Paṭala 3: Tṛtīyo 'dhyāyaḥ (Ṣāḍguṇyaprakāraḥ)
Dritter Adhyāya – Darlegung der sechs Eigenschaften (Ṣāḍguṇyaprakāra) (Anfang übersetzt, Rest: Lücke, s. Anm.)
Ṣāḍguṇyaprakāra – „Darlegung der sechs Eigenschaften“ (jñāna, bala, aiśvarya, vīrya, śakti, tejas). Quelle und Methode wie Kapitel 1–2 (archive.org-Digitalisat in.ernet.dli.2015.326285, Krishnamacharya-Ausgabe 1959; Volltextauslesung per javascript_tool/document.body.innerText).
Diese Sitzung übersetzt den Anfang des Kapitels (die Definitionen der sechs Eigenschaften; im Digitalisat fortlaufend mit den Versen aus Kap. 2 nummeriert, ihre exakte eigene Verszahl innerhalb von Kap. 3 ist unsicher, da eine funktionierende Kapitelanfangs-Markierung nicht lokalisiert werden konnte – die Einheiten sind daher als 3.[a]–3.[i] statt mit Originalzahlen gekennzeichnet). Der anschließende Abschnitt (technische Zuordnung der sechs Eigenschaften zu den vier Avasthās und den vier Vyūhas Vāsudeva/Saṅkarṣaṇa/Pradyumna/Aniruddha, ca. Verse 37 ff. der Originalzählung) liegt im Digitalisat stark korrumpiert UND im linearisierten OCR-Text zwei- bis dreifach dupliziert vor (Scan-/Seiten-Duplikationsartefakt der Vorlage) – eine verlässliche Übersetzung wird vertagt. Ebenso der abschließende Dialogabschnitt (Purandara befragt Śrī zur Erschaffung der Welten aus Freude und Leid, zum Verhältnis von Notwendigkeit und Freiheit/svātantrya, zur gemischten Schöpfung aus früherem Karman): Die im Digitalisat sichtbaren Verszahlen dieses Abschnitts sind nicht-monoton (u. a. 32, 35, 36, 33, 34, 37 in dieser Reihenfolge) – dasselbe Verschränkungsproblem von Wurzeltext und Tippaṇī wie in Kap. 1 Vv. 1–21 und Kap. 2 Vv. 1–11 – und wird daher ebenfalls als Lücke dokumentiert statt geraten. Das Kapitel endet mit dem klar lesbaren Kolophon „iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre ṣāḍguṇyaprakāro nāma tṛtīyo 'dhyāyaḥ“.
avyāhatodayā yā sā tad aiśvaryaṃ paraṃ mama | icchā iti socyate tattattattvaśāstreṣu paṇḍitaiḥ ||
Jene [Kraft], deren Aufgehen ungehindert ist, ist meine höchste Herrschermacht; sie wird von den in den verschiedenen Lehrschriften über das Wesen der Wirklichkeit Gelehrten ‚Wille‘ (icchā) genannt.
[urspr. OCR-Verszahl (unsicher): 28] [?] Rekonstruiert aus zwei leicht abweichenden OCR-Durchläufen derselben Textstelle (s. Kapitel-Anmerkung zur Dopplung).
jagatprakṛtibhāvo me yaḥ sā śaktir itīryate | sṛjyā yac chamabhāvo mama tad balam iṣyate ||
Was an mir die Ursachennatur der Welt ausmacht, das wird ‚Kraft‘ (śakti) genannt; was an mir, dem zu Erschaffenden gegenüber, ruhevoller Zustand ist, das gilt als ‚Stärke‘ (bala).
[urspr. OCR-Verszahl (unsicher): 29] [?] Zweite Vershälfte unsicher.
bharaṇaṃ yac ca kāryasya balaṃ tac ca pracakṣate | śaktyaṃśakena tasyāhur bharaṇaṃ tattvakovidāḥ ||
Und was das Erhalten des [zu bewirkenden] Werkes ist, das nennt man ebenfalls ‚Stärke‘; durch einen Teil der Kraft, so die Kenner der Wirklichkeit, [geschieht] jenes Erhalten.
vikāraviraho vīryaṃ prakṛtitve 'pi me sadā | svabhāvaṃ hi jahāty addhā payo dadhisamudbhave ||
Tatkraft (vīrya) ist die Freiheit von Veränderung, die mir auch im Zustand als [Welt-]Ursache stets eigen ist; denn [nur] Milch gibt, wenn sie zu Dickmilch wird, wahrhaftig ihre Eigennatur auf [ich hingegen nicht].
jagadbhāve 'pi sā nāsti vikṛtir mama nityadā | vikāraviraho vīryam atas tattvavidāṃ mate ||
Auch im Zustand der Welt gibt es an mir niemals eine Veränderung; daher ist, nach Ansicht der Kenner der Wirklichkeit, Tatkraft die Freiheit von Veränderung.
vikramaḥ kathito vīryam aiśvaryaṃ sa tu smṛtaḥ | sahakāryanapekṣā me sarvakāryavidhau hi yā ||
Man nennt auch das [tatkräftige] Vorgehen ‚Tatkraft‘; als ‚Herrschermacht‘ aber gilt jene meine [Fähigkeit], bei jedem Vollbringen eines Werkes keiner Mitwirkung zu bedürfen.
Die Kenner der Wirklichkeit nennen dies die sechste Eigenschaft: ‚Glanz/Feuerkraft‘ (tejas); manche bezeichnen als tejas das Vermögen, anderes zu überwältigen.
Manche, die darin bewandert sind, verbinden jenen ‚Glanz‘ mit den Keśava-[Gestalten]. So sind dies die fünf Eigenschaften, die – aus Wissen bestehend – als makellose Überlieferung gelten.
[urspr. OCR-Verszahl (unsicher): 35] [?] Erste Vershälfte unsicher; „keśavaiḥ“ könnte sich auf die vier Vyūha-Namen (Keśava u. a.) beziehen.
jñānādyāḥ ṣaḍguṇā ete ṣāḍguṇyaṃ mama tad vapuḥ | udayann eva siddhyājñayā samāyuktatamaḥ kalayā ||
Wissen und die übrigen – dies sind die sechs Eigenschaften; das Ṣāḍguṇya, diese Gesamtheit, ist meine [eigentliche] Gestalt, die, stets im Aufgehen begriffen, durch [meine] Teilkraft aufs Innigste mit der vollendenden Willenskraft verbunden [ist].
[urspr. OCR-Verszahl (unsicher): 36] [Anm.: Ab hier (Vers 37) beginnt im Digitalisat die stark korrumpierte und mehrfach duplizierte Passage zur Zuordnung der sechs Eigenschaften zu den vier Avasthās und Vyūhas; Übersetzung wird hier vertagt, siehe Kapitel-Anmerkung.] [?]
[Lücke – siehe Kapitel-Anmerkung: die Verse zur Zuordnung der sechs Eigenschaften zu den vier Avasthās/Vyūhas sowie der abschließende Dialogabschnitt (Purandara und Śrī über die Weltschöpfung) sind im Digitalisat stark korrumpiert, teils dupliziert bzw. mit nicht-monotoner Verszählung überliefert und werden in einer künftigen Sitzung nachgeholt.]
[Anm.: Kapitel endet danach mit dem Kolophon „iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre ṣāḍguṇyaprakāro nāma tṛtīyo 'dhyāyaḥ“.]