Technisches Ritualkapitel (75 Verse): definiert den äußeren Opferdienst (bahiryāga) als der inneren, gedanklichen Verehrung (mānasa yāga aus Kap. 36) nachgeordnet, aber zur Reinigung äußerlich bedingter Prägungen weiterhin notwendig. Beschreibt den Bau des Altars mit dem neunfeldrigen Lotos-Diagramm (navapadma-maṇḍala), die zweistufige Substanz-Konsekration (Sonnenglut/Mondnektar), den Türschwellen-Opferdienst (Kṣetrapāla, Lakṣmī, Caṇḍa/Pracaṇḍa, Bala/Vijaya, Gaṅgā/Yamunā, die Schatzherren Śaṅkha/Padma), die erneute Thron-Visualisierung, sowie die Verehrung von Gaṇapati, der Sprachgöttin Vāgīśī, der Guru-Ahnenreihe, der Vorfahren und der Richtungs-Siddhas vor der eigentlichen Anrufung der Göttin selbst.
bahirvedyādideśyadravyair mad-bhāvanekṣitaiḥ[?] │ bhogabhūtair yad ijyeta[?] bahiryāgas tu sa smṛtaḥ ‖ 1 ‖ vāsanā dvividhā proktā bāhyābhyantarahetujā │ nirṇīya[?] tv antarāṃ[?] sarvāṃ mānaso yāga uttamaḥ ‖ 2 ‖ bāhyālayacid[?]-śuddhyarthaṃ bahiryāgo vidhīyate │ [...] kṣitim āsthāya maṇḍape tatra maṇḍite ‖ 3 ‖
Wenn [die Verehrung] mit äußeren, auf dem Opferaltar u.a. bereitgestellten Substanzen vollzogen wird, die als Genussgaben gedacht und mit Andacht betrachtet werden, dann wird sie „Bahiryoga“ (äußerer Opferdienst) genannt. Man unterscheidet zwei Arten von [karmischen] Prägungen (vāsanā): solche mit äußerer und solche mit innerer Ursache; wenn man [erstere] beseitigt hat, ist der gänzlich innerliche, gedankliche Opferdienst (mānasa yāga) der beste. [Dennoch] wird der äußere Opferdienst zur Reinigung der äußeren [Prägungen des] Bewusstseins vorgeschrieben – [zu vollziehen], nachdem man einen [geeigneten] Boden aufgesucht und dort einen geschmückten Pavillon (maṇḍapa) [errichtet] hat.
[Anm.: Programmatischer Auftakt des Kapitels über den äußeren Opferdienst (bahiryāga), der ihn – in ausdrücklichem Rückbezug auf Kap. 36 – als dem inneren, gedanklichen Opferdienst (mānasa yāga) nachgeordnet, aber zur Reinigung äußerlich bedingter Prägungen weiterhin notwendig kennzeichnet.]
[V. 4–53, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]
[Anm.: Es folgt zunächst (V. 4–24) eine hochtechnische Anleitung zum Bau des Ritualaltars: im „Brahma-Platz“ des Pavillons wird eine acht (oder vier/zwei) Ellen große Vedi errichtet und darauf mittels gespannter Schnüre ein neunfeldriges Lotos-Diagramm (navapadma-maṇḍala) exakt vermessen und gezeichnet – mit Eckmarken, Mittelmarken, Diagonalen und einem achtblättrigen Lotos samt Fruchtknoten, Staubfäden, Blattfugen und Rand, dessen Blätter in den vier Haupt- und Zwischenrichtungen angeordnet werden; das Diagramm kann auf Blumen, Steinplatten, weißem oder beräuchertem Grund, mit Sandelpaste oder auf gestrichenem Boden ausgeführt werden, oder ersatzweise auf einem goldenen oder silbernen Blech beziehungsweise in einem mit Wasser, Milch und Dickmilch gefüllten Topf gedacht werden. Es folgt (V. 25–40) die Konsekration (saṃskāra) der Ritualgeräte und -substanzen: in vier Ecken der Vedi werden Gefäße mit geweihtem Wasser, Sandelpaste, Getreide und Heilkräuterwasser aufgestellt, das Opferwasser (arghya) mit Senfkörnern, Sesam, Dūrvā-Gras, Gerste