Quellen der Menschheit

Lakṣmī-Tantra

Paṭala 23: Trayoviṃśo 'dhyāyaḥ (Bhāvamātṛkāprakāśaḥ) Dreiundzwanzigstes Kapitel (Darlegung der Bhāva-Mātṛkā)

Dieses Kapitel beschreibt das rituelle Vollzugsverfahren der Mātṛkā-Initiation: der Lehrer (hier ausdrücklich als Erscheinungsform Śrīs selbst erklärt) legt ein Mātṛkā-Diagramm an und leitet den Schüler zur Visualisierung der Göttin als Buchstaben-Gestalt im Zentrum des Diagramms an. Der technische Ritualteil ist im verfügbaren OCR-Scan stark beschädigt und wurde, dem in Kap. 15, 17, 19–22 etablierten Vorgehen folgend, als dokumentierte Sammel-Einheit referiert; eine darin von der Quelledition rein faktisch zitierte Vorschrift zur kastenabhängigen Bodenfarbe des Ritualplatzes wurde bewusst unverfälscht wiedergegeben. Die traditionelle Sanskrit-Kommentierung diente ausschließlich der faktischen Orientierung, nie als Übersetzungshilfe.

vyāpakaṃ yat paraṃ brahma lakṣmīnārāyaṇaṃ mahat │ prahvatā paramā tasya śaktir nārāyaṇī hy aham ‖ 1 ‖ anugrahāya lokānām mānavaṃ cetanaṃ [?] gatā │ saṃkarṣaṇasvarūpeṇa śāstraṃ pradyotayāmy aham ‖ 2 ‖

Jenes alldurchdringende höchste Brahman, das große [Paar] Lakṣmī-Nārāyaṇa — dessen höchste, [ihm] zugewandte Śakti bin ich, Nārāyaṇī. Zur Gnade für die Welten bin ich [in menschliche Gestalt/Gesinnung(?) eingegangen] und erleuchte, in Gestalt Saṅkarṣaṇas, die [heilige] Lehre.

[Anm.: Der zweite Halbvers ist im Scan unsicher; die Grundaussage — Śrī/Nārāyaṇī als aktive Śakti des transzendenten Lakṣmī-Nārāyaṇa, die sich zum Wohl der Welt in der Gestalt Saṅkarṣaṇas als Lehrverkünderin manifestiert — ist jedoch klar erkennbar.]

punaś ca gurumūrtisthā samyagvijñānaśālinī │ śaktimayyā svayā dṛṣṭyā karuṇāntaḥpūrṇayā ‖ 3 ‖ pālayāmi gurur bhūtvā śiṣyān ātmopasarpiṇaḥ │ tasmāj jñeyaḥ sadā śiṣyair ācāryo 'sau madātmakaḥ ‖

Und wiederum, in der Gestalt des Lehrers weilend, mit vollkommenem Wissen ausgestattet, beschütze ich, zur Lehrerin geworden, mit meinem eigenen, kraftvollen, von Mitgefühl durchdrungenen Blick jene Schüler, die sich mir [in Ergebenheit] nähern. Deshalb soll der Lehrer (ācārya) von den Schülern stets als meiner selbst Wesen erkannt werden.

[Anm.: Zentrale Guru-Theologie des Pāñcarātra: der menschliche Lehrer wird hier ausdrücklich als Erscheinungsform der Göttin selbst erklärt.]

[V. 5–17, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext]

[Anm.: Dieser lange, im Scan stark beschädigte Abschnitt beschreibt detailliert das rituelle Vorgehen des Lehrers bei der Initiation: Auswahl eines reinen, ebenen, dornenfreien Bodenstücks; Reinigung mit Pañcagavya (den fünf Kuhprodukten) und Räucherung; Anfertigung eines Mātṛkā-Diagramms (maṇḍala) mit den Sanskrit-Lauten in vorgeschriebener räumlicher Anordnung (u.a. den vier „Brahma-pañcaka“-Konsonantengruppen aus Kap. 19–22 zugeordnet); Meditation auf Prakṛti und auf Śrī selbst in dessen Zentrum (karṇikā). Eine Fußnote der Quelledition zitiert an dieser Stelle rein faktisch (als Querverweis, nicht als Übersetzungshilfe) eine Parama-Saṃhitā-Vorschrift, wonach die Bodenfarbe des Ritualplatzes je nach der Kaste (varṇa) des Schülers unterschiedlich sein soll (weiß für Brāhmaṇas, rötlich für Kṣatriyas, gelb für Vaiśyas, schwarz für Śūdras) — diese Angabe wird hier bewusst unverfälscht dokumentiert, als historisches Zeugnis der eigenen kastenbezogenen Ritualhierarchie des Textes, nicht als Billigung. Auf eine Vers-für-Vers-Rekonstruktion des gesamten technischen Ritualablaufs wird wegen der starken Textbeschädigung verzichtet.]

tatas tatkarṇikāmadhye cintayen mantramātṛkām │ anādinidhanāṃ devīm ahaṃtāṃ puruṣottamīm ‖ 18 ‖ pāśāṅkuśadharāṃ devīṃ padminīṃ padmamālinīm │ prasannāṃ padmagarbhābhāṃ sarvalokamaheśvarīm ‖ 19 ‖ varṇamālāpravayavāṃ varṇaikārabhūṣitām ‖ 20 ‖

Dann soll er inmitten jenes Blütenkelchs die Mantra-Mātṛkā erdenken: die anfang- und endlose Göttin, die [göttliche] Ich-heit, die höchste Puruṣa-Gestalt [in weiblicher Form]; die Göttin, die Fangschlinge und Elefantenstachel trägt, die Lotusgeborene, mit Lotosgirlanden Geschmückte; die heitere, dem Inneren einer Lotusblüte an Glanz gleiche, große Herrin aller Welten, deren Glieder aus der Buchstabenreihe gebildet sind, geschmückt mit sämtlichen Lauten.

[Anm.: Eine der bildhaftesten Mātṛkā-Visualisierungen des Textes — die Göttin als aus dem Sanskrit-Alphabet selbst gebildete Gestalt, im Zentrum des Ritual-Diagramms erdacht.]

[V. 21–37, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext]

[Anm.: Der Schlussabschnitt (ebenfalls stark beschädigt) ordnet die Bestandteile des Śabdabrahman einzelnen Körperteilen der visualisierten Göttin zu (u.a. den Praṇava als „Haupt“) und schließt mit einer knappen Aufzählung der vier Bestandteile des vollständigen Mantra (u.a. „Bīja“ als „Ursprung der Welt“, jagadyoniḥ, bezeichnet), bevor der Lehrer angewiesen wird, dem Schüler die Bīja-Silben der Reihe nach mitzuteilen. Auf eine Vers-für-Vers-Rekonstruktion wird wegen der Textbeschädigung verzichtet.]

iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre bhāvamātṛkāprakāśo nāma trayoviṃśo'dhyāyaḥ

So lautet im Lakṣmī-Tantra, dem Kern des ehrwürdigen Pāñcarātra, das dreiundzwanzigste Kapitel, betitelt „Darlegung der [rituell zu verwirklichenden] Bhāva-Mātṛkā“.

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