Kapitel 57: ṛgvede 3.57 · pra me vivikvānavidan manīṣāṃ dhenuṃ carantīṃ prayutāmagopām
Die Kuh Gedanke, Agnis honigreiche Zunge
Kurzes Lied mit dem Bild der hirtenlosen Kuh (dhenu) und der Schwestern, die das Kalb erwarten; die Deutung auf Gedicht/Rede ist plausibel, aber nicht gesichert. Die Verse 5-6 bitten Agni um Gaben und Wohlwollen.
pra me vivikvānavidan manīṣāṃ dhenuṃ carantīṃ prayutāmagopām / sadyaścid yā duduhe bhūri dhāserindrastadagniḥ panitāro asyāḥ
Der Unterscheidende [?] hat mir den Gedanken gefunden - die umherziehende Kuh, ausgesandt, hirtenlos, die sogleich reichlich Nahrung molk; / Indra und Agni sind ihre Bewunderer. [Anm.: dhenu = Kuh, hier im Bild für Gedanke/Lied; plausibel]
Wort für Wort
pra
hervor (Präv.)
me
mir (Dat. Sg.)
vivikvaan
der Unterscheidende, Sondernde [?] (Part. Nom. Sg.)
indraḥ su pūṣā vṛṣaṇā suhastā divo na prītāḥ śaśayaṃ duduhre / viśve yadasyāṃ raṇayanta devāḥ pra vo 'tra vasavaḥ sumnamaśyām
Indra und Pūṣan, die Stiere, die Schönhändigen, wie vom Himmel Erfreute, haben den Springenden [?] gemolken; / als alle Götter an ihr sich freuten, möge ich hier von euch, ihr Vasus, Gunst erlangen.
Die Schwestern, die dem Stier Kraft wünschen, sich verneigend, erkennen in diesem den Keim: / zum Sohn hin gehen die brüllenden Kühe, zu dem Großen, der Gestalten trägt.
achā vivakmi rodasī sumeke grāvṇo yujāno adhvare manīṣā / imā u te manave bhūrivārā ūrdhvā bhavanti darśatā yajatrāḥ
Zu den beiden schönen [?] Welten spreche ich hin, den Pressstein anschirrend in der Weihehandlung mit Gedanken; / diese aber werden dir, dem Manu, vielwünschenswert [?], aufrecht, sehenswert, verehrungswürdig.
Wort für Wort
accha
hin zu (Präv.)
vivakmi
ich spreche (1. Sg. Perf.)
rodasī iti
die beiden Welten (Akk. Du.)
sumeke itisu-meke
gut gebildet, schön (Akk. Du.) [?]
grāvṇaḥ
des Presssteins (Gen. Sg.)
yujānaḥ
anschirrend (Part. Nom. Sg.)
adhvare
in der Weihehandlung (Lok. Sg.)
manīṣā
mit Gedanken (Instr. Sg.)
imāḥ
diese (Nom. Pl. f.)
oṃ iti
aber, ja (Partikel)
te
dir (Gen./Dat. Sg.)
manave
für Manu, den Menschen (Dat. Sg.)
bhūri-vārāḥ
vielwünschenswert, vielschweifig [?] (Nom. Pl. f.)
Deine Zunge, die honigreiche, wohlweise, o Agni, die unter den Göttern weitreichend heißt: / mit ihr lass hier alle Verehrungswürdigen zur Hilfe sich niedersetzen und lass sie Süßes trinken.
yā te agne parvatasyeva dhārāsaścantī pīpayad deva citrā / tāmasmabhyaṃ pramatiṃ jātavedo vaso rāsva sumatiṃ viśvajanyām
Deine Strömung, o Agni, die wie eines Berges Flut unversiegend anschwoll, o Gott, die glänzende: / diese, als Fürsorge, verleihe uns, o Jātavedas, o Guter, das Wohlwollen, das allen Menschen gilt.