Paṭala 49: atha śrīsudarśanamahāyantraghaṭitadhvajavaibhavanirūpaṇāya citraśekharopākhyānavarṇanaṃ nāmaikonapañcāśo'dhyāyaḥ
Um die Herrlichkeit des mit dem großen Sudarśana-Yantra gefertigten Banners darzulegen: die Erzählung von Citraśekhara (49. Kapitel)
Vollständig übersetzt. König Citraśekhara von Bhadravāṭī, im siebzehnmalig unentschiedenen Krieg gegen den Dämon Amarṣa, sucht auf dem Weg nach Kailāsa Śivas Gnade; sein Wagen wird über dem Mandara-Berg aufgehalten - er trifft Kubera, der ihn zur nahen Mahālakṣmī weist, verbringt mit einem Guhyaka die Nacht und wird am Morgen zu ihrem Juwelentempel geführt. Nach einer ausführlichen Hymne (Vv.55-62) gewährt Lakṣmī ihm das mit dem Sudarśana-Yantra gefertigte Banner, mit dem er seinen Feind besiegt. Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.
[Das Gelöbnis, die Kraft des mit dem großen Sudarśana-Yantra gefertigten Banners zu schildern] Ahirbudhnya [sprach]: Höre nun, Nārada, genau und der Wahrheit gemäß von der Kraft des mit dem großen Sudarśana-Yantra gefertigten Banners. [Die Beschreibung der Stadt Bhadravāṭī] Am lieblichen Ufer der Sarasvatī war eine als Bhadravāṭī berühmte [Stadt], mit mehr als tausend goldstrahlenden Palästen geschmückt; die Stadt, reich an mancherlei Gütern, von goldenen Netzen durchzogen, prächtig, dem dritten Himmel gleichend, war auf Erden ihresgleichen selten. [Dass dort König Citraśekhara residierte] Dort residierte, von großer Kraft, der Sohn des Rājoparicara, neun Jahre [das Land] beschützend, mit Namen Citraśekhara. [Dass Citropaciras einst, unsichtbar geworden, den Dämon Śaṅkukarṇa erschlug] Als sein Vater einst auf dem von Indra überkommenen göttlichen Wagen im Luftraum um der Götter Sache willen fuhr, ergriff ein als Śaṅkukarṇa bekannter Dānava von furchtbarem Blick, der jenen Wagen zu sehen begehrte, dessen Deichsel unterwegs. Er sprach: ,Kämpfe mit mir, oder gib den Wagen her, oder stirb' – so gesagt, ergriff jener [der König] ebenso seinen Bogen. Da entbrannte zwischen ihnen ein großer Kampf, einen Tag lang während; dann, seine Illusionsnetze entfaltend, wurde der Dämon im Zweikampf erschlagen.
[Dass König Amarṣa, der Sohn Śaṅkukarṇas, Citraśekhara bedrängte] Nachdem jener Dämon vom König besiegt war und mit der Zeit dahingegangen war, o Weiser, [ward] Śaṅkukarṇas Sohn, überaus zornig, mit Namen Amarṣa bekannt, ein Zauberkundiger; er, Citraśekhara zu töten begierig, bedrängte dessen Reich beständig. [Dass er, seine Feindschaft zu mehren begehrend, einst Bhadravāṭī belagerte] Eines Tages, erzürnt, näherte sich Amarṣa Bhadravāṭī, um den Töter seines Vaters, Citraśekhara, samt seinem Heer zu bekämpfen; ,nachdem ich ihn erschlagen habe, werde ich alles, [auch] jenen vortrefflichen Wagen, an mich nehmen' – so sprechend, belagerte er, von seiner Macht überheblich, die liebliche Stadt. [Dass der gerüstete König mit ihm in schrecklichen Kampf geriet] Der König zog, sein großes Heer gerüstet, aus der Stadt; dort entbrannte der Kampf des Königs mit dem Bösartigen – ein furchtbares Handgemenge mit Waffen und Füßen, mit Elefanten, Pferden, Wagen und Fußvolk übersät von zerbrochenen Wagenteilen, von Blutströmen durchflossen, mit zerschlagenen Schirmen und Bannern bedeckt, von zuckenden Rümpfen und abgeschlagenen, die Lippe beißenden Köpfen erfüllt. [Dass trotz dreitägigen Kampfes kein Sieg errungen wurde] So währte drei Tage lang der haarsträubende Kampf, doch Citraśekhara errang in jener Schlacht keinen Sieg. [Dass, da beide Heere erschöpft waren, der Kampf jeweils abgebrochen wurde] Erschöpft, zogen sich beide Heere zurück; beide [Könige] zogen, ihre Rosse ruhen lassend, in ihre eigenen Städte. [Dass auch nach siebzehnmaligem Kampf kein Sieg erlangt wurde] Siebzehnmal kämpfte Citraśekhara mit ihm, doch auf diese Weise errang keiner von beiden Königen den Sieg. [Die Art seiner Sorge, da er bekümmert war] Da, den Großdämon Amarṣa als unbezwingbar erkennend, verfiel er in Sorge: ,Mit welchem Mittel ist er zu besiegen?' ,Ohne die Gnade des großen Gottes gibt es für mich keinen Sieg' – so fasste er den Entschluss, jenen Gott durch Askese zu erfreuen. [Dass er, nachdem er sich entschlossen hatte, nach Kailāsa aufbrach] Nachdem er in der Nacht in Gedanken das Reich seinen Ministern anvertraut hatte, brach der König, auf seinem nach Belieben fahrenden Wagen, zur Askese auf.
