Paṭala 12: Dvādaśo 'dhyāyaḥ (Tirobhāvādiśaktiprakāśaḥ)
Zwölftes Kapitel (Erleuchtung der mit der Verhüllung beginnenden Kräfte)
Indra fragt, wie der jīva, obwohl reine ewige Bewusstseinskraft (cit-śakti) Śrīs, dennoch an Körperlichkeit gebunden erscheint; Śrī antwortet mit der Lehre von ihren fünf ständigen Wirkweisen (pañcakṛtya): Verhüllung (tirobhāva), Schöpfung (sṛṣṭi), Erhaltung (sthiti), Auflösung (saṃhati) und Gnade (anugraha, deren Erklärung erst in Kap.13 folgt). Ausführlich behandelt werden die fünf 'Kleśa'-Leidens-Glieder der Verhüllung (Avidyā/Asmitā/Rāga/Dveṣa/Abhiniveśa – sachlich identisch mit der klassischen Yoga-Sūtra-Kleśa-Lehre), die Karma-/Vāsanā-Theorie, die dreifache und siebenfache Schöpfungslehre (mit dem klassischen Banyan-Samenkorn-Gleichnis), die 23 Sāṅkhya-Tattvas, der 18-gliedrige Subtilkörper (liṅga-śarīra), die vierfache Erhaltungslehre und die siebenfache Auflösungslehre (von der beständigen bis zur endgültigen, erlösenden Auflösung der Yogins in Śrī selbst). Dieses Kapitel ist deutlich dichter mit erkennbarer klassischer Sāṅkhya-/Yoga-Fachterminologie durchsetzt als Kap.11, was die OCR-Korrektur an vielen Stellen erleichtert hat; dennoch bleiben etliche Halbverse (v.a. bei den technischen Detailaufzählungen der Vāsanā- und Sṛṣṭi-Unterarten) unsicher und entsprechend mit [?] gekennzeichnet. Die Verszählung folgt in dieser Ausgabe einer editorisch-fortlaufenden Zählung, da die gedruckten Versziffern der Quelle an vielen Stellen nicht mehr zuverlässig lesbar sind.
Śakra [Indra] fragt: „Wenn der individuelle Geist (jīva) doch nur deine reine, ewige Bewusstseinskraft (cit-śakti) ist, o im Lotos Geborene, wie kommt es dann, dass er von der Berührung durch Körperform und dergleichen betroffen ist?
kleśāḥ ke kati te proktāḥ karma kīdṛk ca kiṃvidham | āyurnāma kaḥ devi tadetat kiṃphalaṃ smṛtam ||
Welche und wie viele sind die von dir genannten Leiden (kleśa)? Was und welcher Art ist das Karma? Was heißt 'Lebensspanne' (āyus), o Göttin? Was gilt als deren jeweiliges Ergebnis (phala)?
[?] īśvaroditavyapadeśena dvidhā rūpaṃ mayā kṛtam | kartavyaṃ ca tad matsvacchandādeva me dayāḥ ||
[?] Durch die vom Herrn geäußerte Bezeichnung wurde von mir eine zweifache Form geschaffen; und dies zu vollbringen [geschah] allein aus meinem eigenen freien [Mitgefühls-]Willen.
[?] Halbvers im Original stark verstümmelt, Rekonstruktion unsicher.
Meine eine Bewusstseinskraft [heißt] 'Mokṣa' [Erlösung], die andere ist von der Natur des Genießbaren (bhogya) usw. Durch die Unterscheidung von Wirkung und Ursache wurde sie von mir zweigeteilt.
[?] Von diesen ist die karma-hafte Kraft die verblendende, bindende [Kraft] – die Prakṛti mitsamt ihren Abwandlungen; durch sie wird die Bewusstseinskraft gebunden.
[?] chidyate yena rūpeṇa cicchaktirvṛttitāṃ gatā | sa hi prakṛtirjñeyo nāmānyasya ca me śṛṇu ||
[?] Die Form, durch welche die Bewusstseinskraft in einen [gebundenen] Zustand gerät – diese soll als 'Prakṛti' erkannt werden; höre nun von mir auch die anderen Namen dafür.
