Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 4

Kapitel 31: ṛgvede 4.31 · kayā naś citra ā bhuvad ūtī sadāvṛdhaḥ sakhā Fragen an Indra und Bitte um Hilfe und Ruhm

Beginnt mit Fragen (Wie wird Indra uns helfen? Welcher Rauschtrank berauscht ihn?), rühmt seine Gabenfreude und bittet ihn um Hilfe, Reichtum und Ruhm; der Schlussvers wendet sich an Sūrya. Verse 5, 6 und 9 sind schwierig.

kayā naś citra ā bhuvad ūtī sadāvṛdhaḥ sakhā / kayā śaciṣṭhayā vṛtā

Auf welche Weise wird er uns zur Hilfe sein, der Wunderbare, der stets Wachsende, der Gefährte? Mit welcher, der kräftigsten (Hilfe), erwählt?

Wort für Wort
kayā
mit welcher (Instr. Sg. f.)
naḥ
uns (Dat.)
citraḥ
wunderbar, hell (Nom. Sg.)
ā
hin
bhuvat
er wird sein (3. Sg. Inj. Aor.)
ūtī
zur Hilfe (Instr./Lok. Sg.)
sadāvṛdhaḥ
stets wachsend (Nom. Sg.)
sakhā
Gefährte (Nom. Sg.)
kayā
mit welcher (Instr. Sg. f.)
śaciṣṭhayā
mit der kräftigsten (Instr. Sg. f.)
vṛtā
erwählt, umgeben (Nom. Sg. Part.) [?]

kas tvā satyo madānām maṃhiṣṭho matsad andhasaḥ / dṛḷhā cid āruje vasu

Welcher wahre, freigebigste der Rauschtränke soll dich berauschen mit Trank, um selbst Festes zu brechen, (um) Gut (zu gewinnen)?

Wort für Wort
kaḥ
welcher (Nom. Sg.)
tvā
dich (Akk.)
satyaḥ
wahr, wirklich (Nom. Sg.)
madānām
der Rauschtränke (Gen. Pl.)
maṃhiṣṭhaḥ
der freigebigste (Nom. Sg.)
matsat
er soll berauschen (3. Sg. Inj. Aor.)
andhasaḥ
mit Trank, Soma (Abl./Gen. Sg.)
dṛḷhā
Festes (Akk. Pl. n.)
cit
auch, selbst
āruje
um zu brechen (Inf. Med.)
vasu
Gut, Schatz (Akk. Sg.)

abhī ṣu ṇaḥ sakhīnām avitā jaritṇām / śatam bhavāsy ūtibhiḥ

Mögest du uns, den Gefährten, den Sängern, ein Helfer sein, hundertfach an Hilfen.

Wort für Wort
abhi
hin, zu
su
wohl, gut
naḥ
uns (Gen./Akk.)
sakhīnām
der Gefährten (Gen. Pl.)
avitā
Helfer (Nom. Sg.)
jaritṝṇām
der Sänger (Gen. Pl.)
śatam
hundert (Akk.)
bhavāsi
du mögest sein (2. Sg. Opt.)
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)

abhī na ā vavṛtsva cakraṃ na vṛttam arvataḥ / niyudbhiś carṣaṇīnām

Wende dich uns zu, wie man das Rad des Rosses wendet, mit den Gespannen der Völker [?].

Wort für Wort
abhi
her, hin
naḥ
uns (Akk.)
ā
hin
vavṛtsva
wende dich (2. Sg. Imp. Med. Desid.)
cakram
Rad (Akk. Sg.)
na
wie
vṛttam
gerollt, gedreht (Akk. Sg. Part.)
arvataḥ
des Rosses (Gen. Sg.)
niyut-bhiḥ
mit den Gespannen (Instr. Pl.)
carṣaṇīnām
der Menschen, Völker (Gen. Pl.)

pravatā hi kratūnām ā hā padeva gachasi / abhakṣi sūrye sacā

Denn auf abschüssiger Bahn gehst du zu den Absichten hin, wie zu Fuß; Anteil ist (dir) an der Sonne zugefallen, gemeinsam [?]. [Anm.: abhakṣi 1. Sg. Aor. Pass. ‚wurde genossen‘; Verwendung hier unsicher.]

