Quellen der Menschheit

Lakṣmī-Tantra

Paṭala 39: Ekonacatvāriṃśo 'dhyāyaḥ (Bahiryāgaprakāraḥ) Neununddreißigstes Kapitel (Die Art des äußeren Opferdienstes)

Fortsetzung des äußeren Opferdienstes (ca. 46 Verse): beschreibt die sechs „Sitzungen“ (āsana) der Verehrung – Mantra-, Bade-, Schmuck-, Speise-, erneute Mantra- und Ruhelager-Sitzung. Enthält einen klassischen Abhiṣeka-Wasserkatalog, die wörtlich zitierte Selbsthingabe-Formel „dāso 'haṃ te jagannātha“, die Dreiteilung der Mantra-Rezitation (laut/geflüstert/gedanklich) sowie einen ausführlichen Katalog der Gebetsketten-Materialien mit ihren magischen Zwecken.

śṛṇu bhogān sureśāna dattais tuṣyāmi yair aham │ yeṣu me vitatā śaktir bhogyabhogāya tiṣṭhate ‖ 1 ‖ yathāśakti[?] svarūpeṇa tattadbhogopakalpane │ divyaśaktibhedais taiś[?] citrair nānātāṃ[?] gataiḥ ‖ 2 ‖ [...] sampūrṇam indirāhaṃ tad bhāvanīyam aśeṣataḥ │ mṛdvāstaraṇasaṃstīrṇam ādāv āsanam uttamam ‖ 3 ‖

„Höre, o Herr der Götter, von den Genussgaben (bhoga), durch deren Darbringung ich zufrieden bin – jenen, in denen meine ausgebreitete Macht (śakti) zum Genuss gegenwärtig verweilt, entsprechend der Fähigkeit [des Verehrers] und der Eigenart der jeweiligen Genussgabe, durch mannigfache, vielgestaltige göttliche Macht-Unterscheidungen. [...] Ich bin die vollständige Indirā [Lakṣmī]; dies ist in seiner Gesamtheit zu bedenken. Zuerst [gebe man] den vortrefflichen, mit weichen Decken ausgebreiteten Sitz.

[Anm.: Die Quelledition merkt hier sachlich an, dass der Verehrung des Herrn sechs aufeinanderfolgende „Sitzungen“ (āsana) zugrunde liegen: die Mantra-Sitzung (mantrāsana), die Bade-Sitzung (snānāsana), die Schmuck-Sitzung (alaṅkārāsana), die Speise-Sitzung (bhojyāsana), die erneute Mantra-Sitzung (punarmantrāsana) und die Ruhelager-Sitzung (paryaṅkāsana) – eine sachliche Gliederungsangabe der Edition, kein Übersetzungshilfsmittel im engeren Sinn, hier aber zur Orientierung über den Aufbau des Kapitels angeführt.]

[V. 4–24, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]

[Anm.: Die erste „Mantra-Sitzung“ umfasst die Darbringung von Opferwasser (arghya), Fußwasser, Honigtrank (madhuparka) und Mundwasser, gefolgt von einer Selbsthingabe-Formel, die die Quelledition unter Berufung auf die Pāñcarātra-Schrift wörtlich anführt: „dāso 'haṃ te jagannātha sa-putrādi-parigrahaḥ │ preṣyaṃ māṃ śādhi kartavye niyuṅkṣva hite sadā ‖“ („Ich bin dein Diener, o Herr der Welt, samt Sohn und Anhang; befiehl mir als deinem Knecht, setze mich stets für das Heilsame ein“) – eine sachliche Zitatangabe der Edition. Es folgen Spiegel- und Handwaschwasser-Darbringung sowie eine ausführliche „Bade-Sitzung“: Zahnholz, Mundspülwasser, duftendes Öl, Reis- und Weizenpulver, mit Kurkuma und Lotos-Duft vermischtes Salböl, warmes Wasser, Sandelpaste, Milch, Dickmilch, Ghee, weitere Kuhprodukte, Honig-Zuckerrohrsaft, duftendes Āmalaka-Wasser, Lodhra-Wasser, Rotsandel-Wasser, vortreffliches Kurkuma-Wasser, Senfmehl-Wasser, mit Tagara- und Priyaṅgu-Duftpulvern versetztes Wasser, Blüten-, Blatt- und Fruchtwasser, samenduftendes Wasser sowie in Gold und Silber eingetauchtes Pilgerstätten-Wasser – ein regelrechter klassischer Abhiṣeka-Wasserkatalog –, gefolgt von Kokoswasser und der abschließenden Reinigung von Kleidung und Sitz.]

