Quellen der Menschheit

Lakṣmī-Tantra

Paṭala 20: Viṃśo 'dhyāyaḥ (Mātṛkāprakāśaḥ) Zwanzigstes Kapitel (Darlegung der Mātṛkā)

Dieses Kapitel führt die in Kapitel 19 begonnene Phonem-Kosmologie fort und widmet sich der Mātṛkā (der personifizierten Silbenreihe als Muttergöttin) sowie einer nyāsa-artigen Zuordnungslehre, die Lautgruppen den vier Vyūha-Gestalten (Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha) zuordnet. Der verfügbare OCR-Scan ist — wie bereits in Kapitel 19 — außergewöhnlich stark beschädigt; der überwiegende Mittelteil (V. 3–50) wurde daher, dem in Kap. 15, 17 und 19 etablierten Vorgehen folgend, als dokumentierte Sammel-Einheit referiert statt Vers für Vers rekonstruiert. Die zugrunde liegende sechsfache Pfad-Kosmologie (ṣaḍadhvan) und die Mātṛkā-nyāsa-Lehre sind als eigenständig bekannte tantrische Lehrmuster identifizierbar und wurden nur als allgemeines Fachwissen herangezogen, nicht als Übersetzung dieses Textes. Die dichte Sanskrit-Kommentierung der Quelledition diente ausschließlich der rein faktischen Orientierung (Versnummerierung), nie als Übersetzungshilfe.

namo nikhilanirmāṇasaṃhāraśaktaye │ hareḥ svarūpabhūtāyai namas te jñānarūpiṇi ‖ 1 ‖

Verehrung dir, die die Kraft zur Erschaffung und Auflösung des gesamten [Universums] besitzt, die das eigentliche Wesen Haris ist — Verehrung dir, du Verkörperung des Wissens!

[Anm.: Indra (Śakra) eröffnet das Kapitel mit dieser Huldigung an Śrī.]

tvatprasādān mayā padme[?] rahasyaṃ paramaṃ śrutam │ varṇādhvānaṃ yathāvan me bhūyas tvaṃ vaktum arhasi ‖ 2 ‖

Durch deine Gnade, o Lotusgeborene [?], habe ich das höchste Geheimnis vernommen; doch magst du mir den Pfad der Laute (varṇādhvan) noch einmal ordnungsgemäß darlegen.

[Anm.: Die Anrede ist im Scan unsicher („padya“/„padme“); mit [?] gekennzeichnet.]

[V. 3–50, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext]

[Anm.: Wie bereits in Kapitel 19 ist der für dieses Kapitel verfügbare OCR-Scan so stark beschädigt (Wortverstümmelungen in praktisally jeder Zeile, Fußnotenapparat direkt in den Wurzeltext hineingemischt), dass eine verlässliche Vers-für-Vers-Übertragung dieses langen Mittelteils nicht zu verantworten ist. Der erkennbare Lehrgehalt: Śrī antwortet auf Indras Bitte mit einer Lehre über die „Bahn der Laute“ (varṇādhvan) als Teil des aus der Śaiva-Kosmologie unabhängig bekannten sechsfachen Pfad-Schemas (ṣaḍadhvan: die drei „Wort“-Pfade varṇa/mantra/pada und die drei „Objekt“-Pfade kalā/tattva/bhuvana), wie es bereits in der einleitenden Anrede an Śrī als „die durch die sechs Pfade Hindurchgehende, doch deren Wesen das die Pfade übersteigende Erwachen ist“ anklingt. Im Zentrum steht eine detaillierte Zuordnungslehre (nyāsa-artig), die die Silbenreihe in zwölffachen Gruppen (dvādaśānta) den vier Vyūha-Gestalten — Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha — zuordnet, jeweils unterschieden nach der Richtung des Hervorgehens (prabhava) und der Rückauflösung (apyaya) der Laute. Der Text bezeichnet dies ausdrücklich als „erste Methode“ (prathamā rītiḥ) der Laut-Bahn und leitet anschließend zu einer „mittleren Methode“ (madhyamā rītiḥ) über, ohne dass sich deren Einzelheiten aus dem beschädigten Scan zuverlässig rekonstruieren lassen. Die zugrunde liegende Kombination von Sechsfach-Pfad-Kosmologie und Vyūha-Nyāsa ist als eigenständig bekanntes Lehrmuster (vgl. tantrische ṣaḍadhvan- und mātṛkā-nyāsa-Traditionen) identifizierbar, wird hier jedoch ausdrücklich nur als allgemeines Sanskrit-Fachwissen herangezogen, nicht als Übersetzung dieses spezifischen Textes.]

yathā hi kṣudhitā bālā mātaraṃ paryupāsate │ evaṃ sarve surā devīṃ mātṛkāṃ paryupāsate ‖ 51 ‖ iyaṃ yoniḥ mantrāṇāṃ vidyānāṃ janmabhūr iyam │ tantrāṇāṃ tāntrikāṇāṃ ca jñānānāṃ mūlam sthitam ‖

So wie ein hungriges Kind seiner Mutter aufwartet, so warten alle Götter der Göttin Mātṛkā auf. Sie ist der Schoß der Mantras, sie ist die Geburtsstätte der Wissensformen (vidyā), die Wurzel der Tantras, der tantrischen Lehren und alles Wissens.

[Anm.: Abschließende, im Scan vergleichsweise gut lesbare Verse, die die Göttin als Mātṛkā — personifizierte Mutter-Silbenreihe — und Quelle allen Mantra- und Tantra-Wissens feiern; sie bilden den Übergang zum Kolophon.

iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre mātṛkāprakāśo nāma viṃśo'dhyāyaḥ

So lautet im Lakṣmī-Tantra, dem Kern des ehrwürdigen Pāñcarātra, das zwanzigste Kapitel, betitelt „Darlegung der Mātṛkā [der Mutter-Silbenreihe]“.

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