Quellen der Menschheit

Ahirbudhnya Saṃhitā

Paṭala 1: Prathamo'dhyāyaḥ (Saṃhitāvatāraḥ) Erstes Kapitel (Die Herabkunft der Saṃhitā)

Eröffnungskapitel mit mehrschichtigem Erzählrahmen: Durvāsas berichtet Bharadvāja (der nach dem Wesen des Sudarśana-Cakra gefragt hat), wie einst Nārada, selbst von Zweifel ergriffen, nach einer Vision der kosmischen Schlacht zwischen Viṣṇus Sudarśana-Waffe und dem Dämon Kāṭhanemi zum Kailāsa reiste, Śiva (hier als "Ahirbudhnya") pries und um Erklärung bat — der eigentliche Frage-Antwort-Dialog zwischen Nārada und Ahirbudhnya/Śiva, der die übrigen 59 Kapitel bildet, wird am Ende nur angekündigt. Schließt mit einem selbstreferentiellen Bericht über die Textgeschichte der Saṃhitā (240→100→60 Kapitel).

[maṅgala-śloka, laut Handschriften-Apparat nicht in allen Handschriften enthalten] śuklāmbaradharaṃ viṣṇuṃ śaśivarṇaṃ caturbhujam │ prasannavadanaṃ dhyāyet sarvavighnopaśāntaye ‖‖ oṃ │ (maṅgalācaraṇam) akṣaratritayāvyaktavikārākṣādirūpiṇe │ paravyūhāditvāya namaś cakrāya cakriṇe ‖1‖ somasūryānalākāram akalpām indurekharām │ parabinduṃ hareḥ śaktiṃ pañcakṛtyakarīṃ numaḥ ‖2‖ āśrutaṃ divyagaṅgāyām upāsīnaṃ paraṃ padam │ bharadvājo'tha papraccha durvāsasam akalmaṣam ‖3‖

[Der Eingangsvers — „Man meditiere auf Viṣṇu, weiß gekleidet, mondfarben, vierarmig, mit heiterem Antlitz, zur Besänftigung aller Hindernisse“ — ist laut dem Handschriften-Apparat der Edition nicht in allen Handschriften enthalten und vermutlich eine spätere, formelhafte Ergänzung; er wird hier der Vollständigkeit halber mitübersetzt.] Oṃ. (Der Segensspruch:) Dem, der die Gestalt des Unentfalteten, aus der Wandlung der drei Unvergänglichen [Silben, d. h. wohl a-u-m] hervorgegangenen [Prinzips] hat, und der Ursprung des höchsten Vyūha ist — Verehrung dem Rad (Cakra) [Sudarśana] und dem Rad-Träger [Viṣṇu]! Wir preisen den höchsten Punkt (Bindu), von der Gestalt aus Mond, Sonne und Feuer, unermesslich, mit der Mondsichel gezeichnet, die Kraft (Śakti) Haris, die die fünf kosmischen Werke vollbringt. Als Durvāsas verweilte, an der himmlischen Gaṅgā, in die höchste Stätte versunken, trat Bharadvāja heran und befragte den makellosen Durvāsas.

[Anm.: Eröffnung der neu begonnenen Ahirbudhnya-Saṃhitā (Pāñcarātra), Quelle: archive.org/DLI in.ernet.dli.2015.487334, Adyar Library Series, hrsg. M. D. Rāmānujācārya (Druckdatum 1926; Titelblatt datiert Śaka 1839/1916 — jedenfalls weit über 25 Jahre alt, 25-Jahre-Faustregel erfüllt). Die Maṅgala-Verse ehren ausdrücklich das Sudarśana-Cakra (Viṣṇus Diskus-Waffe), das Hauptthema dieses ersten Kapitels und eines der zentralen Themen des ganzen Werks — eine thematische Fortsetzung der bereits im Lakṣmī-Tantra behandelten Sudarśana-Theologie.]

