Kapitel 51: ṛgvede 4.51 · idam u tyat purutamam purastāj jyotis tamaso vayunāvad asthāt
Die Morgenröten, Töchter des Himmels
Preis der Uṣas: Aufgang des Lichts, Öffnen der Finsternis-Hürde, Erwecken der Menschen und Gönner, ihre ewige Gleichheit; Schlussbitte um Reichtum und Ruhm. Schwierig sind V. 6 (ṛbhūṇām, vidhānā) und V. 8 (jarante). Bildrede ‚Rinder/Ströme der Kühe‘ steht für Lichtstrahlen (plausibel).
idam u tyat purutamam purastāj jyotis tamaso vayunāvad asthāt / nūnaṃ divo duhitaro vibhātīr gātuṃ kṛṇavann uṣaso janāya
Dieses da, das vielfältigste Licht, ist vorn aus der Finsternis aufgestanden, Zeichen tragend. / Nun werden die leuchtenden Töchter des Himmels, die Uṣas, den Menschen einen Weg bahnen.
Aufgestanden sind die bunten Uṣas im Osten, wie aufgestellte Pfosten bei den Weihehandlungen; / sie haben die Tore der Finsternis-Hürde aufleuchtend aufgedeckt, die reinen, läuternden.
Aufleuchtend, erweckt heute die Freigebigen zur Gabe des Geschenks, ihr Uṣas, ihr gabenreichen; / im Unkenntlichen mögen die Paṇis schlafen, nicht erwachend, mitten in der Finsternis.
kuvit sa devīḥ sanayo navo vā yāmo babhūyād uṣaso vo adya / yenā navagve aṅgire daśagve saptāsye revatī revad ūṣa
Wird euer Gang heute, göttliche Uṣas, wohl der alte oder der neue sein, / mit dem ihr für Navagva, Aṅgiras, Daśagva, Saptāsya, ihr Reichen, reichlich aufgeleuchtet seid?
Ihr, göttliche, umfahrt mit den ṛta-gemäß angeschirrten Rossen alle Wesen sogleich, / die Uṣas, den Schlafenden erweckend, den Zweifüßigen, Vierfüßigen, das Lebendige, damit es sich regt.
kva svid āsāṃ katamā purāṇī yayā vidhānā vidadhur ṛbhūṇām / śubhaṃ yac chubhrā uṣasaś caranti na vi jñāyante sadṛśīr ajuryāḥ
Wo denn ist unter diesen welche die alte, durch die sie die Anordnungen der Ṛbhus ausführten [?]? / Wenn die glänzenden Uṣas zum Schönen wandeln, werden sie nicht unterschieden, gleich und alterslos. [Anm.: Satz mit ṛbhūṇām unsicher.]
tā ghā tā bhadrā uṣasaḥ purāsur abhiṣṭidyumnā ṛtajātasatyāḥ / yāsv ījānaḥ śaśamāna ukthai stuvañ chaṃsan draviṇaṃ sadya āpa
Ja, jene glückbringenden Uṣas waren einst da, deren Glanz auf Hilfe zielte, durch das Ṛta geboren, wahrhaftig, / in denen der Verehrende, sich mit Lobreden mühend, preisend, rezitierend, sofort Gut erlangte.
tā ā caranti samanā purastāt samānataḥ samanā paprathānāḥ / ṛtasya devīḥ sadaso budhānā gavāṃ na sargā uṣaso jarante
Sie kommen einmütig von vorn her, von derselben Stelle einmütig sich ausbreitend, / die göttlichen, vom Sitz des Ṛta erwachend; die Uṣas erschallen [?] wie Ströme der Kühe. [Anm.: jarante ‚rufen/erschallen‘ oder ‚werden gepriesen‘; gavām sargāḥ Bild für Lichtströme, plausibel.]
Wort für Wort
tāḥ
sie (Nom. Pl. f.)
ā
her, hin (Präverb)
caranti
sie kommen, wandeln (3. Pl.)
samanā
einmütig, gleichgesinnt (Nom. Pl.)
purastāt
vorn, im Osten (Adv.)
samānataḥ
von derselben Stelle (Adv.)
samanā
einmütig (Nom. Pl.)
paprathānāḥ
sich ausbreitend (Nom. Pl.)
ṛtasya
des Ṛta (Gen. Sg.)
devīḥ
göttliche (Nom. Pl.)
sadasaḥ
vom Sitz (Abl. Sg.)
budhānāḥ
erwachend (Nom. Pl.)
gavām
der Kühe (Gen. Pl.)
na
wie
sargāḥ
Ströme, Entlassungen (Nom. Pl.)
uṣasaḥ
Morgenröten (Nom. Pl.)
jarante
sie erschallen, werden gepriesen [?] (3. Pl. Med.)
tā in nv eva samanā samānīr amītavarṇā uṣasaś caranti / gūhantīr abhvam asitaṃ ruśadbhiḥ śukrās tanūbhiḥ śucayo rucānāḥ
Eben so, gleichartig und einander gleich, ziehen die Uṣas dahin mit unermesslichen Farben, / das gewaltige Schwarze mit ihren glänzenden Leibern verbergend, hell, rein, strahlend.
Reichtum mit Nachkommenschaft, ihr leuchtenden Töchter des Himmels, gebt uns, göttliche. / Aus sanftem Schlaf zu euch erwachend, mögen wir Herren guter Manneskraft sein.
tad vo divo duhitaro vibhātīr upa bruva uṣaso yajñaketuḥ / vayaṃ syāma yaśaso janeṣu tad dyauś ca dhattām pṛthivī ca devī
Dies sage ich euch an, leuchtende Töchter des Himmels, Uṣas, als Zeichen der Verehrungshandlung [?]: / wir mögen ruhmvoll unter den Leuten sein; das mögen Himmel und die göttliche Erde uns geben. [Anm.: yajñaketuḥ unsicher bezogen (auf den Sprecher oder als Merkmal der Uṣas).]