Kapitel 31: ṛgvede 3.31 · śāsad vahnirduhiturnaptyaṃ gād vidvān ṛtasya dīdhitiṃsaparyan
Agni, die Angiras und Indras Gewinn der Kühe und des Lichts
Rätselreiches Lied: Es beginnt mit dem Vater-Tochter-Motiv und der Geburt Agnis und erzählt dann den Aufbruch der Vorväter (Aṅgiras) und Saramās zur Höhle mit den Kühen sowie Indras Gewinn von Kühen, Licht und Morgenröten. Vieles (Vers 1-3, 6, 10-13, 16) ist mythologisch verdichtet und nur mit Vorbehalt zu deuten.
Der Beförderer (Agni) gebot [?] und ging zur Enkelschaft der Tochter, wissend, die Lichtschau des Ṛta verehrend, / dorthin, wo der Vater den Erguss der Tochter förderte [?] und sich mit hilfreichem Sinn verband. [Anm.: Vater-Tochter-Motiv (Himmel/Morgenröte o. ä.); plausibel, aber im Einzelnen unsicher.]
Nicht überließ er der Verwandten (Schwester) das Erbe des Leibes; er machte die Leibesfrucht zur Niederlegung des Gewinners [?]. / Als die Mütter den Beförderer gebaren, da ist der eine Vollbringer des Wohlgetanen, der andere fördernd [?].
Agni wurde geboren, mit dem Löffel (der Zunge) flackernd, um die Söhne des großen Rötlichen zu verehren [?]. / Groß ist der Keim, groß [?] ihr Geborenes; groß ist der Vorstoß des Falbenrossbesitzers durch die Weihehandlungen.
Die Siegreichen schlossen sich dem Wetteifernden an; sie erkannten das große Licht aus dem Dunkel heraus. / Ihn erkennend, gingen die Morgenröten ihm entgegen herauf; Herr der Kühe wurde Indra allein.
Die Weisen durchbohrten die im festen [Verschluss] befindlichen [Kühe]; die sieben Begeisterten trieben sie mit dem Sinn nach vorn. / Sie fanden den ganzen Pfad des Ṛta; erkennend trat er zu ihnen mit Verneigung. [Anm.: Angiras-Mythos: Befreiung der Kühe; die Kühe sind hier wohl Bild für Licht/Rede, plausibel.]
Als Saramā das Aufgebrochene des Berges fand, machte sie den großen, uranfänglichen Bereich zugänglich [?]. / Sie führte die Spitze der Unversiegten [?], schönfüßig; als Erste erkennend ging sie dem Brüllen entgegen. [Anm.: akṣara hier wohl 'unvergänglich/unversiegt' (die Kühe), nicht 'Silbe'; plausibel.]
Er kam, der Begeistertste, Freundschaft suchend; der Fels ließ dem Gutwirkenden die Leibesfrucht ausströmen. / Der Mann gewann mit den Jünglingen, kraftvoll strebend [?]; da wurde er, sogleich singend, ein Aṅgiras.
sataḥ-sataḥ pratimānaṃ purobhūrviśvā veda janimā hanti śuṣṇam / pra ṇo divaḥ padavīrgavyurarcan sakhā sakhīnramuñcan niravadyāt
Das Gegenstück jedes Seienden, der Vorangehende, kennt alle Geschlechter (Geburten), er erschlägt Śuṣṇa. / Vorwärts [ging] unser Pfadfinder des Himmels, nach Rindern verlangend, singend; als Freund die Freunde losmachend aus dem Tadel. [?]
ni gavyatā manasā sedurarkaiḥ kṛṇvānāso amṛtatvāya gātum / idaṃ cin nu sadanaṃ bhūryeṣāṃ yena māsānasiṣāsannṛtena
Sie setzten sich nieder mit nach Rindern verlangendem Sinn, mit Sangesworten, den Weg zur Unsterblichkeit bahnend. / Dieser Sitz nun ist groß für sie, mit dem Ṛta, mit dem sie die Monate zu gewinnen suchten.
Einander zugewandt schauend erfreuten sie sich an der eigenen Milch, den Saft des uralten Samens melkend. / Ihr Lärm erhitzte die beiden Welten; als [es] geboren war, setzten sie [dem Ganzen] einen Halt und unter den Kühen Männer. [?]
Er, der Vṛtra-Töter, ließ eben mit den Geborenen, mit den Darbringungen, mit Sangesworten, die rötlichen Kühe heraus, Indra. / Die weite, Schmalz-haltig [Milch] tragende edle Kuh molk ihm Honig, Süßes.
Selbst dem Vater machten sie einen Sitz für ihn zusammen; die Gutwirkenden erblickten das große, glanzvolle [?] . / Mit einer Stütze die beiden Erzeugerinnen auseinanderstemmend, sitzend, bauten sie das Ungestüme aufwärts auf [?]. [Anm.: Bild der Welten-Stütze (skambha); kosmisch-mythologisch, plausibel.]
Wenn die große Dhiṣaṇā [ihn] zum Durchstoßen [?] setzte, den sofort Wachsenden, den Allumfassenden der beiden Welten, / in dem untadelige, vereinte Lieder sind, alle unbezwungenen Kräfte für Indra [?].
mahyā te sakhyaṃ vaśmi śaktīrā vṛtraghne niyuto yanti pūrvīḥ / mahi stotramava āganma sūrerasmākaṃ su maghavan bodhi gopāḥ
Deine große Freundschaft begehre ich und die Kräfte; zum Vṛtra-Töter kommen viele Gespanne. / Mit großem Loblied sind wir zur Hilfe des Gönners gekommen; unser, Maghavan, sei du wohl der Hüter der Rinder.
Ein großes Feld, viel Glänzendes [Gold] gefunden habend, setzte er darauf den Freunden die Bewegung in Gang. / Indra ließ mit den Männern, leuchtend, zugleich Sonne, Morgenröte, den Weg und Agni entstehen.
Auch die Wasser ließ dieser Allgewaltige hervorströmen, die hausfreundlichen [?], zusammenstrebenden, allglänzenden. / Süßes läuternd, [wie] von Sehern mit Seihen, treiben sie mit Tagen, mit Nächten die Rinnenden an [?]. [Anm.: Subjekt/Objekt im zweiten Halbvers unsicher.]
anu kṛṣṇe vasudhitī jihāte ubhe sūryasya maṃhanā yajatre / pari yat te mahimānaṃ vṛjadhyai sakhāya indra kāmyā ṛjipyāḥ
Nach [dem Lauf] eilen die beiden dunklen Güterspeicher, beide als Gabe der Sonne, beide verehrungswürdig [?]. / Damit man deine Größe umkreist [?], sind wir, Indra, deine begehrenswerten, geradeaus eilenden Freunde. [?]
Sei Herr der Wahrheitsworte, der Lieder, Vṛtra-Töter, alles Leben, Bulle, Lebenskraftgeber. / Komm zu uns mit heilvollen Freundschaften, du Großer, mit großen Hilfen eilend.
tamaṅgirasvan namasā saparyan navyaṃ kṛṇomi sanyase purājām / druho vi yāhi bahulā adevīḥ svaśca no maghavan sātaye dhāḥ
Ihn, wie die Aṅgiras mit Verneigung verehrend, mache ich ein neues [Lied] für den Älteren, das seit alters Vorwärtstreibende [?]. / Fahre durch die vielen götterlosen Tücken (Trugwesen); und das Licht setze uns, Maghavan, zur Gewinnung.
Reinigende Nebel haben sich ausgebreitet; bring uns wohlbehalten ans jenseitige Ufer dieser [Fluten] [?]. / Indra, du Wagenlenker, schütze uns vor Schaden; mache uns ganz schnell zu Rindergewinnern.
Der Vṛtra-Töter, der Herr der Kühe, wies [die Kühe zu] [?]; er ging in die dunklen [Kühe/Wesen] hinein mit roten Erscheinungen. / Die Wahrheitsworte zeigend mit dem Ṛta, öffnete er alle Türen auf, die eigenen.
śunaṃ huvema ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: śunam huvema maghavānam indram asmin bhare nṛ-tamam vāja-sātau śṛṇvantam ugram ūtaye samat-su ghnantam vṛtrāṇi sam-jitam dhanānām]
Zum Heil mögen wir den gabenreichen Indra rufen, in diesem Getümmel den Männlichsten beim Gewinn des Kampfpreises, / den Hörenden, Gewaltigen, zur Hilfe, in den Zusammenstößen den Erschlagenden der Widerstände (Vṛtras), den Mitsieger über die Gewinne. [Anm.: Kehrvers; śunam adverbial 'zum Wohl', vṛtrāṇi Plural 'Widerstände/Feinde'.]