Paṭala 1: Prathamo 'dhyāyaḥ (Śāstrāvatāraḥ)
Erster Adhyāya – Die Herabkunft der Lehre (Vv. 22–61)
Quelle: archive.org, Digitalisat der Digital Library of India (Identifier in.ernet.dli.2015.326285) der Ausgabe Lakṣmī-Tantra, hg. v. Paṇḍit V. Krishnamacharya, The Adyar Library and Research Centre, Madras 1959 (Adyar Library Series 87) – über 65 Jahre alte, rein philologische kritische Edition (Sanskrit-Text und textkritischer Apparat, keine eigene Übersetzung dieser Ausgabe verwendet); nach der im Projekt geltenden Faustregel zur redaktionellen Schutzfrist (vgl. Projekt 3) frei nutzbar als Grundlage einer eigenständigen Übersetzung. Zugriff über den im Claude-Browser eingebetteten OCR-Volltext (Tesseract, Sanskrit-Devanāgarī-Modell), da WebFetch bei diesem und vergleichbaren archive.org-Digitalisaten bislang an einer harten Kurzzitat-Politik des Zusammenfassungsmodells sowie an Verarbeitungsabbrüchen bei sehr langen OCR-Dateien scheiterte (s. Projektnotiz 2026-09-19) – der direkte Volltextzugriff über document.body.innerText im Browser-Tool umgeht dieses Problem vollständig und liefert den kompletten OCR-Text ohne Kürzung oder Zusammenfassung. WICHTIGE EINSCHRÄNKUNG dieses ersten Kapitels: Die Verse 1–21 (eine kurze Hayagrīva-/Lakṣmī-Invokation sowie ein dicht mit Fußnoten des Herausgebers durchsetzter Rahmen-Abschnitt, in dem offenbar Anasūyā und mehrere Ṛṣis auftreten) ließen sich aus dem linearisierten OCR-Text NICHT zuverlässig rekonstruieren: die Verszahlen springen dort unsystematisch (u.a. 15, 16, 18, 10, 11, 12, 13, 21 in dieser Reihenfolge), was auf eine im flachen OCR-Text nicht mehr auflösbare Vermischung von Wurzeltext und dem begleitenden Fußnoten-/Variantenapparat der gedruckten Seite hindeutet. Um keinen geratenen oder durch Spaltenvermischung verfälschten Text als Quellentext auszugeben, beginnt diese Übersetzung erst mit dem ab Vers 22 wieder klar durchlaufenden, eindeutigen Fließtext (der eigentliche Rahmen: die Bitte der Ṛṣis an Nārada und dessen Erzählung). Verse 1–21 bleiben als Lücke dokumentiert und sollen in einer späteren Sitzung nachgetragen werden, sobald eine spaltenreine Texterfassung (z.B. direkte Bildseitenlektüre) möglich ist. Die Verszählung folgt durchgehend der Quelle (beginnt daher bei 22); einzelne unnummeriert erscheinende Verse (nach 23 bzw. nach 45) sind im Original ebenfalls ohne erkennbare Nummer und werden mit [?] markiert. Inhalt der Verse 22–61: die Bitte der Ṛṣis an Nārada um die Lakṣmī-Lehre; Nāradas Erzählung von Indras Sturz durch Durvāsas' Fluch, dem Verlust der Śrī aus den drei Welten, dem Milchozean-Quirlen und Śrīs Wiedererscheinen an Viṣṇus Brust; Bṛhaspatis Rat an Indra, bei Padminī Zuflucht zu suchen, mit einer kurzen Theologie der Śrī als Wesensgrund aller vedischen wie tantrischen Erkenntniswege; Indras hundertjährige Buße am Milchozean; Śrīs Erscheinen, Segen und Indras Lobpreis; Śrīs Ankündigung, sich selbst zu offenbaren – der Rahmen, den Kapitel 2 (Śrīs Selbstoffenbarung als Nārāyaṇī) unmittelbar fortsetzt.
tatra tattvārthakathane lakṣmīmāhātmyam uttamam | sūcitaṃ tatra tatraiva nāptena prakāśitam ||
Dort, in der Darlegung der wahren Bedeutung, wurde die erhabene Größe der Lakṣmī hier und da angedeutet, [aber] nicht von einem verlässlichen [Lehrer] offenbart.
