Quellen der Menschheit

Ṛgveda · Maṇḍala 3

Kapitel 35: ṛgvede 3.35 · tiṣṭhā harī ratha ā yujyamānā yāhi vāyurna niyuto no acha Indra wird mit Wagen und Falben zum Somatrunk geladen

Einladungslied: Indra soll den Wagen besteigen, die Falben werden angeschirrt, er soll zur Streu kommen und den Soma trinken (auch mit den Maruts und mit der Zunge Agnis). Vers 8 und 9 haben einzelne unsichere Wendungen.

tiṣṭhā harī ratha ā yujyamānā yāhi vāyurna niyuto no acha / pibāsyandho abhisṛṣṭo asme indra svāhā rarimāte madāya

Steig auf den Wagen, wo die beiden Falben angeschirrt werden; fahre wie Vāyu mit [seinen] Gespannen zu uns hin. / Du sollst den Trank trinken, der bei uns ausgegossen ist [?], Indra; svāhā, wir haben ihn dir zum Rausch gegeben.

Wort für Wort
tiṣṭha
steig, stell dich (2. Sg. Imp.)
harī iti
die beiden Falben (Akk. Du.)
rathe
auf dem Wagen (Lok. Sg.)
ā
hinauf, hin
yujyamānā
angeschirrt werdend (Akk. Du. Pt. Pass.)
yāhi
fahre (2. Sg. Imp.)
vāyuḥ
Vāyu
na
wie
ni-yutaḥ
Gespanne (Akk. Pl.)
naḥ
zu uns
accha
hin
pibāsi
du sollst trinken (2. Sg. Konj.)
andhaḥ
Trank, Somasaft (Akk. Sg.)
abhi-sṛṣṭaḥ
ausgegossen, hingeströmt (Nom./Akk. Sg.) [?]
asme iti
bei uns
indra
Indra
svāhā
svāhā (Weihruf: wohlgesprochen)
rarima
wir haben gegeben (1. Pl. Perf.)
te
dir
madāya
zum Rausch (Dat. Sg.)

upājirā puruhūtāya saptī harī rathasya dhūrṣvā yunajmi / dravad yathā sambhṛtaṃ viśvataścidupemaṃ yajñamāvahāta indram

Für den Vielgerufenen schirre ich die beiden flinken, eilenden Falben an die Deichseln des Wagens; / damit sie eilends, wie [alles] beisammen [?], von überallher zu dieser Weihehandlung Indra herfahren.

Wort für Wort
upa
an, heran
ajirā
flink (Akk. Du.)
puru-hūtāya
für den Vielgerufenen (Dat. Sg.)
saptī iti
eilend, Rosse (Akk. Du.)
harī iti
die beiden Falben (Akk. Du.)
rathasya
des Wagens (Gen. Sg.)
dhūḥ-su
an den Deichseln, Jochstellen (Lok. Pl.)
ā
an
yunajmi
ich schirre an (1. Sg. Präs.)
dravat
eilends (Adv.)
yathā
damit, wie
sam-bhṛtam
zusammengebracht, gerüstet (Akk. Sg. n.) [?]
viśvataḥ
von überall
cit
gar
upa
heran
imam
zu dieser (Akk. Sg.)
yajñam
Weihehandlung (Akk. Sg.)
ā
her
vahātaḥ
sie beide sollen herbringen (3. Du. Konj.)
indram
Indra (Akk. Sg.)

upo nayasva vṛṣaṇā tapuṣpotemava tvaṃ vṛṣabha svadhāvaḥ / grasetāmaśvā vi muceha śoṇā dive-dive sadṛśīraddhidhānāḥ

Führe die beiden Stiere heran, Glut-Trinker [?]; und begünstige sie, Bulle, Eigenmächtiger. / Die beiden Rosse sollen fressen; spann sie hier aus, die roten; Tag für Tag iss die gleichartigen Körner.

