Paṭala 2: Dvitīyo 'dhyāyaḥ
Zweiter Adhyāya – Śrīs Selbstoffenbarung als Nārāyaṇī (Vv. 12–27; Vv. 1–11: Lücke, s. Anm.)
Quelle wie Kapitel 1: archive.org/DLI-Digitalisat in.ernet.dli.2015.326285 (Lakṣmī-Tantra, hrsg. V. Krishnamacharya, Adyar Library and Research Centre 1959, Adyar Library Series 87), erschlossen über die im Chromium-Browserfenster geladene _djvu.txt-Volltextseite und vollständige Auslesung von document.body.innerText per javascript_tool (s. Kap.-1-Anmerkung). 25-Jahres-Regel wie in Kap. 1 begründet.
Struktur- und Qualitätshinweise: (1) Vv. 1–11 mussten als Lücke dokumentiert werden – die lineare OCR-Extraktion verschränkt hier Wurzeltext und Fußnotenapparat unlesbar (nicht-monotone Verszählung). (2) Ab Vers 12 wird der Text sauber lesbar (Śrīs Selbstidentifikation mit Nārāyaṇa/Brahman); diese Sitzung übersetzt Vv. 12–27. (3) Eine Korrektur gegenüber einer ersten Durcharbeitung dieser Sitzung: Die unmittelbar anschließenden Verse zur Definition der sechs Eigenschaften (icchā/śakti/bala/vīrya/aiśvarya/tejas) wurden zunächst versehentlich noch diesem Kapitel zugeordnet, gehören aber, wie ein im Digitalisat gefundenes Kolophon eindeutig belegt („iti ... ṣāḍguṇyaprakāro nāma tṛtīyo 'dhyāyaḥ“ – „so endet ... das Kapitel ‚Darlegung der sechs Eigenschaften‘, das dritte“), tatsächlich zum dritten Adhyāya. Sie wurden dorthin verschoben. (4) Eine explizite Kolophonzeile zum Ende dieses zweiten Adhyāya konnte im OCR-Text nicht lokalisiert werden (vermutlich an dieser Stelle durch OCR-Fehler unkenntlich); die Grenze zu Kapitel 3 nach Vers 27 ist daher mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, aber inhaltlich plausibel (Themen-wechsel von Śrīs Wesenseinheit mit Nārāyaṇa zur Definition der sechs Eigenschaften).
[Lücke – siehe Kapitel-Anmerkung: Wurzeltext und Fußnotenapparat im OCR-Text an dieser Stelle unlesbar verschränkt.]
[Anm.: Verse 1–11 (Beginn von Śrīs Rede, u.a. Anrufung Viṣṇu-Nārāyaṇas als viśva/viśvarūpa, „aliṅga“, „yasya pramāṇaṃ naivāsti“) sind im Digitalisat vorhanden, aber wegen Verschränkung von Wurzeltext und Tippaṇī nicht zuverlässig zu rekonstruieren; wird vertagt.]
Die Göttin, die in jeden Zustand [jenes Brahman] eingegangen ist, mit ihm wesenhaft verbunden und niemals weichend – als die ihm gebührende [Gefährtin] jenes Brahman bin ich, die Ewige.
[?] „arhatā“ unsicher rekonstruiert (Instr. zu arh-, etwa ‚durch Würdigkeit/Angemessenheit‘).
Das Brahman, dessen Wesen Euer Sein ist, ist eben jener ewige Zustand; Ihr, [Herr,] seid der Gott Nārāyaṇa, das Sein selbst; ich, Lakṣmī, bin die ihm zugehörige höchste [Entsprechung].
ahamarthasamutthā ca śāntā parikīrtitā | anyonyenāvinābhāvād anyonyena samanvayāt ||
Und die aus dem Ich-Sinngehalt hervorgegangene [Kraft] wird als ‚ruhend‘ [śāntā] bezeichnet – da beide wechselseitig nicht ohne einander sein können, durch wechselseitige Durchdringung [verbunden].
[?] Verszählung an dieser Stelle im Digitalisat nicht lesbar; zwischen Vv. 16 und 18 eingeordnet.
tādātmyaṃ viddhi sambandhaṃ mama nāthasya cobhayoḥ | ahantayā vināhaṃ hi nirupākhyo na sidhyati ||
Erkenne: Die Beziehung zwischen mir und meinem Herrn, uns beiden, ist die der Wesenseinheit [tādātmya]; denn ohne die Ich-heit besteht kein unbenennbares [Ich].
Ich, der [gegenständliche] Sinngehalt, bestehe ohne die Ich-heit [des Herrn] nicht, grundlos; [meine] Gestalt hat das Wesen Eures Seins, ihr Bereich ist auf das Ganze ausgerichtet.
parokṣam aparokṣaṃ ca jagati pravicintyate | nirnmeṣe nirnmeṣā svāhantā parameśvarī ||
In der Welt wird zwischen Verborgenem und Offenbarem unterschieden; ist [alles] ohne Regung, so ist auch meine eigene Ich-heit ohne Regung – ich, die höchste Herrin.
Alles, vermengt mit einem winzigen Bruchteil [meiner selbst], ist im Brahman verankert; dessen ‚Erwachen‘ [im Unterschied zu seiner Ruhe] ist wie das Aufgehen des Mondes über dem Ozean.
Ich bin dann die Kraft Nārāyaṇīs, gekennzeichnet durch den Schöpfungswillen [sisṛkṣā]; dessen ‚Schließen der Augen‘ aber ist, was man die Auflösung des höchsten Selbst nennt.
ahaṃ nārāyaṇī śaktiḥ suṣuptālakṣaṇā hi sā | sisṛkṣāyāṃ mamocyante dve lakṣmīpateḥ svayam ||
Ich bin, wiederum, die Kraft Nārāyaṇīs, gekennzeichnet durch den Tiefschlaf; im Zustand des Schöpfungswillens werden von mir selbst dem Gemahl der Lakṣmī zwei [Weisen] zugeschrieben.
[?] Verszählung nicht lesbar; zwischen Vv. 22 und 24 eingeordnet. Zweite Vershälfte unsicher.
Ebenso ist die an Wissen reiche Ich-heit allwissend und alles sehend; das aus Wissen bestehende höchste Wesen ist Brahman und mir, uns beiden, gemeinsam [eigen].
Das Übrige – Herrschermacht, Tatkraft und so fort – ist, dem Wissen vorausgehend, ewig; die innere Gestalt, genannt ‚Ich‘, wird als aus Wissen bestehend verkündet.