Die (Vieh?) Bändiger sangen dem Sänger entgegen, sie fanden das Licht, sie gestalteten es mit ihren Gedanken. [Anm.: paśva-yantrāsaḥ und cakṛpanta unsicher.]
te gavyatā manasā dṛdhram ubdhaṃ gā yemānam pari ṣantam adrim / dṛḷhaṃ naro vacasā daivyena vrajaṃ gomantam uśijo vi vavruḥ
Sie, mit kuhbegehrendem Sinn, haben den festen, verschlossenen Felsen, der die Kühe festhielt, ringsum befindlich, / den festen, die Männer, die Eifrigen, mit göttlichem Wort haben sie die rinderreiche Hürde aufgeschlossen.
Sie dachten sich den ersten Namen der Kuh (Dhenu); dreimal sieben höchste (Namen) der Mutter fanden sie. / Dies wissend riefen die Scharen entgegen; offenbar wurden die Rötlichen durch den Ruhm der Kuh. [Anm.: Bildrede; Kuh = Rede/Uṣas/Erde (plausibel).]
neśat tamo dudhitaṃ rocata dyaur ud devyā uṣaso bhānur arta / ā sūryo bṛhatas tiṣṭhad ajrām ṛju marteṣu vṛjinā ca paśyan
Die Finsternis, die bedrängende, ist verschwunden; der Himmel leuchtete auf; das Licht der göttlichen Uṣas stieg empor. / Die Sonne bestieg die weiten Fluren, das Gerade und das Krumme unter den Sterblichen erblickend.
Da erst, hinterher erwacht, haben sie (klar) geschaut; da erst hielten sie das vom Himmel zugeteilte Kleinod fest. / Alle Götter in allen Häusern; Mitra, Varuṇa: für den Gedanken soll das Wahre sein.
achā voceya śuśucānam agniṃ hotāraṃ viśvabharasaṃ yajiṣṭham / śucy ūdho atṛṇan na gavām andho na pūtam pariṣiktam aṃśoḥ
Zu dem lodernden Agni möchte ich sprechen, dem Rufer, dem Allbringer, dem besten Verehrer. / Das reine Euter (öffnete er), wie der Kühe Saft, wie der gereinigte, herumgegossene Saft des Stängels [?].