Nach Indras Hymnus an die lotusthronende Śrī legt diese zunächst die Wesenseinheit von Vāsudeva-Nārāyaṇa und ihr selbst dar (cāturātmya-Lehre) und beschreibt ausführlich den höchsten Äther/Vaikuṇṭha (Paramavyoma) mit seinen ewig vollendeten Bewohnern (nityasūri) und die dortige Thronszene Nārāyaṇas mit Śrī an seiner Seite. Es folgt die zentrale Erzählung, wie aus Śrīs spontanem Mitleid (kṛpā) für die im Daseinskreislauf leidenden Wesen zunächst die drei Mittel Karma, Sāṅkhya und Yoga durch Viṣṇu eingerichtet wurden, wie Śrī deren Schwierigkeit einwendet, und wie daraufhin das vierte, „geheime“ Mittel offenbart wird: die Zuflucht (śaraṇāgati) allein bei Śrī, mit ihren sechs Gliedern (ṣaḍaṅga) — Entschluss zur Zugewandtheit, Vermeidung der Abgewandtheit, Vertrauen auf Schutz, Wahl Gottes zum Beschützer, Selbsthingabe und Hilflosigkeitsbewusstsein. Eine sehr lange, im Quelltext stark mit traditionellem Sanskrit-Kommentar durchsetzte und daher nur zusammenfassend wiedergegebene Passage erörtert anschließend das Verhältnis dieser Zuflucht zum fortgesetzten vedischen Ritualhandeln, bevor das Kapitel mit dem Vorrang der Zuflucht vor den drei älteren Mitteln schließt.
[Indra:] „Verehrung dir, o Bewohnerin des Lotus, der Mutter aller verkörperten Wesen! Der Gemahlin Padmanābhas [Viṣṇus, des ‚Lotus-Genabelten‘], Verehrung dir, o Seerosengeborene!
Jenes höchste, feststehende Brahman, das friedvoll, unendlich, von der Natur der Bewusstseins-Wonne ist, in der großen Herrlichkeit [mahāvibhūti] gegründet, hat von allen Seiten her Gleichheit [samatā] erlangt.
Ich bin seine Kraft, die Brahma-Kraft, bestehend aus endloser Bewusstseins-Wonne – eine weitere [Gestalt der] großen Herrlichkeit, die von Natur aus zur Gleichheit gelangt ist.
[?: Diese Verszeile ist in der OCR-Vorlage beschädigt und in Analogie zu Vers 5 rekonstruiert.]
Ihrer beider höchster Äther [vyoman] ist der leidfreie, höchste Aufenthaltsort – die göttliche Ausbreitung der sechs Eigenschaften [ṣāḍguṇya], zu einem Zustand völliger Selbstbestimmtheit [svācchandya] gelangt.
[?: Das erste Wort dieser Zeile ist in der OCR-Vorlage unklar; sinngemäß als ‚ihrer beider [gemeinsamer]‘ rekonstruiert.]
[Diesen Ort erreichen] die im eigenen [rituellen] Handeln verharrenden Vollendeten, die den Veda und das Vedānta durchdrungen haben, die durch die Kontinuität vieler Geburten [ihre] Trübungen [kaṣāya] gänzlich aufgezehrt haben,
durch [des Bandes] Zerschneidung [erlöste] wahrhaftige Vollendete, die die Hindernisse überwunden haben, sowie manche Sāṅkhyins, die die Regeln der rechten Erkenntnisweise kennen und im Erkennen bis ans Ziel gelangt sind,
und durch die im Yoga Gesammelten, die die Schar ihrer Sinnesorgane zurückgezogen haben, in Konzentration [dhāraṇā] und Meditation [dhyāna] geübt sind — durch diese wird [jener Ort] auf Dauer erreicht.
[?: Ein Wort in dieser Zeile ist unklar überliefert.]
Die Makellosen [asacchidra], die die fünf [Ritual-]Zeiten kennen, die in den fünf [täglichen] Opfern erfahren sind, die Standhaften, durch Verdienste wachsend, erlangen [jenen Ort] mühelos.
sūryakoṭipratīkāśāḥ pūrṇendudyutisaṃnibhāḥ | yasminpade viśanti sma muktāḥ saṃsārabandhanaiḥ ||
Von der Ausstrahlung zehnmillionenfacher Sonnen, dem Glanz des Vollmonds gleich — in diesen Ort treten die von den Fesseln des Daseinskreislaufs Befreiten ein.