bharadvājaḥ │ anasūyāhṛdānanda bhagavaṃs tapasāṃ nidhe │ asti me saṃśayaḥ kaścit taṃ me vyākhyātum arhasi ‖4‖ agniṣomakriyāyoginy āthavaiṣṇavinirṇaye │ mahodaye'straṣāṅgatye pravartakanivartake ‖5‖ lokapālāśrayaṅge ca tattatsāmarthyasaṃbhṛte │ mahodayāsu śaktīṣu vahniṣūryenduvartmanām ‖6‖ astrāśraye ca śāstraughe brahmarudrādinirmite │ trailokyatrāṇasaṃhārajanakarmavicakṣaṇe ‖7‖ maharṣigaṇasṛṣṭe ca mantrayāme mahodaye │ vaiṣṇave ca gadāpāṇipālitādiprakāśake ‖8‖ lakṣye ca haragaṇḍābjapūrve alpe mahodaye │ anyatroccāvace'py evaṃ kīrtyamāne prabhāvataḥ ‖9‖ sudarśanāśrayatvaṃ tu tatra tatra nirūpitam │ kīdṛśaṃ tasya māhātmyaṃ svataḥ saṃsargato'pi vā ‖10‖ kiṃ tat sudarśanaṃ nāma kaś ca śabdārtha iṣyate │ tena kiṃ kriyate karma jagac cāpnoti tat kathaṃ ‖11‖ kiyantaḥ kīdṛśāḥ ke ca vyūhās tasyoditā mune │ prayojanaṃ ca kiṃ teṣāṃ vyūhas teṣāṃ ca kīdṛśī ‖12‖ viṣṇunā tasya saṃbandhaḥ kaś ca kīdṛk ca saṃmataḥ │ kiṃ tena niyataṃ nityam anyatrāpi ca dṛśyate ‖13‖ eṣa me saṃśayo jāto nānāśāstranirīkṣaṇāt │ chindhy enaṃ bhagavan samyag upasanno'smy adhīhi bhoḥ ‖14‖

Bharadvāja sprach: O Erhabener, du, dessen Herz sich an Nicht-Missgunst (Anasūyā) erfreut, Schatzhaus der Askese! Ich habe einen gewissen Zweifel; diesen solltest du mir erklären. In den Lehren über die Verbindung von Feuer- und Soma-Riten, in der vaiṣṇavischen Lehrentscheidung, im großen Herrlichkeits-Zusammenhang der Waffenlehre, im Fördernden und Zurückhaltenden, in den Grundlagen der Weltenhüter, versehen mit der jeweiligen Kraft, in den großen Śaktis, auf den Pfaden von Feuer, Sonne und Mond, in der Grundlage der Waffen und im Meer der von Brahmā, Rudra und anderen verfassten Lehrschriften, kundig im Wirken von Schutz und Zerstörung der drei Welten, geschaffen von der Schar der großen Weisen, im großen Bereich der Mantras, im vaiṣṇavischen Bereich, der die von der Keule getragenen Gestalten u. a. offenbart, im Sichtbaren wie im Verborgenen, ob groß oder gering, wo immer davon die Rede ist, kraft seiner Macht — überall wird seine, nämlich des Sudarśana, Grundlegung dargelegt. Wie groß ist seine Erhabenheit, aus sich selbst oder auch durch Verbindung mit anderem? Was ist dieses so genannte Sudarśana, und welche Wortbedeutung wird ihm zugeschrieben? Welche Wirkung wird durch es vollbracht, und wie erlangt die Welt es? Wie viele und welcher Art sind seine verkündeten Vyūhas (Emanationsformen), o Weiser? Was ist ihr Zweck, und wie ist ihre jeweilige Vyūha-Gestalt? Welche Beziehung besteht zwischen ihm und Viṣṇu, und welche wird als zutreffend angesehen? Ist etwas durch es fest bestimmt, das beständig auch anderswo sichtbar wird? Dieser mein Zweifel ist aus der Betrachtung verschiedener Lehrschriften entstanden. Zerschneide ihn mir, o Erhabener, ich bin recht zu dir gekommen — belehre mich doch!

[Anm.: Bharadvājas ausführliche Eröffnungsfrage stellt bereits sämtliche zentralen Themen der gesamten Saṃhitā vor: die Natur des Sudarśana-Cakra (Viṣṇus Diskus), seine Wortbedeutung, Wirkweise, seine Vyūha-Formen und sein Verhältnis zu Viṣṇu selbst — Fragen, die im weiteren Verlauf des 60-Kapitel-Werks systematisch beantwortet werden.]

durvāsāḥ │ upapannam idaṃ vatsa yat tvayaivaṃ vicāryate │ tāni tāni tapāṃsy[?] āyānti tava sutrata ‖15‖ āntaḥkaraṇike taistaiḥ kṣayaṃ nīte kaṣāyake │ manīṣā jāyate puṃsāṃ paratattvavimarśinī ‖16‖ na saṃśayī bhavān eva pūrvopanyastavastuni │ brahmādyāś ca vyathante'tra saṃśayānā manīṣiṇaḥ ‖17‖

Durvāsas sprach: Es ist angemessen, o Sohn, dass du so nachsinnst; jene und jene Formen der Askese kommen dir zugute[?], du Rechtgeloborener. Wenn durch sie und sie die innere Trübung (kaṣāya) allmählich zum Schwinden gebracht wird, entsteht in den Menschen die Einsicht (manīṣā), die die höchste Wahrheit erwägt. Nicht du allein bist im Zweifel über den zuvor dargelegten Gegenstand; auch Brahmā und die anderen Weisen werden hier von Zweifeln geplagt.

