Kapitel 55: ṛgvede 3.55 · uṣasaḥ pūrvā adha yad vyūṣurmahad vi jajñe akṣaraṃ pade goḥ
Refrain: Groß ist der Götter eine Herrenmacht - Rätsel um Kuh, Kalb und Morgenröte
Refrainlied (mahad devānām asuratvam ekam); ein Rätsellied mit Bildern von Kühen, Kälbern, Schwestern, Stier und dem Grauen Boten, deren Deutung (Agni, Sonne, Morgenröte/Nacht, Himmel/Erde) offen bleibt. Vieles ist wörtlich nur mit Unsicherheiten wiederzugeben.
uṣasaḥ pūrvā adha yad vyūṣurmahad vi jajñe akṣaraṃ pade goḥ / vratā devānāmupa nu prabhūṣan mahad devānāmasuratvamekam
Als früher die Morgenröten aufleuchteten, da wurde ein Großes, Unvergängliches am Ort der Kuh geboren; / die Ordnungen der Götter schmücken sich nun heran. Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva). [Anm.: goḥ pade = am Ort/auf der Spur der Kuh; Bildrede, Kuh wohl für Morgenröte/Lichtstrahl oder Rede, plausibel, nicht fest; akṣara = unvergänglich, später auch Silbe]
Nicht sollen uns hier die Götter Schaden tun, nicht die früheren Väter, o Agni, die den Pfad Kennenden; / der beiden alten Wohnsitze, [ihr] Zeichen ist innerhalb [?]. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wort für Wort
mo iti
nicht (Partikel)
su
ja doch (Partikel)
naḥ
uns (Dat./Akk. Pl.)
atra
hier (Adv.)
juhuranta
sie sollen schädigen, krümmen (3. Pl. Aor. Inj. Med.) [?]
vi me purutrā patayanti kāmāḥ śamyachā dīdye pūrvyāṇi / samiddhe agnāv ṛtamid vadema ma...
Meine Wünsche fliegen vielfach auseinander; ich sinne hin auf die früheren [Dinge] beim Werk [?]. / Im entzündeten Agni wollen wir nur Ṛta sprechen. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Ein und derselbe König, vielfach verteilt, liegt bei den Liegenden, ausgesandt den Hölzern [Wäldern] nach; / die eine trägt das Kalb, die [andere] Mutter weilt. [Anm.: Bildrede, wohl Agni in den Hölzern/Pflanzen; plausibel] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Er hat unter den früheren geweilt, [er] hat den späteren nachgerufen [?], sogleich mitten in den eben geborenen jungen [Frauen]; / Trächtige gebären, ohne dass sie [von ihm] gelenkt/genommen wurden [?]. [Anm.: dunkel; Agni oder Sonnenkind unter den Wassern/Morgenröten, spekulativ] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wort für Wort
ākṣit
er hat geweilt (3. Sg. Aor.) [?]
pūrvāsu
unter den früheren (Lok. Pl. f.)
aparāḥ
die späteren (Akk. Pl. f.)
anūrut
er hat nachgerufen (3. Sg. Aor.) [?]
sadyaḥ
sogleich (Adv.)
jātāsutaruṇīṣu
unter den eben geborenen jungen [Frauen] (Lok. Pl. f.)
śayuḥ parastādadha nu dvimātābandhanaścarati vatsa ekaḥ / mitrasya tā varuṇasya vratāni ma...
Der Liegende war [zuvor] dahinter, sodann aber geht das Kalb, das zwei Mütter hat, ungebunden als einziges umher: / Das sind des Mitra, des Varuṇa Ordnungen. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Der Rufer mit den zwei Müttern, der Allherrscher in den Versammlungen, geht der Spitze nach, er weilt als der Grund; / die Frohredenden tragen Erfreuliches vor [?]. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wie eines kämpfenden Helden, [des] Nächsten, wurde das Zugekehrte gesehen, alles Herankommende; / innen geht das Denken, die Abwehr der Kuh [?]. [Anm.: rätselhaft, Deutung offen] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
ni veveti palito dūta āsvantarmahāṃścarati rocanena / vapūṃṣi bibhradabhi no vi caṣṭe ma...
Der Graue, der Bote, geht in diese hinein; innen geht der Große mit Leuchten umher; / Gestalten tragend blickt er auf uns herab. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Viṣṇu, der Hüter, bewacht den höchsten Standort, die lieben Stätten, Unsterbliches setzend; / Agni kennt alle diese Welten. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
nānā cakrāte yamyā vapūṃṣi tayoranyad rocate kṛṣṇamanyat / śyāvī ca yadaruṣī ca svasārau ma...