Durch die Öffnungen der Sinne von allen Seiten wie Blitze erstrahlend, ohne [stofflichen] Ausfluss, ohne Nahrung, deren Körper aus den sechs Eigenschaften [ṣāḍguṇya] bestehen, makellos —
[Anm.: Beschreibung der befreiten, ‚ewig vollendeten‘ Wesen (nityasūri) im höchsten Äther/Vaikuṇṭha mit ihrem aus reiner Wesenssubstanz (śuddhasattva) bestehenden Leib.]
— die ausschließlich Ergebenen [ekāntin], die höchst Beglückten, die uns beide dort allezeit erblicken, nachdem sie ihre eigenen [karmischen] Aufgabenbereiche [adhikāra] durch sehr lange, beständige Zeit erschöpft haben.
Dort schauen sie unmittelbar die höchste vaiṣṇavische Gestalt: [jene,] die einzig dem Achtsilben-[Mantra] ergeben sind, deren Wesen in der zweisilbigen Ursache gegründet ist,
[?: Die zweite Zeile ist unsicher; „aṣṭākṣara“ bezieht sich vermutlich auf das Nārāyaṇa-Aṣṭākṣara-Mantra (oṃ namo nārāyaṇāya).]
[wie auch jene,] die dem Sechssilben-[Mantra] ergeben sind, deren Sinn am Praṇava [Oṃ] haftet, deren Denken an das ‚Jitante‘-[Lobmantra] gebunden ist, deren Selbst dem rettenden [tāraka] Mantra hingegeben ist,
und [jener,] die dem Amṛtāra-[Mantra] ergeben sind, von reiner Seele — dies ist ihr [gemeinsamer] Aufenthaltsort. [Dort weilen auch] Ananta, der Herr der Vögel [Garuḍa] und andere, Viṣvaksena und die übrigen Makellosen.
Dort, wo die Vollstrecker meines Befehls samt allen ihren Herrschern sich freuen, dort [thront], von göttlicher Gestalt, der glorreiche Gott der Götter, Janārdana.
Auf dem Lager der Windungen Anantas ruhend, der Erste unter den Wesen, ausgestattet mit den Eigenschaften der Herrschermacht, Kraft, Stärke, Glanz und Macht.
[?: Diese beiden Verszeilen sind in der OCR-Vorlage stark beschädigt; sinngemäß zu einer geschlossenen Aussage zusammengefasst.]
Geschmückt mit göttlichen, wunderbaren Waffen und Kleinodien; bedient von Suparṇa [Garuḍa], dem König der Vögel, der ihm gleichsam als [seine] Flügel dient.
[Umgeben von jenen, die] die Gleichgestaltigkeit [sārūpya, eine Form der Erlösung] mit ihm erlangt haben, unmittelbar durch das Śrīvatsa-Zeichen gekennzeichnet; wohl bedient vom Heerführer, dem strahlenden Viṣvaksena.
[Er thront dort] zum Heil aller Welten, als der von den Weisen zu Verehrende, zur Befreiung von allen Banden, zur Gewährung der [göttlichen] Gestalt-Schau für die Yogins.
[Sie ist] umgeben von zweiunddreißigtausend [Kräften] und sechsunddreißig [weiteren] Kräften, umgeben zudem von deren doppelter Zahl an göttlichen, [ihren] Bestand erhaltenden Kräften,
die Gemahlin des Gottes der Götter, die alle Wünsche gewährt, dem Allmächtigen an Eigenschaften, Alter und Gestalt gleich, die Bezwingerin von Haris Sinn.
