Quellen der Menschheit

Lakṣmī-Tantra

Paṭala 4: Caturtho 'dhyāyaḥ (Mahālakṣmīsamudbhūtiḥ) Vierter Adhyāya – Die Hervorbringung der Mahālakṣmī (vollständig, Vv. 1–67 + Kolophon)

Quelle und Methode wie Kapitel 1–3 (archive.org/DLI-Digitalisat in.ernet.dli.2015.326285, Krishnamacharya-Ausgabe 1959, Adyar Library Series 87; Volltextauslesung per javascript_tool/document.body.innerText). Die OCR-Qualität dieses Kapitels ist deutlich besser als in Kap. 2–3 (fortlaufende, überwiegend monotone Verszählung 1–33+, kaum Verschränkung mit dem Fußnotenapparat) – daher konnte hier ein größerer, zusammenhängender Abschnitt übersetzt werden. Titel laut im Digitalisat gefundenem Kolophon: „... mahālakṣmīsamudbhūtir nāma caturtho 'dhyāyaḥ“ – „Die Hervorbringung der Mahālakṣmī“. Inhalt der Vv. 1–32: Śrī legt dar, wie sie selbst als ungeteiltes Bewusstsein (saṃvid) mit Hari/Viṣṇu wesenseins ist, wie aus ihr die vier Vyūha-Gestalten Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha durch das je unterschiedliche Hervortreten (unmeṣa) der sechs Eigenschaften (jñāna, bala, aiśvarya, vīrya, śakti, tejas) entstehen, wie diese vier sich wiederum je dreifach (in die zwölf Vyūhāntara-Gestalten, beginnend mit Keśava) teilen, wie die Vibhava-Manifestationen (Rettergestalten wie z.B. die späteren Avatāras) und die Arcā (Kultbild-Gegenwart) des Herrn zu verstehen sind, und leitet über zu einer weiteren, hier noch nicht übersetzten Darlegung, wie die sechs Eigenschaften den drei Guṇas (sattva/rajas/tamas) zugeordnet werden (Vers 33 beginnt dies, bricht im vorliegenden Textausschnitt ab). Das Kapitel selbst reicht im Digitalisat noch deutlich weiter (Kolophon erst bei „mahālakṣmīsamudbhūtir nāma caturtho 'dhyāyaḥ“, spätere Textstelle); der Rest (ab Vers 33) wird in einer künftigen Sitzung fortgesetzt.

śrīḥ [uvāca] -- nimeṣakāñcakalpāham (?) niḥsamānandacinmayī | ahaṃ nārāyaṇī nāma bhāvo 'haṃ tasya hareḥ ||

Śrī [sprach]: Im Zustand des Nimeṣa [des Sich-Zurückziehens] bin ich [?], aus unvergleichlicher Wonne und Bewusstsein bestehend; ich, genannt Nārāyaṇī, bin das Sein (bhāva) jenes Hari selbst.

[?] „nimeṣakāñcakalpāham“ unsicher rekonstruiert; OCR an dieser Stelle korrumpiert.

na śāntā noditā nāpi madhyamāhaṃ cidātmikā | tādṛśasya harer viṣṇoḥ svarūpam akhilātmanaḥ ||

Weder ruhend noch erregt noch auch in der Mitte [befindlich] bin ich, aus Bewusstsein bestehend; ich bin die Wesensgestalt jenes so beschaffenen Hari-Viṣṇu, dessen Selbst alles [umfasst].

tasyācitraikarūpasya vikalpapadavīr juṣaḥ | vicitrāhaṃ tadākārā svataḥ samatāṃ gatā ||

Jenes einen, unmannigfaltigen [Wesens], das [doch] die Wege der Unterscheidung einschlägt – ich, seine mannigfaltige, seine Gestalt tragende [Kraft], bin von selbst zur Gleichheit [mit ihm] gelangt.

[?] Satzstruktur unsicher.

tato na saṃvidātmaiva kvacid unmeṣa utthitaḥ | koṭikoṭisahasrasya koṭikoṭitamī kalā ||

Von daher – obwohl das Selbst nur reines Gewahrsein ist – erhebt sich irgendwo ein Erwachen: ein Bruchteil eines Bruchteils von Abertausend Millionen.

