Kapitel 4: ṛgvede 3.4 · samit-samit sumanā bodhyasme śucā-śucā sumatiṃ rāsi vasvaḥ
Anruf an Agni und die Götter zur Weihehandlung
Ein Āprī-Sūkta (Lied der 'Besänftigungen/Erfreuungen'), das nacheinander Agni (samit), Tanūnapāt, Iḷaḥ, Barhis, die Türen usw. anruft. Schwierig sind die Stellen mit turīpa (V. 9) und ny ṛñje (V. 7); die Reihung der Āprī-Gottheiten ist nur teilweise am Text ablesbar.
Bei jedem Entzünden (Scheit um Scheit) werde uns wohlgesinnt wach; bei jedem Aufleuchten gibst du Wohlwollen aus dem Gut. / Führe, o Gott, die Götter zur Verehrung herbei; als Freund den Freunden, wohlgesinnt, sollst du verehren, Agni. [Anm.: samit-samit und śucā-śucā sind distributive Wiederholungen: jedes Mal, wenn er entzündet wird bzw. aufleuchtet; vasvaḥ als Genitiv des Guts (Partitiv) [?]]
Den die Götter dreimal am Tag, Tag für Tag, hier verehren, Varuṇa, Mitra, Agni: diese Weihehandlung mache uns honigreich, o Tanūnapāt, die im Schmalz ihren Schoß hat und dienend/verehrend ist [?]. [Anm.: vidhantam bezieht sich grammatisch auf yajñam oder auf Agni; Lesart unsicher]
pra dīdhitirviśvavārā jigāti hotāramiḷaḥ prathamaṃ yajadhyai / achā namobhirvṛṣabhaṃ vandadhyai sa devān yakṣadiṣito yajīyān
Vor geht das allbegehrenswerte Sinnen zum Rufer, dem ersten der Iḷā, um ihn zu verehren; um den Stier mit Verneigungen herbeizupreisen. Er soll die Götter verehren, angetrieben, der beste Verehrer. [Anm.: iḷaḥ als Genitiv von Iḷā oder Nahrungs-/Labungsgottheit; 'Rufer der Iḷā' [?]]
Aufrecht ist euer beider Pfad bei der Weihehandlung gemacht worden; aufrecht sind die Flammen, die Räume sind ausgezogen. / Oder auf des Himmels Nabel ist der Rufer niedergesetzt worden; wir wollen das Barhis ausbreiten, das den Göttern Raum gibt. [Anm.: vām 'euer beider' unklar bezogen (Himmel und Erde bzw. die zwei göttlichen Rufer) [?]; rajāṃsi wörtl. 'Räume/Dunstkreise']
sapta hotrāṇi manasā vṛṇānā invanto viśvaṃ prati yannṛtena / nṛpeśaso vidatheṣu pra jātā abhīmaṃ yajñaṃ vi caranta pūrvīḥ
Sieben Rufer-Ämter mit dem Geist erwählend, alles antreibend, gingen sie dem ṛta gemäß los; männer-gestaltet, bei den Versammlungen geboren, zogen sie um diese Weihehandlung herum, die vielen [?]. [Anm.: hotrāṇi 'Rufer-Ämter' oder 'Rufer-Schalen/-Sprüche'; pūrvīḥ 'die früheren/vielen' syntaktisch unsicher]
Herbei die beiden sich erfreuenden Morgenröten, nahe beieinander, und die beiden lächeln, verschieden gestaltet am Leib; damit uns Mitra, Varuṇa gewogen sei, Indra, der Maruts-begleitete, oder mit ihren Größen. [Anm.: 'die beiden Morgenröten' traditionell Tag und Nacht (Dual); im Text nur 'Dual uṣasā']
daivyā hotārā prathamā ny ṛñje sapta pṛkṣāsaḥ svadhayāmadanti / ṛtaṃ śaṃsanta ṛtamit ta āhuranu vrataṃ vratapā dīdhyānāḥ
Die beiden göttlichen Rufer, die ersten, werden hier gerichtet/geschmückt [?]; die sieben Nährenden berauschen sich durch die Eigenkraft. Das ṛta aussprechend sagten sie nur ṛta; dem Gebot gemäß, Gebotshüter, sinnend. [Anm.: ny ṛñje unklar (3. Sg. Pass. oder 1. Sg. Med.); pṛkṣāsaḥ 'Nährende/Kräftigungen' [?]; svadhā = 'Eigensetzung/Eigenkraft']
Herbei soll Bhāratī mit den Bhāratīs, einträchtig, Iḷā mit den Göttern, mit den menschlichen Agni; Sarasvatī mit den Sarasvatīs uns zugewandt: die drei Göttinnen sollen sich auf dieses Barhis setzen. [Anm.: 'Bhāratī' und 'Sarasvatī' als Göttinnen, 'Bhāratībhiḥ/Sārasvatebhiḥ' als ihre Gruppen (Scharen)]
tan nasturīpamadha poṣayitnu deva tvaṣṭarvi rarāṇaḥ syasva / yato vīraḥ karmaṇyaḥ sudakṣo yuktagrāvā jāyate devakāmaḥ
Dies gib uns, Tvaṣṭar, Zeugungskraft [?] und Nährendes, o Gott; lass frei, freigebig, öffne dich. Wodurch ein Held geboren wird, tatkräftig, geschickt, mit angeschirrten Pressteinen, götterverlangend. [Anm.: turīpa gilt oft als 'Same/Zeugungskraft'; wörtlich unsicher; syasva 'lass los/lass strömen' von √sā/√so]
Herr des Holzes (Vanaspati), lass los zu den Göttern hin; Agni, der Zurichter, soll die Darbringung würzig machen. Er allein ist der Rufer, der Wahrhaftigste, er soll verehren, wie er der Götter Geburten kennt. [Anm.: vanaspati = 'Herr des Waldes/Holzes', hier der Weihepfosten oder das Opfertier-Instrument, 'Zurichter' śamitā = Zerleger/Bereiter [?]]
Wort für Wort
vanaspate
Herr des Holzes (Vok.)
ava
los/herab (Präverb)
sṛja
lass los/sende (2. Sg. Imp.)
upa
zu (hin)
devān
die Götter (Akk. Pl.)
agniḥ
Agni
haviḥ
Darbringung (Akk. Sg.)
śamitā
Zurichter (Nom. Sg.)
sūdayāti
er soll würzig/schmackhaft machen (3. Sg. Kaus. Konj.)
Komm her, Agni, entzündet, uns zugewandt, mit Indra, mit den Göttern, auf gleichem Wagen, mit den Eilenden; auf unserem Barhis soll Aditi sitzen, die Gutsöhnige. Svāhā! Die Götter, die unsterblichen, sollen sich berauschen. [Anm.: svāhā Weiheruf bei der Darbringung; āstām 'sie soll sitzen' von √ās [?]]