Kapitel 53: ṛgvede 3.53 · indrāparvatā bṛhatā rathena vāmīriṣa ā vahataṃ suvīrāḥ
Indra und Parvata, Viśvāmitra und Sudās, Wagensegen
Ein Mischlied: Anruf an Indra und Parvata, Einladung Indras zum Soma und Heimfahrt (1-6), Preis der Kuśika und Viśvāmitras beim Überqueren der Ströme mit Sudās (7-13), Sasarparī-Verse (14-16), ein Wagen- und Achsensegen (17-20) und schwer verständliche Schlussverse (21-24). Die Verse 14-17 und 21-24 sind an vielen Stellen dunkel; Namen und Sachbezüge werden mit [?] gekennzeichnet.
Indra und Parvata, bringt auf hohem Wagen liebliche Labungen her, reich an guten Männern; / genießt die Gaben bei den Weihehandlungen, ihr beiden Götter, wachst durch Lieder, an der Iḷā [Opferspeise] euch erfreuend.
tiṣṭhā su kaṃ maghavan mā parā gāḥ somasya nu tvā suṣutasya yakṣi / piturna putraḥ sicamā rabhe ta indra svādiṣṭhayā girā śacīvaḥ
Bleib doch, Freigebiger, geh nicht fort! Ich will dich ja mit dem gut gepressten Soma verehren. / Wie ein Sohn den Saum des Vaters fasse ich dich, Indra, mit süßester Rede an, Kraftvoller. [Anm.: yakṣi hier als Konjunktiv ‚ich will weihen/verehren‘.]
śaṃsāvādhvaryo prati me gṛṇīhīndrāya vāhaḥ kṛṇavāva juṣṭam / edaṃ barhiryajamānasya sīdāthā ca bhūdukthamindrāya śastam
Lass uns beide aufsagen, Adhvaryu; antworte mir; dem Indra wollen wir beide ein wohlgefälliges Lobgebilde machen. / Setz dich auf dieses Barhis des Weihenden; und es soll ein für Indra gesprochener Spruch sein.
Die Gattin ist ja das Heim, Freigebiger, sie ist ja der Schoß; dorthin sollen dich die angeschirrten Falben tragen. / Wann immer wir Soma pressen, wird Agni als Bote zu dir hineilen. [Anm.: gnomische Wendung; der Bezug ‚Heim/Gattin‘ auf Indras Haus ist aus 3.53.5-6 erschlossen.]
parā yāhi maghavannā ca yāhīndra bhrātarubhayatrā te artham / yatrā rathasya bṛhato nidhānaṃ vimocanaṃ vājino rāsabhasya
Fahr fort, Freigebiger, und komm wieder her, Indra, Bruder: auf beiden Seiten liegt dein Ziel – / dort, wo des hohen Wagens Ablage ist, das Ausspannen des kräftigen Esels [?].
apāḥ somamastamindra pra yāhi kalyāṇīrjayā suraṇaṃgṛhe te / yatrā rathasya bṛhato nidhānaṃ vimocanaṃ vājinodakṣiṇāvat
Du hast den Soma getrunken; zieh nach Hause, Indra; die schöne Gattin [ist] wonnig in deinem Haus, / dort, wo des hohen Wagens Ablage ist, das Ausspannen des Rennenden, [der] reich an Gaben [?].
ime bhojā aṅgiraso virūpā divas putrāso asurasya vīrāḥ / viśvāmitrāya dadato maghāni sahasrasāve pra tiranta āyuḥ
Diese freigebigen Aṅgiras, die vielgestaltigen, Söhne des Himmels, Helden des Asura, / geben dem Viśvāmitra Gaben; beim tausendfachen Pressen verlängern sie das Leben.
rūpaṃ-rūpaṃ maghavā bobhavīti māyāḥ kṛṇvānastanvaṃ pari svām / triryad divaḥ pari muhūrtamāgāt svairmantrairanṛtupā ṛtāvā
Gestalt um Gestalt wird der Freigebige, Wandlungen wirkend, um seinen eigenen Leib, / als er dreimal vom Himmel her für einen Augenblick kam, mit seinen eigenen Sprüchen, nicht nach den Zeiten trinkend, der Ordnung folgend [?]. [Anm.: anṛtupāḥ ‚nicht nach der Jahreszeit trinkend‘; Satzbau und Sinn unsicher.]