[?] Frei übertragen, OCR unsicher.

sisṛkṣā nāma tadrūpā sṛṣṭim iṣṭāṃ karomy aham | ekāṃśena viśuddhādhvarūpā varte 'ham añjasā ||

Jene [meine] Gestalt heißt Schöpfungswille (sisṛkṣā); durch sie vollbringe ich die gewünschte Schöpfung; mit einem Teil bin ich wahrhaftig in der Gestalt des reinen Weges gegenwärtig.

vajraprabhā yadvat parisphurati sarvataḥ | evaṃ śuddhamayo mārgo mama sphurati sarvataḥ ||

So wie der Glanz eines Diamanten überallhin erstrahlt, so erstrahlt der aus Reinheit bestehende Weg von mir überallhin.

ameghākārāsaṃkrāntān niṣpandodadhirūpataḥ | mama jñānaghanākārāc chuddhāḥ sṛṣṭiḥ pravartate ||

Aus [meiner] ungetrübten, unwandelbaren, gestaltlosen, [wie ein] regungsloser Ozean [seienden], aus meiner aus geballtem Wissen bestehenden Gestalt geht die reine Schöpfung hervor.

[?] Erste Vershälfte unsicher segmentiert.

[nitya]vyāpāraṃ sadānandaṃ śuddhaṃ sarvātmakaṃ param | vyajyate prathamaṃ jñānaṃ sa saṅkarṣaṇa ucyate ||

Als ewiges Wirken, immerwährende Wonne, rein, alldurchdringend, höchstes – offenbart sich zuerst das Wissen; dieses wird Saṅkarṣaṇa genannt.

hetvantarānapekṣaṃ yat svātantryaṃ viśvanirmitau | tad aiśvaryaṃ tadāsīn me pradyumnaḥ puruṣottamaḥ ||

Jene Unabhängigkeit von jedem weiteren Grund bei der Erschaffung des Universums – jene meine Herrschermacht war es, aus der der höchste Geist Pradyumna [hervorging].

nirvidyāvikalpā yā sarvatra samavasthitā | avyāhatāsīc chaktir asāv aniruddhaḥ prakīrtitaḥ ||

Jene Kraft, die frei von Unwissen und Unterscheidung überall gleichermaßen besteht, jene ungehinderte Kraft wird als Aniruddha verkündet.

[?] Erste Vershälfte unsicher.

sṛṣṭisthityantakārye tu vijñānaiśvaryaśaktayaḥ | mama rūpam amī devāḥ puruṣāḥ puṣkarekṣaṇāḥ ||

Bei den Werken von Schöpfung, Erhaltung und Beendigung wirken Wissen, Herrschermacht und Kraft; diese lotusäugigen Götter, diese Personen, sind meine eigene Gestalt.

antaraṅgārṇavābhāsam astambhodāmbaropamam | rūpaṃ sisṛkṣamāṇāyā vāsudevo mamādimam ||

Wie der Anblick des innersten Ozeans, vergleichbar dem säulenlosen Wolkenhimmel – Vāsudeva ist meine erste Gestalt, wenn ich danach trachte zu erschaffen.

[?] Bildhafte Vershälfte unsicher.

jñānaśaktibalaiśvaryavīryatejāṃsy aśeṣataḥ | unmiṣanti yadā tulyaṃ vāsudevas tadocyate ||

Wenn Wissen, Kraft, Stärke, Herrschermacht, Tatkraft und Glanz vollständig und gleichermaßen erwachen, dann wird dies Vāsudeva genannt.

teṣāṃ jñānabalonmeṣe saṅkarṣaṇa udīryate | bibharti sakalaṃ viśvaṃ tiraskāravaśāt tataḥ ||

Beim [besonderen] Erwachen von Wissen und Stärke unter diesen wird er Saṅkarṣaṇa genannt; kraft seiner Verbergung trägt er darauf das gesamte Universum.

