Kapitel 27: ṛgvede 4.27 · garbhe nu sann anv eṣām avedam ahaṃ devānāṃ janimāni viśvā
Der Falke bringt den Soma: Rede des Vāmadeva-Ich
Der Sprecher berichtet in der 1. Person, er habe schon im Mutterleib die Geburten der Götter gekannt und sei als Falke aus eisernen Burgen ausgebrochen; danach folgt die Erzählung vom Raub des Soma durch den Falken und dem Schuss des Kṛśānu. Stark verdichtet und in mehreren Wörtern (īrmā, puraṃdhi, Vers 4) unsicher.
Noch im Mutterleib seiend, habe ich all diese Geburten der Götter erkannt. Hundert eiserne Burgen hüteten mich; da flog ich als Falke mit Schwung hinaus.
na ghā sa mām apa joṣaṃ jabhārābhīm āsa tvakṣasā vīryeṇa / īrmā puraṃdhir ajahād arātīr uta vātāṃ atarac chūśuvānaḥ
Nicht hat er mich nach seinem Belieben fortgerissen; er wurde (ihnen) überlegen durch schöpferische (?) Kraft und Manneskraft. Īrmā [?]: Puraṃdhi ließ die Feinde im Stich, und, schwellend, überwand er die Winde. [Anm.: Der Vers ist wörtlich schwer zu ordnen; īrmā und puraṃdhi sind unsicher. Puraṃdhi = ‚Fülle/reiche Gabe‘, hier vielleicht eine Person oder Größe, die den Feinden entzogen wird.]
ava yac chyeno asvanīd adha dyor vi yad yadi vāta ūhuḥ puraṃdhim / sṛjad yad asmā ava ha kṣipaj jyāṃ kṛśānur astā manasā bhuraṇyan
Als der Falke herabtönte, dann (fort) vom Himmel; als sie, sei es von hier [?], die Puraṃdhi davontrugen — da ließ Kṛśānu (den Pfeil) los, warf ihm (dem Falken) die Sehne herab, der Schütze, im Geist erregt. [Anm.: Kṛśānu = mythischer Bogenschütze, Wächter des Soma; ‚Sehne werfen‘ meint wohl den Schuss.]
ṛjipya īm indrāvato na bhujyuṃ śyeno jabhāra bṛhato adhi ṣṇoḥ / antaḥ patat patatry asya parṇam adha yāmani prasitasya tad veḥ
Der Geradeflügelige, der Falke, trug ihn davon wie den Bhujyu (unter den Schutz) Indras, von hohem Rücken/Gipfel herab. Innen fiel eine Feder dieses Flügeltieres; da, im Lauf des (Fest-)Gebundenen, das (Gefieder) des Vogels [?]. [Anm.: Zeile 2 ist rätselhaft: die Feder, die der Falke durch den Schuss verliert, wird mythisch gedeutet; sicher nur ‚Feder fiel‘.]
Wort für Wort
ṛjipyaḥ
der Geradeflügelige, Rechtgeschwinde (Nom. Sg.) [?]
īm
ihn, ihn hier (Akk. Sg.)
indra-vataḥ
von Indra begleitet/Indra besitzend (Gen./Abl. Sg.)
Dann nahm der Gabenreiche, Indra, den weißen (leuchtenden) Kelch, mit Rindern (Milch) gesalbt, den strotzenden, hellen Trank, von den Adhvaryus dargereicht, die Spitze des Honigtranks, zum Rausch, um zu trinken; der Held nahm ihn zum Rausch, um zu trinken. [Anm.: ‚mit go gesalbt‘ = mit Milch vermischt.]