Paṭala 29: kāmyārādhanavidhinirūpaṇam
Die Darlegung der wunschgemäßen Verehrungsweise
Ahirbudhnya lehrt Nārada, wie die im vorigen Kapitel dargelegte Grundverehrung des Sudarśana zusätzlich mit Nebenfrüchten (kāmya) verbunden werden kann: durch je eigens ausgestaltete Verehrung (Farbe/Material der Opfergaben, Form der Feuergrube, Anzahl der Opferungen) lassen sich die acht Himmelsrichtungen, die obere Welt und die Nāga-Welt magisch-rituell unterwerfen, mit gestaffelten Opferzahlen entsprechend den zu gewinnenden mythischen Kontinenten/Reichen und ihren Richtungsgottheiten (Indra, Yama, Varuṇa, Soma, Takṣaka). Das durchweg formelhafte Schema wird an den Beispielen Ost und Süd vollständig, danach zunehmend zusammenfassend behandelt; die Indra-Krönungsszene (V.68-72) als einzige genuin narrative Passage wird vollständig übersetzt. Das Kapitel schließt mit einem knappen allgemeinen Regelapparat zur Übertragung des Schemas auf nicht ausdrücklich genannte Fälle.
Oṃ. Nun die Darlegung der wunschgemäßen Verehrungsweise, der neunundzwanzigste Lehrabschnitt.
[Anrufungsstrophe wie in den vorigen Kapiteln, erneut schwer OCR-verderbt und mit [?] markiert.]
(Die Frage, wie die Verehrung des Erhabenen zugleich Nebenfrüchte verschafft)
Śrī-Nārada sprach: Durch diese Verehrungsweisen — wessen, und wie werden die Götter und die übrigen himmlischen Wesen untertan? Und was für andere Ergebnisse ergeben sich dabei — das sage mir, wie es sich wirklich verhält. (1)
(Beginn der Antwort darauf)
Ahirbudhnya sprach: Insbesondere für den Kṣatriya, zum Zweck des Sieges, o großer Weiser, lehre ich, durch welche besondere Verehrung die Himmelsrichtungen untertan werden. (2) Höre es in Kürze, ich will es dir wahrheitsgemäß mitteilen. (Dass die jeweils besonderen Verehrungsweisen Mittel zum jeweiligen Sieg über eine Richtung sind) Wenn ein Herrscher den Sieg in allen Richtungen erstrebt, (3) so erlangt er durch die jeweils besonderen Verehrungsweisen den jeweiligen Sieg.
V.1-3: Einleitung. Nārada fragt nach den Nebenfrüchten der Sudarśana-Verehrung; Ahirbudhnya kündigt eine Lehre speziell für Kṣatriyas an: durch jeweils unterschiedlich ausgestaltete Verehrung des Sudarśana-Yantra/-Mantra lassen sich die einzelnen Himmelsrichtungen (und die dort gedachten mythischen Kontinente/Reiche) magisch-rituell unterwerfen. Das Kapitel folgt im weiteren einem stark formelhaften Schema pro Richtung (Farbe/Material der Opfergaben, Form der Feuergrube, Anzahl der Opferungen, unterworfenes Gebiet, verbündete Gottheit, Insignium), das zunächst am Beispiel Ost und Süd vollständig, danach zusammenfassend wiedergegeben wird.
