Kapitel 3: ṛgvede 4.3 · ā vo rājānam adhvarasya rudraṃ hotāraṃ satyayajaṃ rodasyoḥ
Agni als Rufer; Fragen an Agni und Ṛta-Mythen
Einladung Agnis auf seinen Sitz (V. 1-3), Fragenreihe, was Agni den Göttern berichten soll (5-8), dann Ṛta-Strophen mit Bildern von Kuh, Milch, Felsöffnung und Wassern (9-12). V. 9-10 (Milchrätsel) und V. 13 sind schwierig.
Macht euch zur Hilfe den König der Weihehandlung, Rudra, den Rufer, den wahrhaft Verehrenden der beiden Welten, / Agni, den Goldgestaltigen, herbei, bevor der Donner (kommt), vor Unbesonnenheit [?].
ayaṃ yoniś cakṛmā yaṃ vayaṃ te jāyeva patya uśatī suvāsāḥ / arvācīnaḥ parivīto ni ṣīdemā u te svapāka pratīcīḥ
Dies ist der Sitz, den wir dir gemacht haben, wie die Gattin, verlangend, schön gekleidet, für den Gatten; / komm her, umhüllt, setz dich nieder; diese (Lieder) sind dir zugewandt, du von guter Einsicht [?].
Dem Hörenden, Unübermütigen, Männerblickenden, sehr Gnädigen [sage ich] als Ordner ein Gedanken-Wort; / dem Gott, dem Unsterblichen sprich ein Lob, wie der Presser den Stein, Honig pressend, den ich anrufe [?].
tvaṃ cin naḥ śamyā agne asyā ṛtasya bodhy ṛtacit svādhīḥ / kadā ta ukthā sadhamādyāni kadā bhavanti sakhyā gṛhe te
Du sollst uns, Agni, dieses Werks bedacht sein, ordnungskundig, gutdenkend. / Wann werden deine Lobsprüche gemeinsam erfreuend, wann wird Freundschaft in deinem Haus sein?
kathā ha tad varuṇāya tvam agne kathā dive garhase kan na āgaḥ / kathā mitrāya mīḷhuṣe pṛthivyai bravaḥ kad aryamṇe kad bhagāya
Wie wirst du dies dem Varuṇa, Agni, wie dem Himmel klagen: „Was ist unsere Schuld?“ / Wie wirst du dem gütigen Mitra, der Erde sagen, was dem Aryaman, was dem Bhaga? [Anm.: garhase unsicher, evtl. „tadelst“.]
Wort für Wort
kathā
wie
ha
freilich (Partikel)
tat
dies (Akk.)
varuṇāya
dem Varuṇa (Dat.)
tvam
du (Nom.)
agne
Agni (Vok.)
kathā dive garhase
wie beklagst du dich beim Himmel (2. Sg. Med.) [?]
kad dhiṣṇyāsu vṛdhasāno agne kad vātāya pratavase śubhaṃye / parijmane nāsatyāya kṣe bravaḥ kad agne rudrāya nṛghne
Was (sagst du), erstarkend in den Sitzen, Agni; was dem Wind, dem Starken, der schön dahinfährt, / dem Weltumkreiser, dem Nāsatya, auf Erden sprichst du; was, Agni, dem Rudra, dem Männerschlagenden?
kathā mahe puṣṭimbharāya pūṣṇe kad rudrāya sumakhāya havirde / kad viṣṇava urugāyāya reto bravaḥ kad agne śarave bṛhatyai
Wie dem großen Pūṣan, dem Nahrungbringer; was dem Rudra, dem Gutgesinnten, dem Darbringungen Verleihenden; / was dem Viṣṇu, dem Weitschreitenden, sprichst du über den Samen/Erguss [?], was, Agni, dem Pfeil, dem großen [?].
Wie dem Kraftheer der Marut, dem Ordnungsgemäßen; wie der großen Sonne, wenn du gefragt wirst, / wirst du antworten, der Aditi, dem Eiligen; bring es zustande, vom Himmel her, Jātavedas, du Erkennender.
Durch das Ṛta rufe ich das zugeordnete Ṛta an; aus der Kuh das Rohe, gemeinsam mit dem Honigsüßen gekocht, Agni: / schwarz obwohl sie ist, hat sie mit heller Nahrung, mit der verwandten Milch, diese hier, geschwollen. [Anm.: Milchrätsel (schwarze Kuh, helle Milch), plausibel; darüber hinaus spekulativ.]
Denn durch das Ṛta ist auch der Stier gesalbt, der männliche Agni, mit der Milch des Rückens [?]; / nicht zuckend ging er umher, Lebenskraft spendend; der Stier hat aus dem Euter der Gescheckten den hellen (Saft) gemolken.
ṛtenādriṃ vy asan bhidantaḥ sam aṅgiraso navanta gobhiḥ / śunaṃ naraḥ pari ṣadann uṣāsam āviḥ svar abhavaj jāte agnau
Durch das Ṛta warfen sie, den Fels spaltend, (ihn) auseinander; die Aṅgiras jubelten zusammen mit den Rindern. / Zum Gedeihen setzten sich die Männer um die Uṣas; das Licht wurde offenbar, als Agni geboren war.
ṛtena devīr amṛtā amṛktā arṇobhir āpo madhumadbhir agne / vājī na sargeṣu prastubhānaḥ pra sadam it sravitave dadhanyuḥ
Durch das Ṛta haben die göttlichen, unsterblichen, unversehrten Wasser mit honigreichen Fluten, Agni, / wie ein Renner in den Läufen, lautstark antreibend, immerfort zu fließen gestrebt.
mā kasya yakṣaṃ sadam id dhuro gā mā veśasya praminato māpeḥ / mā bhrātur agne anṛjor ṛṇaṃ ver mā sakhyur dakṣaṃ ripor bhujema
Nicht möchten wir irgendjemandes yakṣa [Wunderwesen/Verehrungsgut?] immerfort ... [?]; nicht des Nachbarn, dessen, der (dich) verletzt, nicht des Verwandten; / nicht des Bruders, Agni, des Unredlichen Schuld, ... nicht des Freundes Tüchtigkeit, des Betrügers, möchten wir genießen. [Anm.: Verse stark unsicher (yakṣam, huraḥ, gāḥ, veḥ).]
rakṣā ṇo agne tava rakṣaṇebhī rārakṣāṇaḥ sumakha prīṇānaḥ / prati ṣphura vi ruja vīḍv aṃho jahi rakṣo mahi cid vāvṛdhānam
Schütze uns, Agni, mit deinen Schutzmitteln, selbst bewahrend, du Eifriger, dich freuend; / stoß zurück, brich das Feste, die Bedrängnis; erschlag den Unhold, auch den groß gewachsenen.
Mit diesen Preisliedern sei wohlgesinnt, Agni; mit unseren Gedanken berühre diese Preise, Held; / und nimm die Formeln gern an, Aṅgiras; dein Lob soll, von den Göttern angeweht [?], zusammen erklingen.
All diese verborgenen Worte, Wege [?] habe ich dir, dem Wissenden, Ordner, Agni, / dem Dichter als Verkündigungen, Dichtungen gesagt, der Weise, mit Gedanken und Sprüchen.