Kapitel 36: ṛgvede 3.36 · imāmū ṣu prabhṛtiṃ sātaye dhāḥ śaśvacḥ chaśvadūtibhiryādamānaḥ
Anruf an Indra zum Somatrunk und zur Gabe
Somalied an Indra: Aufforderung zu trinken, Preis seines Wachstums und seiner Größe, Bild der Somaströme, die wie Flüsse zum Meer streben; Schluss mit dem Refrain (Vers 11). Einzelne Stellen (2ab, 4ab) sind lexikalisch unsicher.
Nimm diese Darbringung gut an zum Gewinn, du, der du immer wieder, dich mit Hilfen verbindend [?], bei jedem einzelnen gepressten Soma durch Stärkungen erstarkt bist, der du durch große Taten wohlberühmt geworden bist.
Wort für Wort
imām
diese (Akk. Sg. f.)
oṃ iti
und/eben (Partikel)
su
gut
pra-bhṛtim
Darbringung/Vorlage (Akk. Sg.)
sātaye
zum Gewinn (Dat. Sg.)
dhāḥ
setze/nimm an (2. Sg. Aor. Med. Imp.) [?]
śaśvat-śaśvat
immer wieder
ūti-bhiḥ
mit Hilfen (Instr. Pl.)
yādamānaḥ
sich verbindend/bittend (Part. Med.) [?]
sute--sute
bei jedem gepressten Soma (Lok. Sg., Wiederholung)
Für Indra sind die seit alters bekannten [?] Somas da, durch die der kunstfertige [?] Stiergelenkige [?], der Weitreichende [?], [erstarkte]. Nimm die dargereichten Somas gut entgegen, Indra, trink vom stiergeschüttelten, kräftigen [Soma]. [Anm.: 2b ist schwierig; ṛbhu, vṛṣaparvan, vihāyas sind wohl Beiwörter Indras, unsicher.]
Trink und werde stark! Dir gehören ja diese gepressten Somas, Indra, die ersten und diese hier. Wie du die früheren Somas getrunken hast, Indra, so trink auch heute, preisenswert, als der Erneuerte.
Groß, kraftvoll [?] ist er in der Kampfenge, in Fülle strömend [?]; gewaltige Stärke beherrscht er, kühn ist seine Kraft. Nicht umfasste ihn wahrlich auch die Erde, als die Somas den Falbenlenker erfreuten. [Anm.: amatra und virapśī unsicher.]
mahānugro vāvṛdhe vīryāya samācakre vṛṣabhaḥ kāvyena / indro bhago vājadā asya gāvaḥ pra jāyante dakṣiṇā asya pūrvīḥ
Groß und gewaltig erstarkte er zur Manneskraft; der Stier hat es mit Dichterkraft ausgerichtet [?]. Indra ist Bhaga, Kraftgabenspender; seine Kühe werden geboren, seine Lohnkühe sind zahlreich, die früheren.
Wort für Wort
mahān
groß (Nom. Sg.)
ugraḥ
gewaltig (Nom. Sg.)
vavṛdhe
erstarkte (3. Sg. Perf. Med.)
vīryāya
zur Manneskraft (Dat. Sg.)
sam-ācakre
hat zusammen/ausgerichtet (3. Sg. Perf. Med.) [?]
vṛṣabhaḥ
Stier (Nom. Sg.)
kāvyena
durch Dichterkraft (Instr. Sg.)
indraḥ
Indra (Nom.)
bhagaḥ
Bhaga/Anteilgeber (Nom.)
vāja-dāḥ
Kraftgaben spendend (Nom. Sg.)
asya
seine (Gen.)
gāvaḥ
Kühe (Nom. Pl.)
pra
hervor
jayante
werden geboren (3. Pl. Med.; PP-Schreibung jayante verderbt)
Wie die Ströme vorwärts zum Antrieb gingen, wie die Wasser wie Wagenzüge [?] zum Meer eilten, so ist Indra von da an weiter als der Sitz, wenn der gemolkene Somastengel ihn sättigt.
Mit dem Meer sich verbindend [?], die Ströme, bringen dem Indra den gut gepressten Soma. Den Stengel melken die mit Händen versehenen mit den Tragegefäßen; sie reinigen den Honigtrank mit dem Strom, mit den Seihern.
Wie Seen sind die Bäuche, die Somabehälter; er umfasste zusammen viele Somapressungen. Als Indra die ersten Speisen durchdrang, nachdem er Vṛtra erschlagen hatte, wählte er den Soma.
ā tū bhara mākiretat pari ṣṭhād vidmā hi tvā vasupatiṃ vasūnām / indra yat te māhinaṃ datramastyasmabhyaṃ tad dharyaśva pra yandhi
Bring nun her! Niemand soll dies aufhalten [?]. Denn wir kennen dich als Herrn der Güter. Indra, das große Geschenk, das du hast, das gib uns hin, Falbenlenker.
Wort für Wort
ā
her
tu
nun
bhara
bring (2. Sg. Imp.)
mākiḥ
niemand
etat
dies (Akk. n.)
pari
umher/hindernd
sthāt
soll stehen (3. Sg. Aor. Inj.) [?]
vidma
wir kennen (1. Pl. Perf.)
hi
denn
tvā
dich (Akk.)
vasu-patim
Herrn der Güter (Akk. Sg.)
vasūnām
der Güter (Gen. Pl.)
indra
Indra (Vok.)
yat
was (Rel.)
te
dein (Gen.)
māhinam
großes/erhabenes (Nom. Sg.)
datram
Geschenk (Nom. Sg.)
asti
ist (3. Sg.)
asmabhyam
uns (Dat.)
tat
das (Nom. n.)
hari-aśva
Falbenlenker (Vok.)
pra
hin/dar
yandh i
reiche (2. Sg. Imp.; PP-Schreibung yandh i verderbt)
Uns reiche dar, Maghavan, Ṛjīṣin, Indra, von dem vielen, allbegehrten Reichtum; uns gib hundert Herbste zum Leben, uns Männer für immer, Indra, Śiprin.
śunaṃ huvema ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: śunam huvema maghavānam indram asmin bhare nṛ-tamam vāja-sātau śṛṇvantam ugram ūtaye samat-su ghnantam vṛtrāṇi sam-jitam dhanānām]
Zum Glück wollen wir den Maghavan Indra rufen, in diesem Kampf den mannhaftesten, im Beutegewinn, den Hörenden, Gewaltigen, zur Hilfe, der in den Schlachten die Vṛtras erschlägt, den Sieger über Reichtümer.