durch den Luftraum zum lieblichen Kailāsa-Gipfel. [Dass ihm auf seinem Flug über dem Mandara-Berg der Wagen aufgehalten wurde] Während er dahinfuhr, blieb sein Wagen über dem Mandara, o Nārada, stehen, obwohl die vortrefflichen Rosse [weiterdrängten und wie] gelähmt waren. [Dass er, den Grund [dafür] wissen wollend, dort umherging und Kubera erblickte] ,Warum bleibt mein Wagen so unvermittelt stehen?' – so staunend, stieg der Herr der Erde auf jenem lieblichen Gipfel vom Wagen und ging, herabgestiegen, auf dem Gipfel des Berges umher. Dort erblickte er am Ufer eines Sees einen jungen [Mann] von göttlichem Aussehen, der, die Abenddämmerung verehrend, ungestört verweilte, einer jungen Sonne gleich, von eigenem Glanz erstrahlend. [Das Gespräch mit ihm] Ihn verehrend, sprach der Starkarmige mit gefalteten Händen: ,Wer bist du – der uralte Puruṣa, oder der Lotosgeborene, oder der Gebieter Umās, oder einer der Weltenhüter?' So gefragt, sprach der Erhabene mit tiefer Stimme: ,Sage, wie ist dein Name, was ist der Grund deines Kommens, und wie bist du, allein, an diesen Ort gelangt?' [Die Mitteilung seines Geschehnisses an Kubera] Da berichtete der Nachkomme des Rājoparicara alles: dass er selbst, Citraśekhara mit Namen, Herr der Erde sei, vom Treiben eines Großdämons und dessen Bedrängnis betroffen; dass er, um ihn zu besiegen und den Gott [Śiva] zufriedenzustellen, zur Askese aufgebrochen sei, [und] dass ihm dort das Weiterfahren mit dem Wagen verwehrt worden sei. [Dass durch Kuberas Worte die Kenntnis erlangt wird, dass auf jenem Berg Lakṣmī wohnt] So angesprochen, sprach jener: ,Wisse, ich bin der Herr der Guhyakas; eben hier weilt die große Lakṣmī, die Ursache aller Ursachen. [Kuberas knappe Schilderung von Lakṣmīs Größe] Um ihr hier am Morgen zu dienen [bin ich hier] – sie ist ja der höchste Weg für alle; auf ihren Befehl allein wandeln Mond und Sonne am Himmel, und durch ihre Macht wurde deinem Wagen das Weiterfahren verwehrt.' [Dass er, nach der Unterweisung, das Gewünschte allein durch Lakṣmīs Gnade zu erlangen sei, verschwand] ,Erblicke sie und erwirke [so] dein Ziel' – so sprechend, verschwand er.
