Kapitel 23: ṛgvede 4.23 · kathā mahām avṛdhat kasya hotur yajñaṃ juṣāṇo abhi somam ūdhaḥ
Fragelied über Indra und das Ṛta
Ein Lied aus Fragen (kathā ‚wie?‘, kaḥ ‚wer?‘) über Indras Gunst und Freundschaft, das in V. 8 bis 10 in einen Preis des Ṛta (Wahrheit, gefügte Ordnung) übergeht. Mehrere Verse (5 bis 7) sind dunkel. V. 11 ist der Kehrvers.
Wie förderte er den Großen – wessen Rufers Weihehandlung gern annehmend, hin zum Soma, zur Fülle [?]? / Trinkend, begehrend, sich am Saft erfreuend, erstarkte der Erhabene zum leuchtenden Gewinn [?]. [Anm.: Subjekt und Konstruktion der ersten Zeile unklar.]
ko asya vīraḥ sadhamādam āpa sam ānaṃśa sumatibhiḥ ko asya / kad asya citraṃ cikite kad ūtī vṛdhe bhuvac chaśamānasya yajyoḥ
Welcher Held erlangte sein gemeinsames Fest, wer erlangte seine Gunst? / Was an ihm Wunderbares wird erkannt? Wie ist (seine) Hilfe zur Stärkung des sich mühenden Verehrers [geworden]?
kathā śṛṇoti hūyamānam indraḥ kathā śṛṇvann avasām asya veda / kā asya pūrvīr upamātayo ha kathainam āhuḥ papuriṃ jaritre
Wie hört Indra den Angerufenen? Wie weiß er, hörend, um dessen Hilfen? / Welche sind dessen frühere Vorbilder (Gunstbeweise) [?]? Wie nennen sie ihn ‚dem Sänger Erfüller‘ [?]?
kathā sabādhaḥ śaśamāno asya naśad abhi draviṇaṃ dīdhyānaḥ / devo bhuvan navedā ma ṛtānāṃ namo jagṛbhvāṃ abhi yaj jujoṣat
Wie soll, bedrängt, sich mühend, sein Gut erreichen, sinnend …? / Ein Gott soll mir ein Kundiger [?] der Ordnungen sein, der die Verehrung ergriffen hat, wenn er sie gern annehmen sollte [?]. [Anm.: navedāḥ und Satzbau unsicher.]
kathā kad asyā uṣaso vyuṣṭau devo martasya sakhyaṃ jujoṣa / kathā kad asya sakhyaṃ sakhibhyo ye asmin kāmaṃ suyujaṃ tatasre
Wie nahm beim Aufleuchten dieser Morgenröte der Gott die Freundschaft des Sterblichen gern an? / Wie ist seine Freundschaft für die Freunde, die an ihm das gut angeschirrte Verlangen ausgespannt haben [?]?
Wort für Wort
kathā
wie
kat
was
asyāḥ
dieser (Gen. Sg. f.)
uṣasaḥ
der Morgenröte (Gen. Sg.)
vi-uṣṭau
beim Aufleuchten (Lok. Sg.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
martasya
des Sterblichen (Gen. Sg.)
sakhyam
Freundschaft (Akk. Sg.)
jujoṣa
nahm gern an (3. Sg. Perf.)
kathā
wie
kat
was
asya
dessen
sakhyam
Freundschaft (Akk. Sg.)
sakhi-bhyaḥ
den Freunden (Dat. Pl.)
ye
die
asmin
an ihm (Lok. Sg.)
kāmam
Verlangen (Akk. Sg.)
su-yujam
gut angeschirrt (Akk. Sg.)
tatasre
haben ausgespannt/gerichtet (3. Pl. Perf. Med.) [?]
kim ād amatraṃ sakhyaṃ sakhibhyaḥ kadā nu te bhrātram pra bravāma / śriye sudṛśo vapur asya sargāḥ svar ṇa citratamam iṣa ā goḥ
Was ist dann die … [?] Freundschaft für die Freunde? Wann wollen wir deine Bruderschaft verkünden? / Zur Pracht (ist) die schöne Gestalt des Schönschauenden [?]; seine Ergüsse [?] (sind) wie das Licht, das glänzendste, zur Labung, vom Rind [?]. [Anm.: amatra unsicher; letzte Zeile kaum verständlich.]
Den Trug(ler) [?], den Schädiger, den Indra-losen zu erschlagen wünschend – scharf sind (seine) scharfen Spitzen zum Stoßen [?]; / wo (immer) der Gewaltige als unser Schuldeintreiber [?] auch die Schulden (eintrieb), die unerkannten Morgenröten fern hielt [?]. [Anm.: sehr dunkel; Bildsprache (Schulden, Morgenröten) unklar; PP-Formen duham, jighāṃsam sind Verderbnisse (druham, jighāṃsan).]
Wort für Wort
duham
Trug/Schädiger (Akk. Sg.) [PP duham, wohl druham]
jighāṃsam
zu erschlagen wünschend (Nom. Sg.) [PP jighāṃsam, wohl jighāṃsan]
Denn des Ṛta (der Wahrheit, gefügten Ordnung) sind viele Labungen [?]; des Ṛta Schau tilgt die Krümmungen (Arglist). / Des Ṛta Ruf durchbohrte die tauben Ohren, erwachend, leuchtend, des Menschen.
Fest sind des Ṛta Stützen, viele; glänzende Gestalten zur Verschönerung. / Durch das Ṛta strebten sie lange [?] nach Nahrungen; durch das Ṛta traten die Rinder in das Ṛta ein. [Anm.: ‚Rinder‘ evtl. Bild für Lichtstrahlen oder Ströme (plausibel, nicht sicher).]
ṛtaṃ yemāna ṛtam id vanoty ṛtasya śuṣmas turayā u gavyuḥ / ṛtāya pṛthvī bahule gabhīre ṛtāya dhenū parame duhāte
Wer das Ṛta lenkt/hält, gewinnt eben das Ṛta; des Ṛta Kraft ist eilend und rinderbegehrend. / Für das Ṛta (geben) die beiden breiten, reichen, tiefen (Welten), für das Ṛta geben die beiden höchsten Milchkühe Milch. [Anm.: Die zwei Breiten = Himmel und Erde (plausibel); Milchkühe kosmisch-mythologisch (plausibel).]
nū ṣṭuta indra nū gṛṇāna iṣaṃ jaritre nadyo na pīpeḥ / akāri te harivo brahma navyaṃ dhiyā syāma rathyaḥ sadāsāḥ
Jetzt, Indra, gepriesen, jetzt besungen, lass dem Sänger Labung schwellen wie Flüsse! / Ein neues Brahman (heiliges Wort) ist dir gemacht, Falbenherr; / mit Dichtgedanken mögen wir Wagenbesitzer sein, immer gewinnend. [Anm.: Kehrvers, in 4.19 bis 4.24 am Ende jedes Liedes gleich.]