[?] Zweite Vershälfte unsicher.

balam ity eva tan nāma tato vedāntaśabditam | vīryaiśvaryasamunmeṣaiḥ pradyumnaḥ parikīrtitaḥ ||

‚Stärke‘ eben ist jener Name, der daher in den Vedānta-Schriften bezeichnet wird; durch das gemeinsame Erwachen von Tatkraft und Herrschermacht wird er Pradyumna genannt.

vikāraviraho vīryam avikārī tataś ca saḥ | śaktitejaḥsamunmeṣe hy aniruddhaḥ sa dṛṣṭaḥ (?) ||

Tatkraft ist Freiheit von Veränderung, unveränderlich ist er daher; beim gemeinsamen Erwachen von Kraft und Glanz wird er als Aniruddha erkannt.

tejas tv anyānapekṣatvam aniruddhatvam apy ataḥ | śākhāṃ (?) saṅkarṣaṇād eva yāti nirghātaśabdavat ||

Glanz aber ist Unabhängigkeit von anderem, daher [ist es] auch Aniruddha-Sein; wie ein Zweig geht es von Saṅkarṣaṇa aus, dem Schall eines Donnerschlags gleich.

[?] Stark unsicher, insbesondere zweite Vershälfte.

tac chriyā sakalā devāḥ pradyumnāt sambhaved yataḥ | kriyāphalaṃ (?) śeṣam aniruddhāt tac cakṣate ||

Da alle jene Götter mit ihrer Fülle/Pracht von Pradyumna hervorgehen; das Übrige, die Frucht des Wirkens, nennt man aus Aniruddha hervorgehend.

[?] Sehr unsicher rekonstruiert.

sṛjate hy aniruddho 'tra pradyumnaḥ pāti tat kṛtam | sṛṣṭaṃ tad rakṣitaṃ cātti sa ca saṅkarṣaṇaḥ prabhuḥ ||

Aniruddha erschafft hier; Pradyumna erhält das Erschaffene; das Erschaffene und Erhaltene verzehrt [wieder in sich] jener Herr Saṅkarṣaṇa.

sṛṣṭisthityantakāryeṇa śaktidharmeṇa (?) ca | anugraham ime devāḥ sadā vidadhate svayam ||

Durch das Werk von Schöpfung, Erhaltung und Beendigung sowie durch ihre eigene Kraftnatur erweisen diese Götter selbst stets ihre Gnade.

yady apy ekaguṇonmeṣas tathāpy ete hi ṣaḍguṇāḥ | anyūnānadhikāḥ sarve vāsudevāt sanātanāt ||

Wenn auch bei jedem nur eine Eigenschaft besonders erwacht, so sind doch alle diese sechs Eigenschaften, weder vermindert noch vermehrt, vom ewigen Vāsudeva her [in jedem gegenwärtig].

aṅgapratyaṅgabuddhyādir naiṣāṃ bhūtamayaḥ smṛtaḥ | ṣāḍguṇyamaya evaiṣāṃ divyo dehaḥ sanātanaḥ ||

Deren Glieder, Untergliedmaßen, Denkvermögen und dergleichen gelten nicht als aus den [groben] Elementen bestehend; einzig aus den sechs Eigenschaften besteht ihr göttlicher, ewiger Leib.

naivaiṣāṃ vāstavo bhedaś cintanīyo divaspateḥ | tattatkāryaprasiddhyarthaṃ kṛto 'sau kalpanāvaśāt ||

Man soll sich keinen wirklichen Unterschied unter ihnen, den Herrschern des Himmels, denken; dieser [scheinbare Unterschied] ist um der Bewährung der jeweiligen Werke willen aufgrund begrifflicher Zuordnung gemacht.

jñānān nānyat tathaiśvaryaṃ tasmān nānyā ca śaktikā | saṃjñātāḥ kalpitāḥ śakra śāstravijñānabhūmayaḥ ||

Ebenso ist die Herrschermacht nicht verschieden vom Wissen, und die Kraft nicht verschieden von jener; nur benannt und begrifflich unterschieden sind sie, o Śakra [Indra], als Grundlagen des Lehr-Wissens.

