Zweites Kapitel der Tantrārthasaṃgraha-Beilage (s. Kap. 51): eine knappe, an Purandara/Indra gerichtete Zusammenfassung der Mantra-Lehre — Selbstidentifikation der Göttin als „Mutter der Mantras“, ein numerologischer Vervielfältigungs-Katalog, die vierfache Bīja/Piṇḍa/Pada/Saṃjñā-Klassifikation (bereits aus Kap. 44 bekannt) und Bīja-Nāda-Bindu-Korrespondenzen, weitgehend rekapitulierend gegenüber den Mantra-Kapiteln 42–46.
Nun höre, o Sohn Purandara, den aus Mantra bestehenden Pfad: Ich bin, zum Glück [der Welt], von der Gestalt der Wonne — die vollständige Ich-heit (ahaṃtā) Haris. Wisse mich als die „Mutter der Mantras“, genannt Prāṇa, von der Natur des reinen Bewusstseins; von mir allein werden diese [Mantras] ausgesprochen, und in mich gehen sie gewiss wieder ein. Und ich bin die Wurzel dieser [Mantras]; sie, die Kundigen, erkennen, dass ihre Natur meine Form ist. Ich, gekräftigt, bin einfach, zweifach und dreifach zugleich...
[Anm.: Eröffnung des mit „Mantra-Pfad“ betitelten Abschnitts der Tantrārthasaṃgraha-Beilage (weiterhin an Purandara/Indra gerichtet); die Göttin identifiziert sich selbst mit der Urquelle aller Mantras („Mutter der Mantras“, Prāṇa-Natur) — eine Zusammenfassung der bereits in den früheren Mantra-Kapiteln (bes. Kap. 42–44) entwickelten Lehre.]
[V. 4–9, kurzer numerologisch-grammatischer Katalog der Mantra-Vervielfältigung]
[Anm.: Es folgt ein knapper Katalog, der die Vervielfältigung des Grundmantras in vier-, fünf-, sechs-, sieben-, acht-, sechzehn-, fünfundzwanzig- bis dreiundsechzigfache Formen aufzählt (die Göttin „erhebt sich vielfach wie ein Wunschjuwel“, cintāmaṇi), gefolgt von einer Klassifikation nach Vokalen/Konsonanten, Lehrsatz-Abschnitten (āhnika/adhyāya), Āgama-Arten (äußere/innere) sowie volkstümlichen und vedischen Sprachformen — alles als Ausdruck ein und derselben Mantra-Natur der Göttin zusammengefasst.]
Bīja [Keimsilbe], Piṇḍa, Pada und Saṃjñā — so sind die Mantras vierfach; wisse, unter ihnen, als die vornehmsten, die fünf Juwelen, o Vāsava [Indra].
[Anm.: Bestätigt, in zusammenfassender Form, dieselbe vierfache Mantra-Klassifikation (Bīja/Piṇḍa/Pada/Saṃjñā), die bereits ausführlich in Kap. 44 (Rahasyaprakāra) entfaltet wurde.]
[V. 11–23, technische Bīja-Nāda-Bindu-Korrespondenzen und Schlussformel]
[Anm.: Es folgen detaillierte Korrespondenzen der Bīja-Silben mit Sonne, Mond und Feuer (sūrya/soma/agni), mit Nāda (Tonschwingung) und Bindu (Punkt/Tropfen) sowie mit den Vokalgruppen, in enger Parallele zur bereits übersetzten Tārikā-/Rahasya-Mantra-Lehre der Kap. 42–46. Die Lehrrede schließt mit der Zusage, dass rechte Rezitation mit entsprechender Gottheiten-Visualisierung (in weiblicher Gestalt, mit Farbe, Waffe und Schmuck versehen) rasche Fruchtgewährung (śīghraphaladā) bewirkt, und mit der zusammenfassenden Feststellung: „So ist dir, o Śakra, dieser Mantra-Pfad in Kürze dargelegt worden.“]