Quellen der Menschheit

Ahirbudhnya Saṃhitā

Paṭala 3: Kriyāśakter vaiśvarūpyapradarśanaṃ nāma tṛtīyo'dhyāyaḥ Drittes Kapitel — Die Bezeugung der Universalgestalt der Handlungskraft (Kriyā-Śakti)

Entfaltet die Śakti-Theologie: die untrennbare Trägergebundenheit jeder Kraft (übertragen auf Brahman selbst), einen Namenskatalog der göttlichen Kraft (Lakṣmī/Śrī), die Zweiteilung in Kriyā- und Bhūti-Śakti, die Sāṅkhya-artige Mechanik von Schöpfung und Auflösung, und schließlich die berühmte Reihe der Sudarśana-Manifestationen (Waffe, Gestirne, Theophanien, Schrift, Ahnväter, Lebensziele, Mantra-Kult) als Erscheinungsweisen ein und derselben Handlungskraft.

śrīnāradaḥ │ ṣāḍguṇyaṃ tat kathaṃ brahma svaśaktiparibṛṃhitam │ tasya śaktiś ca kā nāma yayā bṛṃhitam ucyate ‖1‖

[Nārada:] „Wie ist jenes sechsfach-qualifizierte Brahman durch seine eigene Kraft (śakti) verstärkt? Und was heißt eigentlich seine Kraft, durch die es als verstärkt bezeichnet wird?“ [1]

[Anm.: Titel des Kapitels im laufenden Kolumnentitel des Digitalisats unklar überliefert (etwa „vaiśvarūpyasaṃkṣepo nāma tṛtīyo'dhyāyaḥ“ [?]); der Kolophon am Kapitelende nennt es eindeutig „kriyāśakter vaiśvarūpyapradarśanaṃ nāma tṛtīyo'dhyāyaḥ“ — „Die Bezeugung der Universalgestalt der Handlungskraft (Kriyā-Śakti)“.]

ahirbudhnyaḥ │ śaktayaḥ sarvabhāvānām acintyā aprthaksthitāḥ │ svarūpe naiva dṛśyante dṛśyante kāryatas tu tāḥ ‖2‖ sūkṣmāvasthā hi sā teṣāṃ sarvabhāvānugāminī │ īdantayā vidhātuṃ sā na niṣeddhuṃ ca śakyate ‖3‖ svair ananuyojyā hi śaktayo bhāvagocarāḥ │ evaṃ bhagavatas tasya parasya brahmaṇo mune ‖4‖ sarvabhāvānugā śaktir jyotsneva himadīdhiteḥ │ bhāvābhāvānugā tasya sarvakāryakarī vibhoḥ ‖5‖ svātantryarūpā sā viṣṇoḥ sphurattā jaganmayī │ uditānuditākārā nimeṣonmeṣarūpiṇī ‖6‖

[Ahirbudhnya:] „Die Kräfte (śakti) aller Daseinsdinge sind unausdenkbar und existieren nicht getrennt [von ihren Trägern]. In ihrer eigenen Wesensform werden sie nie gesehen; gesehen werden sie nur durch ihre Wirkung. [2] Denn sie sind, in jedem [Ding], ein feiner Zustand (sūkṣmāvasthā), der jedes Daseinsding begleitet; er lässt sich weder als ‚dies-heit‘ [d. h. als eigenständig fassbares Dies] festsetzen noch verneinen. [3] Die Kräfte, deren Bereich die Daseinsdinge sind, lassen sich von ihren eigenen [Trägern] nicht befragen [d. h. nicht von ihrem Träger trennen]; ebenso, o Weiser, verhält es sich beim erhabenen, höchsten Brahman selbst. [4] Seine Kraft, die alle Daseinsdinge begleitet, gleicht dem Mondlicht des kühlstrahligen [Mondes]; Sein und Nichtsein begleitend, bewirkt sie alles Wirken des Allherrschers. [5] Sie hat die Form der Selbstständigkeit (svātantrya), sie ist Viṣṇus Aufblitzen (sphurattā), aus der Welt bestehend; ihre Gestalt ist zugleich aufgegangen und nicht aufgegangen, von der Art des Sich-Schließens und Sich-Öffnens [wie ein Lidschlag].“ [6]

[Anm.: Grundlegende Metaphysik der untrennbaren Trägergebundenheit jeder Kraft (śakti), hier auf das höchste Brahman selbst angewandt — Vorbereitung der im Folgenden entfalteten Śakti-Theologie (Lakṣmī/Śrī als Viṣṇus Kraft).]