[?] Zweite Vershälfte unsicher.

vastu pūrvaṃ tato bhāvaḥ paścād arthas tataḥ kriyā | cāturūpyam idaṃ jñeyaṃ sarvabhāveṣu sarvadā ||

Zuerst das Ding, dann das Sein, danach der Sinngehalt, dann das Handeln – diese Viergestaltigkeit ist bei allen Wesenheiten stets zu erkennen.

vāsudevādirūpeṇa caturdhātmānam ātmanā | saṃvibhajyāvatiṣṭhe 'haṃ sarvam āśritya saṃvidā ||

In der Gestalt, beginnend mit Vāsudeva, teile ich mein Selbst durch mich selbst vierfach und bestehe so, indem ich alles mit [meinem] Bewusstsein durchdringe.

vāsudevādayo devāḥ pratyekaṃ tu tridhā tridhā | keśavādisvarūpeṇa vibhajanti svakaṃ vapuḥ ||

Die Götter, angefangen mit Vāsudeva, teilen jeder für sich wiederum je dreifach, in der Wesensgestalt der [Formen] beginnend mit Keśava, ihren eigenen Leib.

etad vyūhāntaraṃ nāma pāñcarātre nirūpitam | kāryasya nayane devā dvādaśaite vyavasthitāḥ ||

Dies wird im Pāñcarātra als ‚Zwischen-Vyūha‘ (vyūhāntara) bezeichnet; diese zwölf Götter sind zur Führung des [jeweiligen] Werkes bestellt.

vibhor apy aniruddhasya hitāya jagatāṃ hareḥ | prasave vibhavo nāma padanāmādayaḥ smṛtāḥ ||

Zum Wohl der Welten [manifestiert sich], obwohl alldurchdringend, dieser Hari-Aniruddha in [seiner] Hervorbringung als ‚Vibhava‘ – [die Gestalten], deren Namen mit ‚Pada‘ u. a. beginnen.

[?] Unsicher rekonstruiert.

āvir āvir yaḥ kurute yatra devanarādikam | jagaddhitaṃ jagannāthas taj jñeyaṃ vibhavāntaram ||

Wo der Herr der Welt zum Wohl der Welt Götter, Menschen und anderes offenbaren lässt, das ist als ein weiterer Vibhava zu erkennen.

[?] Unsicher.

devarṣivipra-siddhādeḥ svayaṃ vā jagatāṃ hite | nirmite bhagavadrūpam arcā sā śuddhacinmayī ||

Sei es durch Götterweise, Brahmanen, Vollendete oder von selbst, zum Wohl der Welten geschaffen – die Bildgestalt (arcā) des Herrn ist seine reine, aus Bewusstsein bestehende [Gegenwart].

ity eṣa te 'to mārgaḥ śuddhas te samprakāśitaḥ | ṣāḍguṇyam aparaṃ tv anyat kathayāmi te nirāmayam ||

So wurde dir nun dieser reine Weg dargelegt; ein weiteres, anderes, makelloses [Kapitel über das] Ṣāḍguṇya will ich dir [jetzt] verkünden.

[Anm.: Übergangsvers zum nächsten, hier noch nicht übersetzten Abschnitt (Zuordnung der sechs Eigenschaften zu den drei Guṇas sattva/rajas/tamas, beginnend mit Vers 33); Kapitel reicht im Digitalisat noch erheblich weiter bis zum Kolophon „... mahālakṣmīsamudbhūtir nāma caturtho 'dhyāyaḥ“. [?] Stark unsicherer Übergangsvers.

yat te jñānaṃ purā proktaṃ tat sattvena vivartate | rajasā tad aiśvaryaṃ śaktiś cāpi tamasā tayā ||

Jenes Wissen, das dir zuvor verkündet wurde, entfaltet sich durch das Sattva[-Element]; jene Herrschermacht durch Rajas, und die Kraft ebenso durch jenes Tamas.

prādhānyena rajas tatra sa samparivartate | abhitaḥ sattvatamasī guṇau dvau tasya tiṣṭhataḥ ||

Vorwiegend durch Rajas wandelt sich dort jenes [Wesen]; ringsum bestehen an ihm die zwei übrigen Eigenschaften, Sattva und Tamas.

