Quelle und Methode wie Kapitel 1–4 (archive.org/DLI-Digitalisat in.ernet.dli.2015.326285, Krishnamacharya-Ausgabe 1959; Volltextauslesung per javascript_tool/document.body.innerText). Titel im Digitalisat nicht als eigenes Kolophon-Substantiv identifiziert (Kolophon lautet nur knapp „iti pañcamo 'dhyāyaḥ“ ohne Beinamen); OCR-Qualität ähnlich der von Kap. 4, überwiegend gut lesbar. Diese Sitzung übersetzt Vv. 1–26 (der Anfang, ca. ein Drittel des Kapitels – das Kapitel reicht im Digitalisat noch deutlich weiter bis zum Kolophon bei ca. Position 131237 des Quelltexts); Fortsetzung folgt in einer künftigen Sitzung.
Inhalt der Vv. 1–26: Śrī legt dar, wie sie mit einem „Selbst-Tropfen“ (ātmabindu) die Schöpfung vollzieht und sich dabei in drei Erscheinungsformen entsprechend den drei Guṇas entfaltet (Mahālakṣmī/rajas, Mahāmāyā/tamas, Mahāvidyā/sattva – vgl. bereits Kap. 4, Vv. 55–67). Aus diesen drei Formen gehen drei göttliche Paare (mithuna) hervor: das „geistgeborene“ Paar Hiraṇyagarbha–Śrī/Padmā (aus Pradyumna/Mahāmāyā), Rudra–Gaurī (aus Saṅkarṣaṇa/Mahāmāyā) und Viṣṇu/Keśava–Sarasvatī (aus Aniruddha/Mahāvidyā). Es folgt eine kosmogonische Erzählung: Brahmā erschafft das Weltei, das im Innern das „Pradhāna“ (die materielle Urnatur, dreiguṇig) enthält; Viṣṇu-Hṛṣīkeśa versenkt dieses in die Urwasser und ruht im Schlaf (= Mahākālī als tamasischer Schlaf) auf den Wassern, wobei aus seinem Nabel der kosmische Lotus (mit mehreren Namen: Padma, Puṣkara, Cakra, Puṇḍarīka) entsteht. Ein kurzer Dialogeinschub (Indra/Śakra fragt, Śrī antwortet) führt die Zeit (kāla) als weiteren, eigenständigen Aspekt des Unbewussten (acit) neben den sechs Eigenschaften ein.
Śrī [sprach]: Ich, die Ich-heit Haris selbst, allgestaltig, ewig, aus reiner Wonne und dem Raum des Wissens bestehend, bin von überallher zur Gleichheit gelangt.
Ich, mit Schöpfungswillen ausgestattet, habe mit einem winzig kleinen Selbst-Tropfen (ātmabindu) eine reine Schöpfung vollbracht, deren Gestalt die vollständigen sechs Eigenschaften trägt.
umā gaurī satī caṇḍā tatra strī subhagā satī | brahmaṇas tu trayī patnī sā babhūva mamājñayā ||
Umā, Gaurī, Satī, Caṇḍā – dort die schöne, treue Frau; die einst Brahmās Gemahlin [d.h. die Verkörperung der drei Veden] war, ward sie [zur Gemahlin Rudras] durch meinen Befehl.
aṇḍamadhye pradhānaṃ hi yat tat sadasadātmakam | traiguṇyaṃ prakṛtir vyoma svabhāvo yonir akṣaram ||
Was nämlich im Weltei die materielle Grundlage ist, das ist von der Natur des Seienden und Nichtseienden; es ist die Dreiguṇigkeit, die Urnatur, der Raum, die Eigennatur, der Mutterschoß, das Unvergängliche.
tad etat salilīkṛtya tattvam avyaktasaṃjñakam | hṛṣīkeśaḥ sa bhagavān padmayā saha vidyayā ||
Nachdem er dieses ‚Unentfaltete‘ (avyakta) genannte Prinzip zu Wasser gemacht hatte, [ruhte] jener Herr Hṛṣīkeśa zusammen mit Padmā [und] Vidyā [d.h. Lakṣmī und Sarasvatī]...