(Zur östlichen Richtung)
Wenn der Herrscher von den Feinden im Osten her den Sieg begehrt, (4) so soll er insbesondere mit weißen Substanzen den Gott Sudarśana verehren: mit weißen Blüten, weißem Kardamom, weißen Duftpasten, (5) mit Reis und reichlich Dickmilch, indem er Sudarśana verehrt, im geschmückten, reinen, nach Osten ausgerichteten Pavillon in der Nähe des Gottes, (6) in einer vierkantigen, nach der Palastvorschrift ausgestreuten Feuergrube; nachdem er dort das Feuer mit Bel-Holzscheiten entzündet hat, (7) nach Osten gewandt sitzend, dort rein und gesammelt — mit Ghee beträufelte Bel-Früchte, Nārada, (8) opfere er ein niyuta (hunderttausend) Mal mit dem Wurzelmantra ins lodernde Feuer. Durch diese Opferungen wird der östliche, bis zum Ozean reichende Erdteil untertan. (9) Durch ein Koṭi (zehn Millionen) Bel-Opferungen wird er den Osten gewinnen; das Land der sechs Kontinente, der Osten samt seinem Herrscher, (10) [wird] durch zwei Koṭi dieser Opferungen — der Kontinent Śālmala; das Land ist dann sein Reich samt Herrscher, wie sein eigenes Land, Nārada. (11) Kuśa, ebenso Krauñca, Śāka, und der Puṣkara genannte Kontinent — diese werden der Reihe nach durch ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs (12) Koṭi von Frucht-Opferungen dem Herrscher untertan werden. Von diesen Kontinenten ist im Osten die Stadt Māghavatī, (13) die durch zehn Koṭi solcher Opferungen gewiss untertan wird. Zur Aufrechterhaltung der Welten weilt Vāsava (Indra) selbst mit einem Teil seiner Macht eben dort; (14) auch er wird ihm, dem Herrscher, zu Hilfe kommen — mit Frauen, Speise und Trank, mit Pferden und erlesenen Elefanten, (15) so dass der König sich in seiner eigenen Stadt unbesorgt ergeht und sich, mit eben den erdachten und herbeigebrachten Gaben, an der Herrschaft erfreut. (16) Durch seine (Sudarśanas) Macht werden alle Ozeane überbrückt und wie festes Land mit dem Wagen befahrbar sein. (17) Und Vāsava wird ihm selbst die Halskette, das Kennzeichen der Weltherrschaft (cakravartitva), ganz aus Edelsteinen, göttlich, überreichen. (18)
V.4-18: Vollständig übersetztes Beispiel für die östliche Richtung, das im weiteren Verlauf des Kapitels als Schema für die übrigen Richtungen dient: weiße Opfersubstanzen, vierkantige Feuergrube, Bel-Frucht-Opferungen in gestaffelten Koṭi-Zahlen (1-10 Koṭi je nach zu unterwerfendem Kontinent unter den sechs mythischen dvīpas Śālmala, Kuśa, Krauñca, Śāka, Puṣkara sowie der Hauptstadt Māghavatī), Indras (Vāsavas) Unterstützung, Verleihung der Kette als Zeichen der Weltherrschaft (cakravartitva).
(Zur südlichen Richtung)
Wenn beim Herrscher das Verlangen nach dem Sieg über die südliche Richtung entstanden ist, so führe er im vorgenannten Pavillon den Gott, nach Süden gewandt, herbei. (19) Ihn, der rote Kränze und rote Gewänder trägt, mit rotem Sandel gerötet, den rotgewandeten Gott verehre er nach der genannten Weise, (20) und biete ihm eine mit Sesam gemischte Melasse-Reis-Opferspeise dar; eine halbmondförmige Feuergrube nach der Palastvorschrift habe er errichtet, (21) mit Holz, Blüten und Khadira-Holz ausgestattet, makellos; dort, nach Süden gewandt sitzend, bezähmt vor dem Herrn, (22) nachdem er mit dem Mantra das Feuer entfacht und mit Khadira-Holzscheiten entzündet hat, opfere er ein niyuta roter Bel-Früchte. (23) Dann wird jener südliche, bis zum Ozean reichende Erdteil untertan. Und die Könige, die dort mit Gaben herbeikommen, werden eben an der Pforte aufgehalten (24) und werden wartend verharren, bis zur Zeit jenes Großgesinnten. Sodann werden im südlichen Richtungsbereich, unter den dort anerkannten sechs Kontinenten, (25) die Herrscher mit ihrem Land durch eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Koṭi von roten Lotos-Opferungen der Reihe nach untertan. (26) Dies ist die im Süden gelegene, liebliche Stadt Saṃyaminī, die Stadt des Yama; sie wird durch zehn Koṭi von rotem Lotos-Opfer untertan. (27) Auch Yama, erfreut über seine Hingabe, mit zufriedenem Herzen, wird alles vom König Gewünschte gewähren. (28) Nichts wird in jenem Land ohne Grund geschehen; die in der Stadt Saṃyaminī wohnenden, Yama untertanen Wesen (29) werden alle, ohne Zweifel, ihm, dem König, untertan werden — in der göttlichen, mit Kraftzeichen versehenen, lieblichen Weltherrscherresidenz. (30) Und Yama selbst wird, erfreut, seine Insignien nehmen und sie ihm eigenhändig überreichen.
V.19-30: Vollständig übersetzt als zweites Beispiel: südliche Richtung, rote Opfersubstanzen (Kranz, Gewand, Sandel, rote Lotosblüten), halbmondförmige Feuergrube, rotes Bel- bzw. Lotos-Opfer, Unterwerfung der sechs südlichen Kontinente samt der Yama-Residenz Saṃyaminī, Unterstützung durch Yama selbst.
(Zur westlichen Richtung, V.31-42, zusammenfassend) Nach demselben Muster wie bei Ost und Süd: bunte Kränze, Gewänder und Schmuckstücke, eine lotosförmige Feuergrube, Opfer mit Śamī-, Aśvattha- und Karavīra-Holz sowie ein mit Honig vermischtes Reisopfer; durch ein bis sechs Koṭi Karavīra-Blüten-Opferungen werden die sechs westlichen Kontinente untertan, zuletzt, durch zehn Koṭi Opferungen, die prächtige, goldene Stadt Sukhā/Vāruṇī des Varuṇa — eine paradiesische Residenz mit stets bereiten Speisen und Getränken, göttlichen Bäumen, blühenden Lotosteichen, Lustbergen und Juwelenschmuck. Varuṇa selbst überreicht dem König als Zeichen der Weltherrschaft einen edelstein- und korallenverzierten, mit Perlenschnüren behangenen, wolkenhoch reichenden Schirm.
V.31-42: Gap-Summary. Diese Verse folgen exakt dem in V.4-18 (Osten) und V.19-30 (Süden) etablierten formelhaften Schema (Farbe/Material der Opfergaben, Form der Feuergrube, gestaffelte Koṭi-Opferzahlen für die sechs Kontinente, Hauptstadt des jeweiligen Richtungsgottes, Übergabe eines Herrschaftsinsigniums) und werden daher zusammenfassend statt Vers für Vers wiedergegeben, um bloße Redundanz zu vermeiden; die OCR-Vorlage ist an mehreren Stellen zudem beschädigt. Kerndaten (Materialien, Zahlen, Ortsnamen, Gottheit Varuṇa, Insignium 'Schirm') sind vollständig erfasst.
(Zur nördlichen Richtung, V.43-58, zusammenfassend) Wiederum nach demselben Muster: gelbe Gewänder und Blüten, mit Kuṅkuma und Sandelholzpulver gerötet, ein Opfer aus mit Ghee vermischtem Reis, eine runde Feuergrube, Udumbara-Holz, Opferungen mit Nandyāvarta-Blüten. Gestaffelt nach der Opferzahl (von zwei bis acht Lakṣa, d.h. Hunderttausend) werden nacheinander Bhārata-varṣa (mit dem Goldberg Meru), Kiṃpuruṣa, Harivarṣa, Bhadrāśva, Ilāvṛta, Ketumāla, Ramyaka und Hiraṇmaya — die mythischen 'Länder' rings um den Weltberg — sowie die sechs Kontinente 'um den Plakṣa-Baum' untertan. Zuletzt, durch zehn Koṭi Opferungen, die überaus wunderbare nördliche Residenzstadt Vibhāvarī des Mondgottes Soma, mitsamt allen dort weilenden, Soma untertanen Gottheiten. Soma selbst überreicht dem staunenden König als Zeichen der Weltherrschaft einen kühl-strahlenden, mondlichtweißen, mit Juwelen versehenen Umhang.
V.43-58: Gap-Summary aus denselben Gründen wie V.31-42 (formelhafte Wiederholung des etablierten Schemas). Hier zusätzlich die kosmographischen Namen der neun 'Varṣas' um den Weltberg Meru (Bhārata, Kiṃpuruṣa, Harivarṣa, Bhadrāśva, Ilāvṛta, Ketumāla, Ramyaka, Hiraṇmaya) sowie der sechs Kontinente 'um den Plakṣa'. Kerndaten (Namen, Opferzahlen, Gottheit Soma, Residenz Vibhāvarī, Insignium) vollständig erfasst, die formelhafte rituelle Wiederholung zusammengefasst.
(Zur den Zwischenrichtungen)
Der Sieg über die Haupthimmelsrichtungen ist damit erwiesen; ebenso ist der Sieg über die Zwischenrichtungen [durch dasselbe Verfahren] erreicht — die betreffenden Richtungshüter werden ihre Ehrengaben darbringen. (Zur oberen Welt) Nun das Mittel zum Sieg über die obere Welt, sofern es für den Herrscher von Belang ist. (59) In der Juwelenlaube verehre man den Gott auf einem nach Osten gewandten Sitz, mit duftigen Kränzen umgeben, mit Perlenschmuck geschmückt, (60) mit göttlichem Sandel gesalbt, in feine Leinengewänder gekleidet; nachdem man ihn so vorschriftsmäßig verehrt hat, biete man Milchreis mit Zucker dar, (61) ghee-reiche Opferspeise, mit allerlei reifen Früchten; eine achteckige, ganz glückverheißende Palast-Feuergrube errichte man. (62) Dort entzünde der Mantra-Kundige mit dem Feuer-Mantra das Feuer aus zweierlei schwarzem Ayu-Holz, den Feuergott (Jātavedas). (63) Dort vollziehe man ein Ghee-Opfer, hundert Koṭi umfassend; durch dieses Opfer wird sodann der Luftraum (antarikṣa) untertan. (64) Alle dort wohnenden Siddhas, Gandharvas, Kinnaras, Yakṣas, Kiṃpuruṣas, Cāraṇas und die Scharen der Sādhyas und Nāgas (65) werden mit Vīṇā, Flöte, Mṛdaṅga-Trommel und anderen Instrumenten und Zimbeln allenthalben, seine Ruhmestaten besingend, (66) ihn rings umher erfreuen; durch ein Koṭi-Koṭi (zehn Millionen mal zehn Millionen) an Opferungen wird der Himmel (svarga) untertan. Dort wird sogar der große Indra selbst, mitsamt seiner göttlichen Gemahlin, (68) auf seinem Elefanten Airāvata reitend, mit den Scharen der Apsaras, zu jenem Großgesinnten herantreten, freudig von seinem Elefanten herabsteigen, ihn auf einen Juwelensitz erheben und die Segensformeln sprechen lassen, (69) und, begleitet von Tanzgesängen, Instrumenten, dem Klang göttlicher Kesselpauken, dem Schall von Muschelhörnern und Kāhala-Hörnern, zusammen mit an heiligen Stätten geschöpftem Wasser, (70) wird Vāsava (Indra) den König zur Weltherrschaft (cakravartitva) weihen (abhiṣeka). Und einen Juwelendiadem sodann, einen einzigen göttlichen Elefanten, ein windgleiches Ross, ein Puṣpaka-gleiches Luftfahrzeug, eine mit Lotosblumen durchwirkte, goldene, göttliche Girlande — dies alles wird er ihm, selbst von seinem Guru verehrt, als Zeichen der Gleichheit mit sich selbst schenken. (71) Und nachdem er das Ross durch eine besondere Handlung eingesetzt und den König zum Herrscher der ganzen Erde gemacht hat, wird er ihm, nachdem er ihm den Himmel samt den Apsaras geschenkt hat, der Blitzträger (Indra) selbst mitsamt den Göttern in die dritte Himmelswelt aufsteigen. (72)
V.59-72: Sieg über die Zwischenrichtungen (nur kurz erwähnt) und ausführlicher über die 'obere Welt' (Luftraum und Himmel): achteckige Feuergrube, Milchreis- und Ghee-Opfer, Unterwerfung der Luftraum-Bewohner (Siddhas, Gandharvas usw.) durch hundert Koṭi Opferungen, des Himmels durch Koṭi-Koṭi Opferungen; als Höhepunkt eine eigenständige mythologische Erzählszene, in der Indra selbst mit Airāvata und den Apsaras herbeikommt und den siegreichen König feierlich zum Cakravartin (Weltherrscher) weiht — eine der wenigen genuin narrativen Passagen dieses ansonsten stark formelhaften Kapitels, daher vollständig übersetzt. Einzelne Wortformen (V.63, V.71) bleiben trotz voller Übersetzung im Detail unsicher.
(nāgalokasya viṣaye)
nāgalokeṣu jātā cejjigīṣā cakravartinaḥ | padmarāgamayairdivyairbhūṣaṇairupaśobhitam ||73||
raktacandanaliptāṅgaṃ devaṃ padmaiḥ samarcayet | piṣṭodanaṃ guḍāḍhyaṃ ca havistasmai nivedya ca ||74||
prāsādalakṣaṇe kuṇḍe ṣaṭkoṇe jvalitānale | apūpānāṃ tu koṭīnāṃ koṭyā homaṃ samācaret ||
tena takṣakasamukhyānāṃ nāgānāṃ paramā purī | vaśyā bhavedbhogavatī svapurīvāsya bhūpateḥ ||76||
tasya prabhāvamavalokya sa nāgarājo
ratnāni bhāsvaratarāṇi mahānti bhānti |
dve kuṇḍale maṇimaye ca sahāṅganābhi-
rādāya satyamupayāsyati sārvabhaumam ||77||
(Zur Welt der Nāgas)
Wenn beim Cakravartin das Verlangen nach der Welt der Nāgas entsteht, so verehre er den mit göttlichem Rubinschmuck geschmückten (73), mit rotem Sandel gesalbten Gott mit Lotosblumen und biete ihm eine mit Melasse angereicherte Reismehl-Opferspeise dar; (74) in einer sechseckigen Feuergrube nach der Palastvorschrift, im lodernden Feuer, vollziehe er mit einem Koṭi von Opferkuchen (apūpa) das Opfer. (75) Dadurch wird die höchste Stadt der Nāgas mit Takṣaka an der Spitze, Bhogavatī, dem Herrscher untertan wie seine eigene Stadt. (76) Als der Nāgakönig dessen Macht erblickt hat, wird er, freudig — die dort strahlenden großen Juwelen leuchten — mit einem Paar noch strahlenderer, juwelenbesetzter Ohrringe, zusammen mit seinen Frauen, zu dem Weltherrscher kommen und ihm in Wahrheit huldigen. (77)
V.73-77: Sieg über die Nāga-Welt: sechseckige Feuergrube, Opferkuchen-Opfer, Unterwerfung der Schlangenstadt Bhogavatī unter Takṣaka; Takṣaka selbst huldigt dem Weltherrscher mit kostbaren Ohrringen.
(Nun die allgemeinen Bestimmungen)
Höre nun, Nārada, die allgemeine Regel für das schon Gesagte wie für das Ungesagte, durch die der Erfolg des nach dem gewünschten Ziel strebenden Mantra-Kundigen in jedem Fall gesichert ist. (78) [Es folgt eine knapp-listenartige, stark elliptische Aufzählung von Feuergruben-Zahlenverhältnissen (eins bis neun), Ausrichtungen und Reihenfolgen, die je nach Zweck — Befriedung (śānti) oder Mehrung (puṣṭi) — variieren, sowie geeigneten und ungeeigneten Brennhölzern: Śamī, Udumbara, Aśvattha, Khadira, Arka u.a. für heilige Handlungen, dornige bzw. scharfe Samenhölzer für kleinere magische Zwecke, und gestaffelten Opferzahlen von Tausend bis Koṭi.] (79-83) Ein, zwei oder mehrere Priester, wie es sich gebührt, sollen, wenn sie an einer einzigen Feuergrube opfern, nach Osten gewandt sein. (84) In Tempeln, die dem Namen Vāsudevas geweiht sind, ist die Handlung heilverheißend; an Kremationsstätten u.ä. hingegen unheilverheißend — ebenso gibt es eine Ordnung für die rechte Zeit. (85) Je nach hellem oder anderem Mondhaus (Nakṣatra) ist die Zeit günstig oder auf andere Weise ungünstig; einzeln oder gesamthaft angewandt, oder nach eigenem Wunsch abgewandelt, (86) mit Opferholz, Ghee usw. — so sind auch die entsprechenden Koṭi-Opfer u.a. überliefert. So möge man, nachdem man all dies erwogen hat, mit dem Mantra das Mittel zum gewünschten Ziel vollziehen. (87) Was auch immer hier nicht ausdrücklich genannt wurde, das vollziehe man nach eigener, sachgemäßer Schlussfolgerung; auch ein sonst nicht überliefertes Opfer ist gültig, sofern es nicht des rituellen Untergrunds u.a. entbehrt. (88)
So lautet im ehrwürdigen Pāñcarātra, im Tantrarahasye, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā der neunundzwanzigste Lehrabschnitt mit dem Titel »Die Darlegung der wunschgemäßen Verehrungsweise«.
Om.
(Verse von Anfang an: 1784)
V.78-88: Abschließender, technisch-dichter Regelapparat (paribhāṣā) zur Übertragung des Schemas auf ungenannte Fälle: Feuergruben-Zahlen/-Formen, geeignete Brennhölzer für befriedende vs. bedrohliche Zwecke, Priesterzahl und -ausrichtung, günstige Orte (Viṣṇu-Tempel) und Zeiten (Nakṣatra), sowie die abschließende hermeneutische Regel, dass auch nicht ausdrücklich genannte Opfer gültig sind, sofern sie den allgemeinen Prinzipien folgen. Wegen der listenhaften, stark elliptischen Kürze der Aufzählung V.79-83 (Zahlenverhältnisse ohne ausgeschriebene Bezugsgrößen) sinngemäß zusammengefasst statt wortwörtlich wiedergegeben; V.84-88 vollständig übersetzt. Kolophon bestätigt kumulativ 1784 Verse (1696+88).