Wort für Wort
tatra
dort (Lok.)
tattva-artha-kathane
in der Darlegung des wahren Sinns (Lok.)
lakṣmī-māhātmyam
die Größe/Herrlichkeit der Lakṣmī (Nom. Sg. n.)
uttamam
die höchste, erhabene
sūcitam
angedeutet, angezeigt (PPP)
tatra tatra eva
gerade hier und da
na āptena
nicht durch einen Vertrauenswürdigen/Erreichten (Instr.)
prakāśitam
offenbart, kundgetan (PPP)
[?] „nāptena“ (,nicht durch einen Verlässlichen/Erreichten') ist unsicher gelesen; im Quelltext an dieser Stelle nicht restlos von Fußnotenzeichen zu trennen.
icchāmas tad idaṃ śrotuṃ bhavasāgaratārakam | padminīvaibhavaṃ sarvaṃ prajñāpayatu no bhavān ||
Wir wünschen eben dies zu hören, was über den Ozean des Daseins hinüberträgt: die gesamte Herrlichkeit der Padminī [Lakṣmī] möge Euer Ehren uns kundtun.
Wort für Wort
icchāmaḥ
wir wünschen (1.Pl.)
tat idam
eben dies
śrotum
zu hören (Inf.)
bhava-sāgara-tārakam
das über den Ozean des [weltlichen] Daseins hinüberträgt (Akk. Sg. n.)
natāḥ sma śirasā prahvās tava saṃsāratārakau [pādau] | adhīhi no mune divyaṃ prapannāṃs tvāṃ ciraṃ kramam [?]
Verneigt haben wir uns mit dem Haupt, demütig, [vor] deinen beiden Füßen, die über das Daseins-Meer hinübertragen – lehre uns, o Weiser, das göttliche Verfahren, uns, die wir uns dir längst anvertraut haben.
Wort für Wort
natāḥ sma
wir haben uns verneigt (Perf. periphr. 1.Pl.)
śirasā
mit dem Haupt (Instr.)
prahvāḥ
demütig geneigt (Nom. Pl. m.)
tava
deine (Gen.)
saṃsāra-tārakau
die beiden [Füße], die über das [Daseins-]Kreisen hinübertragen
adhīhi
lehre! (Imp. 2.Sg. von adhi-√i)
naḥ
uns
mune
o Weiser (Vok.)
divyam ... kramam
das göttliche Verfahren/den göttlichen Weg (Akk.)
prapannān
die sich anvertraut haben (Akk. Pl., zu 'uns')
tvām
dir (Akk., Bezugspunkt von prapannān)
ciram
seit langem
[?] Vers im Quelltext ohne erkennbare Nummer und syntaktisch nicht restlos sicher (v.a. „kramam“ am Versende); sinngemäß statt wortwörtlich sicher wiedergegeben.
worin jene Göttin mit all ihrem eigenen Wesen und ihren Eigenschaften geschaut wird: Padminī, die Gemahlin des Padmanābha [Viṣṇu], die Lotos-Entsprungene.
Wort für Wort
yatra
worin
sā devī
jene Göttin
dṛśyate
wird geschaut (Pass.)
svarūpa-guṇaiḥ sarvaiḥ
mit all ihrem eigenen Wesen und ihren Eigenschaften (Instr.)
Einst, als Purandara [Indra] durch den Fluch des Durvāsas überwältigt war, [und] die drei Welten ohne vedisches Rezitieren und Opferruf, ohne Śrī waren,
als der Götter-Dharma verarmt und der Dharma ununterbrochen geschwunden war, [und] als der Großvater [Brahmā] zusammen mit den Göttern zum Milchozean gegangen war,
Wort für Wort
daridre
[als] verarmt war
deva-dharme
der Götter-Dharma (Lok. abs.)
kṣīṇe dharme
[als] der Dharma geschwunden war (Lok. abs.)
nirantare
ununterbrochen
pitāmahe
[als] der Großvater [Brahmā] (Lok. abs.)
suraiḥ sārdham
zusammen mit den Göttern
kṣīra-arṇavam
zum Milchozean (Akk.)
upeyuṣi
[als er] gegangen war (Lok. abs., Perf.Part.)