Wort für Wort
upo iti
heran
nayasva
führe (2. Sg. Imp. Med.)
vṛṣaṇā
die beiden Stiere (Akk. Du.)
tapuḥ-pā
Glut trinkend (Vok.) [?]
uta
und
īm
sie (Akk. Enklit.)
ava
sei gewogen, begünstige (2. Sg. Imp.)
tvam
du
vṛṣabha
Bulle (Vok.)
svadhāvaḥ
Eigenmächtiger, mit Eigengesetz (Vok.)
grasetām
sie beide sollen fressen (3. Du. Imp.)
aśvā
die Rosse (Nom. Du.)
vi
aus
muca
spann aus, löse (2. Sg. Imp.)
iha
hier
śoṇā
die roten (Akk. Du.)
dive--dive
Tag für Tag
sa-dṛśīḥ
gleichgestaltig, ähnlich (Akk. Pl. f.)
addhi
iss (2. Sg. Imp.)
dhānāḥ
Körner (Akk. Pl.)

brahmaṇā te brahmayujā yunajmi harī sakhāyā sadhamāda āśū |x / sthiraṃ rathaṃ sukhamindrādhitiṣṭhan prajānan vidvānupa yāhi somam

Mit dem Brahman schirre ich dir die beiden vom Brahman angeschirrten Falben an, die befreundeten, schnellen, zum gemeinsamen Rausch. / Besteige, Indra, den festen, bequemen Wagen; erkennend, wissend, fahre zum Soma hin. [Anm.: brahman: Gebetsformung/Wort; wörtlich 'mit dem Brahman'.]

Wort für Wort
brahmaṇā
mit dem Brahman, Gebet (Instr. Sg.)
te
dir
brahma-yujā
vom Brahman angeschirrt (Akk. Du.)
yunajmi
ich schirre an (1. Sg. Präs.)
harī iti
die beiden Falben (Akk. Du.)
sakhāyā
als Freunde (Akk. Du.)
sadha-māde
zum gemeinsamen Rausch (Dat./Lok. Sg.)
āśū iti
schnell (Akk. Du.)
sthiram
fest (Akk. Sg.)
ratham
Wagen (Akk. Sg.)
sukham
bequem, wohllaufend (Akk. Sg.)
indra
Indra
adhi-tiṣṭhan
besteigend (Nom. Sg. Pt.)
pra-jānan
erkennend (Nom. Sg. Pt.)
vidvām
wissend (Nom. Sg. Pt. Perf.)
upa
hin
yāhi
fahre (2. Sg. Imp.)
somam
zum Soma (Akk. Sg.)

mā te harī vṛṣaṇā vītapṛṣṭhā ni rīraman yajamānāso anye / atyāyāhi śaśvato vayaṃ te 'raṃ sutebhiḥ kṛṇavāmasomaiḥ

Nicht sollen dir deine beiden Falben, die Stiere mit glänzendem Rücken [?], andere Weihende aufhalten. / Fahre an den vielen [anderen] vorüber; wir wollen dir mit den gepressten Somasäften Genüge tun.

Wort für Wort
mā
nicht
te
dir
harī iti
die beiden Falben (Akk. Du.)
vṛṣaṇā
Stiere (Akk. Du.)
vīta-pṛṣṭhā
mit begehrenswertem, glänzendem Rücken (Akk. Du.) [?]
ni
nieder
rīraman
sie sollen aufhalten (3. Pl. Inj. Aor.)
yajamānāsaḥ
Weihende (Nom. Pl.)
anye
andere (Nom. Pl.)
ati-āyāhi
fahr vorüber (2. Sg. Imp.)
śaśvataḥ
die vielen, anderen (Akk. Pl.)
vayam
wir
te
dir
aram
Genüge, passend (Adv.)
sutebhiḥ
mit den gepressten (Instr. Pl.)
kṛṇavāma
wir wollen machen (1. Pl. Konj.)
somaiḥ
mit Somasäften (Instr. Pl.)

tavāyaṃ somastvamehyarvāṃ chaśvattamaṃ sumanā asyapāhi / asmin yajñe barhiṣyā niṣadyā dadhiṣvemaṃ jaṭhara indumindra

Dein ist dieser Soma; komm du hierher; wohlgesinnt trink am reichlichsten von ihm. / Bei dieser Weihehandlung setz dich auf die Streu und nimm diesen Tropfen in den Bauch, Indra.