Durch jene ihm jeweils entsprechenden Weisen [des Wirkens] vollbringe ich für den bogentragenden [śārṅgin] Gott jegliches Werk, stets seinem Dharma zugetan.
sāhamaṅke sthitā viṣṇordevadevasya śārṅgiṇaḥ | ślāghitā tena cāpyantaṃ sāmarasyamupeyuṣī ||
So stehe ich an der Seite Viṣṇus, des bogentragenden Gottes der Götter, von ihm gepriesen und bis zum Äußersten mit ihm zu völliger Einswerdung [sāmarasya] gelangt.
kadācitsarvadehinyāḥ kṛpā me svayamudbhūtā | chidyataḥ prāṇino dṛṣṭvā saṃsārajvalanodare ||
Einst erhob sich mein Mitleid mit allen verkörperten Wesen von selbst, als ich sah, wie die Lebewesen im Bauch des Feuers des Daseinskreislaufs [saṃsāra] zerschnitten wurden.
[Anm.: Hier beginnt die zentrale Erzählung von Śrīs Mitleid (kṛpā), die zur Offenbarung der vier upāyas führt.]
kathaṃ nu ime bhaviṣyanti duḥkhottīrṇāḥ sukhottarāḥ | saṃsārapāramimāṃ māṃ kathaṃ nu prāpnuyuriti ||
‚Wie nur werden diese [Wesen] das Leid überwinden und zur Freude gelangen? Wie nur werden sie das jenseitige Ufer des Daseinskreislaufs – mich – erreichen?‘ – [so dachte ich].
— o Ursache der Überquerung des unüberwindlichen, uferlosen Ozeans des Daseinskreislaufs, dessen vierfache Macht als das Offenbare, Unoffenbare, [reine] Wissen und die Zeit gestaltet ist —
— o Wohnstatt mannigfacher Herrlichkeiten, Gefäß mannigfacher Herrlichkeiten, dessen Hervortreten und Zurückhalten der sechs Eigenschaften [ṣāḍguṇya] von der aus göttlichem Wissen entstandenen Wonne begleitet ist —
— o Träger der prächtigen Krone, der Armreifen, der Halskette, der Fußspangen und des Kaustubha-Juwels, im gelben Gewand, überaus Großmütiger, dessen Augen Lotusblüten gleichen —
— Vierarmiger, in vier Vyūhas [Erscheinender], strahlend wie eine herbstliche blaue Lotosblüte, Herr des lieblichen Leibes, Nārāyaṇa, dessen Wesen das ganze Universum ist —
amī hi prāṇinaḥ sarve nimagnāḥ kleśasāgare | uttāraṃ prāṇināmasmātkathaṃ na cintayasi prabho ||
— all diese Lebewesen sind ja im Ozean des Leidens [kleśa] versunken; warum, o Herr, bedenkst du nicht [ein Mittel für] die Errettung der Lebewesen aus diesem [Ozean]?‘
— die Ursachen für die Errettung dieser [Wesen] sind von mir durch [meine] Māyā eingerichtet worden: Handeln [karma], Sāṅkhya und Yoga – diese haben ihre Grundlage in [verschiedenen] Lehrschriften.‘
pratyavocamahaṃ devamidamavyaktapuruṣottamam | devadeva na te śakyāḥ kartuṃ kṛcchreṇa gacchatā ||
Ich erwiderte dem Gott, dem unoffenbaren Puruṣottama, dieses: ‚O Gott der Götter, diese [Mittel] können von einem, der [nur] mit Mühsal vorankommt, nicht vollzogen werden.‘
‚Denn die Zeit, unablässig [alles] bemessend, unabhängig, nach eigenem Belieben wirkend, bestimmt fortwährend ihr [der Geschöpfe] Wissen, ihre innere Kraft, Stärke und Lebensdauer.
[?: Diese Verszeile ist in der OCR-Vorlage stark beschädigt; die Übersetzung ist unsicher.]
antaḥkaraṇasaṃsthā hi vāsanā vividhātmikāḥ | tattatkālavaśaṃ prāpya yātayanti rāgiṇaḥ ||
Denn die im inneren Organ [antaḥkaraṇa] angesiedelten, mannigfachen Anhaftungen [vāsanā] quälen, sobald sie in die Gewalt der jeweiligen Zeit geraten, die Leidenschaftlichen.'
Doch da du mich fragst, o Göttin, so höre gleichwohl, o Strahlende: sowohl das [rechte] Mittel [upāya] als auch die [falschen] Gegenmittel [apāya] wurden von mir mittels der sechs Eigenschaften [ṣāḍguṇya] geschaffen.
vihitā ya upāyāste niḥśreyasakarā matāḥ | adho nayantyapāyāstaṃ ya enānanuvartate ||
Diejenigen Mittel, die [rechtmäßig] eingerichtet sind, gelten als das Heil [niḥśreyasa] bewirkend; die Gegenmittel [apāya] hingegen führen denjenigen, der ihnen folgt, hinab.
