Kapitel 6: ṛgvede 3.6 · pra kāravo mananā vacyamānā devadrīcīṃ nayata devayantaḥ
Agni, Bote und Rufer zwischen Himmel und Erde
Ein Agni-Lied, das Agni als Rufer und Bote zwischen den beiden Welten und den Göttern preist (V. 2, 5, 10) und ihn mit seinem Rossgespann zur Fahrt der Götter auffordert (V. 6–9). V. 1, 4 und 8 sind syntaktisch schwierig.
Vorwärts, ihr Sänger, die ihr mit Nachsinnen ansprecht, führt die zu den Göttern Gewandten, ihr Götterverlangenden. Rechtshin fahrend, kraftreich, geht die schmalzgerichtete nach vorn und bringt die Darbringung für Agni. [Anm.: Die Trägerin (feminin) ist nicht genannt; wörtlich nur 'sie'; ob Löffel/Flamme/Rede gemeint ist, bleibt offen (spekulativ)]
ā rodasī apṛṇā jāyamāna uta pra rikthā adha nu prayajyo / divaścidagne mahinā pṛthivyā vacyantāṃ te vahnayaḥ saptajihvāḥ
Du hast die beiden Welten gefüllt, als du geboren wurdest, und übertriffst sie, o nun Verehrungswerter; sogar an Größe (übertriffst du) Himmel und Erde. Deine Fahrer, die Siebenzüngigen, sollen gepriesen werden. [Anm.: Padapāṭha 'devaḥ cit' entspricht wohl Saṃhitā 'divaḥ cit' 'sogar des Himmels']
Himmel und Erde und die Verehrungswürdigen setzen dich als Rufer nieder zum Haus, wenn die menschlichen Stämme, götterverlangend, mit Gaben (Darbringungen) das helle Licht anrufen/preisen.
Groß, an gemeinsamer Stätte fest niedergesessen, zwischen den beiden großen Welten, gern gesehen; den beiden unbedrängten [?] Mitfrauen, den nicht alternden, unversehrten, den beiden Labung-melkenden Kühen des Weitschreitenden. [Anm.: Die Satzstruktur der zweiten Hälfte ist unklar (Bezug von urugāyasya und Kasus der Duale); 'Mitfrauen' meint Himmel und Erde im Kuhbild (plausibel)]
Deine Gebote, Agni, des Großen, sind groß; durch deine Einsicht hast du die beiden Welten ausgespannt. Du wurdest, als du geboren wurdest, Bote; du bist der Führer, Stier, der Menschen.
Oder die beiden langhaarigen, schmalztriefenden, roten Rosse des ṛta, an den Geschirren: setze sie an die Deichsel. Dann fahre die Götter, o Gott, alle her und mache gut ausgestaltete Weihehandlungen, Jātavedas. [Anm.: 'Langhaarige' (keśin) evtl. Mähnen oder Flammen; die Rosse des ṛta = Agnis Gespann (plausibel)]
divaścidā te rucayante rokā uṣo vibhātīranu bhāsi pūrvīḥ / apo yadagna uśadhag vaneṣu hoturmandrasya panayanta devāḥ
Vom Himmel her haben dir die Lichter geleuchtet; nach den aufleuchtenden, früheren Morgenröten strahlst du. Wenn du, Agni, in den Hölzern begierig brennst, die Werke/Wasser [?], so bewundern die Götter den erfreuenden Rufer. [Anm.: apaḥ 'Werke' (Akk. Pl. von apas) oder 'Wasser' (Akk. Pl. von ap) [?]; uśadhak wörtl. 'nach Wunsch brennend']
urau vā ye antarikṣe madanti divo vā ye rocane santi devāḥ / ūmā vā ye suhavāso yajatrā āyemire rathyo agne aśvāḥ
Die im weiten Luftraum sich berauschen oder die im Lichtraum des Himmels sind, die Götter, oder die Helfer, die gut Anrufbaren, Verehrungswürdigen: für sie haben sich, Agni, die Wagenrosse [ins Geschirr] gestreckt [?]. [Anm.: āyemire 'haben sich hergestreckt/wurden angezogen' [?]; Bezug der Relativsätze zu den Rossen unsicher]
Wort für Wort
urau
im Weiten (Lok. Sg.)
vā
oder
ye
welche (Nom. Pl.)
antarikṣe
im Luftraum (Lok. Sg.)
madanti
berauschen sich (3. Pl.)
divaḥ
des Himmels (Gen.)
vā
oder
ye
welche
rocane
im Lichtraum (Lok. Sg.)
santi
sind (3. Pl.)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
ūmāḥ
Helfer/Beistände (Nom. Pl.)
vā
oder
ye
welche
su-havāsaḥ
gut anrufbar (Nom. Pl.)
yajatrāḥ
verehrungswürdig (Nom. Pl.)
āyemire
haben sich gestreckt/angezogen (3. Pl. Perf. Med.) [?]
Mit diesen komm her, Agni, auf gleichem Wagen, hierher zugewandt, oder auf gesondertem Wagen, denn die Rosse sind allgegenwärtig. Bring die dreiunddreißig Götter samt ihren Gattinnen nach ihrer Eigenart herbei und berausche dich. [Anm.: 'dreißig und drei' = 33 Götter]
Er ist der Rufer, dessen beide Welten, wiewohl weit, bei jeder Weihehandlung zum Wachstum besungen werden; die beiden standen nach vorn gerichtet wie zwei Weihehandlungen, gut gegründet, ṛta-reich, wahrhaftig für den im ṛta Geborenen [?].
iḷāmagne ... [Anm.: Saṃhitā-Text und Padapāṭha der Quelle stimmen an dieser Stelle nicht überein (verschoben oder gekürzt). Padapāṭha: iḷām agne puru-daṃsam sanim goḥ śaśvat-tamam havamānāya sādha syāt naḥ sūnuḥ tanayaḥ vijāvā agne sā te su-matiḥ bhūtu asme iti]
Verschaffe, Agni, dem Rufenden die Labung Iḷā, die vielwirkende, den Gewinn an Rindern, den dauerhaftesten, lass es gelingen. Uns soll ein Sohn, ein Nachkomme, kinderreich (Nachwuchs zeugend) sein. O Agni, dieses dein Wohlwollen soll bei uns sein. [Anm.: Refrainvers, in der Quelle im Saṃhitā-Text nur mit Anfang; iḷā = Labung/Nahrungsgabe (auch Göttin Iḷā), goḥ sani = 'Gewinn an Rind/Milch' wörtlich; [?] bei sādha 'lass gelingen/bring zustande']