Paṭala 46: atha sudarśanahomāṅgadravyādīnāṃ parimāṇādinirūpaṇaṃ nāma ṣaṭcatvāriṃśo'dhyāyaḥ
Über die Bestimmung des Maßes usw. der Materialien für die Glieder des Sudarśana-Homa (46. Kapitel)
Vollständig übersetzt. Ritualtechnisches Kapitel: die Rolle des Purohita als Stellvertreter des Königs beim Homa (mit ausführlichem Tugendkatalog des rechten Purohita), sodann die Maße der Ritualgefäße (Kumbha) in drei Abstufungen, die Opfersubstanzen und der Ablauf des Homa, die Weihe (abhiṣeka) des Königs und die abschließende Beschenkung (dakṣiṇā) von Guru, Priestern und Brahmanen. Quelle: Archive.org in.ernet.dli.2015.322565, Band 2.
[tatra rājño homamaṇḍapānāgamana itikartavyatāpraśnaḥ] śrīnāradaḥ| devādvā mānuṣādvāpi bhūtādibhirathāpi vā| daivotpātena vā'nyairvā antarāyairmahīpatiḥ||1|| yadi na prāpnuyādeva homamaṇḍapamāditaḥ| tataḥ kathaṃ mahībharturnivartante mahāgrahāḥ||2|| [tadā purodhaso rājapratinidhitvakathanam] ahirbudhnyaḥ| śṛṇu rājā na cetkuryātpurodhāḥ kurutāttarām| sa eva rājñaḥ sarvasvamabhīṣṭārthopapādane||3||
[Die Frage, was zu tun sei, wenn der König nicht zum Opferpavillon gelangen kann] Nārada [sprach]: Wenn der Herr der Erde – sei es durch einen Gott, einen Menschen, durch Geistwesen oder sonstwie, durch ein Unglückszeichen oder andere Hindernisse – von vornherein nicht zum Opferpavillon gelangen kann, wie wenden sich dann die großen [unheilbringenden] Planeten vom Herrn der Erde ab? [Darauf die Erklärung, dass der Purohita als Stellvertreter des Königs handelt] Ahirbudhnya [sprach]: Höre, o König: Wenn er selbst es nicht vollziehen kann, so soll der Purohita es eilends vollziehen; er allein ist, was den König betrifft, imstande, all seine erwünschten Ziele zustande zu bringen.
[?] Die genaue Lesart von V.3ab (,kurutāttarām') ist im Quelltext unsicher überliefert; sinngemäß als Aufforderung zum eiligen Stellvertreter-Vollzug durch den Purohita wiedergegeben.
[purohitalakṣaṇam] dhārmikaḥ śrutisaṃpannaḥ suśīlaḥ satyavākchuciḥ| abhijāto'nahaṅkārastitikṣuḥ smṛtimānvaśī||4|| deśakālavibhāgajñaḥ śāstradṛṣṭiratandritaḥ| aduṣye'pramādī ca vadānyo nayakovidaḥ||5|| upāyopeyavinmantrī yājñiko hyalolupaḥ| daivavitpriyavādī ca vaidikaḥ sattvavānprabhuḥ||6|| viṣṇubhaktastapasvī ca kāryavitkarmaṭho'naghaḥ| hitāhitāpahānecchuḥ sarvaprāṇisammataḥ||7|| [uktalakṣaṇasya purodhasa eva sarvakāryakṣamatvam] īdṛśo durlabho rājñāṃ gurukalpaḥ purohitaḥ| īdṛśa eva kṣamo rājñāmupadravavinivāraṇe||8|| ataḥ sa eva rājñāṃ hi rakṣāvidhimarhati| [uktapurohitasadbhāve rājñaḥ sarvābhīṣṭasiddhiḥ] evaṃvidho gururyasya sa samrāṇnṛpatirbhavet||9||
[Die Kennzeichen des Purohita] Rechtschaffen, in den heiligen Schriften bewandert, von gutem Charakter, wahrheitsliebend, rein; von edler Geburt, frei von Hochmut, geduldig, von gutem Gedächtnis, selbstbeherrscht; kundig der rechten Einteilung von Ort und Zeit, in den Lehrschriften geschult, unermüdlich; unbestechlich, unachtsam nie, freigebig, der Staatsklugheit kundig; kundig von Mittel und Zweck, ein [guter] Ratgeber, opferkundig, ohne Gier; das Schicksal kennend, freundlich redend, vedakundig, von reinem Wesen (sattvavān), machtvoll; ein Viṣṇu-Verehrer, asketisch, seine Aufgaben kennend, tatkräftig, sündenfrei, das Wohl [aller Wesen] zu fördern und ihr Unheil abzuwenden begierig, von allen Lebewesen geschätzt. [Dass nur ein solcher Purohita zu jeder Aufgabe fähig ist] Ein solcher, einem Guru gleichender Purohita ist für Könige schwer zu finden; nur ein solcher ist imstande, die Gefahren der Könige abzuwenden. Deshalb allein ist er zum Schutzritus für Könige geeignet. [Dass bei Vorhandensein eines solchen Purohita dem König alles Erwünschte gelingt] Wessen Guru [Purohita] von solcher Art ist, der wird zum Alleinherrscher (samrāj) unter den Königen.