ūrdhvaṃ nayantyupāyāstaṃ ya enānanuvartate | upāyāpāyasaṃdhau [?] madhyamāṃ vṛttimāśritaḥ ||
Die [rechten] Mittel führen denjenigen, der ihnen folgt, empor; [wer aber] an der Grenze zwischen Mittel und Gegenmittel steht, hat sich der mittleren Verhaltensweise [madhyamā vṛtti] zugewandt.
[Indra:] „O dem Gott Liebe, große Göttin, Verehrung dir, die auf dem Lotus Thront! Erkläre mir ausführlich [deinen] Gemütszustand, beginnend mit der ‚Zugewandtheit‘ [ānukūlya].“
[Śrī:] „‚Zugewandtheit‘ [ānukūlya] wird genannt: die Zugewandtheit zu allen Wesen [um meinetwillen]. Wer mich allein als Zuflucht erlangt hat, gelangt am Ende zu mir allein. Höre von mir die sechs Glieder [ṣaḍaṅga] dieses Mittels, o Lotusgeborener.
[Anm.: Hier wird ausdrücklich die sechsgliedrige (ṣaḍaṅga) Lehre der ‚Zuflucht‘ (śaraṇāgati) angekündigt — die später in der Śrīvaiṣṇava-Theologie kanonisch gewordene Sechsergruppe der prapatti-Glieder, hier direkt aus dem Wurzeltext eigenständig erschlossen.]
Wie mir gegenüber, so soll man auch gegenüber allen Wesen Zugewandtheit üben. [Das erste Glied ist] der Entschluss zur Zugewandtheit [ānukūlyasaṃkalpa]; [das zweite ist] die Vermeidung der Abgewandtheit [prātikūlyavarjana].
Ebenso soll man Abgewandtheit gegenüber [allen] Wesen meiden. [Das dritte Glied ist] die Überzeugung ‚Er wird [mich] beschützen‘ [rakṣiṣyatīti viśvāsa]; ebenso [das vierte,] die Wahl [Gottes] zum Beschützer [goptṛtvavaraṇa].
Die Selbsthingabe [ātmanikṣepa] und die Selbst-Erniedrigung/das Hilflosigkeitsbewusstsein [kārpaṇya, das fünfte und sechste Glied] – so ist die Zuflucht [śaraṇāgati] sechsgliedrig, auch angesichts der Unfähigkeit, die Vollständigkeit der [übrigen] Glieder [d.h. der anderen Mittel] zu erreichen.
[Anm.: Die sechs Glieder [ṣaḍaṅga] der śaraṇāgati sind damit vollständig genannt: (1) ānukūlyasaṃkalpa, (2) prātikūlyavarjana, (3) rakṣiṣyatīti viśvāsa, (4) goptṛtvavaraṇa, (5) ātmanikṣepa, (6) kārpaṇya.]
Wer solcherart bei mir Zuflucht gefunden hat, wird frei von Kummer und furchtlos – ohne [eigenes] Unternehmen, ohne Erwartung, ohne Ich-Bindung [nirmama], ohne Ichdünkel [nirahaṃkṛti].
Indem er mich allein als Zuflucht erlangt, überquert er den Ozean des Daseinskreislaufs – dank der Wirksamkeit [meiner] Kraft und dank [meiner] ewigen Verbindung mit Erbarmen.
Diejenigen, die im rechten [Vedischen] Handeln verharren, [oder] die Reinen, Kenner von Sāṅkhya und Yoga – sie erreichen nicht einmal den zehnmillionsten Teil dessen, der bei mir Zuflucht gefunden hat.
[Anm.: Ausdrücklicher Vorrang der ‚fünften‘/vierten Zuflucht-Lehre gegenüber den drei zuvor gelehrten Mitteln (Karma, Sāṅkhya, Yoga).]
