Paṭala 26: Ṣaḍviṃśo 'dhyāyaḥ (Saptavidyāprakāśaḥ)
Sechsundzwanzigstes Kapitel (Darlegung der sieben Vidyās)
Fortsetzung der Bīja-Mantra-Lehre aus Kap. 24–25: das Kapitel erklärt zunächst den feinstofflichen Unterschied zwischen Tāra (Oṃ) und Anutāra (Śrīṃ) als zwei gleichwertigen Körperformen Śrīs, offenbart dann das Vāgbhava-Bīja „aiṃ“ und weitere, im Scan nicht mehr sicher rekonstruierbare Bīja-Mantras (vermutlich die titelgebenden „sieben Vidyās“), und schließt mit der Offenbarung eines eigenen Mahālakṣmī-Bīja, dessen phonetische Zusammensetzung die Quelledition in einer rein sachlichen Fußnote erläutert. Der überwiegende Mittelteil ist im verfügbaren OCR-Scan stark beschädigt und wurde, dem in den vorangehenden Kapiteln etablierten Vorgehen folgend, als dokumentierte Sammel-Einheit referiert. Die traditionelle Sanskrit-Kommentierung diente ausschließlich als faktische phonetische Sachauskunft, nie als inhaltliche Übersetzungshilfe. Ergänzung nach genauerer Quellenprüfung: eine Fußnote der Quelledition zählt die titelgebenden sieben Vidyās ausdrücklich mit Namen auf: „tāraḥ, tārikā, anutārikā, vāgbhavaḥ, kāmabījaṃ, sārasvatabījaṃ, mahālakṣmībījam ceti“ — also Tāra (Oṃ), Tārikā, Anutārikā (Śrīṃ), Vāgbhava (aiṃ), das Kāma-Bīja, das Sārasvata-Bīja und das Mahālakṣmī-Bīja.
paraṃ brahma paraṃ dhāma padmasthe padmamāline │ namas te padmaje padme govindagṛhamedhini ‖ 1 ‖ dve ete kathite devi tava tanvau sanātane │ viśeṣas tv asti vā kaścid anayoḥ sūkṣmarūpataḥ ‖ 2 ‖
Höchstes Brahman, höchster Ort, auf dem Lotos Thronende, Lotosbekränzte — Verehrung dir, Lotosgeborene, Lotos-Herrin, Hausherrin Govindas! Diese beiden ewigen Körperformen von dir, o Göttin, wurden [nun in Kap. 24–25] genannt; besteht zwischen ihnen, ihrem feinstofflichen Wesen nach, irgendein Unterschied?
[Anm.: Indra fragt nach dem Unterschied zwischen den beiden zuvor offenbarten Bīja-Silben Tārikā (Oṃ, Kap. 24) und Anutārikā (Śrīṃ, Kap. 25).]
Am Anfang gibt es das eine höchste Prinzip, das Wesen Lakṣmī-Nārāyaṇas: erfüllt, reglos, sechsfach an [göttlichen] Eigenschaften, ganz aus Bewusstseins-Dichte bestehend. Von ihm bin ich die höchste Śakti, die jedem Zustand folgt; sie [erscheint] zweifach, als die höchste, göttliche, in grober und feiner Form genannte [Gestalt]. Meine beiden Körper sind diese Kräfte: die Tārikā und die Anutārikā; beide, o Purandara, erfüllen alle Wünsche. Beide gelten als göttlich, beide gelten als höchstes Ziel; beide gelten als deine [Śrīs] eigene Verfassung, beide sind [Aspekte] der Viṣṇu-Geliebten. Wer über beide meditiert, gelangt zum höchsten Ziel. Höre nun von mir, wie ich es darlege, das höchste, feinste Prinzip [dahinter].
[Anm.: Dieser lange, im Scan stark beschädigte Abschnitt entfaltet den angekündigten feinstofflichen Unterschied zwischen Tāra und Anutāra (das „Aufblitzen“/unmeṣa des Brahman einerseits, sein „Herabsteigen“/avaroha andererseits) und offenbart im weiteren Verlauf mehrere zusätzliche Bīja-Mantras, die zusammen die im Kapiteltitel angekündigten „sieben Vidyās“ (saptavidyā) bilden dürften: erkennbar ist die Offenbarung des „Vāgbhava“-Bīja „aiṃ“ (aus dem Laut ai und dem Anusvāra/Bindu zusammengesetzt, traditionell der Rede/Sarasvatī zugeordnet, hier als „Weltursprung“ bezeichnet) sowie eine Beschreibung der Kuṇḍalinī-Śakti und eines „Māyā“-Bīja (vermutlich „hrīṃ“). Die genaue Wortfolge und die übrigen Bījas der Sieben-Vidyā-Reihe lassen sich aus dem verfügbaren Scan nicht mehr zuverlässig rekonstruieren; auf eine Vers-für-Vers-Übertragung wird daher verzichtet.]
[Mahālakṣmī-Bīja-Offenbarung, V. 38–39, Wortlaut im Scan zu unsicher — [?]]
[Der Vers selbst ist im verfügbaren Scan zu beschädigt für eine sichere Übertragung; siehe jedoch die folgende, aus einer rein phonetisch-faktischen Fußnote der Quelledition entnommene Erläuterung.]
[Anm.: Die Fußnote der Quelledition erläutert an dieser Stelle rein sachlich (nicht als inhaltliche Deutung, sondern als phonetische Bauanleitung) die Zusammensetzung des abschließend offenbarten Mahālakṣmī-Bīja aus einzelnen, jeweils symbolisch gedeuteten Lauten: „prakṛtim ka-kāram ādāya, tena mākaraṃ ṣa-kāraṃ, mardanaṃ ma-kāraṃ, kālāgniṃ repham, māyām ī-kāraṃ, vyāpinaṃ bindum ca yojayet“ — d.h. Prakṛti wird durch den Laut ka repräsentiert, [ein weiterer Bestandteil] durch ṣa, „Zermalmung“ (mardana) durch ma, das Zeitfeuer (kālāgni) durch den Repha (r), Māyā durch ī, das Alldurchdringende durch den Bindu; aus dieser Verbindung entsteht das Bīja-Mantra der Mahālakṣmī. Die genaue resultierende Lautfolge ist im Scan nicht mit letzter Sicherheit zu bestimmen (am ehesten eine Form wie „hrīṃ“ bzw. eine komplexere Verbindung); mit [?] gekennzeichnet.]
So lautet im Lakṣmī-Tantra, dem Kern des ehrwürdigen Pāñcarātra, das sechsundzwanzigste Kapitel, betitelt „Darlegung der sieben Vidyās [Bīja-Mantras]“.