Kapitel 19: ṛgvede 4.19 · evā tvām indra vajrinn atra viśve devāsaḥ suhavāsa ūmāḥ
Indras Vṛtra-Taten und die Befreiung der Ströme
Preislied auf Indras Sieg über die Schlange Vṛtra und die Freisetzung der Wasser, mit dunklen Anspielungen (V. 7, 9). Viele Einzelwörter (agruvaḥ, vakvā, dhvasrā, aparvan) sind unsicher. V. 11 ist ein Kehrvers.
So haben dich, Indra, Keulenträger, hier alle Götter, gut anzurufende Helfer, (und) beide Welten [?], dich, den Großen, Erstarkten, Erhabenen, als den Einzigen im Vṛtra-Erschlagen erwählt. [Anm.: ubhe rodasī wohl zweites Subjekt (plausibel), alternativ Bezug zu vṛddham (‚von beiden Welten gestärkt‘); PP liest gṛṇate ‚preisen‘, die Saṃhitā vṛṇate ‚erwählen‘.]
Wort für Wort
eva
so
tvām
dich (Akk. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
vajrin
Keulenträger (Vok.)
atra
hier
viśve
alle
devāsaḥ
Götter (Nom. Pl.)
su-havāsaḥ
gut anzurufen (Nom. Pl.)
ūmāḥ
Helfer (Nom. Pl.)
mahām
den Großen (Akk. Sg.)
ubhe iti
beide (Nom. Du.)
rodasī iti
Welten (Nom. Du.)
vṛddham
gewachsen/erstarkt (Akk. Sg.)
ṛṣvam
erhaben (Akk. Sg.)
niḥ
heraus
ekam
einen
it
nur
gṛṇate
erwählen (3. Pl. Med.; PP gṛṇate, Saṃhitā vṛṇate) [?]
avāsṛjanta jivrayo na devā bhuvaḥ samrāḷ indra satyayoniḥ / ahann ahim pariśayānam arṇaḥ pra vartanīr arado viśvadhenāḥ
Herab ließen die Götter [dich/ab] wie Gebrechliche [?]; du wurdest Allherrscher, Indra, von wahrem Ursprung. / Du erschlugst die Schlange, die die Flut umlagert hielt; hervor grubst du die Bahnen, die alles nährenden. [Anm.: Zeile 1 unsicher (avāsṛjanta jivrayo na devāḥ).]
atṛpṇuvantaṃ viyatam abudhyam abudhyamānaṃ suṣupāṇam indra / sapta prati pravata āśayānam ahiṃ vajreṇa vi riṇā aparvan
Den nicht satt Werdenden, Ausgestreckten, Unerweckbaren [?], nicht Erwachenden, den Schlafenden, Indra – / die Schlange, die auf sieben Gefällen [?] lag, ließest du mit der Keule auseinander[fließen] [?], (sie war) gelenklos [?]. [Anm.: vi riṇāḥ (√ri ‚freilassen, fließen lassen‘) und aparvan unsicher; ‚du zerschlugst sie in gelenklose Stücke‘ ist eine mögliche Lesart, plausibel.]
Mit Kraft erschütterte er den Grund der Erde, wie der Wind die Wasser mit seinen Kräften, Indra. / Das Feste bändigte er, nach Kraft verlangend; die Gipfel der Berge spaltete er herab.
abhi pra dadrur janayo na garbhaṃ rathā iva pra yayuḥ sākam adrayaḥ / atarpayo visṛta ubja ūrmīn tvaṃ vṛtāṃ ariṇā indra sindhūn
Hin liefen sie [die Wasser?] wie Frauen zur Leibesfrucht; wie Wagen zogen zugleich die Steine/Berge los. / Du tränktest die Auseinanderströmenden [?], drücktest die Wellen nieder; du, Indra, ließest die gehemmten Ströme strömen. [Anm.: Subjekt von dadruḥ unklar; adrayaḥ ‚Steine/Berge‘ (Pressteine oder Berge) unsicher.]
Du brachtest den großen, alles nährenden Strom, der für Turvīti (und) Vayya floss, zum Stehen; / mit Verneigung [?] (brachtest du) die sich regende Flut (zur Ruhe); gut überschreitbar machtest du, Indra, die Ströme. [Anm.: avani ‚Strom/Erde‘; namasā unsicher (‚durch Beugung‘ oder ‚auf Verehrung hin‘).]
Vorwärtsstrebend [?], wie Quellen [?], gewunden, herabträufelnd [?], ließ er die jungen, ordnungskundigen (Frauen/Wasser) schwellen; / das Trockenland und die Fluren, die Durstigen, füllte er; Indra molk die unfruchtbaren Kühe, die Gattinnen des Wundertäters [?]. [Anm.: agruvaḥ, vakvā, dhvasrāḥ unsicher; kosmisch-mythologische Ebene (Wasser als junge Frauen, Kühe) plausibel.]
pūrvīr uṣasaḥ śaradaś ca gūrtā vṛtraṃ jaghanvāṃ asṛjad vi sindhūn / pariṣṭhitā atṛṇad badbadhānāḥ sīrā indraḥ sravitave pṛthivyā
Viele Morgenröten und Herbste lang [?] (gehemmt), die gepriesenen [?] – nachdem er Vṛtra erschlagen hatte, ließ er die Ströme los; / die eingeschlossenen, gefesselten Ströme brach er auf, Indra, damit sie über die Erde fließen.
vamrībhiḥ putram agruvo adānaṃ niveśanād dhariva ā jabhartha / vy andho akhyad ahim ādadāno nir bhūd ukhachit sam aranta parva
Den von den Ameisen [?], den Sohn der Agru [?], den (nicht Gebenden/nicht Gegebenen) [?] holtest du, Falbenherr, aus der Behausung heran. / Der Blinde sah auf, die Schlange ergreifend [?]; der Topfspalter [?] kam heraus; die Gelenke fügten sich zusammen. [Anm.: Anspielung auf einen sonst nur angedeuteten Mythos (Ameisen, Sohn, Blinder, Heilung); Deutung spekulativ, Lesarten unsicher.]
pra te pūrvāṇi karaṇāni viprāvidvāṃ āha viduṣe karāṃsi / yathā-yathā vṛṣṇyāni svagūrtāpāṃsi rājan naryāviveṣīḥ
Deine früheren Taten hat der Dichter, kundig [?], dem Kundigen vorgetragen, (auch) die Werke: / wie du, König, die Manneskräfte, die selbstgepriesenen Werke, die mannhaften (Taten) vollbrachtest [?].
nū ṣṭuta indra nū gṛṇāna iṣaṃ jaritre nadyo na pīpeḥ / akāri te harivo brahma navyaṃ dhiyā syāma rathyaḥ sadāsāḥ
Jetzt, Indra, gepriesen, jetzt besungen, lass dem Sänger Labung schwellen wie Flüsse! / Ein neues Brahman (heiliges Wort) ist dir gemacht, Falbenherr; / mit Dichtgedanken mögen wir Wagenbesitzer sein, immer gewinnend. [Anm.: Kehrvers, in 4.19 bis 4.24 am Ende jedes Liedes gleich.]