[Die Begegnung mit einem von Kubera zur Hilfe des Königs gesandten Mann] Ein anderer, dessen Helfer sein wollend, kam auf jenes Geheiß hin; er verneigte sich vor dem König und sprach: ,Ich bin ein Guhyaka, auf seinen Befehl [gekommen], deiner Hilfe begierig; hier will ich die Nacht mit dir verbringen – was du in der Nacht zu sehen wünschst, das werde ich dir gewähren, nicht anders.' [Dass sie nach seinem Wort ebendort die Nacht verbrachten] Einander zugetan, verbrachten sie dort die Nacht, den aus der Versammlung der Göttin [dringenden] Klang von Gandharva-Gesang und -Musik lauschend, und verkürzten sie sich mit Erzählungen am Ufer des rinnenden Wassers. [Die Frage an den Guhyaka nach dem Ende der morgendlichen Verrichtungen, wo Lakṣmī wohne] Zur Morgendämmerung, nach Verehrung der ersten Dämmerungsstunde, fragte der König den Guhyaka: ,Auf diesem Gipfel weilt jene Göttin – auf welchem Weg, [und] zu welcher Behausung gehen wir, und wann werden wir sie schauen?' [Die Antwort des Guhyaka] Der Guhyaka antwortete: ,In jenem Winkel ist ihr erhabener Tempel, von wo der laute Klang von Gesang und Musik zu hören ist. Nachdem er ihr eine Weile gedient hat, wird Dhanada [Kubera] sogleich fortgehen; wenn er gegangen ist, trittst du ein und verneigst dich vor der Ewigen.' [Dass er darauf mit dem Guhyaka zu Lakṣmīs Tempel ging] Er ließ ihn dann eine Yāma-Zeit lang warten; auch der König stellte dort seinen Wagen ab und folgte ihm. [Wo der Guhyaka in dem Höhlenbereich verweilte] Dann erschien neben der großen Höhle ein Tempel; an jener Höhlenpforte blieb er stehen, wie ein Löwe [am Eingang] Wache haltend. [Der Eintritt des allein gelassenen Königs in den innerhalb des Tempels gelegenen Juwelenpavillon] Nachdem er vier von Edelsteinen erfüllte Vorhöfe durchschritten hatte, betrat er den himmlischen, aus Juwelen gefertigten Versammlungspavillon.
[Die Beschreibung des Pavillons] Ein Pavillon zeigte sich, reich an tausend Juwelensäulen, geschmückt mit über hundert Sitzen aus großen Edelsteinen, mit Juwelen-Segensleuchtern verziert, mit hohen Torbögen, von zahllosen wunscherfüllenden Bäumen umgeben, mit Juwelenpodesten ausgestattet, vom Duft der Mandāra-Blüten und dem Vermischen der Wohlgerüche, ebenso vom Moschusduft überaus erfreut, von aloeholzartigem, wohltuendem Glanz, mit Perlengirlanden geschmückt, reich an goldenen Netzgirlanden, mit Bannern und Fahnen geziert, ringsum mit Blumen und schwarzem Aloeholz-Weihrauch durchduftet, mit einer Paste aus Kampfer vermischt mit Safranstaub verziert; von den Schmuckklängen der hierhin und dorthin schreitenden Śaktis, vom Klirren ihrer Fußringe und dem Klingen ihrer Mallikā-[Blumen-Ketten] innerlich erfreut [war der Ort]. [Der Anblick der auf dem Juwelensitz in der Mitte des Pavillons, im Lotossitz thronenden Mahālakṣmī] In dessen Mitte, auf dem Juwelensitz, im Lotossitz verweilend, erblickte er die große Lakṣmī, die große Wonne, von allen Śaktis verehrt, mit allem Schmuck versehen, mit allem Geschmeide strahlend, mit bräunlich-gelben, nektargleichen Gliedern, mit einem Antlitz wie die Mondscheibe, in himmlische Seide gehüllt, mit himmlischen Sandelgirlanden geschmückt; sie erblickend, verneigte er sich und erstarrte vor Staunen. [Dass der König, gereinigt durch das Trinken ihres Fußwassers, sie darauf pries] Der Guhyaka nahm das Wasser ihrer Füße und gab es ihm zu trinken; da pries er, hocherfreut, die Göttin von holdem Blick.