Tamas [Dunkelheit], Moha [Verblendung], Mahāmoha [große Verblendung], Tāmisra und 'Andha' [Blindheit] genannt – dies ist die fünfgliedrige Avidyā (Nichtwissen); sie ist der höchste Erscheinungszustand des Tamas.
[Anm.: Dies ist die klassische, aus der Sāṅkhya-Tradition bekannte fünffache viparyaya-/avidyā-Liste (tamas, moha, mahāmoha, tāmisra, andhatāmisra), hier als eigenständige Fachterminologie erkannt, nicht einer fremden Übersetzung entnommen.]
[?] Obgleich nicht wirklich verschieden, rein und unveränderlich, trägt diese Bewusstseinskraft [dennoch] eine durchdrungene/verhüllte Form ihres eigenen Wesens.
[?] Zweite Vershälfte im Quelltext unleserlich, Rekonstruktion nur ungefähr.
Śrī: „Unabhängig und die wunderbare Ursache aller Vollkommenheiten hierin bin ich, die ewige Kraft Nārāyaṇas, die Göttin, die stets in Erscheinung tritt.
tasyā me pañca karmāṇi nilayāni tridaśeśvara | tirobhāvastathā sṛṣṭiḥ sthitiḥ saṃhatireva ca | anugraha iti proktaṃ madīyaṃ karmapañcakam | eteṣāṃ kramo vyākhyāṃ karmaṇāṃ śakra me śṛṇu ||
Meine fünf ständigen Wirkweisen, o Herr der Götter, sind: Verhüllung (tirobhāva), ferner Schöpfung (sṛṣṭi), Erhaltung (sthiti), Auflösung (saṃhati) und Gnade (anugraha) – so wird mein fünffaches Wirken genannt. Höre von mir, o Śakra, die Erklärung der Reihenfolge dieser Wirkweisen.
[Anm.: Dies ist die klassische pañcakṛtya-Lehre der fünf kosmischen Funktionen (Schöpfung/Erhaltung/Auflösung/Verhüllung/Gnade), hier von Śrī auf sich selbst bezogen.
[?] na ca nāma tirobhāvo'nyadbhāvaḥ parikīrtyate | svacchāpi sā madīyā hi cicchaktirbhoktṛsaṃjñitā ||
[?] Und 'Verhüllung' bezeichnet keinen anderen, eigenständigen Seinszustand: eben jene meine, obgleich an sich klare, Bewusstseinskraft wird dann 'der Genießende' (bhoktṛ) genannt.
[?] Durch jene meine Kraft, mittels derer die Herrschaft der Prakṛti [über den Geist] fortbesteht, wird jene mit dem Namen 'Verhüllung' bezeichnete Kraft als eine mit Bewusstsein behaftete Urkraft angesehen.
[?] Diese beiden Verse gehören zu den am schwersten lesbaren dieses Kapitels; die Übersetzung bleibt eine Annäherung.
Diese meine unterscheidende (differenzierte) Form, durch meinen wahrhaften Willen hervorgebracht – jener mein zuerst genannte Abstieg (avarodha, vgl. den in einem früheren Kapitel beschriebenen ersten Avatāra) – [ist gemeint].
Diese Bewusstseinskraft wird von den Weisen als 'jīva' [individueller Geist] bezeichnet; seine Differenzierung [von mir] wird allein durch meinen freien Willen erklärt.
Diese meine 'Wahrnehmbarkeits'-Form (caitya-rūpa), durch meinen wahrhaften Willen geschaffen – diese Aneignung davon durch die Bewusstseinskraft wird eben vollzogen. Jene Kraft wird als die höchste, 'Avidyā' bzw. 'Verhüllung' genannte Kraft bezeichnet. Sie hat fünf Glieder (parvan) – vernimm sie von mir.
tamastu prathamaṃ parva nāmāvidyeti tasya tu | anātmanyasvabhūte ca cetye jīvasya yā matiḥ || svīkṛte'haṃtayā caitye māno yastatra jāyate |
Tamas nun ist das erste Glied, mit Namen 'Avidyā' (Nichtwissen); es besteht in jener Auffassung des jīva, [etwas] als Selbst bzw. als Eigenes anzusehen, was nicht das Selbst bzw. nicht das Eigene ist – [darin], dass im als 'Ich' angeeigneten Wahrnehmbaren (caitya) das Meinen ('das bin ich') entsteht.
asmitākhyo mahāmoho hi dvitīyaṃ parva tat | sadyaścetanayorekabhāvāpattiravidyayā ||
Der 'Asmitā' (Ich-Dünkel) genannte 'Mahāmoha' ist das zweite Glied: das durch Avidyā bewirkte plötzliche In-eins-Fallen des [eigentlich] Unbewussten [Körper usw.] mit dem Bewussten [dem Selbst].