und weißem Reis bereitet, die Substanzen zunächst mit blütenhafter Reinheit geweiht, dann in einem zweiten Schritt durch die Vorstellung sengender Sonnenstrahlen „verbrannt“, durch kühlende Mondnektar-Strahlen „gelöscht“ und schließlich mit dem Nektar des Brahman-Wonne-Ozeans gefüllt gedacht – begleitet vom Handzeichen (mudrā) der wunscherfüllenden Kuh (kāmadughā/surabhi). Den Abschluss dieses Abschnitts (V. 41–53) bildet der „Türschwellen-Opferdienst“ (dvārayāga): am Fuß des Türpfostens wird der Feldwächter Kṣetrapāla verehrt (wolkenblau, keulentragend, riesenhaft, mit Faust-Geste), über der Türschwelle die lotoshändige Göttin Lakṣmī auf einem Lotos thronend, an den Pfostenfüßen die vierarmigen, keulen-, diskus- und muschelbewaffneten Torwächter Caṇḍa und Pracaṇḍa (am äußeren) sowie Bala und Vijaya (am inneren Türrahmen), alle mit drohend erhobenen Waffen gegen die Unwürdigen; sodann Gaṅgā und Yamunā zu beiden Seiten der Tür, wasserkrugtragend, Gaṅgā lächelnd-mondgesichtig, Yamunā dunkelwolkenfarben; schließlich, im Türinneren, die beiden Schatzherren-Gottheiten Śaṅkha und Padma (Nidhīśas), dickbäuchig, honigfarben-äugig, zweiarmig, ganz vom Herrn erfüllt.]
[V. 54–75, gemäß OCR-Kolophon-Suche und Kontext; Text streckenweise stark verderbt]
[Anm.: Nach dem Türschwellen-Opferdienst folgt eine erneute Selbstreinigung des Verehrers (Handgeste mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger) und die Anrufung des flammenden, blitzgleich leuchtenden Sudarśana-Diskus, der, im Geiste kreisend, Hindernisse und Übel vernichtet; danach wird der eigene Sitz mit Opferwasser besprengt und die schon aus früheren Kapiteln bekannte Thronvision (Ādhāraśakti usw.) erneut aufgebaut, das höchste, unvergängliche Licht namens „Lakṣmī-Nārāyaṇa“ unverwandten Blickes geschaut und dieser Thron mit Blumen verehrt; sodann wird das Lotos-Maṇḍala in sieben Bereiche geteilt (vom rechten Eckfeld des Gottes bis zur Vāyu-Richtung) und der Reihe nach verehrt: zuerst Gaṇapati auf einem Lotossitz, dickbäuchig, einstoßzahnig, elefantenköpfig, mit Rosenkranz und Beil in den erhobenen Armen und Gabe- sowie Furchtlosigkeits-Geste in den vorderen Händen; dann die Sprachgöttin Vāgīśī (Sarasvatī) auf weißem Lotos vor Sonne-, Mond- und Feuerscheibe, als die unmittelbar „aus mir“ [der Göttin Śrī] erstentsprungene, tonhafte Macht (śabdātmikā śakti), zweiäugig, zweiarmig, weiß, Muschel und Lotos haltend, mit nektartriefenden roten Lippen; sodann Guru und Paramaguru samt den „Welt-vollendeten“ (lokasiddha) Gestalten und dem höchsten Lehrer-Urbild (parameṣṭhin); danach die Ahnen (pitṛgaṇa) in doppelter, reisballförmiger Gestalt; schließlich die Richtungs-Siddhas, friedvoll, mit geschlossenen Augen, glanzerfüllt, in Meditation auf den Herrn versunken. Erst nachdem von all diesen die Erlaubnis eingeholt ist, soll der Verehrer „mich“ [die Göttin Śrī], auf dem Schoß des Göttergottes thronend, herbeirufen und verehren – „auf welche Weise auch immer, das höre, o Herr der Götter [Indra]“, so endet das Kapitel mit einer Überleitung zur folgenden ausführlichen Beschreibung dieser Verehrung.]