[?] Diese Halbverse sind im Quelltext an mehreren Stellen unsicher überliefert (u.a. „nirantare“ statt der im Apparat vermerkten Variante); Sinn nach Kontext (Brahmās Aufsuchen Viṣṇus am Milchozean, vgl. Viṣṇu-Purāṇa) erschlossen.
nachdem er viele göttliche Jahresreihen hindurch heftige, große Askese geübt hatte – als der Herr der Welt, der Gott der Götter, Janārdana, [von ihm] angesprochen worden war,
Wort für Wort
bahūn varṣagaṇān divyān
viele göttliche Jahresreihen hindurch (Akk. der Zeitdauer)
pitāmahena devāya kāryaṃ ca vinivedite | kṣīrode mathite devais tad ādiṣṭaṃ yathā tathā [?] ||
und die Angelegenheit dem Gott durch den Großvater [Brahmā] vorgetragen worden war, [und] der Milchozean von den Göttern gequirlt wurde, so wie es [von Viṣṇu] angeordnet worden war,
Wort für Wort
pitāmahena
durch den Großvater [Brahmā] (Instr.)
devāya
dem Gott (Dat.)
kāryam
die Angelegenheit (Akk.)
vinivedite
[als] vorgetragen worden war (Lok. abs.)
kṣīrode mathite
[als] der Milchozean gequirlt wurde (Lok. abs.)
devaiḥ
durch die Götter (Instr.)
tat ādiṣṭam
das Angeordnete
yathā tathā
so wie [es angeordnet war]
[?] Versende („yathā tathā“) im Quelltext beschädigt/unklar, sinngemäß wiedergegeben.
als der Pārijāta[-Baum], das beste Pferd [Uccaiḥśravas], der Elefantenfürst [Airāvata], die Schar der Apsaras, das Kālakūṭa[-Gift], die Vāruṇī [Weingöttin] und ebenso die Amṛta [entstanden] waren,
als – zusammen mit dem Mond – die Göttin aus dem großen Ozean emporgestiegen war, [und] Padminī unmittelbar darauf an Padmanābhas Brust [ihren Platz] hatte,
als Purandara, der das gesamte, vollständige Königreich [wieder]erlangt hatte, sich freute, da trat Bṛhaspati heran und sprach im Vertraulichen dieses Wort:
Bṛhaspati [sprach]: Zur rechten Zeit belehre ich [dich] hierüber; höre [dieses] Wort, o Purandara – durch positive wie negative Wesensverknüpfung ist dir Lakṣmīs [Wesen] schon früher erklärt worden.
Wort für Wort
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Sprecherangabe)
kāle
zur [rechten] Zeit
saṃbodhayāmi
ich belehre (1.Sg.)
etat vākyam
dieses Wort
śṛṇu
höre! (Imp.)
puraṃdara
o Purandara (Vok.)
anvaya-vyatirekābhyām
durch positive und negative [logische] Konkomitanz (Instr. Dual)
lakṣmyāḥ
der Lakṣmī [Wesen] (Gen.)
te
dir (Dat.)
kathitā
erklärt (PPP, f.)
purā
schon früher
[?] Letzte Versworte unsicher; „anvaya-vyatireka“ (positive/negative logische Konkomitanz) ist ein Fachbegriff der Nyāya-Methodik, hier auf Lakṣmīs alldurchdringende Bedeutung angewandt (vgl. V.38ff.).
Und sie allein, die ewige Göttin, ist der [wahre] Sinn der vedischen Offenbarungstexte; sie allein sind die Lebensatem der Welten, sie allein die Handlungen der Welten,
Wort für Wort
śrutīnām abhisaṃdhiḥ
der [eigentliche] Sinn/die Absicht der Śrutis (Veden)
sie allein ist der Wille der Welten, sie das Wissen, das höhere wie das niedere; sie allein erschafft zu [rechter] Zeit, sie, eben sie, erhält die drei Welten,
Dies ist jene Wohnstatt Viṣṇus, von der aus der Asket nicht [in den Kreislauf] zurückkehrt; sie ist jenes höchste Ziel der Sāṃkhyas, die das [wahre] Selbst erkannt haben,
Wort für Wort
etat tu vaiṣṇavam dhāma
dies aber [ist] die Wohnstatt Viṣṇus
yataḥ
von wo aus
na āvartate
nicht zurückkehrt
yatiḥ
der Asket
eṣā sā paramā niṣṭhā
sie [ist] jenes höchste Ziel
sāṃkhyānām viditātmanām
der Sāṃkhyas, die das Selbst erkannt haben (Gen. Pl.)
sie ist jenes Ziel der Yogins, wohin gegangen man nicht [mehr] trauert; sie ist jenes Ziel [des] höchsten Ortes [?], eben sie ist der Gang der Kenner des Veda.
Wort für Wort
eṣā sā yogināṃ niṣṭhā
sie [ist] jenes Ziel der Yogins
yatra gatvā
wohin gegangen
na śocati
man nicht [mehr] trauert
eṣā ... niṣṭhā
sie [ist] das Ziel ...
sā eṣā vedavidāṃ gatiḥ
eben sie [ist] der Gang der Vedakenner
[?] „pāramapadī“ unsicher gelesen (denkbar auch „parā ca padī“ o.ä.); Sinn – ,das Ziel des höchsten Ortes' – aus dem Kontext (Mokṣa-Terminologie) erschlossen.