[Anm.: Entspricht sachlich der klassischen Yoga-Sūtra-Definition von asmitā als scheinbarem Einswerden von Sehendem und Sehinstrument (II.6) – als Fachterminologie erkannt, nicht aus fremder Übersetzung übernommen.]
sa rāgo ramyaviṣayastṛtīyaṃ kleśaparva tat | sukhānusmṛtiheturyā vāsanāsmitayāhitā ||
Das ist 'Rāga' (Verlangen), gerichtet auf angenehme Objekte – das dritte Leidens-Glied: bedingt durch die vom Ich-Dünkel geprägte Erinnerung an [früher erfahrene] Lust.
sa dveṣo dveṣyaviṣayaścaturthaṃ kleśaparva tat | duḥkhānusmṛtiheturyā vāsanāsmitayāhitā ||
Das ist 'Dveṣa' (Abneigung), gerichtet auf verabscheute Objekte – das vierte Leidens-Glied: bedingt durch die vom Ich-Dünkel geprägte Erinnerung an [früher erfahrenes] Leid.
duḥkhaṃ jihāsato yogaḥ prāptasya ca sukhaṃ tathā | tadantarāyaistrāso madhye yo nāma jāyate || abhiniveśyākhyaḥ sa pañcamaṃ kleśaparva tat | dehamātmatayā buddhvā tatastādātmyamāgataḥ ramyāyamabhiprepsuśca tathetarat ||
Der Wunsch, das Leid loszuwerden, und ebenso den erlangten Glückszustand [zu bewahren], sowie die Angst, die inmitten [dieses Strebens] durch Hindernisse dafür entsteht – das nennt sich 'Abhiniveśa' (Untergangsangst), das fünfte Leidens-Glied: nachdem er den Körper als sein Selbst erkannt und damit eine [falsche] Identifikation eingegangen ist, begehrt er das Angenehme und ebenso [meidet er] das Entgegengesetzte.
[Anm.: Diese fünf 'kleśaparvans' (Avidyā, Asmitā, Rāga, Dveṣa, Abhiniveśa) entsprechen wörtlich der klassischen Yoga-Sūtra-Kleśa-Lehre (II.3ff.) – als bekannte Fachterminologie identifiziert und zur OCR-Korrektur dieser stark verrauschten Passage herangezogen.
Welches dreifache, aus drei [Antriebs-]Arten bestehende Werk (karma) er auch immer vollbringt – dieses Karma wird von den im Sāṅkhya und Yoga bewanderten Weisen [entsprechend] benannt.
Die daraus entstehende Frucht (vipāka) – Glück, Leid, sowie eine aus Leid und Glück gemischte [Frucht] – wird von den Kennern der Wahrheit und den Gelehrten als dreifach bezeichnet.
vāsanā āśayāḥ proktāḥ kleśakarmavipākajāḥ | antaḥkaraṇavartinyaḥ samantāccherate hi vāḥ ||
Die aus Leiden, Werk und dessen Frucht entstandenen [Eindrücke] werden 'Vāsanā' (latente Neigungen) bzw. 'Āśaya' genannt; sie befinden sich im inneren Organ (antaḥkaraṇa) und lagern gleichsam allseits [darin].
Die Vāsanās entstehen beständig durch die fünf Leidens-Glieder; und die Vāsanā ist ebenso die Ursache für die [karmischen] Prägungen (saṃskāra) der Werke.