Der große Ṛṣi, göttergeboren, von Göttern angetrieben, hemmte den Strom, die Flut, der Männer Überschauende. / Als Viśvāmitra den Sudās [hinüber]führte, wurde Indra durch die Kuśikas freundlich gesinnt [?]. [Anm.: apriyāyata ist unklar (priyāyate ‚für lieb halten‘ mit a-); Sinn ‚befreundete sich‘ ist erschlossen.]
Wie Schwäne macht ihr Klang mit den Pressteinen, euch berauschend mit Liedern, bei der Weihehandlung, wenn gepresst ist, gemeinsam; / mit den Göttern, ihr Redekundigen, Ṛṣis, Männer-Überschauende, trinkt aus, Kuśikas, den Soma-Honigtrank.
upa preta kuśikāścetayadhvamaśvaṃ rāye pra muñcatā sudāsaḥ / rājā vṛtraṃ jaṅghanat prāgapāgudagathā yajāte vara ā pṛthivyāḥ
Geht heran, Kuśikas, seid wachsam; lasst das Ross des Sudās für Reichtum frei. / Der König soll Vṛtra erschlagen, vorn, hinten, im Norden; und dann soll er weihen an der besten Stelle der Erde [?].
Wort für Wort
upa
heran (Präverb)
pra
vor, hin (Präverb)
ita
geht (2. Pl. Imp.)
kuśikāḥ
Kuśikas (Vok. Pl.)
cetayadhvam
seid aufmerksam, wacht auf (2. Pl. Imp. Kaus. Med.)
ya ime rodasī ubhe ahamindramatuṣṭavam / viśvāmitrasyarakṣati brahmedaṃ bhārataṃ janam
Der diese beiden Welten, beide [erhält] – ich habe Indra gepriesen [?]. / Des Viśvāmitra Spruch schützt dieses Bharata-Volk. [Anm.: Pāda 1-2 syntaktisch knapp; ‚der ... beide Welten‘ meint wohl Indra.]
kiṃ te kṛṇvanti kīkaṭeṣu gāvo nāśiraṃ duhre na tapantigharmam / ā no bhara pramagandasya vedo naicāśākhaṃ maghavanrandhayā naḥ
Was tun dir die Rinder bei den Kīkaṭas? Sie melken keine Milchmischung, sie erhitzen nicht den Kessel. / Bring uns das Gut des Pramaganda; den Naicāśākha, Freigebiger, liefere uns aus [?]. [Anm.: Kīkaṭa (Volk), Pramaganda und Naicāśākha sind Namen bzw. Bezeichnungen unklarer Bedeutung; ‚randhaya‘ = ausliefern/unterwerfen, unsicher.]
Die Sasarparī, die Armut verdrängend, ließ Großes erschallen, von Jamadagni gegeben; / Sūryas Tochter hat sich ausgebreitet: unvergänglichen, unalternden Ruhm unter den Göttern [?]. [Anm.: sasarparī unklar (Beiwort ‚die Schleichende/Kriechende‘ oder Eigenname, vielleicht eine Rede/Lied); mimāya = ‚brüllte‘ oder ‚maß‘.]
Die Sasarparī brachte ihnen rasch Ruhm unter den Fünf-Völker-Stämmen; / sie, [flügelig] neues Leben schenkend [?], die mir die greisen Jamadagnis gaben.
sthirau gāvau bhavatāṃ vīḷurakṣo meṣā vi varhi mā yugaṃ vi śāri / indraḥ pātalye dadatāṃ śarītorariṣṭaneme abhi naḥ sacasva
Fest sollen die beiden Zugtiere sein, stark die Achse; die Deichsel soll nicht wegreißen, das Joch nicht zerbrechen. / Indra möge [uns] an den beiden Pātalya-[Teilen] gegen das Zerbrechen [Halt] geben [?]; du mit unversehrter Felge, halte dich bei uns. [Anm.: Wagen-Segensspruch; pātalye und die Anrede ariṣṭaneme sind unsicher.]