[?] Zweite Vershälfte unsicher; evtl. Textsprung im Digitalisat.
śayānasya tadā padmam abhūn nābhyāṃ purandara | tat kālamayam ākhyātaṃ paṅkajaṃ yad apaṅkajam ||
Während er so lag, entstand da, o Purandara, aus seinem Nabel ein Lotus; jener aus Zeit bestehende Lotus wird ‚Schlammgeborener, der doch nicht schlammgeboren ist‘ genannt.
Śakra [Indra sprach]: Das Prinzip von Bewusstem und Unbewusstem wurde nach der Art des Bewussten und des Anderen dargelegt; das Unbewusste wurde als dreiguṇig bezeichnet – wie aber wird ein anderes [Prinzip], die Zeit, dabei verstanden?
Śrī [sprach]: Die Zeit ist ein anderer Teil des Unbewussten, ein weiteres Ṣāḍguṇya wird sie genannt; ‚Stärke‘ und die übrigen, die zuvor als die zweite Dreiheit im Ṣāḍguṇya genannt wurden...
tad etat kālarūpeṇa sṛṣṭau samparivartate | sṛṣṭaś cāpariṇāmīdaṃ traiguṇyaṃ pariṇāmi tat ||
...dieses wandelt sich in der Gestalt der Zeit bei der Schöpfung; das Erschaffene ist unveränderlich, jene Dreiguṇigkeit aber ist wandelbar.
[Anm.: Kapitel reicht im Digitalisat noch erheblich weiter (bis zum Kolophon „iti pañcamo 'dhyāyaḥ“); Fortsetzung ab Vers 27 in einer künftigen Sitzung.]
Aus dem [Wechselspiel von] Zeit und Nicht-Zeit entsteht dieses zugleich bestehende Paar, das als ‚unbewusst‘ (acit) bezeichnet wird; kraft meiner göttlichen großen Herrlichkeiten erschaffen sie mannigfaltige Wesenheiten.
brahmā vedamayo jajñe sa trayyā saha vīryavān | hiraṇyagarbha ukto yaḥ pūrvaṃ lakṣmīsamudbhavaḥ ||
...ward Brahmā geboren, aus den Veden bestehend, der Kraftvolle, zusammen mit der Dreiheit [der Veden]; er, der zuvor als Hiraṇyagarbha bezeichnet wurde, aus Lakṣmī entstanden.
padmodbhavadvandvaṃ tad etat tritayaṃ saha | mahāsātāmasaṃ (?) bhāṣyātaḥ (?) vikāraḥ pūrvakair budhaiḥ ||
Dieses aus dem Lotus entstandene Paar, zusammen mit den zuvor genannten – diese Dreiheit insgesamt gilt den früheren Weisen als die große, aus Tamas bestehende Verwandlung.
prāṇo hiraṇyagarbhaś ca buddhir ity eti tridhā bhidā | padmapuṃsau (?) samākhyātaṃ mahattvaṃ tasya jāyate ||
Prāṇa [Lebensatem], Hiraṇyagarbha und Buddhi [Intellekt] – so ergibt sich eine dreifache Unterscheidung; aus dieser Lotus-Mann-Verbindung entsteht, wie genannt, dessen ‚Mahat‘ [das kosmische Prinzip].
[Anm.: Der unmittelbar folgende Fußnotenapparat der Quelle (Erläuterung zu Vv. 9–14) nennt eine von den oben (Vv. 8–14) übersetzten Paarungen abweichende Zuordnung der drei Götterpaare zu den Guṇas (Rudra–Trayī, Viṣṇu–Gaurī, Viriñci–Tāmasī statt der im Wurzeltext selbst genannten Rudra–Gaurī, Viṣṇu/Keśava–Sarasvatī/Padmā, Brahmā–Trayī). Dieser Widerspruch zwischen Wurzeltext und Fußnotenkommentar wurde nicht aufgelöst, sondern wird hier dokumentiert; eine Klärung (z. B. durch erneuten Blick auf die Quellseite oder Sekundärliteratur) steht noch aus. [?] „padmapuṃsau“ unsicher.