Die 'Verhüllung' genannte Wirkweise ist so die bindende [Kraft] für die Hülle des jīva; durch eben diese meine Kraft werden die Lebewesen von mir beständig gebunden [gehalten].
tatsāmarthyena pravartante mama sṛṣṭyādiśaktayaḥ | sṛṣṭiśaktistridhā sā me śuddhyāśuddhivaśānmayā ||
Kraft jenes [Vermögens] setzen sich meine [übrigen] Kräfte, angefangen mit der Schöpfungskraft, in Gang. Meine Schöpfungskraft ist, je nach [dem Grad von] Reinheit und Unreinheit, von mir dreifach [gestaltet].
[?] Genauer betrachtet erweist sie sich wiederum als siebenfach; eine [ihrer Arten] wird [dabei] durch die Handlung Prajāpatis als nicht-ewig hervorgebracht.
[?] Die sechs Hüllen [vgl. Kap.6] und die anderen [Schöpfungsarten], je zu ihrer Zeit entstehend, werden in der Reihenfolge der Schöpfung dargestellt; wiederum ist die Schöpfung [übergeordnet] als dreifach zu verstehen.
Nämlich unterschieden als 'māyisch' (māyikī), 'körperlich' (daihikī) und 'aus den Elementen [bestehend]' (bhautikī) – so wie [die Frucht] in einem Banyan-Samenkorn [verborgen ist], ebenso [ist alles] in der aus den drei Guṇas [bestehenden] Prakṛti [verborgen].
[Anm.: Das klassische Gleichnis vom Banyan-Samenkorn (nyagrodha-bīja), aus dem der ganze Baum hervorgeht, als Bild für die in der Prakṛti bereits enthaltene Schöpfung – bekanntes Sāṅkhya-Bildmotiv.
[?] Jener Bestand, der mit [dem Prinzip] Mahat beginnend [entsteht], wird 'Erscheinungs-Schöpfung' (bhāva-sṛṣṭi) genannt; durch die Unterscheidung von Gesamtheit (samaṣṭi) und Einzelheit (vyaṣṭi) wird von mir der 'liṅga'-[Körper, d.h. der Subtilkörper] gestaltet.
virāṭ ca tathānyeṣāṃ bhūtānāṃ liṅgajā tu sā | mahadādyā viśeṣāntā viṃśatiśca trayaśca ye ||
Virāṭ [die kosmische Gesamtgestalt] und ebenso die aus dem 'liṅga' entstandene [Subtilform] der anderen Wesen [bestehen aus] den mit Mahat beginnenden und mit den Besonderheiten (viśeṣa, d.h. den groben Elementen) endenden [Prinzipien], die dreiundzwanzig an der Zahl sind.
[Anm.: Die klassische 23-gliedrige Sāṅkhya-Tattva-Reihe von Mahat bis zu den fünf groben Elementen, bereits in Kap.5 dieses Werks behandelt.]
[?] Die im Subtilkörper (liṅga-deha) befindlichen Wesenheiten werden als 'die des Virāṭ' bezeichnet – [dies gilt] für die zur Gesamtheit gewordenen [Sinnesorgane] wie auch für das innere Organ.
tridhā sthitasya ye ye'ṃśāḥ pratijīvaṃ vyavasthitāḥ | sthūlānāṃ caiva bhūtānāṃ ye sūkṣmāḥ kīrtitāḥ purā ||
Jene Anteile des dreifach Bestehenden, die für jeden einzelnen jīva [gesondert] angeordnet sind, sowie die zuvor als 'subtil' bezeichneten [Formen] der groben Elemente –
diese Einzelheiten (vyaṣṭi), achtzehn an der Zahl – die Leiden, das Karma, die Vāsanās und der Lebensatem (prāṇa) – all dies wird als der 'liṅga'-[Subtilkörper] bezeichnet, die Grundlage der Gesamtheit der Lebewesen.
[Anm.: Die 18 Bestandteile des Subtilkörpers (liṅga-śarīra) nach der hier vorgetragenen Systematik: die fünf Kleśas, das Karma, die Vāsanās, der Prāṇa sowie – implizit den vorangehenden Versen zufolge – Buddhi/Ahaṅkāra/Manas, die zehn Sinnes-/Handlungsorgane und die fünf Tanmātras.]