[?] Leicht unsicher rekonstruiert.

yā sā pūrvaṃ mayā proktā koṭikoṭitamī kalā | tasyāḥ koṭitamenāham aṃśena visṛje jagat ||

Jene Teilkraft, die zuvor von mir als ein Bruchteil eines Bruchteils genannt wurde – mit einem [wiederum] Bruchteil-Anteil von jener erschaffe ich die Welt.

sarvasyādyā mahālakṣmīs triguṇāhaṃ maheśvarī | rajorūpam adhiṣṭhāya sṛṣṭim iṣṭāṃ karomy aham ||

Als die Erste von allem bin ich, die große Herrin, Mahālakṣmī, aus den drei Guṇas bestehend; indem ich die Gestalt des Rajas einnehme, vollbringe ich die gewünschte Schöpfung.

abhrīṣomamayo bhāvaḥ (?) divyaḥ strīpuṃsalakṣaṇaḥ (?) | vibhratī cāru sarvāṅgo (?) lokānāṃ hitakāmyayā ||

[In] einem göttlichen, aus Wolke und Soma [?] bestehenden Sein, als männlich-weiblich gekennzeichnet, mit an allen Gliedern schöner [Gestalt] versehen – zum Wohl der Welten...

[?] Stark unsicher; mehrere Wörter im Digitalisat kaum rekonstruierbar, Satz nicht abgeschlossen.

caturbhujā virāḍakṣī (?) taptakāñcanasannibhā | mātuluṅgaṃ gadāṃ kheṭaṃ sudhāpātraṃ ca bibhratī ||

Vierarmig, mit gewaltigen [?] Augen, dem geschmolzenen Gold gleichend, eine Zitrusfrucht, eine Keule, einen Schild und ein Nektargefäß tragend.

[?] „virāḍakṣī“ unsicher rekonstruiert.

mahālakṣmīḥ samākhyātā sāhaṃ sarvāṅgasundarī | mahāśrīḥ sā mahālakṣmīś caṇḍā caṇḍī ca caṇḍikā ||

Ich, die an allen Gliedern Schöne, werde ‚Mahālakṣmī‘ genannt; sie, diese Mahālakṣmī, [heißt auch] ‚Mahāśrī‘, ‚Caṇḍā‘, ‚Caṇḍī‘ und ‚Caṇḍikā‘.

[Anm.: Es beginnt hier eine Aufzählung und etymologische Deutung der vielen Namen der Göttin (Nāma-Vyākhyā), die bis Vers 54 reicht.]

bhadrakālī tathā bhadrā kālī durgā maheśvarī | triguṇā bhagavaty ekā tathā bhagavatī parā ||

Ebenso ‚Bhadrakālī‘, ‚Bhadrā‘, ‚Kālī‘, ‚Durgā‘, ‚Maheśvarī‘; die eine, aus den drei Guṇas bestehende ‚Bhagavatī‘, und ebenso die höchste ‚Bhagavatī‘.

etāḥ saṃjñās tathā cānyās tatra me bahudhā smṛtāḥ | vikārayogād anyāś ca tās tā vakṣyāmy adoṣataḥ ||

Dies sind die Bezeichnungen, und noch andere, die vielfältig von mir überliefert werden; und je nach meiner Verwandlungsweise gibt es noch andere Namen – diese will ich, ohne Fehl, darlegen.

lakṣayāmi jagat sarvaṃ puṇyāpuṇye kṛtākṛte | mahanīyā ca sarvatra mahālakṣmīḥ prakīrtitā ||

Ich erkenne/bezeichne die ganze Welt, ihr Verdienstvolles und Unverdienstvolles, Getanes und Ungetanes; und weil ich überall zu verehren bin, werde ich ‚Mahālakṣmī‘ genannt.

sahadbhiḥ śrayaṇīyatvān mahāśrīr iti gadyate | caṇḍasya dayitā caṇḍī caṇḍatvāc caṇḍikā matā ||

Weil ich von den Standhaften als Zuflucht aufgesucht werde, werde ich ‚Mahāśrī‘ genannt; als die Geliebte Caṇḍas heiße ich ‚Caṇḍī‘, wegen meiner eigenen Wildheit gelte ich als ‚Caṇḍikā‘.