Wort für Wort
sthirau
fest, stark (Nom. Du.)
gāvau
Rinder, Zugtiere (Nom. Du.)
bhavatām
sollen sein (3. Du. Imp.)
vīḷuḥ
stark, fest (Nom. Sg.)
akṣaḥ
Achse (Nom. Sg.)
mā
nicht (Prohibitiv)
īṣā
Deichsel (Nom. Sg.)
vi
auseinander (Präverb)
varhi
reiße (3. Sg. Aor. Inj.)
mā
nicht (Prohibitiv)
yugam
Joch (Nom. Sg.)
vi
auseinander (Präverb)
śāri
zerbreche (3. Sg. Aor. Pass. Inj.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
pātalye iti
an den beiden Pātalya-[Teilen] (Lok./Nom. Du.) [?]
Umhülle das Kernholz des Khadira; gib Kraft in das [Sich-Bewegende: Spandana] Śiṃśapā-Holz [?]. / Achse, du Starke, Gefestigte, halte fest; lass uns nicht von dieser Fahrt abfallen [?]. [Anm.: spandana ist unsicher; vermutlich ein Wagenteil aus Śiṃśapā-Holz.]
indrotibhirbahulābhirno adya yācchreṣṭhābhirmaghavañchūra jinva / yo no dveṣṭyadharaḥ sas padīṣṭa yamu dviṣmastamu prāṇo jahātu
Indra, mit den zahlreichen Hilfen, mit den besten, die es gibt, erquicke uns heute, Freigebiger, Held. / Wer uns hasst, der soll unten sein, er soll fallen; und wen wir hassen, den soll der Lebenshauch verlassen.
paraśuṃ cid vi tapati śimbalaṃ cid vi vṛścati / ukhā cidindra yeṣantī prayastā phenamasyati
Sogar eine Axt erhitzt es, sogar den Śimbala zerschneidet es; / sogar der Topf, Indra, sich mühend, hingehalten, wirft Schaum aus [?]. [Anm.: Subjekt und Sinn dunkel, möglicherweise Bildrede für Kraft/Hitze; spekulativ.]
Wort für Wort
paraśum
Axt (Akk. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
vi
auseinander/durch (Präverb)
tapati
erhitzt (3. Sg. Präs.) [?]
śimbalam
Śimbala (Akk. Sg.) [?]
cit
sogar (Partikel)
vi
auseinander (Präverb)
vṛścati
zerschneidet (3. Sg. Präs.)
ukhā
Topf (Nom. Sg.)
cit
sogar (Partikel)
indra yeṣantī
Indra, sich mühend/eifrig (Vok. + Part. f., Token verschmolzen) [?]
na sāyakasya cikite janāso lodhaṃ nayanti paśu manyamānāḥ / nāvājinaṃ vājinā hāsayanti na gardabhaṃ puro aśvān nayanti
Nicht wird der Sāyaka erkannt unter den Leuten: sie führen [ihn] als Lodha weg, ihn für ein Stück Vieh haltend [?]; / nicht lässt man den Nicht-Renner mit dem Renner laufen, nicht führt man den Esel vor dem Ross her. [Anm.: sāyaka (‚Geschoss/Pfeil‘ oder Name), lodha und hāsayanti sind unsicher; der Vers liest sich als Sprichwort über Verwechslung von Unähnlichem.]
ima indra bharatasya putrā apapitvaṃ cikiturna prapitvam / hinvantyaśvamaraṇaṃ na nityaṃ jyāvājaṃ pari ṇayantyājau
Diese Söhne des Bharata, Indra, kennen weder Rückzug noch Vorstoß [?]; / sie treiben das Ross an, wie ein Fremdes, nicht wie ein Eigenes [?]; den Bogensehnen-Renner führen sie im Wettkampf umher [?]. [Anm.: apapitva/prapitva, araṇa/nitya und jyāvāja sind unsicher; spekulativ.]