[?] cicchaktayo hi liṅgasthāḥ saṃsaranti yathā tathā | dagdhe hi bhagavajjñāne jāte satkarmajanmani ||
[?] Die im Subtilkörper befindlichen Bewusstseinskräfte wandern so umher [im Kreislauf der Wiedergeburt]; wenn aber das Wissen um Bhagavān entstanden ist und [dadurch alles vorherige Karma] verbrannt ist, [entsteht wahre] gute Geburt.
jīvānāṃ vinivartante liṅgānyetāni nānyadā | virāḍ sthūladeho yo brahmāṇḍāparanāmavān ||
[erst dann] hören diese Subtilkörper der Lebewesen auf [zu bestehen], nicht anders. Virāṭ ist derjenige grobstoffliche Körper, der auch 'Weltenei' (brahmāṇḍa) genannt wird.
und die anderen, vierfachen Körper der verkörperten [Wesen sind ebenso Teil davon]. Dies ist meine 'aus den Elementen [bestehende]' Schöpfung – so viel zur Betrachtung der Schöpfung.
sthitirnāma dvitīyā me śaktiryā te puroditā | tasyāḥ svarūpaṃ vakṣyāmi tanme śakra niśāmaya ||
'Erhaltung' (sthiti) heißt meine zweite Kraft, die dir bereits [dem Namen nach] genannt wurde. Ihr eigentliches Wesen will ich nun darlegen – vernimm dies von mir, o Śakra.
[?] Der Augenblick der ersten Schöpfung und der Augenblick der [beginnenden] Auflösung – die zwischen diesen beiden liegende Vereinheitlichung wird [Erhaltung] genannt.
In mannigfaltigen, mir eigenen Formen [wirkt] jene meine höchste Erhaltungskraft, sowohl durch Viṣṇu, den Gott der Götter, als auch durch mich selbst, auf die jeweils angemessene Weise.
Diejenige Erhaltung, die von den Tantra-Gelehrten [ausgeübt wird], gilt als die erste; die durch die Herren der Manvantaras [ausgeübte] wird als die zweite bezeichnet; eine dritte [erfolgt] durch die Söhne Manus, eine [vierte] durch die Śūdras – so ist sie vierfach.
[?] Die genaue Bedeutung dieser viergliedrigen Zuordnung (Tantra-Gelehrte/Manvantara-Herren/Manu-Söhne/Śūdras als Träger der 'Erhaltung') bleibt ohne weiteren Kontext unsicher.
Der beständige Untergang der aus dem Mutterleib usw. geborenen Wesen – dies gilt hier, o Śakra, als die 'beständige' Auflösung, [während eine andere Art] als die 'anlassbedingte' (naimittikī) bezeichnet wird.
[?] Jene [anlassbedingte Auflösung] betrifft die drei Welten und wird durch Brahmās Schlaf verursacht. Die dritte [Art] wird 'die naturbedingte' (prākṛtī) genannt, mit der Auflösung von Mahat usw. als ihrer Grundlage.
[?] parāsūtistu caturthī syādavyaktaviṣayā tu sā | māyī yā pañcamī proktā prasūtiviṣayā tu yā || śaktiḥ ṣaṣṭhī tu vijñeyā māyāviṣayā tu sā | saptamyātyantikī proktā vibhoryogināṃ mayi ||
[?] Die vierte [Art] betrifft das Unmanifeste (avyakta); die fünfte, 'māyisch' genannte, betrifft [wiederum] die [gewöhnliche] Hervorbringung; die sechste ist als 'die auf Māyā bezogene' zu verstehen; die siebte schließlich wird als die 'endgültige' (ātyantikī) bezeichnet – [sie besteht in] der Auflösung der Yogins in mich, den [alldurchdringenden] Herrn.
Dann hören auch die feinstofflichen Körper der [erlösten] Guten auf [zu bestehen]. Dies, o Śakra, ist die dir von mir dargelegte siebenfache Auflösung. Höre nun diese [folgende] Erklärung meiner fünften, 'Gnade' (anugraha) genannten Kraft.
So [endet] im Kern des glorreichen Pāñcarātra, in der Lakṣmī-Tantra, das zwölfte Kapitel, betitelt „Erleuchtung der mit der Verhüllung beginnenden Kräfte“.