[V. 25–32, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]

[Anm.: Die dritte „Schmuck-Sitzung“ (alaṅkārāsana) umfasst das Kämmen und Ordnen des Haares, die Anbringung eines Scheitelschmucks aus Blüten, Sandelduft-Fächeln zur Kühlung, mannigfaltigen, mit andächtigen Blumen geschmückten Schmuck, Blumenopfergaben, Augenschminke (añjana), Spiegelbetrachtung, Lampe, Räucherwerk, ein Fahrzeug/Reittier (belebt oder unbelebt), Lobpreis, Segensgesänge, Instrumentalmusik und Tanzdarbietung – „diese Genüsse gehören mir [Lakṣmī]“. Die vierte „Speise-Sitzung“ (bhojyāsana) beginnt mit der Darbringung des Honigtranks (madhuparka, einer Mischung aus Milch und Honig) in zwei getrennten Gefäßen, gefolgt von Opferwasser, Mundspülung, Handreinigung und Betel mit Kampfer, sowie abschließend einem Ruhepavillon (vimāna) für die Erholung.]

japaṃ samācaret paścād[?] alakṣyam[?] itarair janaiḥ │ mantrasaṃskṛtayā samyak śubhayā dvyakṣamālayā[?] ‖ 33 ‖ [...] vācikaḥ kṣudrakārtheṣu[?] siddhikarmaṇi │ mānaso mokṣalakṣmīdo dhyānātmā sarvasiddhikṛt ‖ [...]

Danach soll man, für andere Menschen unbemerkt, die Mantra-Wiederholung (japa) vollziehen, mit einer wohlgeweihten, glückverheißenden [aus zweierlei Perlen bestehenden?] Gebetskette. [Man unterscheidet drei Arten der Rezitation:] die laute (vācika) für geringere Zwecke und magische Vollzüge; die geflüsterte (upāṃśu) für [höhere] Erfüllungsriten; und die gedankliche (mānasa), die Erlösung und die Gnade der Lakṣmī verleiht, ganz aus Meditation besteht und jede Vollendung bewirkt.

[Anm.: Es folgt ein ausführlicher, im Text noch erhaltener Katalog der Gebetsketten-Materialien mit ihren jeweiligen magischen Zwecken – ganz vergleichbar den bekannten Rosenkranz-Klassifikationen anderer tantrischer Texte: Bergkristall u.ä. Edelsteine gelten als die höchste, Koralle/Lotossamen als mittlere, muschelbeinfarbene Perlen als die niedere Güteklasse; Gold dient dem Erwerb von Reichtum, Nahrung und Ahnenriten; Silber/Kupfer dem Gelehrtenruhm und Sieg; Zinn der Yakṣiṇī-Bezwingung; Blei der Bezwingung von Dämonen (rakṣas/piśāca); Bronze (kāṃsya) der Vetāla-Beherrschung; ein Eisen-Legierungsmetall der Schlangen- (nāga-)Bezwingung; Bergkristall dient Erlösung und Frieden, Koralle dem Glück, Perle langem Leben und Nachkommenschaft, Padmarāga-Edelstein jeder Erfüllung, die Wurzel der Tulasī-Pflanze Frieden, Erlösung und Verdienst. Den Abschluss bildet eine technische Anleitung zum Auffädeln der Perlenkette (mit neuem, drei- oder vierfach gedrehtem Faden, gewaschen mit duftendem Wasser, mit gleich großen, weder zu vielen noch zu wenigen Perlen und einer „Meru“-Hauptperle am Verbindungspunkt) – „dies ist die Regel der Gebetskette (akṣamālāvidhi)“.]

iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre bahiryāgaprakāro[?] nāma ekonacatvāriṃśo 'dhyāyaḥ

So lautet im Lakṣmī-Tantra, dem Kern des ehrwürdigen Pāñcarātra, das neununddreißigste Kapitel, betitelt „Die Art des äußeren Opferdienstes“.

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