Getrennt-seiend [und doch] nicht-getrennt-seiend, wie das Mondlicht vom kühlstrahligen [Mond] – durch jene je verschiedenen Erkenntnisse und die verschiedenartigen Offenbarungsschriften
Wort für Wort
pṛthagbhūtā apṛthagbhūtā
getrennt-seiend [und doch] nicht-getrennt-seiend
jyotsnā iva himadīdhiteḥ
wie das Mondlicht vom ,Kühlstrahligen' [Mond] (Abl. des Vergleichs)
taiḥ taiḥ jñānaiḥ pṛthagbhūtaiḥ
durch jene je verschiedenen Erkenntnisse (Instr.)
āgamaiḥ ca pṛthagvidhaiḥ
und durch die verschiedenartigen Offenbarungsschriften (Instr.)
Durch besondere, mannigfache Bußübungen und durch jene je verschiedenen, heilvollen Observanzen – nachdem du Viṣṇus Gemahlin verehrt hast, festige [so] dein eigenes [Königs-]Glück.
Wort für Wort
tapoviśeṣaiḥ vividhaiḥ
durch besondere, mannigfache Bußübungen (Instr.)
taiḥ taiḥ ca niyamaiḥ śubhaiḥ
und durch jene je verschiedenen heilvollen Observanzen
ārādhya
nachdem du verehrt hast
mahiṣīm viṣṇoḥ
Viṣṇus Gemahlin (Akk.)
sthirīkuru
festige!
nijām śriyam
dein eigenes Glück
[?] Vers im Original ohne eigene Nummer zwischen 45 und 47 stehend.
Sie wird mit gnädigem Antlitz [dich] zu deiner [rechtmäßigen] Stellung gelangen lassen – die Göttin, die das erwünschte Ziel gewährt, [ja] sogar den Begehrenden die Wünsche erfüllt.
ūrdhvabāhur [?] mukhaś ca niyato niyatātmavān | divyaṃ varṣaśataṃ vai tapas tepe suduścaram ||
mit erhobenen Armen [?] und [aufwärts gewandtem] Antlitz, beherrscht, von gebändigtem Selbst – ein volles göttliches Jahrhundert lang übte er diese überaus schwer zu vollbringende Askese.
Wort für Wort
ūrdhvabāhuḥ
mit erhobenen Armen
mukhaḥ ca
und [im Antlitz]
niyataḥ
beherrscht, gezügelt
niyatātmavān
von gebändigtem Selbst
divyam varṣaśatam vai
ein wahrhaft göttliches Jahrhundert lang
tapaḥ tepe
übte er Askese
suduścaram
überaus schwer zu vollbringen
[?] „ūrdhvabāhuḥ“ im Quelltext leicht verderbt gelesen; die Ergänzung folgt dem gängigen Askese-Topos ,mit erhobenen Armen'.
[Wie] entgeistert [?], nachdem er sich niedergeworfen hatte, mit gefalteten Händen, pries der Balavernichter [Indra], der Bezwinger des Pāka, voller Hingabe Śrī, die Padminī.
Wort für Wort
vihastaḥ
außer sich, entgeistert [?]
praṇipatya atha
nachdem er sich niedergeworfen hatte
prāñjaliḥ
mit gefalteten Händen
balasūdanaḥ
der Balavernichter [Indra]
śriyam bhaktyā tuṣṭāva
er pries Śrī voller Hingabe
padminīm
die Padminī
pākaśāsanaḥ
der Bezwinger des [Dämonen] Pāka [Indra]
[?] „vihastaḥ“ (etwa ,außer sich, mit unwillkürlicher Handbewegung') unsicher gelesen; sinngemäß als Ausdruck des überwältigten Staunens wiedergegeben.
[śrīḥ:] vatsa śakra prasannāsmi tapasāṃ tava suvrata | varaṃ vṛṇu mahābhāga kim iṣṭaṃ karavāṇi te ||
Śrī [sprach]: Kind Śakra, ich bin erfreut über deine Bußübungen, o du von guten Gelübden. Erbitte eine Gabe, Großglückhafter: was Erwünschtes soll ich dir erweisen?