Wort für Wort
tava
dein
ayam
dieser
somaḥ
Soma
tvam
du
ā
her
ihi
komm (2. Sg. Imp.)
arvāṅ
herwärts
śaśvat-tamam
am meisten, am dauerhaftesten (Adv.)
su-manāḥ
wohlgesinnt (Nom. Sg.)
asya
von diesem (Gen. Sg.)
pāhi
trink (2. Sg. Imp.)
asmin
bei dieser (Lok. Sg.)
yajñe
Weihehandlung (Lok. Sg.)
barhiṣi
auf der Streu (Lok. Sg.)
ā
her, hin
ni-sadya
nachdem du dich gesetzt hast (Abs.)
dadhiṣva
nimm, setze (2. Sg. Imp. Med.)
imam
diesen (Akk. Sg.)
jaṭhare
in den Bauch (Lok. Sg.)
indum
Tropfen (Akk. Sg.)
indra
Indra

stīrṇaṃ te barhiḥ suta indra somaḥ kṛtā dhānā attave teharibhyām / tadokase puruśākāya vṛṣṇe marutvate tubhyaṃrātā havīṃṣi

Ausgebreitet ist dir die Streu, gepresst der Soma, Indra; bereitet sind die Körner zum Essen für dich und deine beiden Falben. / Dir, der du hier heimisch bist, Vielvermögender, Bulle, Marut-Begleiteter, sind die Darbringungen geschenkt.

Wort für Wort
stīrṇam
ausgebreitet (Nom. Sg. n.)
te
dir
barhiḥ
Streu (Nom. Sg.)
sutaḥ
gepresst (Nom. Sg.)
indra
Indra
somaḥ
Soma (Nom. Sg.)
kṛtāḥ
bereitet (Nom. Pl.)
dhānāḥ
Körner (Nom. Pl.)
attave
zum Essen (Inf.)
te
dir
hari-bhyām
für die beiden Falben (Dat. Du.)
tat-okase
dem daran Gewohnten, dabei Heimischen (Dat. Sg.)
puru-śākāya
dem Vielvermögenden (Dat. Sg.)
vṛṣṇe
dem Stier (Dat. Sg.)
marutvate
dem mit den Maruts (Dat. Sg.)
tubhyam
dir
rātā
geschenkt (Nom. Pl. n.)
havīṃṣi
Darbringungen (Nom. Pl.)

imaṃ naraḥ parvatāstubhyamāpaḥ samindra gobhirmadhumantamakran / tasyāgatyā sumanā ṛṣva pāhi prajānan vidvān pathyā anu svāḥ

Diesen haben dir die Männer, die Berge, die Wasser, Indra, zusammen mit den Kühen [Milch] süß gemacht. / Nachdem du hierher gekommen bist, trink wohlgesinnt von ihm, Erhabener; erkennend, wissend, [gehe] entlang deinen eigenen Wegen [?].

Wort für Wort
imam
diesen (Akk. Sg.)
naraḥ
Männer (Nom. Pl.)
parvatāḥ
Berge (Nom. Pl.)
tubhyam
dir
āpaḥ
Wasser (Nom. Pl.)
sam
zusammen
indra
Indra
gobhiḥ
mit den Kühen, mit Milch (Instr. Pl.)
madhu-mantam
honigsüß (Akk. Sg.)
akran
sie haben gemacht (3. Pl. Aor.)
tasya
von diesem (Gen. Sg.)
āgatya
herbeigekommen (Abs.)
su-manāḥ
wohlgesinnt (Nom. Sg.)
ṛṣva
Erhabener (Vok.)
pāhi
trink (2. Sg. Imp.)
pra-jānan
erkennend (Nom. Sg. Pt.)
vidvān
wissend (Nom. Sg. Pt. Perf.)
pathyāḥ
Wege (Akk. Pl.) [?]
anu
entlang
svāḥ
eigene (Akk. Pl. f.)

yānābhajo maruta indra some ye tvāmavardhannabhavan gaṇaste / tebhiretaṃ sajoṣā vāvaśāno 'gneḥ piba jihvayāsomamindra

Die Maruts, die du, Indra, am Soma teilhaben ließest, die dich wachsen ließen, die deine Schar wurden: / mit ihnen einträchtig, begierig, trink diesen Soma mit der Zunge Agnis, Indra.