Wort für Wort
pra-vatā
auf abschüssiger, steiler Bahn (Instr. Sg.)
hi
denn
kratūnām
der Absichten, Willenskräfte (Gen. Pl.)
ā
hin
ha
fürwahr
padāiva
wie zu Fuß (Instr. Pl. + wie)
gacchasi
du gehst (2. Sg. Präs.)
abhakṣi
es wurde genossen/geteilt (Aor. Pass.) [?]
sūrye
in der Sonne (Lok. Sg.)
sacā
gemeinsam, zusammen (Adv.)

saṃ yat ta indra manyavaḥ saṃ cakrāṇi dadhanvire / adha tve adha sūrye

Wenn sich, Indra, deine Zornkräfte zusammentun, wenn die Räder zusammenlaufen [?], dann (ist es) in dir, dann in der Sonne. [Anm.: Zweite Zeile unsicher.]

Wort für Wort
sam
zusammen
yat
wenn
te
deine (Gen.)
indra
Indra (Vok.)
manyavaḥ
Zornkräfte, Grimmeskräfte (Nom. Pl.)
sam
zusammen
cakrāṇi
Räder (Nom. Pl.)
dadhanvire
sie ließen laufen / liefen zusammen (3. Pl. Perf. Med.) [?]
adha
dann
tve iti
in dir (Lok.)
adha
dann
sūrye
in der Sonne (Lok. Sg.)

uta smā hi tvām āhur in maghavānaṃ śacīpate / dātāram avidīdhayum

Und sie sagen doch von dir, dass du der Gabenreiche, Herr der Kraft, ein Geber bist, der nicht wankt [?].

Wort für Wort
uta
auch
sma
fürwahr
hi
denn
tvām
dich (Akk.)
āhuḥ
sie sagen (3. Pl. Perf.)
it
eben
magha-vānam
Gabenreichen (Akk. Sg.)
śacī-pate
Herr der Kraft (Vok.)
dātāram
Geber (Akk. Sg.)
avi-dīdhayum
unschwankend, unbeirrbar (Akk. Sg.) [?]

uta smā sadya it pari śaśamānāya sunvate / purū cin maṃhase vasu

Und sogleich, ringsum, dem Sichmühenden, dem Somapressenden: vieles Gut schenkst du.

Wort für Wort
uta
auch
sma
fürwahr
sadyaḥ
sofort, gleich
it
eben
pari
rings, ganz
śaśamānāya
dem Sichmühenden (Dat. Sg. Part.)
sunvate
dem Pressenden (Dat. Sg. Part.)
puru
vieles (Akk. Sg. n.)
cit
selbst, gar
maṃhase
du schenkst reichlich (2. Sg. Präs.)
vasu
Gut (Akk. Sg.)

nahi ṣmā te śataṃ cana rādho varanta āmuraḥ / na cyautnāni kariṣyataḥ

Denn nicht halten dich hundert [Gegner?] von deinen Gaben ab, auch nicht die Angreifer [?]; nicht (halten dich ab) die Erschütterungen [?] derer, die (etwas) tun wollen [?]. [Anm.: Vers sehr unsicher; āmuraḥ und cyautnāni unklar.]

Wort für Wort
nahi
denn nicht
sma
fürwahr
te
deine (Gen.)
śatam
hundert (Akk.)
cana
auch
rādhaḥ
Gaben, Zuwendungen (Akk. Pl.)
varante
sie halten ab (3. Pl. Präs. Med.)
āmuraḥ
Angreifer, Bedränger (Nom. Pl.) [?]
na
nicht
cyautnāni
Erschütterungen, Angriffe (Akk. Pl.) [?]
kariṣyataḥ
derer, die tun werden (Gen. Du./Nom. Pl. Part. Fut.) [?]

asmāṃ avantu te śatam asmān sahasram ūtayaḥ / asmān viśvā abhiṣṭayaḥ

Uns sollen deine Hundert fördern, uns die tausend Hilfen, uns alle (Zuwendungen) zur Überlegenheit [?].