[śakraḥ:] sadyaḥ phalam avāptaṃ yad dṛṣṭā bhagavatī mayā | yadi cāpi varo deyas tvayā me parameśvari | tat tvaṃ kathaya deveśi yāsi tvaṃ yatkārikā ||
Śakra [sprach]: Sogleich ist [mir schon] Frucht zuteilgeworden, indem die Erhabene von mir erblickt wurde. Und wenn dennoch eine Gabe von dir mir zu gewähren ist, höchste Herrin, so sage du mir dies, Herrin der Götter: wer du bist, [und] was du bewirkst.
Wort für Wort
sadyaḥ phalam avāptam
sogleich ist Frucht erlangt worden
yat dṛṣṭā bhagavatī mayā
dass die Erhabene von mir erblickt wurde
yadi ca api varaḥ deyaḥ
und wenn auch eine Gabe zu gewähren ist
tvayā me parameśvari
von dir mir, höchste Herrin
tat tvam kathaya deveśi
so sage du, Herrin der Götter
yā asi tvam
wer du bist
yatkārikā
was du bewirkst, was deine Wirkweise ist
[?] Verszählung an dieser Stelle im Original unklar (mehrere Verse ohne fortlaufende Nummer); Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinnzusammenhang von Indras Antwort.
yac cānyad veditavyaṃ te mac chāstropabṛṃhitam [?] | kathayeśvari tat sarvam upasanno 'smy adhīṣva mām [?]
Und was sonst noch von dir zu wissen ist, durch [dein] Lehrgebäude bekräftigt [?] – sage, Herrin, dies alles; als [dir] Genahter bitte ich: unterweise mich.
Wort für Wort
yat ca anyat veditavyam te
und was sonst noch von dir zu wissen ist
mat śāstra-upabṛṃhitam
durch [meine/dein] Lehrgebäude bekräftigt/erweitert [?]
kathaya īśvari
sage, Herrin!
tat sarvam
dies alles
upasannaḥ asmi
ich bin [als Schüler] genaht
adhīṣva mām
unterweise mich! (Imp. Med.)
[?] Beide Halbverse an dieser Stelle im OCR-Text unsicher; „mac chāstropabṛṃhitam“ und „adhīṣva mām“ sinngemäß, nicht wortwörtlich gesichert wiedergegeben.
iti śakreṇa prasāditā tena vatseneva payasvinī | sadyas tapaso devi yamasya niyamasya ca | snigdhena manasā padmayā pākaśāsanam abravīt ||
So von Śakra, jenem gleichsam [ihrem eigenen] Kinde, günstig gestimmt, sprach die Nährende [Śrī] – sogleich, [erfreut] über die Askese, die Selbst- und Fremdzucht [seiner Gelübde] –, mit liebevollem Sinn, Padmā, zu Pākaśāsana [Indra]:
Wort für Wort
iti śakreṇa prasāditā
so von Śakra günstig gestimmt
tena vatsena iva
durch jenen [ihr] gleichsam [wie ein eigenes] Kind
payasvinī
die ,Nährende, Milchreiche' (Beiname der Śrī)
sadyaḥ tapasaḥ ... yamasya niyamasya ca
[erfreut] über die Askese, die Selbst- und Fremdzucht
snigdhena manasā
mit liebevollem Sinn
padmayā
durch/als Padmā
pākaśāsanam abravīt
sprach sie zu Pākaśāsana [Indra]
[?] Diese drei Halbverse sind im Quelltext syntaktisch stark verdichtet und teils unsicher überliefert; „sadyas tapaso devi yamasya niyamasya ca“ sinngemäß als Aufzählung dessen, worüber Śrī sich freut, gedeutet.
[śrīḥ:] śṛṇu śakra mahābhāga yāhaṃ yatprakārikā [?] | yasyāhaṃ tena vā yat saṃbandho mama vṛtrahan ||
Śrī [sprach]: Höre, Śakra, Großglückhafter: [wer] ich bin [und] von welcher Art ich bin, wessen ich bin und welche Beziehung zu ihm die meine ist, o Vṛtratöter.
Wort für Wort
śṛṇu śakra mahābhāga
höre, Śakra, Großglückhafter
yā aham
[wer] ich [bin]
yatprakārikā
von welcher Art/Wirkweise [ich bin]
yasya aham
wessen ich [bin]
tena vā yat saṃbandhaḥ
und welche Beziehung zu ihm [besteht]
mama
die meine
vṛtrahan
o Vṛtratöter (Vok., Indra)
[?] „yatprakārikā“ unsicher gelesen (,von welcher Art/Wirkweise'); mit diesem Vers bricht der hier gesicherte Quelltext des Kapitels ab – Śrīs Selbstoffenbarung wird in Kapitel 2 fortgesetzt.