Wort für Wort
yān
die (Akk. Pl.)
ā
her
abhajaḥ
du ließest teilhaben (2. Sg. Impf.)
marutaḥ
Maruts (Akk. Pl.)
indra
Indra
some
beim Soma (Lok. Sg.)
ye
die (Nom. Pl.)
tvām
dich (Akk. Sg.)
avardhan
sie ließen wachsen (3. Pl. Impf.)
abhavan
sie wurden (3. Pl. Impf.)
gaṇaḥ
Schar (Nom. Sg.)
te
deine (Gen. Sg.)
tebhiḥ
mit ihnen (Instr. Pl.)
etam
diesen (Akk. Sg.)
sa-joṣāḥ
einträchtig (Nom. Sg.)
vāvaśānaḥ
begierig, brüllend (Nom. Sg. Pt.)
agneḥ
des Agni (Gen. Sg.)
piba
trink (2. Sg. Imp.)
jihvayā
mit der Zunge (Instr. Sg.)
somam
Soma (Akk. Sg.)
indra
Indra

indra piba svadhayā cit sutasyāgnervā pāhi jihvayā yajatra / adhvaryorvā prayataṃ śakra hastād dhoturvā yajñaṃ haviṣo juṣasva

Indra, trink nach eigenem Willen vom Gepressten; oder trink mit der Zunge Agnis, Verehrungswürdiger; / oder aus der Hand des Adhvaryu das Dargereichte, Śakra; oder genieße die Verehrung des Rufers an der Darbringung.

Wort für Wort
indra
Indra
piba
trink (2. Sg. Imp.)
svadhayā
nach eigenem Willen, mit Eigengesetz (Instr. Sg.)
cit
ja
sutasya
vom Gepressten (Gen. Sg.)
agneḥ
des Agni (Gen. Sg.)
vā
oder
pāhi
trink (2. Sg. Imp.)
jihvayā
mit der Zunge (Instr. Sg.)
yajatra
Verehrungswürdiger (Vok.)
adhvaryoḥ
des Adhvaryu (Gen. Sg.)
vā
oder
pra-yatam
dargereicht (Akk. Sg.)
śakra
Śakra, Kräftiger (Vok.)
hastāt
aus der Hand (Abl. Sg.)
hotuḥ
des Rufers, Hotṛ (Gen. Sg.)
vā
oder
yajñam
Verehrung, Weihehandlung (Akk. Sg.)
haviṣaḥ
von der Darbringung (Gen. Sg.)
juṣasva
genieße (2. Sg. Imp. Med.)

śunaṃ huvema ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: śunam huvema maghavānam indram asmin bhare nṛ-tamam vāja-sātau śṛṇvantam ugram ūtaye samat-su ghnantam vṛtrāṇi sam-jitam dhanānām]

Zum Heil mögen wir den gabenreichen Indra rufen, in diesem Getümmel den Männlichsten beim Gewinn des Kampfpreises, / den Hörenden, Gewaltigen, zur Hilfe, in den Zusammenstößen den Erschlagenden der Widerstände (Vṛtras), den Mitsieger über die Gewinne. [Anm.: Kehrvers; śunam adverbial 'zum Wohl', vṛtrāṇi Plural 'Widerstände/Feinde'.]

Wort für Wort
śunam
zum Wohl, glückvoll (Adv.)
huvema
wir mögen rufen (1. Pl. Opt. Aor.)
maghavānam
den Gabenreichen (Akk. Sg.)
indram
Indra (Akk. Sg.)
asmin
in diesem (Lok. Sg.)
bhare
im Getümmel, Kampf (Lok. Sg.)
nṛ-tamam
den Männlichsten (Akk. Sg.)
vāja-sātau
beim Gewinn des Kampfpreises (Lok. Sg.)
śṛṇvantam
hörend (Akk. Sg. Pt.)
ugram
gewaltig (Akk. Sg.)
ūtaye
zur Hilfe (Dat. Sg.)
samat-su
in den Zusammenstößen, Kämpfen (Lok. Pl.)
ghnantam
erschlagend (Akk. Sg. Pt.)
vṛtrāṇi
Widerstände, Feinde (Akk. Pl.)
sam-jitam
Mitsieger, völlig siegend (Akk. Sg.)
dhanānām
der Gewinne, Schätze (Gen. Pl.)

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