[Die Hymne an Lakṣmī, die von ihrer zweifachen Herrlichkeit spricht] ,Große Lakṣmī, Segensreiche, im höchsten Himmelsraum Wohnende, Unendliche, mit dem Namen Suṣumnā Bezeichnete, dem [höchsten] Joch [Viṣṇu] Zugetane, Siegreiche, von den Göttern Verehrte, Zufluchtswürdige, Ruhmreiche – erweise mir, der ich Zuflucht bei dir suche, deine Gnade! Seiende, Heilbringende dir, Strahlende, Gāyatrī, Gārgī, Feststehende, Wunschkuh, Königin der Götterherren, gute Führerin, kühl wie der volle Mond, Jungfrau – erweise mir, der ich Zuflucht bei dir suche, deine Gnade! Stets von den Siddhas, Gandharvas, Yakṣas, Vidyādhara-Fürsten Gepriesene, du Anmutige, Schönste der Schönen, Preisenswerte, von allen Unsterblichen Verehrte – erweise mir, der ich Zuflucht bei dir suche, deine Gnade! [Die Bekräftigung, dass Lakṣmī selbst die eigentliche, uneigennützige Vermittlerin des Heils ist] Kundige in der Abwehr der Sündenfluten, Herrlichkeit, durch strahlendes Verdienst allein Erreichbare, mit dem Namen ,Erglänzen der vom Praṇava bezeichneten Wesenheit', Geliebte Haris – dir sei Verehrung! Vollendete, [zugleich] zu Vollendende, Mantragestaltige, Erlesenste, Feststehende auf der Erde, stets von erhabener Standhaftigkeit, Offenbare, von den Weisen Betrachtete, mit dem Namen ,Betrachtung' Bezeichnete, Segensreiche – gewähre mir Vereintem [mit dir] Segen! Grund von allem, in wahrem Zustand Befindliche, [zugleich] die Erkenntnis des Selbst [Selbst], durch [ihre eigene] Voraussicht als Erkenntnis des Selbst Bezeichnete, Herrscherin über das All, Wohnstatt allen Segens, Segensreiche – gewähre mir Vereintem [mit dir] Segen! [Dass Lakṣmī, als Quelle wahrhaft segensvoller Eigenschaften, das Haupt-Kleinod der Śruti ist] Deren Dienst nie fruchtlos bleibt, in deren eigenem Strom guter Eigenschaften das Haupt der [heiligen] Überlieferung erstrahlt, [du] durch keinen [weiteren] Grund zu Begründende, von großer Wesensfülle – mach mich zum Gegenstand deines Blickes! [Dass Umā, Śacī und die anderen [Göttinnen] Erscheinungsformen der Mahālakṣmī selbst sind] Du, die in Umā, Śacī, Kīrti, Sarasvatī, Śrī, Śraddhā und den mancherlei anderen Śakti-Unterscheidungen [erscheinst], von wesenhafter Gestalt als Schmuck aller Welten – mach mich zum Gegenstand deines Blickes!'
[?] Diese Hymne (V.55-62) ist in komplexen lyrischen Versmaßen (u.a. Vasantatilaka-artig) verfasst und enthält zahlreiche schwer bestimmbare, dichte theologische Beinamen; die Übersetzung gibt den Sinn nach bestem Verständnis wieder, einzelne Beiworte (u.a. V.59 ,bhāvinyā nirdiṣṭe'dhyātmadṛṣṭyā', V.61 der Bezug von ,anuśruti') bleiben in der genauen Nuance unsicher.
[Die Frage der von der Hymne erfreuten Lakṣmī an den König nach seinem Wunsch] Diese Hymne vernehmend, sprach sie, zufrieden, zum Herrn der Erde: ,Was du erbittest, gebe ich dir – sage, o König, was das sei.' [Die Mitteilung seines Anliegens an sie] Der König berichtete ihr seine ganze Abstammung und die Bedrängnis durch den Großdämon. [Dass Lakṣmī, nachdem sie Furchtlosigkeit gewährt hatte, dem König das mit dem Sudarśana-Yantra gefertigte Banner überreichte] ,Fürchte dich nicht' – so sprach sie: ,Obgleich ich die Grundlage aller Śaktis und ebenso der Welt bin, bewirke ich durch die Macht Sudarśanas allseitigen Schutz. Vernichte mit diesem deinen Feind' – so sprechend, überreichte sie ihm das Banner. [Dass der König durch die Macht dieses Banners, wie gesagt, seinen Feind besiegte und ein von Gefahren freies Reich erlangte] Der Ruhmvolle nahm das mit dem Yantra versehene Banner und zog in seine Stadt; damit besiegte er das gewaltige Dämonenheer, und nachdem er ihn [Amarṣa] erschlagen hatte, führte Citraśekhara sein Reich in Glück. So lautet im glorreichen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das neunundvierzigste Kapitel, betitelt: ,Um die Herrlichkeit des mit dem großen Sudarśana-Yantra gefertigten Banners darzulegen: die Erzählung von Citraśekhara'. Oṃ. (Von Anfang an [gezählte] Verse: 3112)