Kapitel 5: ṛgvede 3.5 · pratyagniruṣasaścekitāno 'bodhi vipraḥ padavīḥ kavīnām
Agni erwacht mit der Morgenröte und wird zu Mitra
Ein Agni-Lied mit Zügen des Morgenfeuers: Erwachen mit der Dämmerung, Geburt aus Wasser und Pflanzen, die Gleichsetzung mit Mitra (V. 4) und rätselhafte Bilder vom 'Vogelstandort' und 'Siebenköpfigen' (V. 5–6). Die Verse 5–7 sind sprachlich und bildlich dunkel.
Agni ist den Morgenröten entgegen erwacht, der Erkennende, der Weise, der Pfadfinder der Dichter, von weiter Kraft, von den Götterverlangenden entzündet; das Tor der Finsternis hat der Beförderer aufgedeckt.
Wort für Wort
prati
entgegen
agniḥ
Agni
uṣasaḥ
der Morgenröte (Gen. Sg.) / den Morgenröten (Akk. Pl.) [?]
Hervor ist Agni, der zu Verehrende, mit Preisgesängen, mit Stimmen der Sänger und mit Sprüchen gewachsen; viele Anblicke des ṛta begehrend, hat der Bote heute beim Aufleuchten der Morgenröten zusammen aufgeleuchtet.
Agni wurde in die menschlichen Stämme gesetzt, der Keim der Wasser, Mitra, der mit ṛta zum Ziel führt; er stieg auf die Höhe, der Begehrenswerte, Verehrenswerte; er wurde der Weise, der von den Gedanken anzurufende.
Mitra wird Agni, wenn er entzündet ist; Mitra ist der Rufer, Varuṇa der Jātavedas; Mitra der Adhvaryu, der eilende, der Hausfreund; Mitra der Ströme und der Berge. [Anm.: mitra 'Freund/Bündnis' und der Gott Mitra sind hier nicht zu trennen]
Er schützt vor Trug die liebe, vorderste Spur des Vogels; der Rege schützt beim Umhergehen den Schritt der Sonne; er schützt am Nabel den Siebenköpfigen; Agni, der Aufrechte, schützt den Rausch der Götter. [Anm.: 'Vogel' (vī) und 'Siebenköpfiger' sind Rätselbilder; mögliche Ebenen: kosmisch-mythologisch (Sonne/Feuer, plausibel), rituell (spekulativ)]
Der Kunstreiche machte einen preisenswerten, lieblichen Namen, der Gott, der alle Weisungen kennt; die Hülle des Gesamten [?], den schmalzhaltigen Standort des Vogels: eben das hütet Agni, ohne nachzulassen. [Anm.: Der Saṃhitā-Text hat sasasya ('des Schlafenden/Grases' [?]), der Padapāṭha samasya; ṛbhu hier Beiname Agnis oder Bezug auf die Ṛbhus als Künstler [?]]
Wort für Wort
ṛbhuḥ
der Kunstreiche/Ṛbhu (Nom. Sg.)
cakre
machte (3. Sg. Perf. Med.)
īḍyam
preisenswert (Akk. Sg. n.)
cāru
lieblich (Akk. Sg. n.)
nāma
Name (Akk. Sg.)
viśvāni
alle (Akk. Pl. n.)
devaḥ
Gott (Nom. Sg.)
vayunāni
Weisungen/Zeichen (Akk. Pl.)
vidvān
kennend (Nom. Sg. Part.)
samasya
des Gesamten (Gen. Sg.) [?]
carma
Hülle/Haut (Akk. Sg.)
ghṛta-vat padam
schmalzhaltig, Standort (Akk. Sg., zwei Wörter in einem Token)
In den schmalzreichen Schoß ist Agni getreten, den weithin Besungenen [?], den Begehrenden begehrend; leuchtend, rein, aufrecht, läuternd, hat er immer wieder die beiden Mütter neuer gemacht. [Anm.: kaḥ = kar (2./3. Sg. Inj. von √kṛ, 'er machte') nach Padapāṭha 'kar iti kaḥ'; pṛthupragāṇa unsicher]
Kaum geboren wurde er von den Pflanzen getragen, wenn ihn die Ergüsse mit Schmalz wachsen lassen; wie Wasser bergab sich schmückend schafft Agni Raum im Schoß der Eltern. [Anm.: prasvaḥ 'Ergüsse/Gebärerinnen' [?]]
Auf, er wurde gepriesen, mit dem Brennholz der Rege, er hat auf der Höhe des Himmels, am Nabel der Erde geleuchtet; Mitra-Agni, der Preisenswerte, Mātariśvan, der Bote, soll zur Verehrung die Götter herbeifahren. [Anm.: mātariśvan hier als Beiname Agnis (sonst der Feuerbringer)]
Mit dem Brennholz stützte der Aufrechte das Firmament empor, Agni, der höchste der Lichträume geworden, als Mātariśvan ihn von den Bhṛgus her, im Verborgenen befindlich, den Fahrer der Darbringung, entzündete.
iḷāmagne ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iḷām agne puru-daṃsam sanim goḥ śaśvat-tamam havamānāya sādha syāt naḥ sūnuḥ tanayaḥ vijāvā agne sā te su-matiḥ bhūtu asme iti]
Verschaffe, Agni, dem Rufenden die Labung Iḷā, die vielwirkende, den Gewinn an Rindern, den dauerhaftesten, lass es gelingen. Uns soll ein Sohn, ein Nachkomme, kinderreich (Nachwuchs zeugend) sein. O Agni, dieses dein Wohlwollen soll bei uns sein. [Anm.: Refrainvers, in der Quelle im Saṃhitā-Text nur mit Anfang; iḷā = Labung/Nahrungsgabe (auch Göttin Iḷā), goḥ sani = 'Gewinn an Rind/Milch' wörtlich; [?] bei sādha 'lass gelingen/bring zustande']