[V.7–22, weiterer Namens- und Etymologiekatalog — diesmal nicht des Brahman, sondern seiner göttlichen Kraft (Śakti/Lakṣmī)]

[Anm.: Es schließt sich, in Form und Aufbau dem Brahman-Namenskatalog aus Kap. 2 (V.26–40) entsprechend, ein Katalog von Namen der göttlichen Kraft (śakti) selbst an, jeweils volksetymologisch begründet: „Ānandā“ (die Glückselige, wegen Unabhängigkeit von allem anderen), „Svatantrā“ (die Selbstständige, weil sie alle Wohnstätten erfüllt), „Nilayā“ (die [zeitlose] Wohnstatt), „Vyāpinī“ (die Alldurchdringende), „Prāṇā“ (der Lebenshauch), dann „Lakṣmī“ (weil an der Welt erblickt), „Śrī“ (weil dem Wesen Viṣṇus anhängend), „Padmā“ / „Padmamālinī“ (die Lotus-bekränzte, wegen ungeoffenbarter männlicher Gestalt), „Kāmā“ (die Wunscherfüllende), „Viṣṇuśakti“ (Viṣṇus Vermögen), „Viṣṇupatnī“ (Viṣṇus Gattin, die Bewahrerin seines Wesens), „Kuṇḍalinī“ (die Zusammengerollte, wegen der Zusammenziehung der Weltgestalt), „Anāhatā“ (die Ungeschlagene, jenseits von Denken und Sprache), „Gaurī“ (die Helle, im Herzen wohnend, reinen Sattva-Wesens), „Mahī“ (die Große/Erde, alles Verdienstvolle bewirkend), „Mantramātā“ (die Mutter der Mantras, weil sie belebt und kundtut), „Gāyatrī“ (weil sie die Singenden schützt), „Prakṛti“ (die Hervorbringende), „Mātā“ (die Messende/Mutter), „Śivā“ (die Heilbringende, wegen unfehlbarem Wohltun), „Tārā“ (die Junge/Rettende, wegen Errettung aus dem Daseinskreislauf), „Satyā“ (die Wahrhaftige), „Śāntā“ (die Friedvolle, wegen Freiheit von Wandel), „Mohinī“ (die Bezaubernde, die zugleich Verblendung vertreibt), „Rati“ (die Beglückende), „Sarasvatī“ (die durch die Guten Gepriesene, an [das Höchste] Erinnernde) und „Mahābhāsā“ (die große Leuchtkraft, wegen ununterbrochenen Glanzes). Wegen der stark katalogartigen, in weiten Teilen OCR-verderbten Form wird der Abschnitt hier zusammenfassend referiert.]

[V.23–27, Benennung der Kraft als „Nārāyaṇī“ und ihr Verhältnis der Nicht-Verschiedenheit-in-Verschiedenheit zum Kraftträger Brahman]

[Anm.: Die göttliche, in allen [philosophischen] Lehrmeinungen anerkannte Kraft, die Viṣṇus gesamtes Wesen trägt und Sein wie Nichtsein begleitet, wird „Nārāyaṇī“ genannt [V.24]. Zugleich wird sie als vom kraftbesitzenden Gott, dem höchsten Herrn Brahman, verschieden bezeichnet: beide verhalten sich zueinander wie Eigenschaft (dharma) und Eigenschaftsträger (dharmin) [V.25]; kraft ihres gemeinsamen Wesenszustandes erscheinen beide wie eines, doch in ihrer eigenen, selbstständigen Form ist sie, die Wunderbare, Viṣṇus Gattin (Viṣṇupatnī) [V.26]. Von ihr her erlangt die künftige Welt an mancher Stelle ihr Hervortreten (unmeṣa), in einer kaum vorstellbar großen, kosmologisch bemessenen Zahl [Aufzählung von Tausend, Zehntausend, Crore usw., im Digitalisat stark verderbt] [V.27].]

sāmānyato bhagavacchaktervaividhyam │ lakṣmīmayaḥ samunmeṣaḥ sa dvidhā vyavatiṣṭhate │ kriyāmūrtivibhedena bhūteḥ śaktervaividhyam bhūtiḥ sā ca tridhā matā ‖28‖ avyaktakārapuṃbhāvāt teṣāṃ rūpaṃ pravakṣyate │ kriyāśakter bhūtivyaktipravartakatvam │ kriyākhyo yo'dhamunmeṣaḥ sa bhūtiparivartakaḥ ‖29‖ lakṣmīmayaḥ prāṇarūpo viṣṇoḥ saṃkarṣa ucyate │ svātantryamūrtir icchātmā lakṣyākāraḥ kriyāphalaḥ ‖30‖

