Kapitel 8: ṛgvede 3.8 · añjanti tvāmadhvare devayanto vanaspate madhunā daivyena
Anruf an das Holz (Vanaspati): Aufrichten und Segen
Das Lied redet einen Holzstamm bzw. Pfosten (vanaspati 'Herr des Holzes') an, der gesalbt, aufgerichtet und zu Glück und Wachstum gerufen wird; ab V. 6 treten die 'Tönenden' (svaru, Pfosten) auf. Die Deutung auf den Weihepfosten ist plausibel, aber der Text nennt ihn nicht ausdrücklich.
Sie salben dich bei der Weihehandlung, die Götterverlangenden, Herr des Holzes, mit göttlichem Honig. Ob du aufrecht stehst: verleihe hier Reichtum; oder ob dein Wohnsitz im Schoß dieser Mutter ist. [Anm.: vanaspati 'Herr des Holzes/Waldes' hier ein Holzstamm bzw. Pfosten der Weihehandlung (plausibel); 'Mutter' = Erde [?]; dhattāt (2. Sg. Imp.) 'gib']
Vor dem Entzündeten dich anlehnend, das unalternde, heldenreiche Gebet (brahman) gewinnend, fern von uns die Missgunst abwehrend: richte dich auf zu großem Glück. [Anm.: brahman = Gebet/Formung des Wortes; Bezug 'vor dem Entzündeten' auf das Feuer (plausibel)]
Richte dich auf, Herr des Holzes, auf der Höhe der Erde, gut eingerammt/gemessen [?]; verleihe Glanz dem, der die Weihehandlung fährt. [Anm.: sumiti/mīyamāna vom Einrammen des Pfostens (plausibel)]
Wort für Wort
ut
auf (Präverb)
śrayasva
richte dich auf (2. Sg. Imp. Med.)
vanaspate
Herr des Holzes (Vok.)
varṣman
auf der Höhe (Lok. Sg.)
pṛthivyāḥ
der Erde (Gen.)
adhi
oben (Präverb)
su-mitī
beim guten Einrammen/Gut-Errichtetsein (Lok. Sg.) [?]
yuvā suvāsāḥ parivīta āgāt sa u śreyān bhavati jāyamānaḥ / taṃ dhīrāsaḥ kavaya un nayanti svādhyo manasā devayantaḥ
Jung, gut gekleidet, umhüllt ist er gekommen; er wird besser, indem er geboren wird. Ihn führen die Weisen, die Dichter, empor, mit guter Bedachtheit im Geist, götterverlangend. [Anm.: 'Gekleidet, umhüllt' vermutlich Bild der Bindung/Umwickelung des Pfostens; Bezug wörtlich nicht ausgesprochen [?]]
Geboren wird er an einem guten Tag der Tage, bei der Zusammenkunft, in der Versammlung wachsend; die Werk-tüchtigen Weisen läutern ihn durch Denken; der götterzugewandte Weise erhebt die Rede. [Anm.: 'geboren' vom Aufrichten des Holzes (plausibel); samarya 'Zusammenkunft/Wettstreit']
yān vo naro devayanto nimimyurvanaspate svadhitirvā tatakṣa / te devāsaḥ svaravastasthivāṃsaḥ prajāvadasme didhiṣantu ratnam
Die [Pfosten], die euch die Männer, götterverlangend, eingerammt haben, o Herr des Holzes, oder die das Beil zugehauen hat: jene Götter, die Tönenden, die dastehen, sollen uns einen Schatz mit Nachkommenschaft zu bringen wünschen. [Anm.: svaru 'Pfosten/Splitter'; 'Tönende' wörtlich; vaḥ 'euch' als Anrede der Holzpfosten (Pl.) [?]]
ye vṛkṇāso adhi kṣami nimitāso yatasrucaḥ / te no vyantu vāryaṃ devatrā kṣetrasādhasaḥ
Die abgehauen sind, auf der Erde eingerammt, mit hingestreckten Schöpflöffeln: sie sollen uns das Begehrenswerte holen [?], unter den Göttern, die das Feld vollbringen [?]. [Anm.: yatasruc 'mit gestrecktem Löffel' [?]; kṣetrasādhas 'das Land/Feld gewinnend']
Ādityas, Rudras, Vasus, gute Führer, Himmel-und-Erde, Erde, Luftraum, einträchtig sollen die Götter die Weihehandlung fördern; nach oben sollen sie das Erkennungszeichen der Weihehandlung machen.
Wie Schwäne in Reihen, ausgestreckt, glänzende [Gewänder] tragend, sind die Tönenden zu uns gekommen; von den Dichtern von vorn emporgeführt, gehen die Götter auf den Pfad der Götter. [Anm.: 'Tönende' = die Pfosten/Stäbe (plausibel); śukrā vasānāḥ wörtl. 'Glänzendes anlegend']
Wie die Hörner der Gehörnten zeigten sich zusammen die Tönenden, mit Kopfring versehen, auf der Erde; sie sollen, von den Stimmgewaltigen beim Anruf gehört [?], uns in den Kämpfen beistehen. [Anm.: caṣāla 'Ring am Kopf des Pfostens' (plausibel); vāghat 'Sänger/Priester']
vanaspate śatavalśo vi roha sahasravalśā vi vayaṃ ruhema / yaṃ tvāmayaṃ svadhitistejamānaḥ praṇināya mahate saubhagāya
Herr des Holzes, wachse mit hundert Trieben empor; wir wollen mit tausend Trieben emporwachsen, dich, den dieses scharfe Beil zu großem Glück geführt hat. [Anm.: valśa 'Trieb/Zweig'; 'wir wachsen' bildlich (plausibel)]