[V. 18–29, Nāradas Eigenschaften und Reise zum Kailāsa, Vision von Śiva/Ahirbudhnya mit Umā]

[Anm.: Durvāsas erzählt nun, wie Nārada — von den Göttern geachtet, durch Askese geläutert, ein kundiger Kenner der rechten Anwendung von Wort, Satz und Beweismittel, ein Brahmacārin von gezügelten Sinnen, kundig der Unterscheidung von höherer und niederer Erkenntnis, dienstbereit, wahrheitsliebend — einst, selbst von einem tiefen, auch für die Götter schwer zu ergründenden Zweifel ergriffen, durch die drei Welten wanderte, um dessen Auflösung von einem der Allwissenden zu erbitten, und zum Kailāsa gelangte, dem von Siddhas und Vidyādharas bevölkerten, von Göttern und Gandharvas verehrten Wohnsitz Śaṅkaras. Dort erblickte er, umgeben von Göttern, Siddhas, Sādhyas, Marut-Scharen, Ṛṣis und Yogis, den mit Umā vereinten Herrn (Īśāna), den Gebieter der Wesen, den Wunscherfüllenden, den Dreizack-Träger, den Mondgeschmückten (Candraśekhara), unerschütterlich in den acht Gestalten alle drei Welten stützend. Beim Anblick dieses Gottes verneigte sich Nārada voller Ehrfurcht und begann ihn mit erlesenen Worten zu preisen.]

[V. 30–41, Nāradas Lobhymnus auf Śiva/Ahirbudhnya]

[Anm.: Es folgt ein ausführlicher, formelhafter Anrufungs-Hymnus (Namaskāra-Reihe) Nāradas an Śiva, mit einer langen Kette von Beinamen und Verehrungsformeln — „Verehrung dir, Gott der Götter, Verehrung dir, Stier-Bannerträger, dem Wunscherfüllenden … dem Allwissenden, dem Unabhängigen, dem ewig Reinen … dem Sadyojāta, dem Vāmadeva, dem Ältesten, dem Glücksspendenden … dem Herrn der Wissenschaften, dem Herrn der Wesen, dem Großen Gott, dem Puruṣa jenseits der Schöpfung, dem von der Natur des Wissens, dem Ozean der Entsagung … dem in Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther, Mond und Sonne Wesenden“ — ein klassischer, epithetareicher Śiva-Stotra-Katalog, wie er auch in anderen bereits übersetzten Werken dieses Projekts vorkommt (vgl. Ṣaṭcakranirūpaṇa u. a.).]

iti stuvānam abhyāgād vāgbhir devarṣisattamam ‖42‖ prasādamadhuraṃ vākyam ity uvāca vṛṣadhvajaḥ │ ahirbudhnyaḥ │ stotreṇānena bhaktyā ca tuṣṭo'smi munipuṅgava ‖43‖ brūhi kiṃ karavāṇy adya yady api syāt sudurbharam │ śrīnāradaḥ │ kim anyad iha vāñchitaṃ yadi tuṣṭo jagatpatiḥ ‖44‖ etad eva hi kāṅkṣanti yatamānā vipaścitaḥ │ ahirbudhnyaḥ │ prasanno'smi tavāyāstu darśanaṃ saphalaṃ mama ‖45‖ brūhi nārada tattvena yat te manasi vartate │

Als so Nārada den besten der Götterweisen mit seinen Worten pries, sprach der Stier-Bannerträger [Śiva] ein huldreiches, süßes Wort. Ahirbudhnya sprach: „Durch diesen Hymnus und durch deine Hingabe bin ich erfreut, o Bester der Weisen. Sage, was ich heute tun soll, auch wenn es sehr schwer zu erfüllen wäre.“ Śrī-Nārada sprach: „Was sonst wäre hier zu wünschen, wenn der Herr der Welt zufrieden ist? Eben dies allein erstreben die Weisen, die danach streben.“ Ahirbudhnya sprach: „Ich bin zufrieden; möge dein Bemühen, mich zu sehen, Frucht tragen. Sage, Nārada, der Wahrheit gemäß, was in deinem Sinn liegt.“

[Anm.: Wichtig für die Gesamtstruktur: der hier als „Ahirbudhnya“ und zugleich „vṛṣadhvaja“ (Stier-Bannerträger) bezeichnete Gesprächspartner ist Śiva selbst — „Ahirbudhnya“ („der auf dem Meeresgrund Wohnende“) ist einer der elf vedischen Rudra-Namen und wird hier als der Aspekt Śivas verstanden, der Nāradas Fragen zum Sudarśana-Cakra beantwortet; daher der Werktitel Ahirbudhnya-Saṃhitā.]