Die Eigenschaft des Prāṇa ist die Schwingung (spanda), die der Buddhi das Urteilsvermögen (adhyavasāya); Dharma und die übrigen sowie Adharma und die übrigen, dieses Paar, gilt als die Eigenschaft des Puṃs [Hiraṇyagarbhas].
Dharma, Wissen, Entsagung und Herrschermacht werden [als die vier Aspekte] beschrieben; da dies die mit Dharma beginnende Eigenschaft ist, werden die Gegenstücke als mit Adharma beginnend verkündet.
Nachdem ich dieses Mahat offenbar werden ließ, treibe ich es mit Schöpfungswillen an; aus jenem so Angetriebenen entstand darauf der Ahaṅkāra [das Ich-Bewusstsein].
Der zuvor als Śaṅkara bezeichnete, aus Mahāmāyā entstandene [Gott] – seine Gemahlin Gaurī, sie ward hier zur ‚Abhimati‘ [Selbstbezogenheit, ein Aspekt des Ahaṅkāra].
Der tamasische [Ahaṅkāra] ist dort der ‚Bhūtādi‘ [Elemente-Ursprung]; höre dies alles über ihn: Aus dem Bhūtādi entsteht das Ton-Feinelement, aus diesem Feinelement der Ton.
matpreritāc chabdamātrāt khaṃ (?) mātraṃ babhūva ha | sparśas tu sparśatanmātrāt tanmātrāt preritān mayā ||
Aus dem von mir angetriebenen bloßen Ton entstand der Raum-Äther; Tastempfindung aber aus dem Tast-Feinelement, ebenfalls von mir aus diesem Feinelement angetrieben.
Aus dem von mir hervorgetriebenen Geschmacks-Feinelement entstand daraus der Geschmack; auch das Geruchs-Feinelement gab es, und aus diesem, von mir angetrieben...
śabdādayaḥ samākhyātā guṇāḥ śabdādayas tu ye | sthūlabhūtavisargās te nānye śabdādayo guṇāḥ ||
Ton und die übrigen werden als die [subtilen] Eigenschaften bezeichnet; jene Ton und die übrigen aber, die aus den groben Elementen entlassen sind, sind nicht dieselben wie jene subtilen Eigenschaften.
śāntatvaṃ caiva ghoratvaṃ mūḍhatvaṃ ceti tat tridhā | sattvādyunmeṣarūpāṇi (?) tāni sūkṣmeṣu santi na ||
Ruhevollheit, Schrecklichkeit und Verblendung – so ist jenes dreifach; diese, den Formen des Erwachens von Sattva usw. entsprechend, sind in den subtilen Elementen [so] nicht vorhanden.
tena tanmātratā teṣāṃ sūkṣmāṇāṃ parikīrtitā | sukhaduḥkhādidāyitvāt sthūlatvam itaratra tu ||
Deshalb wird deren Feinheit als die der subtilen Elemente verkündet; wegen ihrer Fähigkeit, Freude, Leid usw. zu bewirken, gilt anderswo aber Grobheit.
Krug und dergleichen mannigfaltige äußere Dinge werden ‚hervorgebracht‘ genannt; die aus Samen und Blut Entstandenen, mit verschiedenen Eigenschaften, gelten als ‚von den Vätern geboren‘.
Die subtilen Elemente aber sind die fünf feinstofflichen Elemente, dem feinstofflichen Leib zugehörig; dies ist die aus dem Bhūtādi entstandene Schöpfungsreihenfolge, wie sie verkündet wird.
Von den Weisen wird [der dritte Teil] als ‚Taijasa‘ bezeichnet; höre nun die Schöpfung dieser beiden: Aus dem Vaikārika-Ahaṅkāra entstanden die Wahrnehmungssinne, beginnend mit dem Gehör.
[Anm.: Es folgt im Digitalisat die weitere Sāṅkhya-Entfaltung der Sinnesorgane, Handlungsorgane und groben Elemente aus dem Vaikārika- und Taijasa-Ahaṅkāra; wird in einer künftigen Sitzung fortgesetzt (Kapitel reicht bis zum Kolophon „iti pañcamo 'dhyāyaḥ“, ca. Position 131237 des Quelltexts).
Und die Handlungsorgane, beginnend mit der Sprache, entstehen aus dem Taijasa-Ahaṅkāra; aus beiden zusammen entstand darauf das Denkorgan (manas), das zwischen Erkenntnis- und Handlungsorganen vermittelt.
vāk ca hastau ca pādau ca tathopasthaṃ ca pāyu ca | karmendriyāṇi pañcāhuḥ śaktir eṣā madātmikā ||
Sprache, die beiden Hände, die beiden Füße, ebenso das Zeugungsorgan und der After – dies nennen sie die fünf Handlungsorgane; diese Kraft ist aus mir bestehend.
kriyāśaktiś ca yā me pāramparyakramāgatā | karmendriyāṇy adhiṣṭhāya kartavyeṣu pravartate ||
Und die Handlungskraft von mir, die in ununterbrochener Folge herabgekommen ist, waltet, die Handlungsorgane beherrschend, in den zu vollbringenden Werken.
śrotrasya viṣayaḥ śabdaḥ śravaṇaṃ ca kriyā matā | tvacaś ca viṣayaḥ sparśaḥ sparśanaṃ ca kriyā matā ||
Des Gehörs Gegenstand ist der Ton, und das Hören gilt als seine Tätigkeit; des Tastsinns Gegenstand ist die Berührung, und das Tasten gilt als seine Tätigkeit.
cakṣuṣo viṣayo rūpaṃ darśanaṃ ca kriyā matā | jihvāyā viṣayo rasyo (?) rasanaṃ ca kriyā matā ||
Des Sehsinns Gegenstand ist die Form, und das Sehen gilt als seine Tätigkeit; der Zunge Gegenstand ist der Geschmack, und das Schmecken gilt als ihre Tätigkeit.
ghrāṇasya viṣayo gandha āghrāṇaṃ ca kriyā matā | vṛttayo viṣayeṣv asya śrotrādeḥ śravaṇādayaḥ ||
Der Nase Gegenstand ist der Geruch, und das Riechen gilt als ihre Tätigkeit; die Funktionsweisen dieser Organe, Gehör usw., gegenüber ihren Gegenständen sind das Hören usw.
dik ca vidyut tathā sūryaḥ somo vasumatī tathā | adhidaivam iti proktaṃ kramāc chrotrādipañcake ||
Richtung, Blitz, ebenso Sonne, Mond, ebenso die Erde – dies wird, der Reihe nach, als die ‚über den Göttern stehende‘ [Entsprechung] (adhidaiva) der Fünfergruppe Gehör usw. bezeichnet.
[Anm.: Unnummerierte Passage der Quelle (fortlaufende Prosa/Verse zwischen den Versen 58 und 62); erläutert die dreifache Zuordnung jedes Sinnesorgans zu einer Gottheit (adhidaiva), einem Gegenstand (adhibhūta) und einer inneren Fähigkeit (adhyātma).
Als die ‚über den Elementen stehende‘ [Entsprechung] (adhibhūta) werden, der Reihe nach, Ton und die übrigen Gegenstände bezeichnet; und diese Fünfergruppe Gehör usw. selbst wird als das ‚Innere‘ (adhyātma) verkündet.
Da Gehör und die übrigen [Organe] aus sattvischer Schöpfung entstehen, [aber] in Bezug auf Raum-Äther und die übrigen [groben Elemente stehen], wird diese Fünfergruppe Gehör usw. deshalb, der Reihe nach, auch ‚elementhaft‘ (bhautika) genannt.
Der Sprache Gegenstand aber ist der Ton, und das Sprechen gilt als ihre Tätigkeit.
[Anm.: Verse 59–61 der Quellzählung sind im vorliegenden OCR-Textabschnitt nicht als eigene nummerierte Einheiten auffindbar (vermutlich in der oben als 5.58a–c wiedergegebenen unnummerierten Passage enthalten); die Zählung springt im Digitalisat von 58 auf 62.
hastendriyasya cādeyam ādānaṃ ca kriyā matā | padendriyasya gantavyaṃ gamanaṃ ca kriyā matā ||
Des Handorgans Gegenstand aber ist das zu Ergreifende, und das Ergreifen gilt als seine Tätigkeit; des Fußorgans Gegenstand ist das zu Begehende, und das Gehen gilt als seine Tätigkeit.
upasthasya tad ānandam ānandaś ca kriyā matā | visṛjyaṃ viṣayaḥ pāyor visarjanaṃ ca kriyā matā ||
Des Zeugungsorgans Gegenstand ist eben die Wonne, und die Wonne gilt als seine Tätigkeit; des Afters Gegenstand ist das Auszuscheidende, und das Ausscheiden gilt als seine Tätigkeit.
...und Mitra sind, der Reihe nach, von den Kundigen als die presidierenden Gottheiten [dieser Organe] zu erkennen; der Ton und die übrigen, fünffach, sind eben der Gegenstand von Sprache und den übrigen [Handlungsorganen].
so 'dhibhūta iti prokto vāgādir adhyātma ucyate | manas tu sahakāry asmin ubhayatrāpi pañcake ||
Dies wird ‚adhibhūta‘ genannt; Sprache und die übrigen [Organe] werden ‚adhyātma‘ genannt; das Denkorgan (manas) aber ist in beiden Fünfergruppen mitwirkend [tätig].
Mit den Erkenntnisorganen erlangt das Denkorgan die Unterscheidung (vikalpa); Unterscheidung ist mannigfache Vorstellungsbildung; dort wird die nähere Bestimmung genannt.
[Anm.: Auch diese Verszählung im Digitalisat unklar/nicht sichtbar; sinngemäß zwischen Vv. 67 und 69 eingeordnet.
dharmeṇa saha sambandho dharmiṇaś ca sa ucyate | vikalpaḥ pañcadhā jñeyo dravyakarmaguṇādibhiḥ ||
Die Verbindung mit dem Merkmal (dharma) wird auch die des Merkmalsträgers (dharmin) genannt; die Unterscheidung ist als fünffach zu erkennen: durch Substanz, Handlung, Eigenschaft und dergleichen.
‚Der Stockträger‘ [bezeichnet ihn] durch Verbindung mit einer Substanz; ‚weiß‘ durch Verbindung mit einer Eigenschaft; ‚er geht‘ durch Verbindung mit einer Handlung; ‚Mensch‘ durch Zugehörigkeit zur Gattung.
[Anm.: Beispielreihe zur fünffachen vikalpa-Unterscheidung aus Vers 69; Kapitel setzt sich im Digitalisat fort (bis zum Kolophon „iti pañcamo 'dhyāyaḥ“), Fortsetzung in künftiger Sitzung.
‚Ḍittha‘ [ein Beispielname] durch die Verbindung mit dem Wort [als weiteres Beispiel] – so ist der Zustand fünffach; durch die Gruppe der Handlungsorgane erlangt das Denkorgan [darauf] den Willensentschluss (saṃkalpa).
[Anm.: Ab hier ist die genaue Quell-Verszählung wieder unsicher (Ziffern im OCR-Text schwer von der vorherigen Passage abzugrenzen); fortlaufend eigene Zählung 5.70ff. verwendet.
Jenes Abweichen von der Gleichgültigkeit wird ‚Willens-Antrieb‘ (saṃkalpodyoga) genannt; durch den Ahaṅkāra hat es in diesem [Organ-]Bereich, aus ihm bestehend, seinen Sitz im Denkorgan.