Er wird langlebig, ohne Rivalen, frei von Krankheit, ein Bezwinger feindlicher Helden sein; Dürren und ähnliche Plagen entstehen in seinem Bereich nicht. [Dass dem König bei Fehlen eines solchen Purohita Unheil widerfährt] Hätte der König statt seiner einen anderen als Guru oder Purohita, so träte für den Herrn der Erde das Gegenteil ein – [alles würde] zweifelhaft. [Die Frage nach dem Maß der Kumbhas usw.] Nārada [sprach]: Das Maß der Kumbhas (Ritualgefäße) und das Kennzeichen der Sruk- und Sruva-[Opferlöffel] – wie soll dabei der Priester beschaffen sein, und welcherart – das alles sage mir vollständig. [Das Maß des besten Kumbha] Ahirbudhnya [sprach]: Mit reinem, duftendem Wasser im Maß eines vollen Bhāra [einer Gewichtseinheit] gefüllte, goldene oder silberne Kumbhas soll man hierfür anfertigen lassen – das ist die beste [Ausführung]. [Das Maß des mittleren Kumbha] Mit einem halben Bhāra gefüllte Kumbhas – das gilt als die mittlere Vorschrift. [Das Maß des geringsten Kumbha] Mit der Hälfte davon [gefüllt], bei der geringsten Ausführung – so lautet die Festlegung. [Die vorschriftsmäßige Anfertigung von Sruk usw.] Nach Vorschrift sollen Sruk und Sruva angefertigt werden, o bester der Weisen. [Die Anzahl der Priester] Man soll sodann acht oder mehr vaiṣṇavische Priester auswählen.
[?] Die Lesung ,sādhikānaṣṭau' (V.15, „acht oder mehr“) ist aus stark verderbtem OCR-Text rekonstruiert.
[Die Vorschrift der Glieder-Mantras usw.] Mit den Glieder-Mantras, mit der Gāyatrī und mit dem Vahniprākāra-Mantra sollen der Guru und [sein Gehilfe] bei den beiden Hauptfeuerstellen konzentriert verweilen. Mit dem Wurzelmantra soll [der Guru] selbst, ganz auf den Schutz [des Königs] bedacht, Opfer darbringen – mit Śamī-Brennholz, Darbhagras, Sesamkörnern, ebenso mit Mangoblättern; mit Grützebrei (caru), Milchreis und Kuchen soll er der Reihe nach mit dem Palāśa-[Löffel] opfern; mit reinem Ghee soll der Guru in den beiden mittleren Feuerstellen opfern lassen. Oder aber er soll in allen Feuerstellen mit reinem Ghee opfern lassen, wobei der Guru sich selbst vertieft der Gegenmaßnahme (pratīkāra) widmet. Auch was Lager, Sitz, Fahrzeug des Königs und dergleichen sowie seine Erschöpfung betrifft, soll man nach der zuvor genannten Vorschrift den Baldachin und Ähnliches anfertigen. [Die Weihe des Königs am Ende des Homa] Zur Zeit des Abschlusses des Homa, auch bei dieser Anwendung, [handelt] eben jener Guru: Er ruft dort den König herbei und [setzt ihn] wie zuvor auf den geweihten Sitz.
Nachdem er ihn [auf dem Sitz] hat Platz nehmen lassen, vollzieht der Guru die Weihehandlung (abhiṣeka) und die übrigen Sakramente. [Die Beschenkung des Guru usw.] Dann, mit ruhigem Sinn, sogleich von der Fesselung durch die [unheilbringenden] Planeten befreit, soll [der König] dem Guru geziemende Gaben darreichen, sich verneigend: kostbaren Schmuck, aus Perlen und Edelsteinen gefertigt, kühles [funkelndes] Gold und mancherlei Juwelen, und nachdem er zahlreiche Kühe geschenkt hat, soll er sodann die [übrigen] Priester beschenken. Jeden einzelnen Priester beschenke er mit je hundert Goldstücken samt Ghee, dazu mit Kühen, Gewändern und mancherlei anderen Gaben. [Dass dem Hauptopferer eine besondere Ehrengabe zukommt] Dem Hauptopferer aber, dem Meister (deśika), soll er in besonderer Weise voll Zuneigung einen vortrefflichen Wagen samt Pferd und Gespann schenken, dazu, geschmückt und mit allem Zubehör versehen, den Opferpavillon selbst. [Danach die Speisung der Brahmanen] Danach soll der König, frohen Sinnes, für die Sättigung der Brahmanen sorgen. Ist dieses Werk vom König selbst wie vorgeschrieben vollzogen worden, so [fällt] bei dieser Anwendung allein dem Meister, dem Mantrakundigen, das [übrige] Gut zu – von dem Purohita [so] gehandhabt: dies ist die ewige Ordnung (sanātana dharma). Dies wurde am Beispiel eines Königs im Einzelnen dargelegt; für alle anderen [Stände] gilt dieselbe Vorschrift als gültig. Sodann, nach vollzogenem Opfer, achtsam, den vaiṣṇavischen [Mantras] hingegeben, das Wohlergehen des Königs erstrebend, [verkündet dies] der Meister, der Mantrakundigste. So lautet im glorreichen Pāñcarātra, im Tantrarahasya, in der Ahirbudhnya-Saṃhitā das sechsundvierzigste Kapitel, betitelt: ,Die Bestimmung des Maßes usw. der Materialien für die Glieder des Sudarśana-Homa'. Oṃ. (Von Anfang an [gezählte] Verse: 2867)