„Jenes Lakṣmī-bestehende Hervortreten (samunmeṣa) [der göttlichen Kraft] gliedert sich seinerseits in zwei Weisen, nach der Unterscheidung von Handlungskraft (kriyā) und Gestaltkraft (mūrti/bhūti); und diese Gestaltkraft (bhūti) wiederum gilt als dreifach [28] — [dreifach, nämlich] aus dem Unentfalteten (avyakta), aus der Zeit (kāla) und aus dem Puruṣa[-Prinzip]; ihre [dreifache] Gestalt soll nun dargelegt werden. Jenes niedere Hervortreten, genannt Kriyā (Handlung), ist es, das die Gestaltkraft (bhūti) in Bewegung versetzt/verwandelt. [29] Jene Lakṣmī-bestehende, lebenshauchförmige [Kraft] Viṣṇus wird ‚Saṃkarṣa‘ (das Ansichziehen) genannt; verkörperte Selbstständigkeit, vom Wesen des Willens, sichtbare Gestalt annehmend, die Frucht der Handlungskraft.“ [30]

[Anm.: Zentrale Strukturformel des Kapitels — die Aufteilung der göttlichen Kraft in Kriyā-Śakti (Handlungs-/Willenskraft) und die dreifache Bhūti-Śakti (Substanz-/Gestaltkraft aus Prakṛti, Zeit und Puruṣa) bildet die Grundlage für die im Rest des Kapitels entfaltete Sudarśana-Theologie.]

[V.31–37, technische Darlegung, wie die Handlungskraft (kriyā) als Wille/Entschluss die Verbindung und Trennung von Puruṣa und Prakṛti in Schöpfung und Auflösung bewirkt]

[Anm.: Das als vollkommener Entschluss (su-saṃkalpa) überall ungehindert wirkende Hervortreten [der Kriyā] bringt sowohl das Unentfaltete (avyakta) durch Wandlung (pariṇāma) als auch die Zeit hervor und verbindet den Puruṣa mittels der Genussgegenstände mit der Schöpfung, um ihn bei der Auflösung durch Entzug jener Fähigkeit wieder davon zu lösen. Ebenso bewirkt sie die ungleiche Wandlung der aus den drei Erscheinungsqualitäten (guṇa) bestehenden Prakṛti bei Schöpfung und deren Umkehrung bei der Auflösung, sowie das geordnete Zusammenwirken von Unentfaltetem und Puruṣa; sie bewirkt auch das Vermögen bzw. Unvermögen der Erkenntniskraft (buddhi) zum [Welt-]Genuss bei Schöpfung und Gegen-Auflösung. So hält sie, gleich einer Schnur, welche eine Reihe von Juwelen zusammenhält, durch ihre eigene Form alle [Wirklichkeits-kategorien] zusammen, seien sie in der Schöpfung vereint oder in der Auflösung getrennt. Der Abschnitt ist dicht sāṅkhya-technisch und im Digitalisat streckenweise stark verderbt; er wird daher zusammenfassend referiert.]

sthitau ca kurute rakṣāṃ teṣāṃ kāryasamīkṣaṇāt │ avyāhatatvaṃ yat tat sudarśanarakṣaṇam ‖38‖ sudarśanaṃ nāma saṃkalpaḥ spandanātmaikaḥ [?] │ vibhajya bahudhā rūpaṃ bhāve bhāve 'vatiṣṭhate ‖39‖ vaiśiṣṭyam asya sudarśanasya etāṃ ghoṣyamānāṃ mayā śṛṇu │ jñātvā puruṣo loke kṛtakṛtyatvam aśnute ‖40‖ varṇyaṃ yat paraṃ brahma yā gatir yogināṃ parā │ nārāyaṇaḥ sa viśvātmā bhāvābhāvam idaṃ jagat ‖41‖ niṣkalena svarūpeṇa yadā prāpya niyacchati [?] │ tadā sattā hi yā tasya jagaccihnam udāhṛtam [?] ‖42‖ sarvabhāvātmikā lakṣmīr ahaṃtā pāramātmikā │ taddharmadharmiṇī devī bhūtvā sarvam idaṃ jagat ‖43‖