Dieses [Ich-Empfinden] wirkt in der Gruppe der Erkenntnisorgane durch Selbst-Zueignung (abhimāna); die Selbst-Zueignung des Erkennenden in Bezug auf Ort, Zeit und andere [Umstände] wird [so] verkündet.
‚Dies erscheint mir vor Augen als das Meine‘ – so wird es erkannt; in der Gruppe der Handlungsorgane wirkt dies [darauf] durch Eifer/Impuls (sambhrama).
saṃkalpapūrvarūpas tu sambhramaḥ parikīrtitaḥ | buddhir adhyavasāyena jñānendriyagaṇe sthitaḥ ||
‚Sambhrama‘ [der Impuls] wird als die dem Willensentschluss vorausgehende Form erklärt; die Buddhi ist, durch Urteilsvermögen (adhyavasāya), in der Gruppe der Erkenntnisorgane ansässig.
Aus der Buddhi entsteht durch Urteilsvermögen sodann die ‚Feststellung‘ (avadhāraṇa); die Feststellung der Sachverhalte wird als Gewissheit (niścaya) erklärt.
In der Gruppe der Handlungsorgane wirkt die Buddhi durch Bemühung (prayatna); dieses Instrumentarium (karaṇa) ist von den Weisen als dreizehnfach zu erkennen.
Zehnfach ist das äußere [Instrumentarium] zu erkennen, dreifach gilt das innere Instrument (antaḥkaraṇa); diese dreiundzwanzig werden als die [Sāṅkhya-]Abwandlungen (vikāra) verkündet.
Die dreizehn Instrumente, fein, zusammen mit den grob entstandenen [Elementen] – dies wird als der feinstoffliche Leib des Virāṭ [des kosmischen Urwesens] verkündet.
vyaṣṭayaḥ sūkṣmadehāś ca pratijīvaṃ vyavasthitāḥ | apy amī nivartante jīvebhyas te svayonijāḥ ||
Die einzelnen feinstofflichen Leiber sind für jedes Lebewesen gesondert festgelegt; auch diese, aus ihrem eigenen Ursprung geboren, kehren [letztlich] von den Lebewesen [zu diesem] zurück.
anyonyānugraheṇaite trayoviṃśatir utthitāḥ | mahadādyā viśeṣāntā hy aṇḍam utpādayanti te ||
Durch gegenseitige Unterstützung bringen diese dreiundzwanzig, beginnend mit dem Mahat und endend mit den [groben] Einzeldingen (viśeṣa), das [kosmische] Ei hervor.
virājaś ca manur jajñe manos te mānavāḥ smṛtāḥ | manor icchāmukhās (?) tebhyo jagad etac carācaram ||
Und aus Virāṭ ward Manu geboren; von Manu stammen, wie überliefert, die Menschen (mānavāḥ); aus Manus Willensäußerung [entstanden sie, und] von ihnen [stammt] diese bewegliche und unbewegliche Welt.
Diese Weise [der Erschaffung] der Welt, die meine eigene ist, wurde dir gezeigt; die Bewusstseinskraft (cicchakti), obwohl von Natur aus rein, [verbindet sich] mit beginnungsloser Nichtwissenheit zusammen mit [bedingtem] Wissen.
duḥkhaṃ janmajarādyuttham tatrasthā pratipadyate | śuddhavijñānasambandhāc chuddhakarmasamanvayāt | yad dhunoty avidyāṃ tāṃ tad ānandam anute ||
Dort verweilend erfährt [die Seele] das aus Geburt, Alter und dergleichen entstehende Leid; durch Verbindung mit reinem Wissen aber, durch Verbindung mit reinem Handeln, erlangt sie als Wonne, was jene Nichtwissenheit vertreibt.
[?] Letzte Zeile unsicher rekonstruiert. [Anm.: Damit endet Kapitel 5 im Digitalisat mit dem Kolophon „iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre prākṛtasṛṣṭiprakāśo nāma pañcamo 'dhyāyaḥ“ – „Erhellung der materiellen Schöpfung“.