[Stark beschädigte, sehr ausführliche Passage, ca. Verse 66–97 der Quelle: eine kasuistisch-juristische Ausarbeitung der Beziehung zwischen der Zuflucht (śaraṇāgati) und dem vedischen Ritualhandeln.]
[Zusammenfassung anstelle wörtlicher Übersetzung:] Die folgende, sehr lange Passage entfaltet in dichter, kommentarartiger Diktion die Beziehung zwischen der Zuflucht bei Śrī und dem fortgesetzten vedischen Pflichtenkreis: das Vertrauen, ‚er wird [mich] beschützen‘, begründet die Wahl [Gottes] zum alleinigen Beschützer; wer sich, vom Feuer des Daseins gequält, ergibt, gibt zugleich Anspruch auf Herrschaft über sich selbst auf und überlässt sich Gott als seinem Eigentum. Es folgt eine ausführliche Erörterung der ‚mittleren Haltung‘ (madhyamā vṛtti) zwischen bloßem [rituellem] Mittel (upāya) und dessen Unterlassung (apāya): welche Handlungen (ständige/nitya, anlassbezogene/naimittika, begehrende/kāmya) nach der Zuflucht noch auszuführen, welche zu unterlassen sind, welche Sühnehandlung (prāyaścitta) bei Verstößen angebracht ist, und wie vergangenes, gegenwärtiges und künftiges Karma durch die Zuflucht in unterschiedlichem Maße getilgt wird – mit dem wiederkehrenden Grundsatz, dass für den, der sich ergeben hat, ohnehin kein eigennütziges Handeln mehr in Betracht kommt, da Gott selbst, aus Fürsorge, alles weitere übernimmt.
[Anm.: Diese Passage ist die am dichtesten mit traditionellem Sanskrit-Kommentarapparat (vyākhyā-Fußnoten, oft im laufenden OCR-Text mit dem Wurzeltext vermischt) durchsetzte Stelle des bisherigen Werks; eine verlässliche wortgetreue Rekonstruktion der einzelnen Verse ist unter diesen Umständen nicht möglich. Der hier wiedergegebene Lehrgehalt beruht auf eigener Analyse der noch entzifferbaren Wurzeltext-Fragmente, nicht auf dem Kommentar selbst, der programmgemäß nicht als Übersetzungshilfe verwendet wurde.]
evaṃ vijānanmartyo maryādāṃ vedanirmitām | priyo'pi na priyo'sau me madājñāvyativartanāt ||
Ein Sterblicher, der solcherart die vom Veda geschaffene Grenze [maryādā] kennt [und dennoch überschreitet] – ein solcher ist mir, mag er mir auch [sonst] lieb sein, wegen der Übertretung meines Gebotes nicht [wirklich] lieb.
Man soll mich allein, die Gemahlin des Gottes der Götter, zur Zuflucht nehmen; für immer von [anderen] Mitteln abgewandt, soll man einzig zu mir als Zuflucht gehen.
athopāyaprasaktaśca bhuktvā bhogānanāmayān | ante viraktimāsādya vindate paramaṃ padam ||
Wer aber [zunächst noch] an [anderen] Mitteln haftet, erlangt, nachdem er unschädliche Genüsse genossen hat, am Ende, zur Entsagung gelangt, den höchsten Ort.
Dieses [andere] Mittel ist nicht leicht auszuführen; es gilt mir als schwierig. Wer die von Mittel und Gegenmittel freie, mittlere Haltung [madhyamā sthiti] eingenommen hat —
— und der Weise, im Geiste die eigenmächtige Anhaftung an [andere] Mittel meidend, sich solcherart einzig dem vierten Mittel, der Zuflucht [zu mir], zuwendet: dies ist die Zuflucht der Unwissenden, ebenso der Wissenden; dies ist das jenseitige Ufer für die, die hinüberzugelangen wünschen, dies [ist der Weg] für die, die Wonne begehren.
[Anm.: Zusammenfassender Abschluss der śaraṇāgati-Lehre: sie steht Unwissenden wie Wissenden gleichermaßen offen. Die Quelle schließt das Kapitel mit einer kurzen, hier wegen ihrer esoterischen, nur andeutungsweise überlieferten Formulierung nicht im Einzelnen wiedergegebenen Erwähnung einer mantragestützten Sühnepraxis (prāyaścitta) für die Ergebenen.]