„Und im Zustand der Erhaltung [der Welt] übt sie, durch stete Überwachung ihres [rechten] Wirkens, Schutz über diese [Wesen] aus; jene Ungehindertheit ist die Schutz-[Funktion] des Sudarśana. [38] ‚Sudarśana‘ heißt jener einzige, schwingungshafte[?] Entschluss (saṃkalpa), der, seine Gestalt vielfach aufteilend, in jedem einzelnen Daseinsding verweilt. [39] Höre nun diese Besonderheit dieses Sudarśana, wie sie von mir verkündet wird; wer sie erkennt, erlangt in der Welt den Zustand vollendeten Getanhabens (kṛtakṛtyatva). [40] Jenes höchste Brahman, das zu beschreiben ist, das höchste Ziel der Yogins — das ist Nārāyaṇa, das Selbst des Alls; diese Welt, [in ihren Zuständen von] Sein und Nichtsein, [ist er]. [41] Wenn er, in seiner unteilbaren (niṣkala) Wesensform, [die Welt] erlangend, sie lenkt, dann wird eben jenes sein Dasein (sattā) als das Kennzeichen der Welt bezeichnet. [42] Lakṣmī, deren Wesen alle Daseinsdinge sind, ist [seine] höchst-eigene Ich-heit (ahaṃtā); die Göttin, [zu ihm] im Verhältnis von Eigenschaft und Eigenschaftsträger [stehend], wird, indem sie wird, diese ganze Welt.“ [43]

[Anm.: Doktrinäre Schlüsselstelle: Sudarśana wird definiert als der eine, in jedes Einzelding sich vervielfältigende Ur-Entschluss Nārāyaṇas — womit unmittelbar an den Abschluss von Kap. 2 (2.61f., Brahmans Entschluss „ich will sein“ = Sudarśana) angeknüpft wird. Mehrere Wendungen sind wegen OCR-Verderbnis unsicher rekonstruiert und mit [?] markiert.]

niṣkalena svarūpeṇa sā'pi tadvan niyacchati │ tadīyaikā kalā bhūtir jagadbhavanasaṃsthitā ‖44‖ vyāpāro vāstavas tan na jagannnigamanātmakaḥ │ niṣkalā yā kriyāśaktir aikṣyā [?] sodarśanī kalā ‖45‖ bhajatas tau yadā rūpaṃ manonayanaṇandana- [?]m │ rakṣāyai jagatām īśau cakrapāṇau tadā kriyā ‖46‖ rakṣopakaraṇaṃ devau tau yāvad yāvad icchataḥ │ śaṅkhādyair rūpeṇa tāvat tāvat sudarśanam ‖47‖

„Auch sie [die Göttin] lenkt, in ihrer unteilbaren Wesensform, [die Welt] ebenso wie er; ein einziger Teil (kalā) von ihr aber ist die Gestaltkraft (bhūti), im Werden der Welt eingerichtet. [44] Deren eigentliche Wirksamkeit besteht nicht [nur] in der bloßen Weltordnung; jene unteilbare Handlungskraft (kriyāśakti), die sichtbar[?] [wirkt], ist der Sudarśana-Teil [der Göttin]. [45] Wenn die beiden [Gott und Göttin], zum Schutz der Welten, eine dem Geist und den Augen erfreuliche Gestalt annehmen, [den] Diskus in der Hand haltend als Herren [der Welt] — dann ist [eben dies] Kriyā [als Sudarśana]. [46] Solange und in dem Maße, wie die beiden Götter es als Mittel des Schutzes beabsichtigen, in Gestalt der Muschel und dergleichen [Waffen] — in dem Maße ist es Sudarśana.“ [47]

[Anm.: Übergang von der abstrakten Willens-Metaphysik zur konkreten Ikonographie: Sudarśana als Diskus-Waffe (neben der Muschel u. a.) in den Händen des göttlichen Paares. Einzelne Wortformen wegen starker OCR-Verderbnis unsicher [?].]

prakāśāhlādakāryārthaṃ viśvasyopacikīrṣataḥ │ sūryenduvahnirūpeṇa tadā cakraṃ sudarśanam ‖48‖ devadaityādikān bhāvān yadā tau bhajataḥ svayam │ tattadastramayī devī tadā sodarśanī kriyā ‖49‖ yadā viśvopakārāya śāstraṃ nānāphalāśrayam │ kurutaḥ sā kriyā tatra śāsanaṃ hṛdayasthitam ‖50‖ yadā tau bhavataḥ śāstraṃ viśvopakṛtaye vibhū │ tadā sā śāstratātparyakriyā sodarśanī kriyā ‖51‖

„Wenn sie, um dem Weltall Erhellung und Erquickung zu wirken, es fördern wollen, dann ist der Diskus, in Gestalt von Sonne, Mond und Feuer, Sudarśana. [48] Wenn die beiden selbst die Zustände von Göttern, Dämonen und dergleichen annehmen, dann ist die Göttin, aus der jeweiligen Waffe bestehend, [eben] jene Sudarśana-Kriyā. [49] Wenn die beiden, zum Nutzen des Weltalls, die Schrift (śāstra) hervorbringen, die Grundlage mannigfacher Früchte, dann ist jene Handlungskraft dort die im Herzen wohnende Weisung (śāsana). [50] Wenn die beiden Mächtigen zur Schrift werden, dem Weltall zunutze, dann ist jene Handlungskraft, [als] die eigentliche Absicht (tātparya) der Schrift, die Sudarśana-Kriyā.“ [51]

[Anm.: Fortsetzung der Sudarśana-Manifestationsreihe: Himmelskörper (Sonne/Mond/Feuer), Theophanien als Götter und Dämonen, sowie die heilige Schrift selbst samt ihrem eigentlichen Sinngehalt werden nacheinander als Erscheinungsweisen desselben Prinzips gedeutet.]

śāstrādhikāriṇo nāma yadā tau pitaro dhruvau [?] │ adhikāras tadā teṣāṃ kriyāśaktiḥ sudarśanam ‖52‖ yadā śāstrārthabhūtau tau phalasādhanasaṃśrayāt │ phalaprasavasāmarthyaṃ kriyā tatra sudarśanam ‖53‖ puruṣārthās tu catvāro yadā tau bhavataḥ svayam │ abhimatārpaṇasāmarthyaṃ tadā cakraṃ sudarśanam ‖54‖ yadā mantramayīṃ rakṣāṃ bhajato jagatāṃ hite │ mantrayajñamayī devī kriyāśaktis tadā iyam ‖55‖ vaiśvarūpyasaṃkṣepaḥ kriyāśakteḥ pradarśitaḥ │ sudarśanādir āste kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi ‖56‖

„Wenn die beiden zu den feststehenden Ahnvätern werden, die als die zur Schrift Berechtigten (adhikārin) gelten, dann ist deren Berechtigung (adhikāra) selbst, als Handlungskraft, Sudarśana. [52] Wenn die beiden, durch ihren Rückhalt an den Mitteln zur Frucht, zum Sinngehalt der Schrift werden, dann ist die Fähigkeit, [jene] Frucht hervorzubringen, dort die Handlungskraft [als] Sudarśana. [53] Wenn die beiden selbst zu den vier Lebenszielen (puruṣārtha) werden, dann ist die Fähigkeit, das Gewünschte zu gewähren, der Diskus [als] Sudarśana. [54] Wenn sie, zum Heil der Welten, einen aus Mantra bestehenden Schutz gewähren, dann ist diese Göttin, aus Mantra und Opfer bestehend, [eben] jene Handlungskraft. [55] [So] wurde die zusammenfassende Darstellung der Universalgestalt der Handlungskraft, angefangen mit Sudarśana, gegeben — wünschst du mehr zu hören?“ [56]

[Anm.: Abschluss der Sudarśana-Manifestationsreihe (die Ahnväter als Schrift-Berechtigte, die Frucht-Wirkkraft, die vier klassischen Lebensziele dharma/artha/kāma/mokṣa und der Mantra-Kult) mit rückblickender Zusammenfassung des ganzen Kapitels als „Universalgestalt der Handlungskraft (vaiśvarūpya der Kriyā-Śakti)“ — entspricht wörtlich dem Kapiteltitel des Kolophons.]

iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ kriyāśakter vaiśvarūpyapradarśanaṃ nāma tṛtīyo'dhyāyaḥ │ oṃ │ (āditaḥ ślokāḥ 192)

So endet im heiligen Pāñcarātra, dem Tantra-Geheimnis, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das dritte Kapitel, genannt „Die Bezeugung der Universalgestalt der Handlungskraft“. Om. (Vom Anfang [des Werkes] an: 192 Verse.)

[Anm.: 192 − 136 (Ende Kap. 2) = 56 Verse in diesem Kapitel, in Übereinstimmung mit der fortlaufenden Verszählung.]

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