Verschieden haben die beiden Zwillingsschwestern Gestalten gemacht: Von ihnen leuchtet die eine, die andere ist dunkel; / die schwarzbraune und die rötliche, die beiden Schwestern. [Anm.: Nacht und Morgenröte, plausibel] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
mātā ca yatra duhitā ca dhenū sabardughe dhāpayete samīcī / ṛtasya te sadasīḷe antarma...
Wo Mutter und Tochter, die beiden Kühe, Milchsaft-Melkende, sich säugen lassen, vereint, / dort rufe ich sie an im Sitz des Ṛta, innen [?]. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Das Kalb der anderen leckend, blökte sie; auf welche Weise legt die Kuh das Euter nieder? / Des Ṛta [Kuh] Iḷā ließ es mit Milch schwellen. [Anm.: Bildrede; kosmisch-rituell plausibel, sonst offen] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Sie kleidet sich in vielgestaltige, fußhafte [?] Gestalten, aufrecht stand sie, das Dreifache [?] leckend; / den Sitz des Ṛta durchwandere ich wissend. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wie zwei Fußspuren niedergelegt, zwei Wunderbare innen: Von den beiden ist das eine verborgen, das andere zeigt sich; / zusammenlaufend der eine Pfad, jene auseinanderlaufend. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Es sollen die Milchkühe [sich] regen lassen, die Kalblosen [?], die Milchsaft-Melkenden, die Springenden, nie Ausgemolkenen, / immer neue, junge, die es werden. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wort für Wort
ā
herzu (Präv.)
dhenavaḥ
Kühe (Nom. Pl.)
dhunayantām
sie sollen schütteln, sich regen lassen (3. Pl. Kaus. Imp. Med.) [?]
yadanyāsu vṛṣabho roravīti so anyasmin yūthe ni dadhātiretaḥ / sa hi kṣapāvān sa bhagaḥ sa rājā ma...
Wenn er unter den anderen als Stier brüllt, legt er in der anderen Herde den Samen nieder; / denn er ist der Nachtbesitzende [?], er Bhaga, er der König. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
vīrasya nu svaśvyaṃ janāsaḥ pra nu vocāma vidurasya devāḥ / ṣoḷhā yuktāḥ pañca-pañcā vahanti ma...
Des Helden Rossreichtum, ihr Leute, wollen wir nun verkünden; die Götter kennen ihn: / In sechs [Teile] angeschirrt, je fünf, fahren sie herbei. [Anm.: Zahlenrätsel; Deutung spekulativ] / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Der Gott Tvaṣṭṛ, Savitṛ, der Allgestaltige, hat die Nachkommenschaft genährt, vielfach hat er erzeugt, / und alle diese Wesen sind sein. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
mahī samairaccamvā samīcī ubhe te asya vasunā nyṛṣṭe / śṛṇve vīro vindamāno vasūni ma...
Die Große trieb die beiden zusammen, die beiden vereinten Schalen; beide sind ihm durch Gut [?] angefüllt; / als Held gilt er als gehört, Güter findend. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Wort für Wort
mahī
die Große (Nom. Sg. f.)
sam
zusammen (Präv.)
airat
sie trieb an (3. Sg. Impf.)
camvā
Schalen (Akk. Du.)
samīcī itisam-īcī
vereint (Akk. Du. f.)
ubhe
beide (Nom. Du. n.)
te
sie (Nom. Du. n.)
asya
ihm (Gen./Dat. Sg.)
vasunā
durch Gut (Instr. Sg.)
nyṛṣṭeitini-ṛṣṭe
niedergedrückt, angefüllt (Nom. Du.) [?]
śṛṇve
er wird gehört, gilt als berühmt (3. Sg. Pass. Med.)
imāṃ ca naḥ pṛthivīṃ viśvadhāyā upa kṣeti hitamitro narājā / puraḥsadaḥ śarmasado na vīrā ma...
Und diese unsere Erde bewohnt der Allhaltende, wie ein König mit gewonnenen Freunden; / wie Helden, die vorn sitzen, im Schutz sitzen. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).
Die abwehrenden [?] Pflanzen und Wasser, den Reichtum trägt dir, Indra, die Erde; / deine Freunde, am Schönen Anteil habend, möchten wir sein. / Groß ist der Götter eine Herrenmacht (asuratva).