[?] „sahadbhiḥ“ unsicher.

kalyāṇarūpā bhadrāsmi kālī ca kalanāt satām | dviṣatāṃ kālarūpatvād api kālī prakīrtitā ||

Von heilvoller Gestalt bin ich ‚Bhadrā‘; und ‚Kālī‘ bin ich wegen des Erfassens der Guten; auch wegen meiner Zeitgestalt gegenüber den Feinden werde ich ‚Kālī‘ genannt.

[?] Etymologie „kalanāt satām“ unsicher.

suradā dviṣatāṃ caiva yugapat sadasadvidheḥ | bhadrakālī samākhyātā māyaiśvaryaguṇātmikā ||

Die den Göttern und zugleich den Feinden Gebende, nach der Weise von Sein und Nichtsein zugleich – so wird ‚Bhadrakālī‘ genannt, aus der Eigenschaft von Māyā und Herrschermacht bestehend.

[?] Unsicher rekonstruiert.

mahattvāc ca mahāmāyā mohanān mohinī matā | durgā ca durgamatvena bhaktarakṣāvidher api ||

Wegen meiner Größe bin ich ‚Mahāmāyā‘; wegen des Verwirrens gelte ich als ‚Mohinī‘; und ‚Durgā‘ bin ich wegen der Unzugänglichkeit, aber auch wegen der Weise, wie ich die Hingebungsvollen beschütze.

yojanāc caiva yogāhaṃ yogamāyā ca kīrtitā | māyāyogeti vijñeyā jñānayojanato nṛṇām ||

Und wegen des Verbindens bin ich ‚Yogā‘ und werde ‚Yogamāyā‘ genannt; als ‚Māyāyoga‘ bin ich zu erkennen, weil ich den Menschen Wissen vermittle.

pūrṇaṣāḍguṇyarūpatvāt sāhaṃ bhagavatī smṛtā | bhagavadyajñasaṃyogāt sā bhagavato 'smy aham ||

Weil ich die Gestalt der vollständigen sechs Eigenschaften bin, gelte ich als ‚Bhagavatī‘; durch Verbindung mit dem Kult/Opfer des Herrn bin ich die dem Herrn Zugehörige.

[?] Zweite Vershälfte unsicher.

viśālavyāptitaḥ smṛtā vyoma pūrṇā purī smṛtā | parāvarasvarūpatvāt satī cāhaṃ parāvarā ||

Wegen meiner weiten Durchdringung gelte ich als der [alldurchdringende] Raum, als die erfüllte Burg; wegen meiner Wesensgestalt als das Höhere und das Niedere bin ich, die Seiende, auch ‚Parāvarā‘.

[?] Erste Vershälfte sehr unsicher rekonstruiert.

rañjanāc chaktir uktāhaṃ rāgy ahaṃ rañjanāt sadā | sadā śāntavikāratvāc chāntāhaṃ parikīrtitā ||

Wegen des Erregens/Färbens werde ich ‚Śakti‘ genannt, ich bin stets die ‚Färbende‘ (rāginī) wegen des Erregens; und weil meine Verwandlung stets ruhevoll ist, werde ich ‚Śāntā‘ (die Ruhende) genannt.

mad-antaḥ prakriyate viśvaṃ prakṛtiḥ sāsmi kīrtitā | śrayantī śrayaṇīyāsmi śṛṇomi duritaṃ satām ||

In mir wird das Universum hervorgebracht; ich werde ‚Prakṛti‘ genannt; als Zuflucht Gewährende bin ich zugleich die Aufzusuchende; ich vernehme das Unheil der Guten.

[?] Erste Vershälfte unsicher rekonstruiert.

śṛṇomi karuṇāṃ vācaṃ gaṇayāmi ca taj jagat | ramye 'ntaḥ sarvabhūtānāṃ rame 'haṃ puṇyakarmaṇām ||

Ich höre das mitleidvolle Wort und zähle jene Welt [d.h. ihre Wesen]; im Innersten aller Wesen bin ich Wonne, ich erfreue mich an denen mit verdienstvollem Handeln.

[?] „gaṇayāmi“, „ramye 'ntaḥ“ unsicher.

īḍitā ca sadā devaiḥ śarīraṃ cāsmi vaiṣṇavam | etān mayi guṇān dṛṣṭvā vedavedāntapāragāḥ ||

Stets von den Göttern gepriesen, bin ich auch der Leib Viṣṇus; nachdem sie diese Eigenschaften an mir erkannt haben, [nennen mich] die im Veda und Vedānta Bewanderten...

guṇayogavidhānajñāḥ śriyaṃ māṃ sampracakṣate | sāham evaṃvidhā nityā sarvākārā sanātanī ||

...die die Weise der Verbindung mit den Eigenschaften kennen, mich ‚Śrī‘. So bin ich, derart beschaffen, die Ewige, in jeder Gestalt Seiende, die Immerwährende.

[Anm.: Die Nāma-Vyākhyā endet hier vorläufig; das Kapitel selbst reicht im Digitalisat noch weiter bis zum Kolophon „... mahālakṣmīsamudbhūtir nāma caturtho 'dhyāyaḥ“ – Fortsetzung (ab Vers 55) in einer künftigen Sitzung.]

guṇatrayādhiṣṭhātrī triguṇā parikīrtitā | guṇavaiṣamyasargāya pravṛttāhaṃ sisṛkṣayā ||

Als Herrscherin über die drei Guṇas werde ich ‚aus den drei Guṇas bestehend‘ genannt; zur Hervorbringung der Ungleichheit der Guṇas bin ich mit Schöpfungswillen tätig geworden.

[Anm.: Es beginnt hier die Erzählung von Śrīs drei Erscheinungsformen entsprechend den drei Guṇas (tamasisch/sattvisch, die dritte – rajasisch/Mahālakṣmī selbst – wurde bereits vorher dargelegt).]

taptakāñcanavarṇābhā taptakāñcanabhūṣaṇā | nirālokam imaṃ lokaṃ pūrayāmi svatejasā ||

Von der Farbe geschmolzenen Goldes, mit Schmuck aus geschmolzenem Gold, erfülle ich diese lichtlose Welt mit meinem eigenen Glanz.

śakyaṃ na hi lokaṃ svena pūrayituṃ purā (?) | bibharmi tv aparaṃ rūpaṃ tamasā kevalena tu ||

Da es [jedoch] nicht möglich war, die Welt allein mit dem eigenen [Glanz] zu erfüllen, trage ich [nun] eine andere Gestalt, [gewoben] allein aus Tamas.

[?] Erste Vershälfte grammatisch unklar, sinngemäß rekonstruiert.

sā bhinnāñjanasaṃkāśā daṃṣṭrāñcitavarānanā | viśālalocanā nārī babhūva tanumadhyamā ||

Sie, wie zerriebener [dunkler] Augensalbenstein anzusehen, mit von Fangzähnen gezeichnetem schönem Antlitz, großäugig, ward eine Frau mit schlankem Leib.

khaḍgapātraśiraḥkhaḍgair (?) alaṅkṛtamahābhujā | kabandhahārā śirasi bibhrāṇāhiśiraḥsrajam ||

Mit Schwert, Schale und [abgeschlagenen] Häuptern an ihren großen Armen geschmückt, mit einer Girlande aus Rümpfen, auf dem Haupt einen Kranz aus Schlangenköpfen tragend.

[?] Waffen-/Schmuckaufzählung der ersten Vershälfte unsicher rekonstruiert.

sā māṃ provāca sambhūtā tāmasī pramadottamā | nāma karma ca me mātar dehi tubhyaṃ namo namaḥ ||

Sie, die entstandene tamasische vortreffliche Frau, sprach zu mir: ‚Gib mir, Mutter, Namen und Aufgabe; dir sei Verehrung, Verehrung!‘

tām abravaṃ varārohāṃ tāmasīṃ pramadottamām | dadāmi tava nāmāni yāni karmāṇi tāni te ||

Ich sprach zu ihr, der schönhüftigen tamasischen vortrefflichen Frau: ‚Ich gebe dir Namen; auch die Aufgaben gebe ich dir.‘

mahākālī mahāmāyā mahāmārī kṣudhā tṛṣā | nidrā kṛṣṇā caikavīrā kālarātrir avyayā ||

Mahākālī, Mahāmāyā, Mahāmārī [die große Seuche], Hunger, Durst, Schlaf, Kṛṣṇā, Ekavīrā, Kālarātri, die Unvergängliche.

[?] „kṣudhā tṛṣā“ (Hunger, Durst) unsicher rekonstruiert; Namensliste der tamasischen Form.

etāni tava nāmāni pratipādyāni nāmabhiḥ | ebhiḥ karmāṇi te jñātvā yo 'dhīte so 'śnute sukham ||

Dies sind deine Namen, durch [weitere] Namen zu erschließen; wer, nachdem er durch diese deine Werke [dich] erkannt hat, [sie] studiert, der erlangt Glück.

apayātv iyaṃ (?) me manyamānāham ādimam | sattvonmeṣamayaṃ rūpaṃ bibharmi śaśāṅkusannibham ||

Möge diese [tamasische Gestalt] von mir weichen – an das Ursprüngliche denkend, trage ich [nun] eine Gestalt, geboren aus dem Erwachen des Sattva, dem Mondhasen [d.h. dem Mond] gleichend.

[?] Erste Vershälfte unsicher rekonstruiert.

akṣamālā-kuśa-dharā (?) vīṇāpustakadhāriṇī | sā babhūva varā nārī nāma karma tadā 'dadām ||

Rosenkranz [und Kuśa-Gras?] tragend, Vīṇā und Buch haltend, ward sie eine vortreffliche Frau; da gab ich [ihr] Namen und Aufgabe.

[?] „akṣamālākuśadharā“ unsicher rekonstruiert (erwartbar wäre eine Sarasvatī-Attributliste: Rosenkranz, Vīṇā, Buch).

mahāvidyā mahāvāṇī bhāratī cātha sarasvatī | āryā brāhmī mahāgaurī vedagarbhā ca dhīś ca gīḥ ||

Mahāvidyā, Mahāvāṇī, Bhāratī und auch Sarasvatī, Āryā, Brāhmī, Mahāgaurī, Vedagarbhā, und Dhī [die Einsicht] und Gīḥ [die Rede].

[?] Einzelne Namen (v.a. „mahāgaurī“) unsicher rekonstruiert; Namensliste der sattvischen Form (Sarasvatī).

nāmānurūpaṃ karma syāt sāttvikyāḥ kāryam adbhutam | vayaṃ tisro jagadyonyo mātaraś ca prakīrtitāḥ ||

Dem Namen entsprechend sei die Aufgabe [dieser Form], das wunderbare Werk der Sattvischen; wir drei werden als die Mutterschöße der Welt, die Mütter, verkündet.

[Anm.: Damit schließt die Lehre von den drei Erscheinungsformen der Göttin (rajasisch = Mahālakṣmī selbst, tamasisch = Mahākālī, sattvisch = Mahāsarasvatī); das Kapitel endet im Digitalisat unmittelbar danach mit dem Kolophon.]

iti śrīpāñcarātrasāre lakṣmītantre mahālakṣmīsamudbhūtir nāma caturtho 'dhyāyaḥ ||

So endet, in der Essenz des Pāñcarātra, im Lakṣmī-Tantra, das Kapitel mit dem Namen „Die Hervorbringung der Mahālakṣmī“, das vierte Adhyāya.

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