Wort für Wort
asmān
uns (Akk.)
avantu
sie sollen fördern (3. Pl. Imp.)
te
deine (Gen.)
śatam
hundert (Nom.)
asmān
uns (Akk.)
sahasram
tausend (Nom.)
ūtayaḥ
Hilfen (Nom. Pl.)
asmān
uns (Akk.)
viśvāḥ
alle (Nom. Pl.)
abhiṣṭayaḥ
Überlegenheiten, Gunsterweise (Nom. Pl.) [?]

asmāṃ ihā vṛṇīṣva sakhyāya svastaye / maho rāye divitmate

Uns wähle hier aus zur Freundschaft, zum Wohlergehen, für großen Reichtum, der himmlischen Glanz hat.

Wort für Wort
asmān
uns (Akk.)
iha
hier
vṛṇīṣva
wähle aus (2. Sg. Imp. Med.)
sakhyāya
zur Freundschaft (Dat. Sg.)
svastaye
zum Wohlergehen (Dat. Sg.)
mahaḥ
großen (Gen./Dat. Sg.)
rāye
für den Reichtum (Dat. Sg.)
divitmate
himmlischen Glanz habend (Dat. Sg.)

asmāṃ aviḍḍhi viśvahendra rāyā parīṇasā / asmān viśvābhir ūtibhiḥ

Uns fördere, Indra, jeden Tag mit ringsum (reichem) Reichtum, uns mit allen Hilfen.

Wort für Wort
asmān
uns (Akk.)
aviḍḍhi
fördere (2. Sg. Imp.)
viśva-hā
alle Tage, täglich (Adv.)
indra
Indra (Vok.)
rāyā
mit Reichtum (Instr. Sg.)
parīṇasā
ringsum, in Fülle (Instr. Sg.)
asmān
uns (Akk.)
viśvābhiḥ
mit allen (Instr. Pl.)
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)

asmabhyaṃ tāṃ apā vṛdhi vrajāṃ asteva gomataḥ / navābhir indrotibhiḥ

Öffne uns jene Pferche, die rinderreichen, wie ein Schütze [?], mit neuen Hilfen, Indra. [Anm.: ‚Pferche mit Rindern‘ wörtlich; asteva ‚wie ein Schütze‘ nach PP, unsicher.]

Wort für Wort
asmabhyam
für uns (Dat.)
tān
jene (Akk. Pl.)
apa
auf, weg
vṛdhi
öffne (2. Sg. Imp.)
vrajān
Pferche (Akk. Pl.)
astāiva
wie ein Schütze (Nom. Sg. + wie) [?]
go--mataḥ
rinderreiche (Akk. Pl.)
navābhiḥ
mit neuen (Instr. Pl. f.)
indra
Indra (Vok.)
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)

asmākaṃ dhṛṣṇuyā ratho dyumāṃ indrānapacyutaḥ / gavyur aśvayur īyate

Unser Wagen, kühn, leuchtend, unaufhaltsam, fährt, Indra, rinderbegehrend, rossbegehrend.

Wort für Wort
asmākam
unser (Gen. Pl.)
dhṛṣṇu-yā
kühn (Adv./Instr.)
rathaḥ
Wagen (Nom. Sg.)
dyu-mān
leuchtend (Nom. Sg.)
indra
Indra (Vok.)
anapa-cyutaḥ
unaufhaltsam, nicht abzubringen (Nom. Sg.)
gavyuḥ
rinderbegehrend (Nom. Sg.)
aśvayuḥ
rossbegehrend (Nom. Sg.)
īyate
er fährt, wird geführt (3. Sg. Präs. Pass.)

asmākam uttamaṃ kṛdhi śravo deveṣu sūrya / varṣiṣṭhaṃ dyām ivopari

Unseren Ruhm mache zum höchsten unter den Göttern, Sūrya, den erhabensten, wie den Himmel oben.

Wort für Wort
asmākam
unseren (Gen. Pl.)
ut-tamam
den höchsten (Akk. Sg.)
kṛdhi
mache (2. Sg. Imp.)
śravaḥ
Ruhm (Akk. Sg.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok. Pl.)
sūrya
Sūrya, Sonne (Vok.)
varṣiṣṭham
den erhabensten (Akk. Sg.)
dyām-iva
den Himmel (Akk. Sg. + wie)
upari
oben, darüber

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