[V. 46–61, Nāradas Erzählung von der kosmischen Schlacht mit dem Dämon Kāṭhanemi]

[Anm.: Nārada berichtet von einem gewaltigen, schreckenerregenden Unglück, das den Welten-Erhalter (den glorreichen Gott der Götter, offenkundig Viṣṇu/Kṛṣṇa) befiel: eine Schlacht gegen den großen Dämon Kāṭhanemi, an der Schlangen, Götter, Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas beteiligt waren, mit tausendfachem Sonnenglanz der Waffen, Haufen von Gefallenen und Geisterscharen (Piśācas, Pretas, Vetālas), schrecklichen Blutströmen aus den Leibern von Göttern und Dämonen. Während der Weltenherr auf Garuḍa thronte, die Sudarśana-Waffe in der Lotoshand, brachte Kāṭhanemi durch Māyā eine unüberschaubare Zahl von Unheilsgestalten unterschiedlichster Herkunft hervor — geboren aus den Mündern von Bhṛgu und Aṅgiras, aus Brahmās Mund, aus der Zeit der Weltauflösung, aus den Weltenhütern, aus der Unterwelt, aus den großen Elementen, aus der Wandlung (vaikārika), aus den drei Guṇas, aus Gandharva-, Rākṣasa-, Yakṣa- und Vidyādhara-Abkunft, aus Śakti, aus dem Atharvan-Aṅgiras-Bereich und aus anderen Mantras: allesamt mächtige, gewaltige, zur Vernichtung der drei Welten fähige Wesen, manchen Bergen, manchen Schlangenfürsten, manchen Ozeanen gleichend, auf Flammenmassen reitend, zwischen Himmel und Erde schwebend, brüllend, lachend, zischend, fliegend, gestaltlos, unvergleichlich, furchtbar, weiß-rot-schwarz, von mannigfacher Form und Farbe und schillerndem Glanz — alle zusammen versammelt und von Kāṭhanemi aufgeboten.]

sayogopasaṃhāraiḥ sarahasyaiś ca saṃgataiḥ │ akṣamāsarvaśeṣais[?] tenārāyaṇakriyate[?] ‖62‖ sudarśanamahāvahnau saṃbhūya śubhāyitam │ praṇoddhṛtir abhūt tasmin kāṭhanemir mahāsuraḥ ‖63‖ taṃ dṛṣṭvā vismayāviṣṭaḥ saṃgrāmaṃ mahad adbhutam │ antarhitaṃ kṣaṇāt kṛṣṇaṃ praṇipatya jagadgurum ‖64‖ imaṃ saṃdehasaṃdohaṃ hṛdayena vahan guru[?] │ tavāntikam ihāyātaḥ saṃśayacchedanāya vai ‖65‖ na hi sarvajñam īśānaṃ vinā chettāsya vidyate │ ahirbudhnyaḥ │ deva[?] saṃśayān brūhi ye vartante tavāntare ‖66‖ apy anirvacanīyās te sarve chettāsmi sāṃpratam[?] │ atha praśnān krameṇoktān nāradena maharṣiṇā ‖67‖ uvāca bhagavān śivaḥ sarvataḥ prītamānasaḥ │

Durch dessen Anwendungen und Zurückziehungen, mit ihren dazugehörigen Geheimnissen verbunden, mit allen übrigen Kräften vereint, wird dies von jenem Nārāyaṇa vollbracht[?]. Nachdem sie sich im großen Feuer des Sudarśana zusammengeschlossen hatten und geläutert worden waren, geschah darin die Vernichtung des großen Dämons Kāṭhanemi. Bei diesem Anblick, von Staunen erfüllt über diese große, wunderbare Schlacht, und da Kṛṣṇa, der Weltlehrer, sich im Nu unsichtbar gemacht hatte, bin ich, nach Verneigung vor ihm, mit diesem schweren Haufen von Zweifeln im Herzen, hierher zu dir gekommen, um den Zweifel zu zerschneiden. Denn ohne den allwissenden Herrn gibt es keinen, der ihn zerschneiden könnte.“ Ahirbudhnya sprach: „O Göttlicher, sage die Zweifel, die in dir bestehen.“ [Nārada:] „Wenn sie auch unaussprechlich sind, bin ich doch jetzt bereit, sie alle zu zerschneiden[?].“ Da sprach der erhabene Śiva, in jeder Hinsicht erfreuten Sinnes, zu den der Reihe nach von Nārada, dem großen Weisen, gestellten Fragen —

[Anm.: Dieser Abschnitt ist im Quellendigitalisat an einigen Stellen unsicher lesbar (V. 62, 65–67); die genaue grammatische Struktur bleibt streckenweise unklar, der Sinn (Sudarśanas Sieg über Kāṭhanemis Illusionsheer, Nāradas Staunen und Bitte um Erklärung) ist jedoch deutlich. Ab hier beginnt formal der eigentliche Frage-Antwort-Dialog zwischen Nārada und Ahirbudhnya/Śiva, der den gesamten weiteren Verlauf der Saṃhitā (ab Kap. 2) bildet.]

(saṃhitāvatāraṇam) │ saṃhitā seyam ākhyātā nānāmantrārthagocarā ‖68‖ pañcarātramayī divyā nāmnāhirbudhnyapūrvikā │ arthaiḥ prakṛtiśailyaiś ca purākalpaiś ca saṃyutā ‖69‖ nānāsiddhāntasaṃbhinnā nānāvidyopaśobhitā │ śatadvayam ihādhyāyāś catvāriṃśac ca kīrtitāḥ ‖70‖ tato dvāparaśeṣāyāṃ manuṣyāṇāṃ hitāya vai │ adhyāyānāṃ śatenātha viśālayā ca samanvitā ‖71‖ ativistaram utsṛjya yadyena pratisaṃskṛtā │ tato'pi buddhisaṃkocān manuṣyāṇāṃ hitāya vai ‖72‖ yāti dvāparasaṃdhyaṃśe vyāsasyānumate tayā │ ṣaṣṭyadhyāyeyaṃ bhūyaḥ saṃhitā pratisaṃskṛtā ‖73‖ upanyasyad yathā praśnaṃ nārado bhagavān ṛṣiḥ │ niruvāca yathā śivas tān sarvāṃs tvaṃ nibodha me ‖74‖

(Die Herabkunft der Saṃhitā:) „Diese Saṃhitā, die vielerlei Mantra-Bedeutungen umfasst, wird verkündet — die göttliche, aus dem Pāñcarātra bestehende, mit dem Namen Ahirbudhnya versehene, verbunden mit den Themen der Grundnatur, der Weltzeitalter und uralter Lehren, durchsetzt von mannigfachen Lehrmeinungen, geschmückt mit mannigfachen Wissenschaften — sie hatte hier zunächst zweihundertvierzig Kapitel, wie überliefert wird. Dann, im weiteren Verlauf des Dvāpara-Zeitalters, wurde sie, zum Nutzen der Menschen, mit hundert Kapiteln versehen, ausgedehnter, aber unter Weglassung allzu großer Weitschweifigkeit neu redigiert. Wiederum, wegen der Beschränktheit des menschlichen Verstandes, zum Nutzen der Menschen, gelangt sie, in der Dämmerungsphase des Dvāpara-Zeitalters, mit Vyāsas Zustimmung, erneut redigiert, auf sechzig Kapitel. Wie der erhabene Weise Nārada seine Fragen der Reihe nach vorbrachte, und wie Śiva sie beantwortete — vernimm dies alles von mir.“

[Anm.: Ein bemerkenswerter, selbstreferentieller Abschnitt: das Werk berichtet von seiner EIGENEN Textgeschichte — ursprünglich 240, dann 100, schließlich (mit Vyāsas Billigung) 60 Kapitel. Dies erklärt, warum die vorliegende, in dieser Ausgabe übersetzte Fassung 60 Kapitel umfasst. Der äußerste Erzähler des gesamten ersten Kapitels erweist sich damit als Durvāsas, der diese ganze Vorgeschichte (Nāradas Zweifel, Kailāsa-Reise, Hymnus, Kāṭhanemi-Vision, Dialog-Ankündigung) dem Bharadvāja berichtet, der die Frage in V. 4–14 gestellt hatte.]

iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ saṃhitāvatāro nāma prathamo'dhyāyaḥ ‖ oṃ ‖ (asmin adhyāye ślokāś catussaptatiḥ, 74)

So endet, im Geheimnis des Tantra innerhalb des heiligen Pāñcarātra, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das erste Kapitel, betitelt „Die Herabkunft der Saṃhitā“. Oṃ. (In diesem Kapitel: 74 Verse.)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks