Quellen der Menschheit

Ahirbudhnya Saṃhitā

Paṭala 8: Jagadādhāranirūpaṇam / Jagadādhāravarṇanam Achtes Kapitel – Die Bestimmung des Welt-Fundaments (Jagadādhāra)

Nārada, verwirrt von den zahllosen widerstreitenden Lehrmeinungen über die Zahl der Weltprinzipien (V.1–9), erhält Ahirbudhnyas Antwort: Alle Differenzen entstehen nur durch die begrenzte Reichweite der einzelnen Lehrer, nicht durch eine Uneinheitlichkeit der einen ṣāḍguṇya-Wirklichkeit selbst (V.9cd–28). Nārada fasst die Kriyā-Bhūti-Doppelnatur von Lakṣmī zusammen (V.29–32) und stellt die zweite Kernfrage des Kapitels: nach dem ,Träger' (ādhāra) der Welt, dem berühmten Bild von der Schnur, die die Perlen zusammenhält (V.33–37). Den Hauptteil bildet die Lehre von acht benannten kosmischen ,Rädern' (cakra) – vom einspeichigen Mahārātridhara-Cakra (Auflösungszustand) über Uṣas-, Udaya-, Aiśvarya- und Śakti-Cakra bis zum sechsspeichigen Ṣaḍara-Cakra (die zwölf Vyūhāntaras), dem zwölfspeichigen Mahāsudarśana-Cakra (die 39 Vibhavas) und dem tausendspeichigen Sahasrāra-Cakra, das Viṣṇus höchstes Reich trägt (V.38–53) – geschlossen durch einen knappen Vers über Wille und Sein als zwei Aspekte der einen vaiṣṇavischen Kraft (V.54). [Anm.: Der mittlere Teil der Cakra-Beschreibungen (v.a. Aiśvarya- und Śakti-Mahācakra, V.43cd–46) ist im zugrundeliegenden Scan an mehreren Stellen stark beschädigt; unsichere Passagen sind mit [?] gekennzeichnet.]

(Zusammenfassung V.1–9, Nāradas Frage)

Nārada preist den Herrn und erklärt, dass sein Inneres trotz allem bereits Gehörten noch von vielfältiger Unwissenheit verwirrt sei: Verschiedene Lehrer würden die „elementare“ Natur (bhautikī) der Schöpfung ganz unterschiedlich beziffern – manche vierfach, manche fünffach (aus den klassischen fünf Elementen), manche als sechsfaches, manche als siebenfaches „Gewebe“ (dhātu), manche als acht-, manche als neunfache Prakṛti, manche als zehn-, manche als elffaches Tattva-System; ebenso uneinig seien die Ursprungslehren (eigeboren, lotusgeboren, aus einem anderen Körper entstanden, aus der „Wissens-Gebärmutter“ entstanden usw.). Weise, Siddhas, Götter und selbst die Veden selbst würden solch unterschiedliche Zahlen nennen. In diesem „Ozean vielfältiger Lehrmeinungen und Philosophenschulen“ verwirrt, ohne ein „Floß sicheren Urteils“ zu finden, bittet Nārada Ahirbudhnya um Führung.

[Anm.: Die Kapitelüberschrift lautet zu Beginn „Jagadādhāranirūpaṇam“ (,Bestimmung des Welt-Fundaments'), das Kolophon am Kapitelende dagegen „Jagadādhāravarṇanam“ (,Beschreibung des Welt-Fundaments') – dieselbe Uneinheitlichkeit wie bereits bei früheren Kapiteln (vgl. Anm. zu Kap. 2) im Quelltext selbst vorhanden und hier bewusst unverändert wiedergegeben, nicht harmonisiert.

śṛṇu nārada tena pramāṇasthitim avyayām, viśvaṃ yatraiva viśrāntaṃ sadevāsuramānuṣam | ... paramātmā parā deva ekaḥ ṣāḍguṇyam ujjvalam | vāg anāder anantāpi tac ca tattvāvagāhate, guṇais taṭasthitais tais tair ajñānā eva sā sthitā ||

„Höre, Nārada, die unwandelbare Grundlage der [wahren] Erkenntnis, in der allein das gesamte Weltall – mit Göttern, Dämonen und Menschen – zur Ruhe kommt … [Antwort auf die erste Frage:] Es ist der eine höchste Geist, der höchste Gott, strahlend von den sechs Eigenschaften [ṣāḍguṇya]. Selbst die anfanglose, endlose Rede [der Veden] taucht in diese Wahrheit nur [so weit] ein, wie es die an ihrem Rand stehenden [einzelnen] Eigenschaften erlauben – gegenüber [dem Ganzen] selbst bleibt sie unwissend.

[?] Diese Verszählung (V.9cd–11) ist aus dem stark fehlerhaften Scan rekonstruiert; die genaue Wortfolge einzelner Halbverse bleibt unsicher, der Sinn – die Unerschöpflichkeit des einen ṣāḍguṇya-Brahman gegenüber jeder endlichen sprachlichen Fassung – ist jedoch klar erkennbar. Es ist derselbe Grundgedanke wie die neti-neti-Reihe in Kap. 2.

(Zusammenfassung V.12–20)

Ahirbudhnya erklärt den tieferen Grund der Lehrmeinungsvielfalt: Jene Kenner der Wahrheit, die an je verschiedenen Randbereichen dieser einen Wirklichkeit „stehenbleiben“, benennen die Weltursache nach ihrem eigenen begrenzten Zugang – getrieben von unterschiedlichen Begriffen für unterschiedliche Eigenschaften, von unterschiedlichen Lehrabsichten, ohne die volle Synonymie und Mehrdeutigkeit der Begriffe zu durchschauen. So wird Viṣṇus eine Kraft (Śakti = Lakṣmī, die sechsfache vyūha-Gestalt) unter vielen Namen verehrt, obwohl sie ein und dieselbe bleibt. Wenn diese Kraft in der Schöpfung wirkt und sich in der Auflösung wieder zurückzieht, benennen die Wahrheitskenner – je nach der unterschiedlichen Reichweite ihrer Einsicht, mehr oder weniger fein differenzierend, oft auf Drängen ihrer Schüler – ebenso viele Unterteilungen, wie sie jeweils wahrgenommen haben. Deshalb geraten sogar überlegene Geister bei der [exakten] Zählung ins Schwanken; selbst Brahmā (Pitāmaha) und die anderen mit der Weltschöpfung Betrauten unterscheiden sich in „mehr oder weniger“ – ein Unterschied, der nicht in der Sache selbst liegt, sondern allein durch die Verschiedenheit der Sprecher bedingt ist. Viṣṇus Freiheit, der Träger der sechs Eigenschaften, lässt sich durch keine solche Aufzählung einschränken.

(Zusammenfassung V.21–28)

Ahirbudhnya führt dies mit einem Gleichnis weiter aus: So wie unter den Menschen, je nach ihrem Tun (karman), unterschiedliches Glück und Leid entsteht – manche von Geburt an vom Regen geplagt, manche von der Sonnenhitze, manche von zahllosen Feinden bedrängt, manche von Freuden umgeben – ohne dass das zugrundeliegende Gesetz selbst uneinheitlich wäre, so ist auch die scheinbare Vielfalt der Lehrmeinungen über die „Ursache“ nur äußerer, durch Umstände und Blickwinkel bedingter Ausdruck derselben, einen Wirklichkeit. Damit schließt Ahirbudhnya die Behandlung der ersten Frage (nach der „Ursache“, kāraṇa) mit den Worten: „So wurde die vielförmige, durch Handlungs- und Seins-Aspekt [kriyā/bhūti] unterschiedene Ursache erklärt, die die Gestalt des wirkenden Anstoßes hat.“

kāraṇaṃ kathitaṃ deva sarvajña brahmaketana, yā sā śaktir jagaddhātuḥ kathitā samavāyinī | lakṣmīr nāma dvidhā sā tu kriyābhūtivibhedinī, yā kriyā nāma saṃkalpaḥ sa sudarśananāmavān || bhūtir hi jagadrūpā kāryāvyaktarūpātmikā, aśuddhā śuddharūpā tu sā vyūhavibhavātmikā | kriyā pravartikā bhūteḥ sā sudarśanarūpiṇī, ity etad uditaṃ tantraṃ devadevena me śrutam ||

Śrī Nārada: „Die Ursache hast du erklärt, o Gott, Allwissender, Träger des Brahman: dass jene Kraft, die dem Gewebe der Welt innewohnt, verkündet wurde – Lakṣmī genannt, in zwei Weisen unterteilt: als Handlung und als Sein [kriyā/bhūti]. Jene [Weise], die Handlung heißt, ist der Wille [saṃkalpa], der den Namen Sudarśana trägt. Das Sein [bhūti] nämlich hat die Gestalt der Welt, sowohl in Gestalt des Bewirkten als auch des Unentfalteten – wobei sie [selbst] zweifach ist: als reine Gestalt [in Vyūha- und Vibhava-Form] und als unreine Gestalt. Die Handlung [kriyā], die das Sein [bhūti] in Bewegung setzt, hat die Gestalt Sudarśanas. So habe ich diese [von dir dargelegte] Lehre vom Gott der Götter gehört.“

Diese präzise Definition – Lakṣmī als Doppelaspekt von Kriyā (=Sudarśana, das handelnde Prinzip) und Bhūti (das gewordene Sein, seinerseits rein/Vyūha-Vibhava und unrein) – bildet die begriffliche Grundlage sowohl für den bereits in Kap. 7 erreichten Bhāvya-Bhāvaka-Gedanken als auch für die im Folgenden entfaltete Cakra-Lehre dieses Kapitels.

adhunā śrotum icchāmi dvitīyaṃ praśnam īśvara, ādhāro nāma yaḥ prokto jagatāṃ vṛṣabhadhvaja |

„Nun möchte ich die zweite Frage hören, o Herr: [jenes Prinzip], das als ,Träger/Fundament' [ādhāra] der Welten bezeichnet wird, o Stierbanner-Träger.“

Nāradas zweite Frage eröffnet den Hauptteil des Kapitels: die Lehre von den acht kosmischen ,Rädern' (cakra), die je einen Aspekt der Wirklichkeit „tragen“.

śṛṇu nārada tena ya ādhāra udīryate, yenedaṃ dhriyate viśvaṃ tantunā maṇayo yathā | yā sā śaktir harer āryā lakṣmīnāma mahāmune, yā sā sarvātmano viṣṇor bhāvābhāvānuyāyinī | tasyā alpāyutāṃśāṃśaḥ svasvātantryavijṛmbhitaḥ, kriyābhūtivibhedena samudetīti varṇitam || sudarśanena kriyayā śaṅkur eva calo mune, bhūtiḥ sā dhriyate śaśvad vistaraṃ tatra me śṛṇu |

„Höre, Nārada, worin jener ,Träger' [ādhāra] besteht, von dem die Rede war: Durch ihn wird dieses Weltall getragen, wie durch eine Schnur die Perlen [aufgereiht sind]. Jene edle Kraft Haris, o großer Weise, mit Namen Lakṣmī – die dem Werden und Vergehen des alldurchdringenden Viṣṇu selbst folgt –, von ihr erhebt sich, wie beschrieben, ein unendlich kleiner Bruchteil eines Bruchteils, entfaltet durch ihre eigene Freiheit, in der Unterscheidung von Handlung und Sein [kriyā/bhūti]. Durch Sudarśanas Handlung allein wird [alles], wie ein Schaft [durch die Nabe], beweglich gehalten, o Weiser; jenes Sein [bhūti] wird [so] beständig getragen – höre nun die ausführliche Darlegung davon.“

Das zentrale Bild dieses Kapitels: Sudarśana/Kriyā als die ,Schnur' (tantu), auf der die ,Perlen' (maṇi) der Welt aufgereiht sind – die klassische Ādhāra-Ādheya-Metapher (Träger und Getragenes), die im Folgenden anhand von acht benannten kosmischen ,Rädern' (cakra) konkretisiert wird.

saṃhatākhilabhūtasya stimitaṃ brahmaṇo hi yat, apyayaḥ sā mahārātris tatsaṃkalpena dhāryate || mahārātridharo nāma tad araṃ vai sudarśanam, tad ekāraṃ mahācakram avayatve cintyate suraiḥ |

„Jene Ruhe/Erstarrung des Brahman, wenn alle Wesen [in ihm] zusammengefasst sind – jenes Aufgehen [in der Auflösung] heißt die ,große Nacht' [mahārātri], und wird durch [Sudarśanas] Willen getragen. Jene Speiche Sudarśanas heißt ,Mahārātridhara' [,Trägerin der großen Nacht']; als ungeteiltes [Ganzes] wird sie von den Göttern als großes, einspeichiges Rad [ekāra-mahācakra] betrachtet.“

Erstes der acht namentlich genannten kosmischen Räder (cakras): das ,Mahārātridhara-Cakra' (einspeichig), das den Zustand universaler Auflösung (mahārātri, die ,große Nacht' zwischen zwei Weltzyklen) trägt.

yatas sisṛkṣāmayaṃ rūpaṃ brahmaṇaḥ śaktisambhavam, jvāleva vāyunā vahneḥ saṃkalpena tadīryate || uṣaścakraṃ tad udiṣṭam aradvitayabhūṣitam, mūrtikāmair ajasraṃ tad guṇāc caiva dhriyate |

„Jene schöpfungswillige [sisṛkṣā-] Gestalt des Brahman, als seine Kraft entstanden, wird – wie eine Flamme durch den Wind aus dem Feuer [entfacht wird] – durch [Sudarśanas] Willen bewegt. Das nennt man das ,Uṣas-Cakra' [,Morgendämmerungs-Rad'], geschmückt mit zwei Speichen; es wird von denen, die [körperliche] Gestalt begehren, unablässig, ebenso wie durch seine [eigene] Eigenschaft, getragen.“

Zweites Rad: das zweispeichige ,Uṣas-Cakra' (,Morgendämmerungs-Rad'), das den ersten Impuls des Schöpfungswillens (sisṛkṣā) trägt – das Bild von Morgenröte und erwachender Flamme knüpft an das schon zuvor verwendete Licht-Vokabular für den Übergang vom Nicht-Sein zum Werden an.

yaḥ sa saṅkarṣaṇonmeṣo yo dhārayati taṃ sadā, sākṣād udayacakraṃ tad vijñānatritayātmakam || sa saṅkarṣaṇasaṃkalpo jñānakāmair niṣevyate | yaḥ sa prādyumna unmeṣa aiśvaryamaya ūrjitaḥ ||

„Jenes Erwachen [unmeṣa] Saṅkarṣaṇas, das jenes [Rad] beständig trägt – das ist unmittelbar das ,Udaya-Cakra' [,Aufgangs-Rad'], bestehend aus der Dreiheit des Wissens [Erkenntnis, Willen, Vollzug]. Jener Wille Saṅkarṣaṇas wird von den nach Erkenntnis Strebenden verehrt. Jenes machtvolle, aus Herrschaft [aiśvarya] bestehende Erwachen [ist] das Pradyumnas …“

Drittes Rad, das ,Udaya-Cakra' (,Aufgangs-Rad'), zugeordnet Saṅkarṣaṇas Erwachen (unmeṣa) und der Wissens-Trias; unmittelbar anschließend beginnt (Vers 43) die Beschreibung des vierten Rades, das Pradyumnas ,aiśvarya' (Herrschaft/Machtfülle) trägt.

(aiśvaryamaya unmeṣaḥ, pradyumnasaṃbandhī, caturasraṃ cakram — vgl. „tasya caturasraṃ cakram aiśvaryasthā upāsate“)

[Viertes Rad, ,Aiśvarya-Cakra', viertspeichig:] Jenes machtvoll aus Herrschaft [aiśvarya] bestehende Erwachen Pradyumnas wird, gemeinsam mit Viṣṇus eigener Lakṣmī, durch [dessen] Willen getragen; jenes viereckige/vierspeichige Rad verehren die in der Herrschaft [aiśvarya] Stehenden.

[?] Diese Passage (V.43cd–44) ist im vorliegenden Scan an mehreren Stellen so stark verderbt, dass eine wort-für-wort-genaue Übertragung nicht mit Sicherheit möglich ist; wiedergegeben ist der aus den noch lesbaren Wortresten (aiśvaryamaya, vaiṣṇavena lakṣmyā, saṃkalpena dhāryate, caturasraṃ cakram, aiśvaryasthā upāsate) rekonstruierbare Sinn. Named nach dem Muster der übrigen sieben Räder: Aiśvarya-Cakra, dem Vyūha Pradyumna zugeordnet, viereckig/vierspeichig.

(śaktimahācakraṃ pañcamam) āniruddho 'tha unmeṣaḥ śaktitejovidīpitaḥ, saṃkalpo ... taṃ dhārayati sarvadā | tad vai śaktimahācakraṃ pañcāraṃ parikalpitam, śaktitejaḥsamṛddhārthaṃ viśvedevā upāsate ||

„[Fünftes Rad, das ,Śakti-Mahācakra':] Hierauf das Erwachen Aniruddhas, entflammt durch Śakti und Glanz [tejas] – der Wille … trägt es beständig. Jenes wird als das große, fünfspeichige ,Śakti-Cakra' erachtet; um des durch Śakti und Glanz [tejas] gemehrten Zwecks willen verehren es die Viśvedevas [Allgötter].“

[?] Auch dieser Abschnitt ist im Quellscan stark beschädigt; die genaue Wortfolge der Verse 45cd–46ab bleibt unsicher (mit [?] markiert), der Grundgedanke – fünftes, fünfspeichiges Rad, Aniruddha und dem Śakti/Tejas-Guṇapaar zugeordnet – ist jedoch aus den lesbaren Resten sowie aus der Parallelität zu den übrigen sieben Rädern gesichert erschließbar.

(ṣaḍaracakraṃ ṣaṣṭham) vyūhāntarasamākhyātaṃ keśavādi dviṣaṭkakam, sudarśanena dhriyate yena saṃkalparūpiṇā || ṣaḍaraṃ tan mahācakraṃ vyūhāntaravibhāvakam, tat samākhyātaṃ śatakāmā upāsate |

„[Sechstes Rad, das sechsspeichige ,Ṣaḍara-Cakra':] Das als ,Vyūhāntara' [,Unter-Vyūhas'] bezeichnete Zwölfergefüge, beginnend mit Keśava, wird von Sudarśana in seiner Gestalt als Wille getragen. Jenes sechsspeichige, große Rad ist es, das die Vyūhāntaras manifestiert; jenes so benannte [Rad] verehren die, die nach hundert[fachen Wünschen] begehren.“

Sechstes Rad, das sechsspeichige ,Ṣaḍara-Cakra' – hier ausdrücklich mit der bereits in Kap. 5 (V.41–49) behandelten Zwölf-Vyūhāntara-Lehre verknüpft (,beginnend mit Keśava', keśavādi), wobei wie dort nur der erste Name des Zwölfergefüges genannt wird.

(mahāsudarśanacakraṃ saptamam) vibhavo yaḥ purā proktaḥ padmanābhādir ūrjitaḥ, sa yena dhriyate viṣṇoḥ saṃkalpena mahāmune || mahāsudarśanaṃ nāma dvādaśāraṃ tad ucyate, vibhavāntarasaṃjñaṃ tac chaktyāveśasaṃbhavam | dhṛtaṃ tad dvādaśāreṇa tatsaṃkalpena cāsti ||

„[Siebtes Rad, das zwölfspeichige ,Mahāsudarśana-Cakra':] Jene machtvolle Erscheinungsform [vibhava], zuvor verkündet, beginnend mit Padmanābha, wird durch Viṣṇus Willen getragen, o großer Weise. Das nennt man ,Mahāsudarśana', zwölfspeichig; die als ,Vibhavāntara' [,Unter-Erscheinungsformen'] bezeichnete [Fülle], entstanden aus dem Eindringen jener Kraft, wird durch jenes zwölfspeichige [Rad] getragen und besteht durch jenen Willen.“

Siebtes Rad, das zwölfspeichige ,Mahāsudarśana-Cakra' – verknüpft mit der bereits in Kap. 5 vollständig aufgezählten 39-Vibhava-Liste (,beginnend mit Padmanābha').

(sahasrāracakram aṣṭamam) yat tu tat paramaṃ vyoma yad viṣṇoḥ padam ūrjitam, sahasrāreṇa cakreṇa tatsaṃkalpena dhāryate || ete ṣoḍaśārā vyūhāḥ samāsena prakīrtitāḥ, ādhārādheyabhāvena vartante te svayaṃ mune |

„[Achtes Rad, das tausendspeichige ,Sahasrāra-Cakra':] Jener höchste Äther/Raum aber, der Viṣṇus machtvolles Reich [Vaikuṇṭha] ist – der wird durch das tausendspeichige Rad, durch jenen Willen, getragen. Diese [acht Räder], mit ihren [insgesamt] zahlreichen Speichen, sind in Kürze verkündet worden; sie selbst bestehen, o Weiser, im Verhältnis von Träger und Getragenem.“

Achtes und letztes Rad, das tausendspeichige ,Sahasrāra-Cakra', das Viṣṇus höchstes Reich (paramaṃ padam, das ,Paramapada'/Vaikuṇṭha aus Kap. 6) trägt – der krönende Abschluss der Achter-Reihe. Der Schlusssatz (V.53) fasst alle acht als in gegenseitigem Träger-Getragenes-Verhältnis (ādhāra-ādheya-bhāva) stehend zusammen, nicht als strikt hierarchische Kette.

saṃkalpaḥ koṭikoṭyaṃśaḥ śakter bhūtis tathā dvidhā, śaktiḥ sā vaiṣṇavī sattā bahudhaivaṃ prabhāsate ||

„Der Wille [saṃkalpa] ist ein Bruchteil eines Bruchteils der Kraft [śakti]; ebenso ist das Sein [bhūti] zweifach. Jene vaiṣṇavische Kraft, das [wahre] Sein, erstrahlt so auf vielfältige Weise.“

Schlussvers des Kapitels: eine knappe, fast aphoristische Zusammenfassung der gesamten Kriyā-Bhūti-Metaphysik dieses und des vorigen Kapitels.

iti śrīpāñcarātre tantrarahasye ahirbudhnyasaṃhitāyāṃ jagadādhāravarṇanaṃ nāmāṣṭamo'dhyāyaḥ. Om. (āditaḥ ślokāḥ 520)

So [endet] im glorreichen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā, das achte Kapitel, genannt ,Beschreibung des Welt-Fundaments' [Jagadādhāravarṇanam]. Om. (Verse von Anfang an: 520)

Kumulative Verszählung nach der eigenen Konvention des Werks (vgl. Anm. zu Kap. 2): 520 − 466 (Ende Kap. 7) = 54 Verse in Kapitel 8.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks