Quellen der Menschheit

Lakṣmī-Tantra

Paṭala 46: Ṣaṭcatvāriṃśo'dhyāyaḥ (Lakṣmīmantrasiddhiprakāśaḥ) Sechsundvierzigstes Kapitel (Die Offenlegung der Vollendung des Lakṣmī-Mantra)

Kurzes, stark technisches Kapitel (40 Verse): Yantra-Konstruktion für die Lakṣmī-Verehrung, eine Theophanie-Szene, in der die Göttin dem Adepten erscheint, und ein Katalog alchemistischer Siddhis (Metallverwandlung, Juwelenerzeugung, Unsterblichkeit).

[V. 1–19, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]

[Anm.: Ausführliche Anleitung zur Konstruktion eines Lakṣmī-Yantra: ein Quadrat (die zuvor beschriebene „Burg“) mit einem achtblättrigen Lotos in der Mitte, safranrot gefärbt, mit weißen Kreisen und Svastikas in den Ecken. Nach Reinigung von Mund und Hand wird Lakṣmīs Gestalt-Mantra samt seinen Glied-Mantras auf Hände, Kopf, Rücken usw. plaziert, dann ihre vier Gefährtinnen (Lāvaṇya u. a.) auf die Zwischenrichtungen. Im Blütenkelch wird die mit allen Mantras umgebene Gestalt-Silbe sowie Lakṣmī selbst, mit ihrem eigenen Mantra, auf dem Schoß der Gottheit sitzend visualisiert; in den vier Haupt- und Zwischenrichtungen werden ihre vier Gefährtinnen (lotosfarben, im Lotossitz, zur Göttin blickend) und in den Ecken die Svastika-Symbole eingetragen. Die acht Tore erhalten die Waffen-Silbe; die so aufgebaute, mit dem Wurzel-Mantra versehene Göttin wird nach überlieferter Weise verehrt, gefolgt von Rezitation und einem Feueropfer (homa) mit Sesam, Bilva-Frucht und Lotos.]

lakṣmīrūpas tato bhūtvā sādhakaḥ kṛtaniścayaḥ │ japej jñākṣāṇi vai pañca śuddhāhāro jitendriyaḥ ‖20‖ home yuktvā japānte tu kramād bilvāmalāmbujaiḥ │ yathāśakti hy asaṃkhyais tu ayutāyutasaṃkhyayā ‖21‖ dadāti darśanaṃ śrīr homānte parameśvarī │ putra siddho'si te brūhi yat te manasi ceps itam[?] ‖22‖ kuru kāryāṇy abhīṣṭāni manmantreṇākhilāni ca │ adya prabhṛti niḥśaṅko dvandvopadravavarjitaḥ ‖23‖ evam uktvā tu sā devī yāti yatrāgatā vai │ tataḥ karmaṇi vai kuryāl lakṣmyā anumate mama ‖24‖ sa hṛṣṭas tuṣṭo'bhīṣṭāṃ tu śriyaṃ dadyād yathārthinām[?] │ saṃsiddho nidhanaṃ bhuñjyād vāṅmātreṇa dhaneśvaraḥ ‖25‖

Der Übende, zur Gestalt Lakṣmīs geworden, festen Entschlusses, rezitiere die fünf [Weisheits-]Silben, reiner Nahrung, mit gebändigten Sinnen. Nach dem Feueropfer, der Reihe nach mit Bilva-, Āmalaka- und Lotosblättern, so viel man vermag, in unzähliger, zehntausendfacher Zahl geopfert, gewährt Śrī, die höchste Herrin, am Ende des Feueropfers ihre Erscheinung: „Sohn, du hast die Vollendung (siddhi) erlangt; sage mir, was in deinem Herzen begehrt wird. Vollbringe mit meinem Mantra alle gewünschten Taten; sei von heute an ohne Zweifel, frei von jeglichem Unheil der Gegensatzpaare [Freud und Leid und dergleichen].“ So gesprochen, geht die Göttin dorthin zurück, von wo sie gekommen ist. Danach vollziehe man die [weiteren] Handlungen mit meiner, Lakṣmīs, Zustimmung. Erfreut und zufrieden gewährt er [der Übende] den Bittstellern den gewünschten Reichtum; vollendet, genießt er einen Schatz und wird, durch das bloße Wort, ein Herr des Reichtums [wie Kubera].

[Anm.: Eine der wenigen Theophanie-Szenen des Textes, in der die Göttin dem erfolgreichen Adepten leibhaftig erscheint und ihn als „Sohn“ anspricht — ein anschauliches Beispiel für das im Pāñcarātra übliche Ziel der Mantra-Sādhana: die direkte, persönliche Begegnung mit der Gottheit als Beglaubigung der rituellen Vollendung.]

[V. 26–40, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]

[Anm.: Es folgt ein Katalog wundersamer alchemistischer und magischer Wirkungen (siddhi) der Mantra-Kraft: mit dem Mantra geweihtes Quecksilber, auf einen Edelstein aufgetragen, verleiht dessen Träger einen unsterblichen, alterslosen Körper; ein daumengroßer Stein, mit beiden zum Mantra rezitierenden Fäusten (216-fach) berührt, wird zu Edelstein oder Perle, je nachdem, was man begehrt; was immer man mit der Hand berührt — Milch, Elefanten- oder Pferdeprodukte — verwandelt sich in das Gewünschte; Zinn, Blei und Eisen werden zu Silber, unreines Kupfer wird makellos rein; jedes Metall, das der Herr der Götter [Indra] ergreift und wonach immer er verlangt, wird zu diesem verwandelt — so erlangen die leblosen Elemente Verwandlungsfähigkeit. Was immer jemandem im Sinn als Reichtum vorschwebt, das gewährt das Mantra ihm, samt Vieh und Getreide. Auf Birkenrinde (bhūrjapatra) in der vorgeschriebenen Nyāsa-Reihenfolge geschrieben und stets mit Gorocanā-Salbe und rotem Farbstoff getragen, verschafft es überall große Verehrung — diese Andachtsübung ist den nach Śrī (Glanz und Reichtum) Verlangenden besonders lieb. Damit ist die Mantra-Vollendungslehre der ersten Gestalt, Lakṣmī, abgeschlossen.]

iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre lakṣmīmantrasiddhiprakāśo nāma ṣaṭcatvāriṃśo'dhyāyaḥ

So endet im Kern des heiligen Pāñcarātra, im Lakṣmī-Tantra, das sechsundvierzigste Kapitel, betitelt „Die Offenlegung der Vollendung des Lakṣmī-Mantra“.

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